Inhalt:
1. Einleitung
S 03
2. Der Mahayana-Buddhismus
S 03
2.1 Eine kleine Einführung in den Mahayana S 04
2.2 Die Vervielfachung der Buddhas u. Bodhisattvas S 06
3. Amida-Buddhismus (Amidismus)
S 08
3.1 Die Literatur des Amida-Buddhismus S 08
3.2 Herkunft Amitabhas S 10
3.3 Amitabhas Gelübde S 12
4. Amidismus in China und Japan
S 13
4.1 China S 13
4.2 Japan S 15
5. Resümee
S 17
Literatur S 19
2
1. Einführung
Der Buddhismus, als eine der drei Weltreligionen, ist ein umfassendes Konzept, welches sich überwiegend mit den Menschen, seinem Leben und seinem Leid beschäftigt. Er zeigt einen Ausweg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und somit aus dem Leid der Menschen, hin zur Erleuchtung und der Erlösung im Nirvana. So soll man versuchen in jedem Leben, was man durchlaufen muss, die moralischen Normen so gut es geht einzuhalten, um darauf in ein besseres Leben wiedergeboren zu werden. Mit jeder Stufe aufwärts, kann man die buddhistische Moral ein Stück besser verfolgen, denn ein besseres Leben heiß auch größere Unabhängigkeit.
Dieses gut durchdachte Konzept, mit tiefen philosophischen Weltanschauungen, hat den Nachteil, nicht besonders „alltagstauglich“ zu sein, da es immer auf die Zukunft ausgerichtet ist, keine Lösung aber für die alltäglichen Sorgen und Ängste bietet. Auch war nach dem Tod Sakyamunis kein Lehrmeister mehr da, so dass sich die Entwicklung dahingehend änderte, dass Sakyamuni nicht das blieb, was er war: „Der Lehrmeister der Menschen“ (und Götter), sondern er wurde selbst zum Gott. Mit der Entwicklung des Mahayana-Buddhismus, wurde schließlich eine Entwicklung eingeleitet, die es dem einfachen Volk erlaubte weitere Buddhas zu kreieren, zu denen dann auch Amitabha 1 , der Buddha des westlichen reinen Landes gehörte, welcher eine besondere Position einnehmen sollte, da er einen der einfachsten Wege zur Erleuchtung zu bieten hatte.
Auf den nächsten Seiten möchte ich auf diese Entwicklungen innerhalb des Buddhismus eingehen, wobei ich auch versuchen werde, die Herkunft des Buddha Amitabha zu klären und die Umstände die zu seiner Entwicklung führten, wobei ich seine Verbreitung nach China und Japan leider nur am Rande streifen kann, da dieses Thema eine eigene Arbeit benötigt hätte.
2. Der Mahayana-Buddhismus
So wie alle anderen Weltreligionen auch, entwickelten sich im Laufe der Zeit, auch im Buddhismus die verschiedensten Strömungen. Die bis heute größte Strömung des Buddhismus ist der Mahayana-Buddhismus, welcher allerdings auch wieder verschiedne Glaubensrichtungen unter seinen Namen vereint. In den ersten fünf Jahrhunderten nach dem Tod Sakyamundis breitete sich der Buddhismus vor allem in Zentralasien schnell aus und stieß mit der Zeit auch auf innere
1 =“unermessliches Licht“, Auch Amitayus = „unermessliches Leben“ und Amida - die japanische Form von Amitabha
3
Probleme. Die bis zur Zeitenwende vorherrschende Meinung, dass man nur zur Erlösung kommen kann, wenn man das Leben eines Mönches führt, war für die Laien, die sich in ihren Alltag mit allerlei Problemen und Sorgen herumschlagen mussten, nicht besonders attraktiv, sahen sie die Privilegien der Mönche sowieso als übertrieben an. Für sie stand nicht im Vordergrund, ganz für sich allein und in tiefer Versenkung die Erlösung zu erreichen, sondern es ging im alltäglichen Umgang mit der Lehre Buddhas darum, aktive Tugenden zu verwirklichen, so dass sich um die Zeitenwende eine neue Form des Buddhismus herausbildete, welche von ihren Anhängern als Mahayana (großes Fahrzeug) bezeichnet wurde. 2
