Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsdefinitionen und Begriffsabgrenzungen 4
1.1 Grammatikalisierung 4
1.2 Grammatizitätsgrad 5
2. Parameter der Grammatikalisierung 7
3. Status der Grammatikalisierungstheorie 9
4. Der Prozess der Grammatikalisierung am Beispiel des lettischen Superlativs 10
5. Einordnung des lettischen Superlativs in die Grammatizitätsskala 13
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„Grammatikalisierung ist ein diachroner wie synchroner sprachlicher Prozeß, in dem sich frei verwendbare Lexeme und Syntagmen zu spezifischen morphosyntaktischen Strukturen verfestigen und zu grammatischen Paradigmen ordnen; Herstellung einer stabilen Verbindung zwischen einer oder mehreren Bedeutungen und einer oder mehreren morphologischen oder syntaktischen Einheiten. Die Verbindung des betreffenden semantischen Merkmals mit einer strukturellen Einheit produziert ein grammatisches Paradigma, das betreffende Element gelangt aus der lexikalischen in die grammatischen Ebene. Ob die bei diesen Prozeß beobachtbaren semantischen Veränderungen als semantische Verengung oder Erweiterung verstanden werden sollen, ist ungeklärt“. [Metzler Lexikon Sprache; hrsg. Helmut Glück; Verlag J.B. Metzler Stuttgart; S.256]
1. Begriffsdefinitionen und Begriffsabgrenzungen
1.1 Grammatikalisierung
Der von ANTOINE MEILLET eingeführte Begriff der Grammatikalisierung wurde zunächst lediglich als Methode des Sprachwandels angesehen. Grammatikalisierung bedeutet im weiteren Sinne, dass ein Wort vom Lexikon in die Grammatik hinüberwechselt. Bei genauerer Betrachtung des P rozesses, ist jedoch festzustellen, das die Grammatikalisierung etwas komplexeres ist als nur eine Zunahme grammatischer Eigenschaften bei gleichzeitiger Abnahme an autosemantischen Eigenschaften [nach Schmellenkamp, O.]. Das Ergebnis der Grammatikalisierung ist eine bestimmte Grammatikalität.
Die Grammatikalität ist abhängig von der jeweiligen Antonomie. Antonymität bedeutet zum einen die Abwesenheit von Kohäsion. Kohäsion stellt die Bindung an andere Sprachzeichen oder Beziehungen zu ihnen dar. Zum anderen ist Antonomie eine Variabilität. Die Variabilität steht dabei für die Manipulierbarkeit und die Beweglichkeit der Wortformen. Mit wachsender Grammatikalisierung verliert ein Zeichen an Antonomie. Das heißt, es wird stärker in das Netz paradigmatischer und syntagmatischer Relationen integriert sowie grammatischen Regeln unterworfen. Antonomie und Grammatikalisierung werden auch als “komplementäre Pole derselben Eigenschaft“ bezeichnet.
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1.2 Grammatizitätsgrad
Die Grammatikalisierung kann nach diachronen und synchronen Aspekten untersucht werden. Wird die Grammatikalisierung diachron betrachtet, stellt sie einen Prozess des Sprachwandels dar. Nach KURYLOWICZ ist die diachrone Sicht des Grammatikalisierungsprozesses definiert als:
„[...] ein Prozess, bei dem Lexeme in grammatische Formen umgewandelt werden.“ [Kurylowicz J.; 1965, The Evolution of Grammatical Categories, Diogenes Verlag, S. 51: 55-71]
Synchron betrachtet ist sie die Transformation einer Struktur in eine andere. Durch den Prozess der Grammatikalisierung wird ein Inhaltswort ( Autosemantikon) zu einem Funktionswort (Synsemantikon) umgewandelt (vgl. Abbildung 1, Seite 4). Zu der Gruppe der Autosemantika gehören z.B. Substantive, Adjektive und Verben. Zur Gruppe der Synsemantika gehören Präpositione n, Konjunktionen, Demonstrativpronomen und Artikel.
Ein Beispiel für ein durch Grammatikalisierung entstandenen Artikel ist „le“, dass sich aus dem lateinischen Demonstrativpronomen „ ille“ (jener) zu dem romanischen Artikel „ le“ entwickelte. Der Artikel „ le“ wird heute z.B. im Französischen als Artikel (Singular Maskulin) gebraucht. „le“ ist eine phonologisch und semantisch reduzierte Form von „ille“. Die Herkunft des Wortes ist unter anderem noch an der Tatsache erkennbar, dass die Wortformen in Kasus, Numerus und Genus übereinstimmen. „ille“ und „le“ stehen für den Singular Maskulin. Außerdem ist die Entwicklung eines Artikels aus einem Demonstrativpronomen ein eindeutiger Hinweis dafür, dass grammatische Formen noch grammatischer werden können, weil es sich nach TRAUGOTT und HOPPER bei beiden um Synsemantika handelt.
Zu der zweiten Gruppe zählt man unter anderem auch noch die Klitika. Die Klitika sind phonologisch stark verkürzt. Die unterstrichenen Klitika werden eingeteilt in Proklitika (a) und Enklitika (b).
(a) ’s me anstatt von it’s me
(b) ’m anstatt I’m
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Arbeit zitieren:
Stefanie Heberling, 2003, Grammatikalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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