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1. Einleitung 1
2. Genredefinition 2
3. Wirklichkeitsdarstellung 3
4. Bildung und Funktion von Stereotypen 5
5. Die Figurenkonzepte als Identifikationsangebot 6
5.1 Die Traumgirls 8
5.2 Die Mädchenschwärme 8
5.3 Die Intriganten 10
5.4 Die Leidenden 11
5.5 Die Übermütter 12
5.6 Die Vaterfiguren 13
5.7 Die Karrierefrauen 14
5.8 Die Bösewichte 15
6. Funktion für den Rezipienten 16
6.1 Vergleichs- und Identifikationspotential 16
6.2 Orientierung 17
6.3 Parasoziale Funktion 17
6.4 Eskapismus 18
6.5 Unterhaltung 18
7. Motivation zur Rezeption 18
7.1 Formale Gestaltungsmittel 19
7.2 Inhaltliche Mittel 20
7.3 Bindung durch Emotionen 20
8. Fazit 21
9. Literaturverzeichnis 24
(LQOHLWXQJ „Fernsehen, so heißt es, ist ein Fenster zur Welt. Dabei erfindet es auch seine
eigenen Welten: TV entführt uns in `Die Straßen von San Francisco´ und lässt
uns - jeden Sonntag vor dem `Weltspiegel´ - teilhaben am Schicksal der Familie
Beimer. In guten wie in schlechten Zeiten möchte es vor allem unserer
Unterhaltung dienen.“ 1 Doch Unterhaltung ist nur eine Leistung, die das Fernsehen erbringt. Fernsehen
lässt uns in fremde Welten eintauchen, es gibt uns die Möglichkeit, mal in die
Haut eines anderen Menschen zu schlüpfen oder uns mit dargestellten
Personen zu vergleichen. Fernsehen übernimmt heutzutage eine ausgeprägte
Orientierungsfunktion den Zuschauern, und besonders den Jugendlichen
gegenüber. Es dient somit nicht nur der Ausbildung und Pflege von Trends,
sondern wird auch zur Vermittlungsinstanz von Werten und Normen, erhält
Vorbildfunktion.
Eine ganze Reihe von Serien, die sich in den letzten Jahren im deutschen
Fernsehen etablierten, haben diesen Orientierungscharakter. Diese Serien, die
entweder wöchentlich oder sogar täglich ausgestrahlt werden, sprechen
unterschiedliche Alters- und Zielgruppen an und gehören mit zu den
beliebtesten Programmangeboten. Gemeint sind deutsche Soap Operas wie
`Verbotene Liebe´, `Marienhof´, `Gute Zeiten, schlechte Zeiten´ oder auch die
`Lindenstraße´.
Dieses Genre ist zentraler Kern meiner Ausarbeitung. Im Folgenden werde ich
den theoretischen Aufbau von Soap Operas darstellen und erläutern, welche
Funktion Figurenstereotypen in Serien haben, wie sie in der Theorie angelegt
sind und anhand von Beispielen zeigen, wie sie in der Praxis umgesetzt
werden. Im zweiten Teil gehe ich auf weitere Funktionen der Daily Soap für ihre
Zuschauer ein und versuche darzustellen, mit welchen Mitteln das Genre es
immer wieder schafft, seine Zuschauer zum Einschalten zu motivieren.
Abschließend werde ich anteilig den tatsächlichen Einfluss von Soap Operas
auf das wirkliche Leben seiner Zuschauer kritisch betrachten.
1 http://www.tvspielfilm.de/specials/tvgeschichte/
1
*HQUHGHILQLWLRQ Bei der Definition des Genres Serien muss grundsätzlich berücksichtigt werden, dass es unterschiedliche Formen von Fortsetzungsgeschichten gibt, auch wenn
allen gemeinsam ist, dass sie mehrteilig sind. Prinzipiell unterscheidet man zwischen dem Mehrteiler, der Reihe (series) und der Serie (serial).
Der Mehrteiler erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte vom Anfang bis zum Ende. Die lediglich im Hinblick auf das Ende der Erzählung zukunftsorientierte Handlung wird dabei in meist vier bis zwölf Folgen geschildert. In der Reihe werden einzelne Abschnitte aus dem Leben der
Protagonisten erzählt. In der Regel ist die Handlung innerhalb einer Folge abgeschlossen, sodass Folgen auch unabhängig voneinander bestehen und konsumiert werden könnten.
Die Serie dagegen erzählt eine offene, zukunftsorientierte Geschichte, die auf Unendlichkeit angelegt ist. Diese Struktur wird in den Soap Operas und besonders in den Daily Soaps aufgegriffen.
Die einzelnen Formen des Genres unterscheiden sich natürlich auch noch in anderer Hinsicht voneinander. Doch da ich mich in der nachfolgenden
Ausarbeitung speziell auf die Soap Opera beziehe, möchte ich nur diese Serienform ausführlicher beschreiben.
