Oliver Borgwardt
WS 98/99
Einführungsseminar : Der sog. Röhm-Putsch vom 30. Juni 1934 15.03.1999
Franz von Papen und der Röhm-Putsch
2
Inhalt: 'DV/HEHQ)UDQ]YRQ3DSHQVELV Militärattaché in Washington Die Rückkehr ins politische Leben Die „Germania“ Papen im Konflikt mit dem Zentrum Papen als Wegbereiter Hindenburgs Papen als Privatmann
Die Rückkehr in die Politik und die Ernennung zum Reichskanzler 3DSHQDOV:HJEHUHLWHU+LWOHUV Der „Preußenschlag“
Schleichers „Querfront“ und das Scheitern des „Kabinetts der Barone“ Geheimverhandlungen mit Hitler 3DSHQDOV9L]HNDQ]OHU+LWOHUV Die „Marburger Rede“ 'HU5|KP3XWVFK 3DSHQDOV*HVDQGWHU+LWOHUVLQgVWHUUHLFK Von Wien nach Ankara 'LH.ULHJVYHUEUHFKHUSUR]HVVHXQGGHU/HEHQVDEHQG /LWHUDWXU
'DV/HEHQ)UDQ]YRQ3DSHQVELV
Am 29.10.1879 wurde Franz von Papen als Kind adliger Eltern in Westfalen geboren. Er besuchte zunächst die örtliche Dorfschule, was als Adliger eher ungewöhnlich war, und wechselte 1890 im Alter von elf Jahren auf eine Kadettenschule, um später Offizier werden zu können. Die Familie von Papens war wie der preußische Adel überhaupt eng mit dem Militärwesen verbunden. Der Vater August Adolph hatte als Hauptmann bei einer Kavallerie-Eliteeinheit, dem 5.Ulanenregiment in Düsseldorf gedient, während die Mutter die Tochter eines ebenfalls in Düsseldorf lebenden Kavallerie-Hauptmannes im Ruhestand war.
Durch die Beziehungen des Vaters zu den Hohenzollern in Berlin wurde es Papen ermöglicht, zum Hauptkorps der Kadetten nach Groß-Lichterfelde bei Berlin versetzt zu werden, nachdem er bereits zum Unteroffizier befördert worden war. Dort wurde er ins Königliche Pagenkorps eingereiht und fand so seinen Weg in die Berliner Hofgesellschaft.
Nach der bestandenen Offiziersprüfung meldete der Vater Papen bei seinem alten Ulanenregiment in Düsseldorf an. Düsseldorf galt als vielversprechend für Verbindungen suchende junge Adlige. Durch die allgemeine Verarmung des Adels wurde es immer mehr üblich, daß junge Adlige nach einer „guten Partie“ Ausschau hielten. Dazu suchte man Kontakt zu Großindustriellen und Bankiers, die wiederum den Adelstitel als höchst erstrebenswert erachteten und nach mehr gesellschaftlichem Prestige drängten. Da eine Cousine Papens in die saarländische Industriellenfamilie Boch-Galhau eingeheiratet hatte, die sehr eng mit der namhaften Firma Villeroy & Boch verbunden war, pflegte Papens Familie willkommene Beziehungen zu dieser Familie. Daraus ergab sich dann auch Papens Beziehung zu Martha von Boch-Galhau, Tochter des Familienoberhauptes Privy Councillor René von Boch-Galhau, die er 1905 heiratete. Die Mitgift des reichen Schwiegervaters ermöglichte Papen ein viel standesgemäßeres und luxuriöseres Leben als zuvor. Beispielsweise konnte er seiner Leidenschaft des Reitsports nun unabhängig von vermögenden Rennstallbesitzern nachgehen.
Papens Schwiegervater, der 1908 starb, war vom preußischen Militärwesen fasziniert und drängte Papen, sich der Ausbildung zum Generalstabsoffizier in Berlin zu unterziehen. So diente Papen in seiner fünfjährigen Ausbildungszeit beim 1. Garderegiment der Ulanen in Potsdam und schloß seine Ausbildung 1913 mit Erfolg
4
ab. Während dieser Zeit hatte er sich auf die Zusammenarbeit mit dem österreichisch-ungarischen Generalstab in der Sektion 10 ( die sog. Österreich-Abteilung) spezialisiert.
