Gliederung
1. Einleitung/Fragestellung/Vorgehensweise 3
2. Konzepte der Selbstorganisation 3
2.1. Die Selbstorganisation in den Naturwissenschaften 3
2.1.1 Synergetik 3
2.1.2 Autopoiese 4
3. Grenzen der Selbstorganisation 6
3.1 Überführung vom naturwissenschaftlichen Konzept in eine
soziale Sichtweise 6
3.2 Hemmnisse von spontanen Ordnungen 7
4. Übertragung in die Organisationstheorie 8
5. Steuerung sozialer Systeme 10
5.1 Ist Steuerbarkeit in sozialen Systemen möglich? 12
5.2. Steuerung zwischen Selbst- und Fremdorganisation 13
6. Systemische Beratung 14
6.1 Organisationsverständnis des systemischen Beraters 14
6.2 Der Beratungsprozess 15
7. Kritische Würdigung 16
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung/Fragestellung/Vorgehensweise
Die Organisationstheorie hat neben der Auffassung, das Organisationshandeln sei von außen steuerbar einen alternativen Ansatz der Selbststeuerung ausgebildet. Gegensätzlich zu der klassischen Organisationsidee, nach der Organisationen durch spezifische Regelungen s teuerbar sind, geht der zweite Ansatz davon aus, dass es in Organisationen - oder allgemeiner in komplexen sozialen Systemen - zu spontanen Ordnungsbildungen kommt. Es stellt sich also bei der Steuerung komplexer Sozialsysteme die Frage nach Fremd- oder Selbstorganisation. Wir wollen dabei der Frage nachgehen, welche Form der Steuerung besser dazu in der Lage ist, ein System zu lenken. Vor allem unter der Annahme, sich verändernder Umwelten und Anforderungen werden Grenzen und Möglichkeiten der beiden Modelle deutlich. Hier soll also zunächst das Konzept der Selbstorganisation erläutert werden. Danach sollen Möglichkeiten und Grenzen dieses Modells im Vergleich zur Fremdorganisation aufgezeigt werden und anschließend soll das Modell auf seine Relevanz für die Praxis überprüft werden.
2. Konzepte der Selbstorganisation
Konzepte der Selbstorganisation entstanden vor allem in den 1960er und 1970er Jahren. Im Folgenden werden einige naturwissenschaftliche Konzepte der Selbstorganisation aufgegriffen und erläutert, da sie teilweise in die Organisations- und Managementtheorie übertragen wurden.
2.1 Die Selbstorganisation in den Naturwissenschaften
2.1.1 Synergetik
Anfang der 1960er Jahre war die Synergetik aus der Theorie des Lasers hervorgegangen, dessen Begründer Hermann Haken, ein Professor für theoretische Physik, ist. Er untersuchte anhand des Lasers wie durch das Zusammenwirken vieler unabhängiger Teile (der Lichteilchen) kohärentes - also zusammenhängendes - Verhalten (das Laserlicht) entsteht. Die Synergetik kann daher beschrieben werden als ein Forschungsgebiet, dass sich mit dem Zusammenwirken der einzelnen Teile eines Systems befasst, das räumliche, zeitliche und funktionelle Strukturen hervorbringt (Paslack, 1991: 100). Das heißt, wie sich natürliche Systeme selbst organisieren.
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Normales Licht - z.B. aus einer Lampe - und Laserlicht unterscheiden sich nur in dem Zusammenwirken der einzelnen Lichtteilchen. Die Lichtteilchen als solches sind in beiden Systemen identisch, lediglich die Lichtwellen, die sie erzeugen sind unterschiedlich. Im Licht der Lampe herrscht ein Gemisch von Lichtwellen mit unterschiedlicher Frequenz und Phase, also Unordnung. Im Laserlicht dagegen herrscht kohärente Ordnung, es besteht praktisch nur aus einem einzigen Wellenzug, der die gesamte Energie des lichtelektrischen Feldes bündelt (ebd.: 103).
Die Ursache dafür liegt in der Koordination der Emissionen der Laseratome. Und diese Koordination wird vom Laserlicht selbst geleistet. Bedingt durch den Aufbau der Laserapparatur erhält ein bestimmter Wellenzug einen minimalen Vorteil gegenüber allen anderen, sich zu verstärken. Damit werden automatisch alle anderen Laserelektronen dazu gezwungen ihre Lichtwellen in gleicher Phase mit der bevorzugten Welle auszusenden. Dadurch entsteht das Laserlicht schließlich aus nahezu vollkommen kohärenten Wellenzügen - aus der unordentlichen Basis der verschiedenen Phasen und Frequenzen entsteht eine nahezu perfekte Ordnung (ebd.: 104)
Dabei ist die „siegreiche“ Welle keinesfalls als Zerstörer der and eren Wellen anzusehen, diese existieren weiter. Lediglich die Wechselwirkung untereinander bewirkt, dass diese Welle als Ordner auftritt. Die Elektronen selbst - also die Systemmitglieder - bringen durch ihr gleichmäßiges Schwingen diesen Ordner allerdings selbst hervor. Das Auftreten des Ordners und das kohärente Verhalten der Elektronen bedingen sich demnach gegenseitig (Richter, 1994: 13).