Die Geschichte der Soap Opera begann in den 30er Jahren in Amerika, wo täglich im Radio Fortsetzungshörspiele zur Bewerbung von Waschmittel- produkten gesendet wurden. Zielgruppe dieser von Waschmittelkonzernen finanzierten Beiträge waren vorwiegend Hausfrauen. Mitte der 50er Jahre
wurde die Soap Opera nun auch in Deutschland im Fernsehen gezeigt. Seit der Etablierung der kommerziellen Programme im deutschen Fernsehen in den 80er Jahren nahm die Zahl der täglich ausgestrahlten Serien stetig zu.
Die Daily Soap ist eine langlaufende Serie, die durch die Form der neverending story keinerlei inhaltliche Geschlossenheit aufweist. Jede Folge besteht aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Handlungssträngen, von denen allenfalls einer mit einer vorläufigen (Problem-) Lösung abschließt. Die Handlung ist insgesamt endlos und zukunftsorientiert.
Jede Folge einer Daily Soap schließt mit einem Cliffhanger ab. Hierbei werden
stets emotional aufgeladene oder besonders spannende Situationen von der Kamera festgehalten, die die Neugier der Zuschauer auf die nächste Folge
2
wecken sollen. Handlungsinhalte der Soap sind Lebens- und Alltagsprobleme der Protagonisten wie Beruf, Geld, Macht, Freundschaft, Krankheit, Sexualität, Kriminalität oder Schicksalsschläge.
Die in den Daily Soaps dargestellten Personen und Familien sind meistens Menschen aus dem durchschnittlichen bis oberen Mittelschichtsmilieu. Es gibt einen zentralen Kern von Charakteren, auf den ich im weiteren noch detailliert eingehen werde. Die auftretenden Darsteller lassen sich, bewusst leichtgemacht, in „gut“ und „böse“, „beliebt“ und „unbeliebt“ kategorisieren. Sie sind gleich stark gewichtet, es gibt somit keine Hauptdarsteller im klassischen
Sinn.
Der Bekanntheitsgrad der Schauspieler und ihre Gage sind entsprechend gering. Ebenso kostengünstig ist die Produktion einer Folge, da auch die gesamte Ausstattung nicht sehr aufwendig ist und vorwiegend in geschlossenen Räumen bzw. Studios gedreht wird.
Gesendet werden Daily Soaps hauptsächlich im Nachmittagsprogramm oder am frühen Abend. Die Sendelänge variiert zwischen 30 und 60 Minuten. Neben der Daily Soap gibt es noch die sogenannte prime time serial, die einmal
pro Woche in den Abendstunden ausgestrahlt wird. Im Gegensatz zur eher weiblichen Zielgruppe aus der Unter- und Mittelklasse der Daily Soaps wird hier mehr ein männliches Publikum angesprochen.
Das Genre Serien ist außerordentlich vielfältig. Der Vollständigkeit halber möchte ich auch die Variationen des oben beschriebenen Genres, nämlich Krankenhaus-, Familien-, Arzt-, Krimi-, Western-, Science Fiction-Serien und
ethnische Serien (mit farbigen Mittelpunktsfiguren) nennen.
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Die Geschichten, die in den Serien erzählt werden, wirken bei unkritischer Betrachtung sehr realitätsnah. Das wird zum einen dadurch erreicht, dass das Leben der dargestellten Personen parallel zu dem der Zuschauer verläuft. Eine neue Folge einer Serie fängt meistens nicht da an, wo die letzte aufgehört hat. Das Dasein der Protagonisten geht folglich in der Zwischenzeit ebenso weiter wie das Leben der Zuschauer.
Zum anderen vermitteln die von den Protagonisten in der Handlung aufgegriffenen sozialen und räumlichen Aspekte einen weiteren Bezug zur
3
Realität. Das Leben der dargestellten Personen orientiert sich im Hinblick auf Werte und Normen an dem realen Leben der Zuschauer. Es gibt in den Serien soziale Gemeinschaften wie Familien, Ehen, Hausgemeinschaften oder Freundschaften, wobei jede Gemeinschaft für sich an einen bestimmten Raum gebunden ist. Bei der `Lindenstraße´ ist es die gleichnamige Straße, bei der Serie `Verbotene Liebe´ ist es für die Familie von Anstetten das Schloss Friedenau.