0LOLWlUDWWDFKpLQ:DVKLQJWRQ
Durch die Kontakte seines Vaters zum Kaiser Wilhelm II. wurde Papen schon bald dem diplomatischen Dienst zugeordnet und bekam bereits 1913, im Alter von nur 34 Jahren, die Stelle eines für die USA und Mexiko zuständigen Militärattachés in Washington. Da die USA zu dieser Zeit nur über eine sehr kleine Armee verfügten, handelte es sich bei dieser Anstellung eher um eine seinen speziellen Fähigkeiten entsprechende Anstellung und um eine Weiterführung der Ausbildung auf diplomatischem Parkett. Papen galt als kulturinteressierter Mann mit hervorragenden Manieren, der sich bei Hofe und in Salons und Clubs der Oberschicht zu bewegen vermochte, er besaß ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse und eine beachtliche Schreibgewandtheit. Insofern schien er für das Amt gut geeignet zu sein. Im Frühjahr 1914 siedelte Papen ohne seine Frau, die kurz vor der Geburt seines vierten Kindes stand, in die USA über. Dort traf Papen mit einigen Leuten zusammen, die seiner Karriere später noch förderlich werden sollten, insbesondere Karl Freiherr von Lersner, der ihm in der zweiten Hälfte des ersten Weltkrieges als Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Obersten Heeresleitung für besondere Aufgaben vorschlug und ihm speziell zwischen 1932 und 1934 als Verbindungsmann hinter den Kulissen diente.
Als der 1.Weltkrieg ausbrach, sollten die amerikanischen Waffen- und Munitionslieferungen an die Entente unterbunden werden. Papen versuchte vergeblich, durch Zusammenarbeit mit höchst fragwürdigen Personen zwei nach Kanada führende Brücken sprengen zu lassen. Im Sommer 1915 bekam Papen nochmals den Auftrag des deutschen Generalstabes, eine Sabotageaktion zu organisieren und dieses Mal speziell die Canadian Pacific-Eisenbahn nach den neutralen Vereinigten Staaten zu unterbrechen. Jedoch gelang es dem kanadischen Geheimdienst schon vor dem Anschlag, die Agenten Papens zu verhaften. Auch der Versuch, die kleine amerikanische Rüstungsindustrie durch massiven Aufkauf von Rüstungsgütern und Abwerbung von Arbeitskräften lieferungsunfähig zu machen, scheiterte, da der Plan aufflog und regelrecht zu einer Pressesensation gemacht
5
wurde. Zudem konnte man Papen noch Verbindungen zur terroristischen irischen Unabhängigkeitsarmee nachweisen, was ihn insgesamt derart bloßstellte, daß man ihn zur „Persona ingrata“ erklärte und aus dem Lande wies. Trotz der Mißerfolge bekam Papen keine Beschwerden seitens des Generalstabes oder des Kaisers zu hören. Seine Kritik an der Zweckmäßigkeit des uneingeschränkten U-Boot-Krieges führte jedoch dazu, daß Papen kurzfristig zum Militärdienst an der Westfront befohlen wurde, wo er vom Sommer 1916 bis zum Sommer 1917 blieb. Als die USA im April 1917 in den Weltkrieg eintraten, wurden jüngere deutsche Offiziere vielfach stärker in die höhere Generalstabsarbeit eingebunden. Papen gelangte im Juni 1917 über Lersner, der ihm als Fürsprecher im Großen Hauptquartier diente, an eine Kommandostelle als Stabsoffizier und Leiter der Operationsabteilung der Heeresgruppe unter Falkenhayn in Mesopotamien. Der deutsche Generalstab hatte zwecks besserer Kontrolle die höheren Kommandostellen in der Türkei mit deutschen Offizieren besetzen lassen. In dieser Position konnte Papen seine diplomatischen Erfahrungen nutzen und ausweiten, sowie vielfältige Bekanntschaften schließen, die ihm später als deutscher Botschafter in der Türkei noch sehr nützlich werden sollten. 1918 ließ sich Papen angesichts der drohenden Niederlage der deutschen und türkischen Truppen an der Palästinafront rechtzeitig in seinem Amt ablösen und kehrte nach Deutschland zurück. Er quittierte den Militärdienst, weil er keine Chance sah, auf diplomatischem Gebiet wirken zu können, und wurde in Merfeld bei Dülmen Gutspächter. Dort wartete er auf eine Gelegenheit, wieder politisch tätig werden zu können.
