1 Fragestellung
Das ´Thema „Die ernährungswirtschaftliche Bedeutung des Einsatzes von Agrochemie und Gentechnologie“ ist in der Literatur oft im Zusammenhang mit der Welternährung und der Problematik des stetigen Wachstums der Weltbevölkerung zu finden. Im Mittelpunkt steht die Diskussion um die Rechtfertigung der Gentechnologie und die Frage, ob die W elternährung durch den Einsatz von Agrochemie und Gentechnologie zu sichern sei und welche Gefahren diese Methoden beinhalten.
Sechs Milliarden Menschen leben heute auf der Erde. 1 1960 waren es nur drei Milliarden Menschen. Dies bedeutet eine Verdopplung der Weltbevölkerung. Jährlich steigt die Weltbevölkerung um 81 Mio., von denen 76 Mio. in den Entwicklungsländern geboren werden. 2 Im Jahre 2050 soll es nach Prognosen der UN schon 9 Milliarden Menschen auf der Erde geben. 3 Wird es möglich sein so viele Menschen zu ernähren?
Statistisch lebte1950 ein Mensch auf 5000m², heute stehen ihm nur noch rund 3000m² zur Verfügung und die Prognosen für die Zukunft besagen, dass sich in 25 Jahren diese Fläche noch einmal auf die Hälfte reduzieren wird. 4 Diese Bevölkerungszunahme drängt zunehmend in Städte, und durch immer neues Bauland und den Bau von immer neuen Straßen verringern sich die Räume für Landwirtschaft. Deshalb wird versucht, die Landwirtschaft nicht mehr flächenmäßig auszudehnen, sondern durch Intensivierung der Anbaumethoden mehr Erträge pro ha zu gewinnen.
Die Frage, die sich daraus ergibt, ist in wie weit Agrochemie und Gentechnologie ihren Teil dazu beitragen sollen bzw. können, um die ausreichende Ernährung aller zu gewährleisten.
1 vgl.: Grüne Gentechnik - Ein Beitrag zu Welternährung, [http://www.transgen.de/pdf/ABWelternaerung.pdf;
03.01.2004]
2 vgl.: Opitz, Peter J.: Weltprobleme [http://www.stmuk.bayern.de/blz/web/100065/07urff.html; 03.01.2004]
3 vgl.: Grüne Gentechnik - Ein Beitrag zu Welternährung, [http://www.transgen.de/pdf/ABWelternaerung.pdf;
03.01.2004]
4 vgl.: Nachhaltige Landwirtschaft erzeugt gesunde und schmackhafte Nahrung [http://www.kemira-
growhow.com/NR/rdonlyres/2E8461B3-F645-4F64-9ED4-432ED9D80B3B/475/agritourde.pdf; 04.01.2004]
3
2 Einleitung
Die Welt-Getreideernte ist in den letzten 50 Jahren auf das Dreifache angestiegen, was laut „Trans Gen“ 5 auf den Erfolg der „Grünen Revolution“ 6 zurück zu führen ist. Doch auch diese enorme Steigerung der Erntemengen konnte nicht Stand halten, mit dem Wachsen der Erdbevölkerung. Die Agrochemie bediente sich oft eines einfachen Instruments, nämlich dem des Düngens. Doch diese klassische Möglichkeit, die Ernteerträge durch die Zugabe von Nährstoffen zu erhöhen, sind in vielen Ländern schon am oberen Limit die ein Boden aufnehmen kann. Um aber eine Versorgung der Menschen mit Nahrung weltweit zu gewährleisten, müssen die Lebensmittelerträge in der Zukunft um ein vielfaches gesteigert werden. Dabei darf man sich nicht nur auf die Ertragssteigerung und die Pflanzenzüchtung versteifen, sondern es gilt zu berücksichtigen, dass die Probleme der Unterernährung und die des Hungers nur unter stärkstem Einbezug der unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen zu bekämpfen sind. Ein neues Wundermittel im „Kampf gegen den Welthunger“ soll nun verstärkt die Gentechnologie sein. Durch den Einsatz der „Grünen Gentechnik“ sollen die Pflanzen genetisch verbessert werden, so dass sie ertragreicher, anspruchsloser und widerstandsfähiger werden, um Ernteverluste zu verhindern. Des weiteren ist es sogar möglich, die Nährwerte der Pflanzen zu erhöhen, z.B. den Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen.