In der Bezeichnung liegt auch schon die Neuartigkeit des Mahayana. Im Gegensatz zum Hinayana (kleines Fahrzeug) oder dem Sravakayana (Fahrzeug der Sravakas), ging es hier nicht mehr darum, für sich allein zum Arhat zu werden, um im Anschluß das Nirvana „betreten“ zu können, sondern nun kann sich auch der Laie darum bemühen selbst zum Buddha zu werden, um dann seine Allwissenheit dem Wohl aller Lebewesen zukommen lassen zu können. Der Vorteil liegt auf der Hand, ein Buddha, erreicht im Gegensatz zum Arhat nicht nur Heiligkeit und den Zugang zum Nirvana, sondern er erlangt zudem die höchst vollkommene Erleuchtung, die es ihm ermöglicht seine Weisheit an sein Umfeld weiter zu geben und somit dem Wohl aller zu dienen. So zögert ein Bodhisattva dann auch das Erreichen der höchsten Erleuchtung weit hinaus, da er weiß, wenn er das Nirvana erreicht hat, kann er niemanden mehr helfen auch diesen Weg zu gehen. 3
Es ging nun also nicht mehr um das Ideal der Heiligkeit, so wie es von Sakyamuni klar umrissen war, sondern Sakyamuni selbst und seine Taten wurde nun zum Vorbild. Zu beobachten ist diese Veränderung in der Literatur dieser Zeit. Die Jatakas (Erzählungen aus den früheren Leben des Sakyamundi) wurden durch Berichte bereichert, die von Freigiebigkeit, Sittlichkeit, Nachsicht, oder auch Willenskraft berichten, Eigenschaften, welche zu den insgesamt sechs Vollkommenheiten gehörten und im Mahayana Grundlage dafür sind die höchste Erleuchtung zu erreichen.
2.1 Eine kleine Einführung in die Lehre des Mahayana
Die Lehre des Mahayana besteht im wesentlichen aus sechs grundlegenden Punkten, die hier nur kurz erläutert werden sollen: 1. Die Einsicht in die Existenz und Nicht-Existenz der Dharmas, oder auch, alles ist aus gleicher Natur und diese Natur ist leer. So geht der
2 Vgl. Bechert/Gombrich S. 94
3 ebd.
4
Mahayana-Buddhismus davon aus, dass nicht nur die Persönlichkeit nichtexistent ist, sondern auch alle Natur um sie herum. 4 Das Erreichen des Nirvana, kann also nur dann gelingen, wenn man erkennt, dass man nicht in dieser Natur gefangen ist, sondern, dass man sich bereits im Nirvana befindet und bereits ein Buddha ist. Diese Einsicht führt auch gleich zum nächsten Punkt: 2. Es gibt keine äußerlichen Eigenschaften, sondern nur Leerheit. Der Mensch (also sein Geist) gibt allem Namen und Form und leidet dann, wenn sich diese ändern. Erst wenn er begreift, dass es all das nicht gibt, wird er begreifen, dass alles um ihn herum leer ist. 5 3. Die ersten beiden Einsichten führen direkt zum „Mittleren Weg“. Wenn alle Natur leer ist und nur ein Produkt des Geistes darstellt, dann begreift man auch, dass es kein gut und kein schlecht gibt, kein hoch noch tief usw. Diese Einsicht bringt den „Erkennenden“ auf den absoluten, den mittleren Weg, denn er begreift, dass alles leer ist und diese Leerheit das Absolute darstellt. 6 Dass was der Mensch als wahr empfindet (Die Wand ist weiß), ist nur die „konventionelle Wahrheit“, wenn er aber die Leerheit begreift, dann versteht er 4. „die absolute Wahrheit aller Phänomene“. 7 5. Da alles in der Natur gleich (und leer) ist, so durchdringen sich alle Phänomene. Nichts ist dem, der diese Einsicht erreicht im Weg, da alles leer ist und denjenigen, der dies erkennt nicht, behindert. Durch diese Wahrheiten kann am Ende festgehalten werden, dass 6. alle Phänomene das Absolute sind. 8
Aus diesen sechs Punkten, wird ersichtlich, dass nicht mehr, wie im Hinayana, das Leid im Vordergrund steht, sonder die Erkenntnis, dass alles das, was Leid hervorbringt, nur vom menschlichen Geist „produziert“ ist und in Wirklichkeit nicht existiert. So ist es die Aufgabe des Menschen, nichts mehr zu tun, nichts mehr zu reden, nichts mehr zu denken, um Erlösung und Frieden zu finden. 9 Nach dieser Vorstellung, ist jeder Mensch bereits ein Buddha, welcher allerdings die zehn Stufen bis zur Erleuchtung noch zu gehen hat. Erleuchtung steht hier immer im Zusammenhang mit dem erkennen, dass alles leer ist und es keine Materie gibt.