'LH5FNNHKULQVSROLWLVFKH/HEHQ
In Westfalen konnte Papen keine politische Karriere in der zu seiner katholischen Erziehung und bisherigen Tätigkeit passenden konservativ-monachistischen DNVP beginnen, da diese eher im evangelischen Osten Deutschlands verankert war und im katholischen Westfalen nicht so recht Fuß fassen konnte. Um als Interessenvertreter der westfälischen Grundbesitzer in den preußischen Landtag gewählt zu werden, mußte Papen sich also mit einer Mitgliedschaft in der katholischen Zentrumspartei zurechtfinden. Zudem war das Zentrum an ihm aufgrund seiner vielfältigen Verbindungen, seinen Fähigkeiten und seiner konservativen Gesinnung interessiert, da vor allem die Mitglieder der Bauernvereine sowie der katholische Adel in Preußen
6
der zunehmende Linksentwicklung des Zentrums und dessen parlamentarischen Bündnis mit den Sozial- und Liberaldemokraten abweisend gegenüber standen und sich einen konservativen Interessenvertreter mit guten Kontakten zu den Deutschnationalen wünschten. Von Beginn an stand Papen in Opposition zum linken, sich zum parlamentarisch-demokratischen System bekennenden Flügel der Partei. Er war überzeugter Monarchist und machte auch keinen Hehl daraus. Bei den preußischen Landtagswahlen im Februar 1921 wurde Papen auf Anhieb in das Abgeordnetenhaus gewählt. In der ersten Legislaturperiode von 1921 bis 1924 trat Papen als Finanzexperte seiner Partei in Erscheinung und ließ sich in den für Etatfragen zuständigen Ausschuß des Abgeordnetenhauses und in den Aufsichtsrat zweier Banken wählen. Zwar setzte sich Papen für die Erfüllung des Versailler Vertrages und gegen die sogenannte Katastrophenpolitik ein ( was ihm nach dem Scheitern derselben den Ruf eines weitsichtigen Politikers einbrachte), ansonsten nutzte er aber jede Gelegenheit, um Reden im Abgeordnetenhaus zu halten, die den Beifall der Rechten finden konnten. Beispielsweise bekämpfte er jegliche Pläne für eine Bodenreform und trat für die Beibehaltung patriarchalischer Verhältnisse in der Landwirtschaft ein, obwohl er viele kleinbäuerliche Anhänger des Zentrums, die sich von den Großgrundbesitzern ausgebeutet fühlten, vor den Kopf stieß. Die Interessen von Industrie und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen war indes nicht einfach. Papen suchte nach Möglichkeiten, Interessengemeinschaften mit der Industrie zu bilden.
'LHÄ*HUPDQLD³
Der rechte Flügel des Zentrums war zwar klein, aber vermögend, und die Mitglieder suchten ständig nach Wegen, ihre Machtbasis auszuweiten. Als die beste Möglichkeit dazu wurde Aktienbesitz am Verlag der Parteizeitung „Germania“ angesehen. Im Mai 1924 erwarb Papen in verdeckter Zusammenarbeit mit einigen Großindustriellen das Aktienpaket des Direktors der Handels- und Diskontobank Franz Semer und erlangte so die Majorität, was ihm die Gelegenheit bot, auf das Zentralorgan des Zentrums nach seinem Gusto Einfluß zu nehmen. Nach dieser Aktion, bei der ihm das Geld einiger seiner politischen Freunde, insbesondere des Großindustriellen Hugo Stinnes jr., sehr geholfen hatte, wurde Papen immer mehr vorrangiger Interessenvertreter der Industrie. Er spielte eine brückenschlagende
7
Arbeit zitieren:
Oliver Borgwardt, 1999, Franz von Papen und der Röhm-Putsch, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Minderheiten und Randgruppen im Mittelalter
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die 'Außenpolitik' des Kreisauer Kreises - Moltke und Trott un...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 33 Seiten
Strukturen der Herrschaft Ottos des Großen
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 25 Seiten
The Language of Beer Advertisements
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 10 Seiten
Oliver Borgwardt hat den Text Franz von Papen und der Röhm-Putsch veröffentlicht
Oliver Borgwardt hat einen neuen Text hochgeladen
Stupid Wars: A Citizen's Guide to Botched Putsches, Failed Coups, Inan...
Ed Strosser, Michael Prince
0 Kommentare