Alle Handlungen und Geschehnisse in der Serie werden so gezeigt, als betrachte man die Realität. Durch sie wird eine fiktionale Welt konstruiert, ohne dass man der Serie ihre Konstruiertheit anmerken soll. „Der Zuschauer soll den Eindruck gewinnen, es sei in der Serie wie im Leben, nur zugespitzter,
kompakter, schneller, direkter“. 2
Voraussetzungen hierfür sind die psychologische Glaubwürdigkeit der fiktiven Erzählung, die Wahrscheinlichkeit von Abläufen und deren Schlüssigkeit. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, lebt der Zuschauer in dieser fiktiven Welt. Die fiktionale und soziale Realität muss nicht identisch sein mit der des Zuschauers. Wichtig ist nur, dass sich die Serienrealität an die bewussten und unbewussten Bedürfnisse, Wünsche und Phantasien ihrer Rezipienten
anlehnt. 3
Die Serie wird für den Zuschauer attraktiv, da ihm Gelegenheit gegeben wird, einen Bezug zur eigenen gesellschaftlichen Wirklichkeit herzustellen. Er setzt sich mit Themen und Problemen auseinander, die seinen eigenen Erfahrungen entsprechen. So werden Identifikationsmöglichkeiten geboten und es können auch Vergleiche angestellt werden zwischen der eigenen Meinung bzw. Einstellung und der des Protagonisten. Die Serie lädt intensiv zur Auseinandersetzung mit ihren sowohl positiv als auch negativ besetzten Figuren ein. Wie solche Figurentypen entstehen und wie das klassische Figurenkonzept einer Daily Soap aufgebaut ist, möchte ich in den nächsten Abschnitten erläutern.
2 Knut Hickethier. Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens. Lüneburg 1991, Seite 31
3 vgl. Lothar Mikos. Es wird dein Leben! Familienserien im Fernsehen und im Alltag der
Zuschauer. Münster (MAkS Publikationen) 1994, Seiten 213 - 214
4
%LOGXQJXQG)XQNWLRQYRQ6WHUHRW\SHQ F. Tornabene definiert Stereotype als Vorurteile, die der Mensch zunächst über
das Sammeln von Erfahrungen im alltäglichen persönlichen Umgang mit
Menschen, Dingen und Sachverhalten bildet. Der Mensch wird jedoch nicht nur
durch eigene Erkenntnisse geprägt sondern ebenso durch Fremdinformationen
von Bekannten, Familie oder aber auch durch die Medien. Halten diese
Fremdinformationen einer Überprüfung durch die Wirklichkeit nicht stand und
werden aber trotzdem beibehalten, dann handelt es sich um Vorurteile.
Aufgrund unserer Sehgewohnheiten ist es uns möglich, Personen, die wir im
Kino auf der Leinwand sehen oder im Fernsehen betrachten, als
Repräsentanten eines bestimmten Typus zu identifizieren. Oft erkennen wir
schon am Aussehen oder an der Kleidung, welche Rolle bzw. welchen Typ der
Schauspieler darstellen soll. Das kann sogar soweit führen, dass wir manche
Schauspieler gar nicht erst in der Rolle des „Bösen“ sehen wollen, weil sie in
früheren Filmen eigentlich immer nur das „Gute“ personifiziert haben oder
Schauspieler, von denen wir bisher nur komische Filme gesehen haben,
können wir uns nicht mehr in einer ernsthaften Rolle vorstellen.
Die Frage ist, wie es dazu kommt, dass der Zuschauer so agiert. Film und
Fernsehen haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass solche Typen in
Form von Stereotypen, deren Vertreter immer wieder auftauchen und sich trotz
individueller Unterschiede im Grunde alle gleichen, die Spielhandlung beherr-
schen. Zu den stereotypen Ausprägungen der Rollen kommen verstärkend
noch die stereotypen Handlungsmuster und Darstellungsweisen hinzu. 4 Stereotype und Klischees weisen Merkmalskombinationen auf, die Vorurteile
widerspiegeln und verstärken können. Neben den Figurenstereotypen, die für
den Zuschauer insofern eine Orientierungsfunktion haben, als dass eigene
Erfahrungen im Umgang mit der Umwelt bestätigt oder hinterfragt werden
können, haben die narrativen Handlungsstereotypen die Funktion, den fiktiven
Alltag als wirklich darzustellen. Wiederholungen von alltäglichen Gepflogen-
heiten und routinierten Abläufen haben auf den Zuschauer einen beruhigenden
und stabilisierenden Effekt.
4 vgl. Francesco Tornabene. Die Bilder in unseren Köpfen. In Tilmann P. Gangloff, Stephan
Abarbanell (Hrsg.). Liebe, Tod und Lottozahlen. Fernsehen in Deutschland: Wer macht es?
Was bringt es? Wie wirkt es? Hamburg, Stuttgart (J.F. Steinkopf Verlag) 1994, S. 56 ff.
5
Arbeit zitieren:
Jette Pauck, 2000, Faszination Daily Soap. Umsetzung von Figurenkonzepten und Funktionen von Soap Operas für ihre Zuschauer., München, GRIN Verlag GmbH
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