Der Laser stellt jedoch nur einen Spezialfall in einer viel größeren Wirklichkeit dar, wie Haken später feststellte. Das Prinzip der Selbstorganisation lässt sich seiner Auffassung nach auch auf viele andere - z.B. biologische und soziale - Systeme ausweiten (Paslack, 1991: 106-107). Die Synergetik ist seit dieser Zeit der Wissenschaftsbereich, der die Prinzipien und Mechanismen für das Zusammenwirken der einzelnen Teile in einem System untersucht und versucht die daraus resultierenden Strukturen zu erklären.
2.1.2 Autopoiese
Die chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela, die sich mit den Prinzip ien der Organisation von Lebewesen sowie der Arbeitsweise des Nervensystems auseinandersetzten, begründeten die Theorie der Autopoiese in den frühen 1970er Jahren. Maturana sah in der klassischen Beschreibung der Systeme einen großen Nachteil, nämlich, dass bisher diese Beschreibung immer von außen vorgenommen wurde. Der Betrachter des
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Systems schrieb dabei dem Zusammenspiel der Komponenten bzw. ihrem interaktiven Verhalten einen funktionalen Sinn zu. Dieses darf dann jedoch nicht als objektives Wissen ausgegeben werden, sondern muss als relativ zu dem Beobachterkontext gesehen werden Paslack, 1991: 153).
Das autopoietische System zeichnet sich dann nach Maturana auch dadurch aus, dass es seine Komponenten selbst durch das Netzwerk der Operationen herstellt, das durch eben diese Komponenten definiert wird. Das System ist dabei selbstreferentiell und operativ geschlossen (Richter, 1994: 14), d.h. die Komponenten interagieren derart miteinander, dass sie an der Erzeugung der weiteren Komponenten teilhaben und diese Komponenten nicht aus einer Umwelt heraus entstehen, sondern vollständig aus den systeminternen Operationen heraus. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt von autopoietischen Systemen ist auch die informationale Geschlossenheit des Systems (Paslack, 1991: 14). Damit ist gemeint, dass das System nicht in einem klassischen Input-Output-Verhältnis mit seiner Umwelt steht, sondern sich seine Umwelt selbst erschafft.
Von Maturana und anderen wurde dies anhand von Untersuchungen über die Aktivität von Nervenze llen bei der Farbbetrachtung experimentell belegt. Die Experimente zeigten, dass die Aktivitäten der Nervenzellen keine vom Lebewesen unabhängige Umwelt spiegeln, sondern lediglich einen Rahmen von Relationen bilden. Die Netzhaut nimmt dabei zwar Informationen von der Umwelt auf, allerdings werden diese Informationen von der Netzhautalso einer Systemkomponente - selektiert. Dies geschieht durch die Interaktion mit der Umwelt, also z.B. des scharf/unscharf Sehens in Folge von unterschiedlicher Aktivierung der Ganglienzellen. Und zum anderen wird auch schon der Zusammenhang in Bezug auf die Bedeutung der Parameter definiert, ob also eine bestimmte Farbe eine bestimmte Wirkung erzielt oder eine bestimmte Handlung begründet (Paslack, 1991: 158 ff). Das autopoietische System verarbeitet also keine Umweltinformationen, sondern erzeugt immer nur netzwerkinterne Relationen. Die Umwelt wirkt lediglich in Form von Störeinflüssen auf das System ein, während die Selektion und Interpretation vollkommen systeminterne Vo rgänge sind.
Jedoch ist das Überleben des Systems davon abhängig, ob diese internen Vorgänge zu mit der Umwelt kompatiblen Interaktionen führt. Nach Maturana herrscht demnach zwischen dem System und seiner Umwelt eine „strukturelle Kopplung“ (ebd.: 165). Die Selbstorganisation autopoietischer Systeme lässt sich also an der spontanen Interaktion von ansonsten unabhängigen Elementen festmachen. Und sobald diese Elemente miteinander interagieren werden sie gleichzeitig zum Bestandteil des Organismus.
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Arbeit zitieren:
Benjamin Behrens, G. Schiecke, 2005, Selbstorganisation von Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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