So steht im Mahayana die Erkenntnis der Leerheit im Mittelpunkt, eine Stelle, an welcher der Hiyanaha aufgehört hat. In Auseinandersetzungen zwischen den beiden Strömungen, vertreten die Anhänger des Mahayana die Meinung, dass ihre Lehre die eigentliche Lehre des Sakyamundis war und wie sie im Avatamsaka-Sutra
4 Vgl. Sahn S. 119
5 ebd.
6 ebd. S.119f
7 ebd. S.120f u. Bechert/Gombrich S. 99
8 ebd. S. 122
9 Vgl. Bechert/Gombrich S. 99
5
niedergeschrieben ist. Sakyamundis wäre zu seiner Zeit der Meinung gewesen, dass diese Lehre zu tiefgreifend sei, als dass man sie verstehen könnte und entwickelte deshalb zuerst die einfachere Lehre, die dann vom Hiyanaha vertreten wurde. 10
2.2 Die Vervielfachung der Buddhas und Bodhisattvas
Das Problem, welches eine Lehre (oder Religion), dessen Lehrmeister bereits tot ist, mit sich bringt, liegt auf der Hand. Die Hinterlassenschaften Sakyamundis konnten nur den Mönchen dienen, die sich streng an die Unterweisungen des Meisters hielten. Für das Volk war dies allerdings schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Wie bereits angesprochen war es ja der Drang nach den alltäglichen Tugenden, die dazu beigetragen haben, dass sich eine neue Form des Buddhismus hat entwickeln können. Ein weiterer Punkt war die Abwesenheit des Religionsstifters, dem zwar überragende Fähigkeiten zugesagt wurden, allerdings wurde er immer nur als Mensch betrachtet. Die Bedürfnisse des Volkes verlangen aber nach mehr als nur einer theoretischen Lehre, mit der man die Erlösung finden kann, vielmehr wird nach einem höheren Wesen, einem Pantheon, nach Mythologie oder Heiligen verlangt, 11 denn es geht um die alltäglichen Sorgen, auf die man Antworten sucht. Schon bei den Sravakas und den Anhängern des Hinayanas gab es Wundererzählungen im Zusammenhang mit Sakyamundis und es wurden dem Buddha teilweise unsterbliche Arhats und der zukünftige Buddha Maitreya 12 beiseite gestellt. Allerdings blieben dies nur Einzelerscheinungen.
Durch die rasche Verbreitung des Buddhismus, auch im einfachen Volk, wurde aus dem „Lehrer der Götter und Menschen“ schnell ein „Gott, der den anderen Götter überlegen ist“. Dieser Gott bekam zudem noch eine ganze Schar von Göttern und Schülern beiseitegestellt, die man, mit der Hoffnung auf Hilfe, anbeten konnte. In der weiteren Entwicklung des Mahayana wurde der Kosmos mit unzähligen Welten bereichert, welche alle von einem Buddha „regiert“ wurden und von zahlreichen Bodhisattvas bevölkert sind, welche die Wesen dieser Welten bekehren. Dabei kann ein Buddha auch in verschiedenen Welten gleichzeitig und in unterschiedlicher Gestallt auftreten. Unter den wichtigsten (oder bekanntesten) dieser Buddhas, findet man zum Beispiel auch den Buddha Amitabha, welcher im westlichen Paradies regiert und dessen Licht und Ewigkeit unermesslich sind, Buddha Aksobhya, der Unerschüttlerliche, welcher im
10 ebd. S.118
11 ebd. S. 96
12 der sozusagen eine Messiasrolle einnahm
6
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Marko Tomasini, 2004, Das Reine Land Sukhavati - Buddha Amitabha als Form der „buddhistischen Erlösungsreligion“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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