Das Leben Franz von Papens bis 1932
Am 29.10.1879 wurde Franz von Papen als Kind adliger Eltern in Westfalen geboren. Er besuchte zunächst die örtliche Dorfschule, was als Adliger eher ungewöhnlich war, und wechselte 1890 im Alter von elf Jahren auf eine Kadettenschule, um später Offizier werden zu können. Die Familie von Papens war wie der preußische Adel
überhaupt eng mit dem Militärwesen verbunden. Der Vater August Adolph hatte als Hauptmann bei einer Kavallerie-Eliteeinheit, dem 5.Ulanenregiment in Düsseldorf gedient, während die Mutter die Tochter eines ebenfalls in Düsseldorf lebenden Kavallerie-Hauptmannes im Ruhestand war.
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Inhaltsverzeichnis
Das Leben Franz von Papens bis 1932
Militärattaché in Washington
Die Rückkehr ins politische Leben
Die „Germania“
Papen im Konflikt mit dem Zentrum
Papen als Wegbereiter Hindenburgs
Papen als Privatmann
Die Rückkehr in die Politik und die Ernennung zum Reichskanzler
Papen als Wegbereiter Hitlers
Der „Preußenschlag“
Schleichers „Querfront“ und das Scheitern des „Kabinetts der Barone“
Geheimverhandlungen mit Hitler
Papen als Vizekanzler Hitlers
Die „Marburger Rede“
Der Röhm-Putsch
Papen als Gesandter Hitlers in Österreich
Von Wien nach Ankara
Die Kriegsverbrecherprozesse und der Lebensabend
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die politische Biografie von Franz von Papen und untersucht dabei insbesondere seine Rolle als Wegbereiter für den Aufstieg Hitlers sowie die Etablierung des NS-Regimes. Die zentrale Fragestellung konzentriert sich darauf, wie Papen trotz seiner konservativ-monarchistischen Einstellung zur Etablierung einer Diktatur beitrug und inwiefern er versuchte, die Nationalsozialisten innerhalb eines „kontrollierten Rahmens“ zu führen.
- Biografische Entwicklung von Papens Anfängen bis 1932
- Die Rolle Papens beim Sturz der preußischen Regierung („Preußenschlag“)
- Geheimdiplomatie und die strategische Zusammenarbeit mit Hitler
- Die Funktion der „Marburger Rede“ als Kritik und Zäsur gegenüber dem NS-Regime
- Papens agieren als Vizekanzler und seine politische Bedeutung im Dritten Reich
Auszug aus dem Buch
Papen als Wegbereiter Hitlers
Papen war bei seinem Amtsantritt den meisten Deutschen noch nicht bekannt, und wenn, dann meistens wegen seiner Rolle als skandalumwitterter Militärattaché während des Ersten Weltkriegs. Insofern löste seine Betrauung mit dem höchsten deutschen Regierungsamt allgemeines Erstaunen in der Öffentlichkeit aus. Schleicher galt vielen als der eigentliche Kabinettschef, der im Hintergrund die Fäden zog, während Papen selbst nur als Vorzeigefigur und Kompromißkanzler der zerstrittenen Parteien zu fungieren schien.
Schleicher hatte bereits über Unterhändler zu erfahren versucht, unter welchen Voraussetzungen sich die NSDAP wohl bereit erklären würde, anstatt der SPD als Tolerierungspartei zu arbeiten. Die NSDAP forderte eine sofortige Auflösung des erst vor zwei Jahren gewählten Reichstages und die Ausschreibung von Neuwahlen (die nur mit einem Sieg der Nationalsozialisten enden konnten), die Aufhebung des Verbotes von SA und SS (die als Terrororganisationen verboten waren) sowie die Absetzung der preußischen Landesregierung unter dem Sozialdemokraten Otto Braun, um den Dualismus Preußen - Reich zu beseitigen und eine NSDAP-geführte preußische Landesregierung zu erreichen. Eine Zusage und Billigung dieser Forderungen mußten Hitler zwangsläufig den Weg zur Errichtung seiner Diktatur ebnen.
