Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Rassendiskriminierung und Widerstand der schwarzen
Bev ölkerungsmehrheit vor 1948 4
3. Der African National Congress 7
3.1 Der African National Congress vor Gründung der Youth League 7
3.2 Die Youth League und ihr Einfluss auf den
African National Congress 8
4. Der Pan-Africanist Congress 12
4.1 Definition „Panafrikanismus“ 12
4.2 Entstehung des PAC und Verbot durch die Regierung 1960 14
5. Der organisierte gewaltsame Widerstand nach dem Verbot 16
5.1 Umkhonto We Sizwe. 16
5.2 Poqo 18
6. African National Congress und Pan-Africanist Congress:
Ein Vergleich 19
7. Fazit 21
Literaturliste 23
2
1. Einleitung
In den Jahren von 1910 bis 1960 löste sich die Südafrikanische Union eine rseits von der Kolonialmacht Großbritannien, andererseits entstand zur gleichen Zeit ein verstärkter schwarz-afrikanischer Nationalismus, getragen von den beiden Organisationen African National Congress (ANC) und Pan-Africanist Congress (PAC). Die schwarze Bevölkerungsmehrheit 1 war von politischer Mitsprache so gut wie ausgeschlossen, das Hauptziel des ANC und des -1959 als Abspaltung vom ANC entstandenen- PAC war es daher, eben diese demokratischen Grundrechte einzufordern. Dieser lange, schmerzhafte und durch zahlreiche Opfer von Gewalt und Terror begleitete Prozess führte erst am Ende des 20. Jahrhunderts zum Erfolg. Hier sollen die Jahre von 1910 bis 1960, in Teilaspekten auch darüber hinaus, untersucht werden, da sich in diesem Zeitraum die bedeutendsten Varianten des Afr ikanischen Nationalismus herausbildeten, mit Blick auf die beiden je vom ANC und PAC vertretenen Formen dieses Afrikanischen Nationalismus. Diese Zersplitterung des schwarzen Widerstandes schwächte ganz offensichtlich die einzelnen Bewegungen, das gilt bereits für die Zeit vor dem Erstarken des ANC in den 40er Jahren als führende Kraft des Widerstandes, und wird besonders deutlich durch die Ereignisse in der Zeit unmittelbar nach der Abspalt ung des PAC vom ANC, so daß sich die Frage stellt, welche Entwicklungen zu dieser Zersplitterung führten, und ob eine einige, nicht in sich zerstrittene und in ideologische Lager gespaltenen schwarze Opposition ihr Ziel der Gleichberechtigung, und damit gewissermaßen der Dekolonisation, bereits früher hätte erreichen können. Als Quellen stehen zahlreiche politische Dokumente der schwarzen Befreiungsbewegungen zur Verfügung, wichtige Erkenntnisse lassen sich auch aus den veröffentlichten Erinnerungen von Nelson Mandela gewinnen, der bereits zu den ________________________
1 1911 machten die Schwarzen 67,3 % der Gesamtbevölkerung aus, die Weißen 21,4 %. (Jörg Fisch: Geschichte Südafrikas. München 1990, S. 239). Im Jahre 1948 bestand die Bevölkerung Südafrikas aus ca. 2,5 Millionen Weißen, 8,5 Millionen Schwarzen, über 1 Million Farbigen, und weniger als 0,5 Millionen Indern, was einer Gesamtbevölkerung von ca. 12,5 Millionen entspricht. (Mary Benson: South Africa: The Struggle for a Birthright. Harmondsworth 1966, S.119, Anmerkung 1). Für 2001 werden folgende Zahlen genannt (Mario von Baratta (Hg.): Der Fischer Weltalamanach 2004. Frankfurt a.M. 2003, S. 799): Gesamtbevölkerung 40,58 Millionen, davon 77,8 % Schwarze, 10,17 % Weiße, 8,68 % Mischlinge sowie 2,49 % Asiaten
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Mitbegründern der Youth League des ANC gehörte und als Symbolfigur des Kampfes gegen die Apartheid und späterer erster schwarzer Präsident Südafrikas an den hier untersuchten Entwicklungen wesentlichen Anteil hatte. 2 An Literatur über den ANC und den PAC mangelt es ebenfalls nicht, wobei verständlicherweise über den ANC, der bereits eine lange Geschichte und bis heute große Bedeutung hat, wesentlich mehr veröffentlicht wurde als über den PAC.