Doch trifft dieser Eingriff keineswegs überall auf Zustimmung, da die Gefahren für Mensch und Umwelt noch nicht übersehbar und deshalb nicht kalkulierbar sind. Es wird prognostiziert, dass durch die Grüne Gentechnik die Armen mal wieder die Verlierer sein werden, da sie sich das gentechnisch veränderte Saatgut (transgenes Saatgut) nicht leisten können. 7
Kritiker sind der Meinung, dass die Gentechnik nicht in der Lage ist, einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Dritten Welt und zur Bekämpfung des Welthungers zu leisten, denn diese würde massive ökonomische Risiken für die Entwicklungsländer beinhalten. 8
5 vgl.: Grüne Gentechnik - Ein Beitrag zu Welternährung, [http://www.transgen.de/pdf/ABWelternaerung.pdf;
03.01.2004]
6 zur genaueren Erläuterung siehe nachfolgenden Exkurs
7 vgl.: Grüne Gentechnik - Ein Beitrag zu Welternährung, [http://www.transgen.de/pdf/ABWelternaerung.pdf;
03.01.2004]
8 vgl.: Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag
für den Diskurs Gentechnik des BMVEL
4
Exkurs: Die Grüne Revolution
„Die Grüne Revolution ist ein Begriff, der seit den sechziger Jahren verwendet wird, um Leistungen zu beschreiben, mit denen die Ernteerträge in landwirtschaftlich benachteiligten Regionen der Erde“ gesteigert werden.“ 9 Die Hauptkomponenten der Grünen Revolution sind:
- Hybridsaatgut
- Chemische Düngung
- Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft
- Künstliche Bewässerung
- Externe Finanzierung ( Kredite) 10
Ziel der Grünen Revolution ist es hitze-, kälte - und trockenheits-resistente Pflanzen zu züchten. Des weiteren war die Zielsetzung, versalzte oder chemisch verseuchte Böden wieder nutzbar zumachen und somit die Erträge der Landwirtschaft zusteigern. 11
3 Eine Einführung in die Biotechnologie und Gentechnik
3.1 Biotechnologie
Bevor man über Gentechnik spricht, muss erst einmal der Begriff der Biotechnik geklärt werden. „Biotechnik ist die technische Nutzung vom Lebewesen zum Zweck der Produktion“ 12 . In der Lebensmittelherstellung hat diese Art der Anwendung eine langjährige Tradition, aber erst in den l etzten Jahren wird sie mehr und mehr eingesetzt. Dies führt aufgrund neuer Züchtungstechniken im Bereich der Zell- und Gewebekulturen zu erhöhten landwirtschaftlichen Erträgen.
3.2 Gentechnik
Die Gentechnik ist ein neuer Bereich der Biotechnologie und ist im G runde genommen nichts weiter als die „technisch verfeinerte und effizientere Methode der
9 Microsoft Encarta: Stichwort: Grüne Revolution (Agrarpolitik)
10 vgl.: Die Grüne Revolution [www.univie.ac.at/igl.geschichte/kaller-dietrich/
html/ppp/09_Die%20Gruene%20Revolution.ppt; 08.01.2004]
11 vgl.: Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag
für den Diskurs Gentechnik des BMVEL
12 Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag für
den Diskurs Gentechnik des BMVEL
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Züchtung“ 13 zum Zwecke der Nahrungsmittelsteigerung und der Entwicklung von einer bäuerlichen Landwirtschaft über die Grüne Revolution hin, zu einer industriellen Agrarproduktion. Mit Gentechnik bezeichnet man eine Labortechnik, die die Landwirtschaft durch ihre Produkte verändert. 14 Somit ist die Gentechnologie die „Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden zur Änderung der genetischen Eigenschaften und Organismen. Man sagt dazu auch „rekombinante DNA- Technologie“; weil damit Erbinformation gezielt re- bzw. neu kombiniert werden kann.“ 15
Die Gefahr der Gentechnik liegt unter anderem darin, dass diese Technik sehr teuer ist und man versucht, die Natur als „Störfaktor“ aus der kapitalintensiven Landwirtschaft auszuschließen. Dies könnte dazu führen, dass nicht mehr die ökologischen Gesetze geachtet werden, sondern nur noch die rein ökonomischen Gesetze. Dabei würde nicht die nachhaltige Landwirtschaft im Vordergrund stehen, sondern nur noch der Kosten/Nutzen Faktor eine Rolle spielen. Solange die Ertragsrückgänge nicht zu schnell eintreten, wird nur auf die Erträge und den Profit geschaut, nicht auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und den Schutz der Natur. Deutlich wird dies besonders, wenn man sich die riesigen, chemieintensiven Monokulturen in Nord- und Ostdeutschland, England, USA oder der Dritten Welt anschaut. Diese riesigen Flächen, voll von Monokulturen, sind im Laufe der Grünen Revolution entstanden. 16
3.3 Die „Grüne Gentechnik“
Man unterscheidet die Grüne Gentechnik von der Roten Gentechnik. Die Rote Gentechnik ist das Anwenden der Gentechnik in der Medizin, und die Grüne Gentechnik bezieht sich auf die Anwendung in der Landwirtschaft, also die genetische Veränderung in der Pflanzenzucht. 17 Es wird also nicht mehr, wie im Falle der Grünen Revolution, im klassischen Sinne gezüchtet sondern die Pflanzen werden gentechnisch verändert.