Papen bildete nach Unterredungen mit Schleicher ein Kabinett der nationalen Konzentration, das wegen seiner Zusammensetzung im Volksmund „Kabinett der Barone“ hieß. Es setzte sich zum größten Teil aus ultrakonservativen, ständisch ausgerichteten Aristokraten zusammen und stützte sich auf das Vertrauen des Reichspräsidenten, nicht das des Reichstages. Papen regierte mit Hilfe von Notverordnungen und weitgehend ohne den Reichstag. Da die Mitglieder des Kabinetts, deren Jungkonservatismus häufig keine klaren Grenzen mehr zum Faschismus mehr aufwies, den deutschen Staat von seiner Versorgerrolle befreien wollte, kürzte man im Zuge der Wirtschaftsnotverordnung vom 14. Juni 1932 in für die darauf Angewiesenen unerträglichem Maße die sozialen Leistungen, subventionierte aber gleichzeitig verstärkt die Großgrundbesitzer.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Leben Franz von Papens bis 1932: Detaillierte Betrachtung des familiären Hintergrunds und des Aufstiegs in militärischen und diplomatischen Kreisen bis zum Beginn seiner Kanzlerschaft.
Papen als Wegbereiter Hitlers: Analyse der politischen Strategien Papens, die durch das „Kabinett der Barone“ und die Aushöhlung demokratischer Strukturen den Weg Hitlers zur Macht ebneten.
Papen als Vizekanzler Hitlers: Untersuchung seiner Machtlosigkeit als Vizekanzler, während er versuchte, die NS-Politik nach außen zu legitimieren.
Der Röhm-Putsch: Darstellung von Papens politischer Marginalisierung und seiner zwiespältigen Haltung während der gewaltsamen Ausschaltung interner Opposition.
Papen als Gesandter Hitlers in Österreich: Untersuchung seiner diplomatischen Tätigkeiten in Wien und seines weiteren Einsatzes für das Regime trotz zunehmender Isolation.
Die Kriegsverbrecherprozesse und der Lebensabend: Bericht über Papens Anklage in Nürnberg, das anschließende Spruchkammerverfahren und seine letzten Lebensjahre.
Schlüsselwörter
Franz von Papen, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Hitler, Kabinett der Barone, Preußenschlag, Schleicher, Marburger Rede, Röhm-Putsch, Konservatismus, Vizekanzlerschaft, Reichspräsident Hindenburg, Machtübernahme, NSDAP, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit zeichnet die politische Laufbahn von Franz von Papen nach und beleuchtet dessen entscheidende Rolle bei der Destabilisierung der Weimarer Republik und dem Aufstieg des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der konservativen Politik Papens, seiner geheimen Verhandlungen mit Hitler, seinem Agieren während der Kanzlerschaft und der Vizekanzlerschaft sowie seiner späteren diplomatischen Rolle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie Papen durch seine antidemokratische Gesinnung und seine politische Strategie, Hitler zu „umrahmen“, unbeabsichtigt und bewusst den Weg in die Diktatur bahnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die primär auf der Auswertung von Literatur und zeithistorischen Quellen basiert, um Papens politische Handlungsspielräume und Fehlentscheidungen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von seinen Anfängen über den „Preußenschlag“ und das „Kabinett der Barone“ bis hin zur diplomatischen Vertretung unter Hitler und den Nürnberger Prozessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtübernahme, konservative Eliten, autoritäre Staatsführung und die Rolle von Schlüsselpersonen wie Hindenburg oder Schleicher charakterisiert.
Welche Bedeutung wird der „Marburger Rede“ in der Arbeit zugeschrieben?
Die Arbeit stellt die „Marburger Rede“ als einen der wenigen Momente dar, in denen Papen sich offen gegen den NS-Totalitätsanspruch äußerte, auch wenn die Rede primär aus der Feder Edgar Julius Jungs stammte.
Wie wird Papens Verhalten während des sogenannten „Röhm-Putsches“ bewertet?
Die Arbeit unterstreicht, dass Papen nach der Ermordung seiner engsten Mitarbeiter moralisch in eine Position geriet, in der er zwar schockiert war, jedoch dennoch aus Angst oder Opportunismus weiterhin um Hitlers Gunst buhlte.
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- Oliver Borgwardt (Author), 1999, Franz von Papen und der Röhm-Putsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3595