Die schwarze, afrikanische Bevölkerung, von der weißen Regierung lange Zeit „Bantu“ genannt, bezeichne ich hier durchgehend als „Schwarze“, für die nach 1652 eingewanderten Europäer, die sich überwiegend einerseits aus Nachfahren englischer Einwanderer und andererseits aus den sogenannten Buren oder „Afrikaandern“ bzw. „Afrikaanern“, den Nachfahren eingewanderter Holländer, Deutscher und -in geringerem Ausmaß- Franzosen zusammensetzen, benutze ich die Bezeichnung „Weiße“.
2. Rassendiskriminierung und Widerstand der schwarzen Bevölkerungsmehrheit vor 1948
Das Jahr 1948 stellt insofern einen Einschnitt in der Geschichte des Wider-standes der schwarzen Bevölkerungsmehrheit Südafrikas dar, als in diesem Jahr eine Regierung an die Macht kam, die gegenüber den Schwarzen -und, wenn auch in zum Teil abgeschwächter Form, gegenüber den anderen nichtweißen Bevölkerungsgruppen, den Farbigen und Asiaten- eine eindeutige und kompromisslose Position einnahm, nämlich die unbedingte Sicherung der weißen Vorherrschaft ohne Rücksicht auf die anderen Bevölkerungsgruppen. Zwar kann auch vor 1948 von einer ernsthaften politischen Beteiligung der nicht-weißen Mehrheit keine Rede sein, jedoch waren die Regierungen mehr oder weniger bemüht, durch zumindest geringfügige Konzessionen oder wenigstens die Perspektive einer für die Schwarzen besseren Zukunft sich deren Wohlwollen zu versichern und Unruhen vorzubeugen. Die Haltung der politisch aktiven Schwarzen nach der Gründung der Südafrikanischen Union 1910 war bestimmt vom Bemühen, sich durch Anpassung an die herrschende weiße Minderheit deren Wohlwollen zu sichern und poli- ___________________________________
2 Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit- Autobiographie. Frankfurt a.M. 1994
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tische Mitsprache zu erbeten, mit der Begründung, dass man sich inzwischen auf gleichem sozialem und intellektuellem Niveau mit den Weißen befände und daher „reif“ dazu sei, mitzubestimmen. Erst als nach und nach abzusehen war, dass diese Haltung nicht zum Erfolg führte, gewannen radikalere Stimmen an Gewicht.
Die schwarze Mehrheit spielte bei der politischen Einigung 1910 so gut wie keine Rolle. Das Gesetz zur Gründung der Südafr ikanischen Union „[…] established as a legal right the claim of the White man to dominate the man of colour. It did not recognise the African as a citizen of the the n newly formed Union; it regarded him as a beggar at the gate.” 3 Außer in der Kapprovinz war den Schwarzen eine politische Mitsprache nicht erlaubt, und selbst dort war es nur eine kleine schwarze Oberschicht, die aufgrund von Einkommen bzw. Besitz das Wahlrecht zugestanden bekam. 4 Appelle, Petitionen, Reisen zur Regierung nach London brachten den Schwarzen keinen Erfolg. Nach den militärischen Niederlagen während der weißen Besiedlung und Expansion in Südafrika wagte es die schwarze Mehrheit bis zur Gründung der Untergrundorganisationen Umkhonto we Sizwe und Poqo nicht mehr, sich gewaltsam gegen die Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Bereits 1913 hatte sich die weiße Minderheit mit dem Natives Land Act ein Instrument zur Rassentrennung geschaffen. Dieses Gesetz, das erste große Gesetzwerk der jungen Südafrikanischen Union, regelte die Frage des Landbesitzes eindeutig zugunsten der Weißen und wurde damit zu einer der wic htigsten Grundlagen der -im Laufe der Zeit immer weiter verschärften-Rassentrennung. 5 Den Schwarzen wurden Reservate zugewiesen, und nur in diesen durften sie Land besitzen. Dabei handelte es sich um ungefähr 7,3 Prozent der Fläche Südafrika. 6 1936 wurde dieser Anteil erhöht auf 12,4 Prozent. 7 Ebenfalls 1913 gab es die ersten organisie rten Proteste gegen die Pass-Gesetze, die von jedem Schwarzen verlangten, ständig einen Pass mit sich zu führen. 8 1919 reiste eine Delegation des South African Native Natio________________________
