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1. Einleitung
Etymologie und Sprachgeschichte stellen einen wichtigen Teil der Sprachwissenschaft dar. Da sie sich mit der Herkunft von Wörtern, deren verschiedenartigen Bedeutungen beschäftigen und zudem verwandte Wörter und Wortbildungen erforschen, bieten sie die Möglichkeit Veränderungen der Wörter bis hin zu ihrer Entstehung zurückverfolgen zu können.
Inwiefern sich ein Wort im Laufe der Jahrhunderte verändern kann, unter anderem in seiner Lautung und Schreibung, soll hier am Beispiel des Wortes Mädel genauer erläutert werden. Zunächst wird also auf den Gebrauch, das System und das Diasystem, mit Schwerpunkt auf dem auftauchenden Pluralproblem, in der Gegenwartssprache eingegangen. Anschließend wird mit Blick auf den Lautwandel, die Entstehung des Wortes Mädel geklärt und anhand von ersten Erwähnungen belegt. Wichtig ist hierbei vor allen Dingen, in welcher Zeit die erste Erwähnung des Wortes Mädel stattfand, da somit fest gestellt werden kann, wie alt es bereits ist. Obwohl Lautung und Schreibung Teil der Grammatik sind, stellen sie hier ein eigenes Kapitel dar, da besonders die Grapheme und Morpheme in den jeweiligen Epochen eine große Rolle spielen. Abschließend werden die unterschiedlichen Bedeutungen und die Verwendung des Wortes Mädel anhand von Textauszügen belegt und abschließend noch genauer erläutert. Der Schwerpunkt soll hier in der Bedeutungsgeschichte des Wortes Mädel liegen, mit speziellem Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus u nd der Bezeichnung: „Bund Deutscher Mädel“. Ein abschließendes Resümee soll eine kurze Wiederholung und Zusammenfassung geben.
2. Heutiger Gebrauch
2.1 System und Wortbildung
Einen ersten Überblick über die Orthographie von Mädel (in IPA-Lautschr ift: [’me:dl]) gibt der Artikel aus dem Duden 1, Deutsche Rechtschreibung: „Mä|del, das; -s, Plur. -od (bes. nordd.) -s u. bayr., österr. -n“ 1 . Der untersetzte Strich unter dem „ä“ kennzeichnet die lange betonte Silbe. Zudem kann eine mögliche Worttrennung am Zeilenende
1 Siehe Dudenredaktion (Hrsg.): Duden Band 1. Die deutsche Rechtschreibung. 23., völlig neu bearbeitete
und erweiterte Auflage. Mannheim: Dudenverlag 2004.
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festgestellt werden, die hier durch einen senkrechten Strick gekennzeichnet ist. Dies verdeutlicht zudem, dass Mädel aus zwei Silben besteht. Mädel ist außerdem eine sexusbezogene Bezeichnung für ein junges Mädchen, da eine Movierung nicht möglich ist. Weitere Verwendungen, so wie Antonyme und Synonyme des Wortes Mädel werden zudem anschließend in Kapitel 5 behandelt.
Die Wortbildungsanalyse ergibt, dass es sich bei Mädel um ein Simplex handelt. Dennoch sind verschiedene Ableitungen möglich: Blitzmädel 2 , Jungmädel, Prachtmädel 3 und Mädelbaum 4 . Bei allen Ableitungen handelt es sich um endozentrische Determinativkomposita. Zerlegt man das Wort Blitzmädel weiter so sieht man folgendes:
Eine weitere Ableitung von Blitzmädel ist nicht möglich. Ein ähnliches Ergebnis der Wortbildungsanalyse erhält man bei Jungmädel:
Auch hier gibt es keine weiteren Ableitungen. Die letzte Komposition Prachtmädel wird wie das Kompositum Blitzmädel gebildet und weist ebenfalls keine weiteren Ableitungen auf:
Die Ableitung Mädelbaum hat das Wort Mädel im Gegensatz zu den vorangegangenen Ableitungen, am Anfang stehen. Der lateinische Ausdruck für das Maskulinum Mädelbaum heißt pinus sylvestris. Übersetzt bedeutet Mädelbaum: Kiefer 5 . Die Verwendungen und Bedeutungen des Wortes Mädel und dessen Ableitungen werden nachfolgend im Kapitel 5, Bedeutungsgeschichte noch näher erläutert. Besonders die Verwendung des Wortes Blitzmädel im Nationalsozialismus ist eine nähere Betrachtung
2 Siehe Paulwitz, Thomas und Micko, Stefan: Engleutsch? Nein danke! Wie sag ich’s auf deutsch? Ein
Volkswörterbuch. 2. Auflage Erlangen und Wien 2000.
3 Siehehttp://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=wordformation&input=M%E4del&features=%28C
at+N%29%28Gender+N%29%28Plural+-%29&lookup=caseInSensitive&country=D
4 Siehe Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. Band VI, L-M. Leipzig: Verlag von S. Hirzel
1885.
5 Siehe Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. Band VI, L-M.
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wert. Bei dem Wort Mädel handelt es sich zudem um ein Diminutiv mit dem Suffix -el. Mädel ist demnach eine Verkleinerungsform. Welches Wort es ursprünglich verkleinerte und schließlich verdrängte, wird in den kommenden Kapiteln noch erläutert. Doch zunächst folgt eine Analyse der Flexionsformen. Auch hierbei ist der Artikel zum Lemma Mädel aus dem Duden 1, Deutsche Rechtschreibung sehr hilfreich. Nach der Angabe des Genus, im Fall des Substantivs Mädel handelt es sich hierbei um ein Neutrum, folgt hier nämlich die Angabe des Genitivs Singular. Weitere Deklinationsformen wären:
Quelle:http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=inflection&input=M%E4del&features=%28Cat+ N%29%28Gender+N%29%28Plural+-%29&country=D&lookup=caseInSensitive
Auffällig ist bei dieser Quelle vor allem, dass sowohl eine endungslose Pluralform von Mädel als auch eine -n Endung zu existieren scheint. Diese zwei Pluralformen sind jedoch nicht die einzigen. Auch der Artikel aus dem Duden 1 zeigt, dass es mindestens zwei Pluralformen gibt. Allerdings handelt es sich beim Duden um die Angabe eines endungslosen Plurals und eines s- Plurals. Somit ist bei dem Wort Mädel ein Pluralproblem vorhanden. Ursache dieses Pluralproblems sind die verschiedenen regionalen Sprachvarianten, wie unter anderem der Artikel des Duden 1 belegt. Obwohl das Pluralproblem Teil der Grammatik ist und somit zur Kategorie des Systems gehören würde, wird es in dieser Hausarbeit ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Diasystems betrachtet, da in diesem Zusammenhang die verschiedenen regionalen Sprachvarianten prägnanter zur Geltung kommen.
2.2 Diasystem und Pluralproblem in regionalen Sprachvarianten
Wie auch das vorangegangene Kapitel bezieht sich dieses auf die Gegenwartssprache. Wie bereits in Kapitel 2.1 beschrieben, existieren verschiedene Pluralformen des Wortes Mädel. Zunächst wird nun aber der Nominativ Plural von Mädel untersucht, um einen ersten Beleg für das Pluralproblem liefern zu können. Gehen wir zunächst davon aus, dass die hochdeutsche Pluralendung des Nominativs mit -Ø (Nullendung, also die Mädel) die
Arbeit zitieren:
Ina Hämmerling, 2005, Historisch-etymologische Analyse des Wortes "Mädel", München, GRIN Verlag GmbH
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