13 vgl.: Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag
für den Diskurs Gentechnik des BMVEL
14 vgl.: Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag
für den Diskurs Gentechnik des BMVEL
15 vgl.: Gentechnologie I [http.//www.biokurs.de/skripten/13/bs13-10.htm; 10.01.2004]
16 vgl.: Spangenberg, Joachim H. (2002):Versprechen machen nicht satt. Gentechnik und Welternährung. Beitrag
für den Diskurs Gentechnik des BMVEL
17 vgl.: Gestrich, Christof (1998): Welternährung und Gentechnologie
6
Gentechnisch veränderte Pflanzen, dessen DNA gentechnisch von einer anderen Quelle stammt, nennt man transgene Pflanzen.
4 Gen- und Biotechnologie in der Pflanzenzüchtung
Das man Pflanzen zu verändern versucht, um bessere Erträge zu erzielen, ist nichts Neues. Seit Jahrtausenden züchtet der Mensch Pflanzen und versucht sie so an seine Bedürfnisse anzupassen. Mendel war der erste, der 1865 das Prinzip der „gezielten Auslesezüchtung“ wissenschaftlich erkannte, erklärte und zu gebrauchen wusste. Das Verfahren der klassischen Züchtung (Hybridzüchtungen, Auslesezüchtungen und Kombinationszüchtungen) wird auch heute noch genutzt. Diese Verfahren der Biotechnologie beschleunigen die Züchtung. Um eine neue Pflanzensorte herzustellen, benötigt es nach diesem klassischen Verfahren 10 bis 15 Jahre. Durch den modernen Einsatz der Gentechnik kann dies auf 4 bis 7 Jahre verringert werden. Die Gentechnik ist aber nur eine „Verfeinerungsmethode“ („Fine-Tuning“). Dies bedeutet, dass Gentechnik nur bei Sorten sinnvoll ist, die schon züchterisch gut charakterisiert sind. Die gentechnischen Verfahren stellen nur ca. 10% des züchterischen Aufwands da. 18
5 Die heutige Gentechnologie
Weltweit wurden bis Ende 1998 ca. 8.950 Freisetzungsversuche von gentechnisch veränderten Pflanzen unternommen. Die meisten davon in den USA (79%). In Kanada waren es 9% und Europa spielt mit weniger als 10% keine große Rolle. Die meisten Freilandversuche in Europa führt Frankreich durch. Frankreich führt ein Drittel aller Freilandversuche Europas durch, gefolgt von Italien mit 17%; Großbritannien mit 13% und Spanien mit 10%. 19
18 vgl.: Gaisser, Dr. Sibylle [http://www.leu.bw.schule.de/allg/publikationen/gentechnik/dokustuttgart2.pdf;
12.01.2004
19 vgl.: Gaisser, Dr. Sibylle [http://www.leu.bw.schule.de/allg/publikationen/gentechnik/dokustuttgart2.pdf;
12.01.2004
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Arbeit zitieren:
Till Wulf, 2004, Die ernährungswirtschaftliche Bedeutung des Einsatzes von Agrochemie und Gentechnologie, München, GRIN Verlag GmbH
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