3 ANC Youth League Manifesto- 1944,
http://www.anc.org.za/ancdocs/history/ancylman.html, letzter Zugriff: 05.02.2005
4 Fisch: Geschichte, S. 153
5 ebd., S. 238
6 ebd., S. 239
7 ebd., S. 267
8 Benson: South Africa, S. 33. Der Passzwang war bereits 1787 eingeführt worden (Fisch: Geschichte, S. 108)
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nal Congress - so nannte sich der spätere ANC vor 1925- zur Versailler Friedenskonferenz, um auf die Rechte der schwarzen Mehrheit in Südafrika zu dringen, ohne jedoch dort Gehör zu finden. 9 1919 folgten in Johannesburg erneute Anti-Pass Demonstrationen. 10 Der Widerstand gegen den Zwang, als Schwarzer immer und überall einen Pass bei sich haben zu müssen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Schwarzen Wi-derstandes, auch bei den Auseinandersetzungen der Jahre nach 1948 war das öffentliche Verbrennen von Pässen oder die absichtlich herbeigeführte Verhaftung durch die Polizei, indem man -oft nach vorheriger Ankündigung bei der zuständigen Polizeiwache - „weiße“ Gebiete ohne Pass betrat, was nach Gesetzeslage als Straftat galt und entsprechend zu ahnden war, eine beliebte und häufige Form des Protestes. 1923 wurde der Native (Urban Areas) Act beschlossen, ein Gesetz, dass die Trennung der Wohngebiete von Schwarzen und Weißen in den Städten zum Ziel hatte (für Farbige und Inder galt es nicht). 11 1937 schließlich wurde Schwarzen der Landerwerb in den Städten generell verboten. 12 1936 wurde das Wahlrecht der Schwarzen in der Kapprovinz abgeschafft, diese konnten fortan nicht mehr direkt wählen 13 sondern wählten in gesonderter Wahl drei weiße Abgeordnete als Interessenve rtreter. 14
Der ANC war zu dieser Zeit noch weit entfernt von der Mitgliederzahl und dem Einfluß, den er in den 1950er und 60er Jahren erlangen sollte. Erst die Gründung der ANC-Youth League im Jahre 1943/1944 und die danach fo lgende, zune hmend dynamischere Politik des ANC brachten nach und nach den Aufstieg zur Massenbewegung. In den 20er Jahren war es die 1919 gegründete Industrial and Commercial Workers Union (ICU), die an der Spitze des schwarzen Widerstandes stand, und im Jahre 1928 nach eigenen Angaben, die allerdings übertrieben sein dürften, 200 000 Mitglieder zählte. 15 Dauerhafte Erfolge konnte die ICU nicht erreichen, im Gegenteil wurden zu große Erwartungen geweckt, deren Enttäuschung ebenso wie die _______________________
9 Benson: South Africa, S. 41 f.
10 ebd., S. 38
11 Fisch: Geschichte, S. 254 f.
12 ebd., S. 255
13 Wahlberechtigt waren bisher ungefähr 10.000 Schwarze, die damit etwas mehr als 1 Prozent der gesamten südafrikanischen Wählerschaft ausmachten (ebd., S. 267)
14 ebd.
15 Fisch: Geschichte, S. 280
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Arbeit zitieren:
Andreas von Bezold, 2005, Widerstand der Schwarzen in Südafrika 1910-1960 am Beispiel des African National Congress und des Pan-Africanist Congress, München, GRIN Verlag GmbH
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