Empowerment in der sozialen Arbeit
0. Einführung
1. Definitionen von Empowerment
2. Die Philosophie der Menschenstärken: Grundprinzipien und Wertebasis des Empowerment-Konzeptes
3. Methoden des Empowerments
4. Die neuen Rollen der professionellen Helfer
5. Empowerment und Organisationsentwicklung: Der Empowermentzirkel 5.1. Betrachtung der Autorin zur Team der Radebeuler Sozialprojekte gGmbH 5.2. Zum Interview „Empowerment als Firmenphilosophie?“ mit dem Diplom-Pädagogen Eckard Mann, Geschäftsführer der Radebeuler Sozialprojekte gGmbH
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
8. Erklärung
9. Anhang
9.1. „Empowerment als Firmenphilosophie?“ - Interview mit dem Diplom-Pädagogen Eckard Mann, Geschäftsführer der Radebeuler Sozialprojekte gGmbH (Wortlaut)
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0. Einführung
Empowerment ist in aller Munde. Kaum ein Mitarbeiter im sozialen Tätigkeitsfeld hat dieses Wort heute noch nicht gehört.
Die Autorin beschäftigt sich seit einiger Zeit mit diesem Schlagwort. Das Schlüsselerlebnis hatte sie, als ihr Arbeitgeber vor einiger Zeit allen Mitarbeitern das Buch „Empowerment in der sozialen Arbeit“ von Norbert Herriger schenkte und den Auftrag gab, sich mit dem Thema genauer zu beschäftigen. So hat die vorliegende Arbeit mehrere Funktionen. Einerseits die Aneignung von theoretischen Grundlagen zum Them a Empowerment und andererseits das Vertiefen der eigenen Firmenphilosophie. Deshalb interessierte sich die Autorin auch für die Empowerment- Arbeit in Organisationen.
Die Autorin führte ein Interview mit dem Geschäftsführer der Radebeuler Sozialprojekte, in dem dieser die Firmenphilosophie erläutert und Parallelen zum Empowerment-Konzept herstellt. Sie wird das Interview kurz auswerten und mit den erarbeiteten theoretischen Grundlagen vergleichen.
Die vorliegende Arbeit soll eine kleinen Einblick in das Thema „Empowerment in der sozialen Arbeit“ geben und einige Grundsätze der Empowerment-Arbeit wiedergeben.
1. Definition von Empowerment
„Empowerment bedeutet sinngemäß „Selbstbemächtigung“ oder auch “Stärkung von Autonomie und Eigenmacht“ und ist eine Sammelkategorie für alle Arbeitsansätze in der psychosozialen Praxis, die die Menschen zur Selbstentdeckung ihrer Stärken ermutigen und ihnen Hilfestellungen bei der Aneignung von Selbstbestimmung und Lebensautonomie vermitteln. Das Ziel der Empowerment-Praxis ist es, die vorhandenen, aber oft verschütteten Fähigkeiten der Adressaten sozialer Dienstleistungen zu autonomer Alltagsregie und Lebensorganisation zu stärken und Ressourcen freizusetzen, damit sie ihre eigene Lebenswege und Lebensräume frei gestalten können. (vgl. Herriger 4, 2002, S. 262)
Zwei Auslegungen lassen sich unterscheiden:
o Empowerment als Selbstbemächtigung problembetroffener Personen
Es bezeichnet hier einen selbstinitiierten und eigengesteuerten Prozess der Herstellung von Selbstbestimmung in der Gestaltung des eigenen Lebens. Es betont dem Aspekt der Selbsthilfe und der aktiven Selbstorganisation der Betroffenen.
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o Empowerment als professionelle Unterstützung von Autonomie und Selbstgestaltung Hier richtet sich der Blick auf die Seite der Mitarbeiter psychosozialer Dienste, die Prozesse der Aneignung von Selbstgestaltungsprozessen anregen, fördern und unterstützen, sowie die Ressourcen für Empowerment-Prozesse bereitstellen. (vgl. Herriger 1, 2002, S. 11ff) Empowerment versteht sich nicht als Methode, sondern vielmehr als professionelle Haltung im sozialen Handeln, welche die Förderung von Potentialen der Selbstorganisation fokussiert. (vgl. Galuske, 1998, S. 270)
2. Die Philosophie der Menschenstärken : Grundprinzipien und Wertebasis des Empowermentkonzeptes
Empowerment ist ein Einladung an alle psychosozial Tätigen zum Perspektivenwechsel, nach eigenem Verständnis ein Gegenrezept gegen den Defizitblick-Winkel. Es ist der Abschied von traditionellen Sichtweisen auf die Klienten, die in ihren Identitätsentwürfen, in ihren lebensgeschichtlichen Erfahrungshorizonten und Bindungsnetzwerken oft nur allein in Kategorien von Mangel, Unvermögen und Schwäche wahrgenommen wurden. (vgl. Herriger 4, S. 262)
Das Empowerment-Konzept bricht mit diesen Blick auf die Defizite der Biographie der Klienten und stellt sie als kompetente Akteure dar, welche über das Vermögen verfügen, ihr Leben in eigener Regie zu gestalten und Lebenssouveränität zu gewinnen. (vgl. Herriger 4, S. 262)
Das Modell von der „Philosophie der Menschenstärken“ ist grundlegend und leitend für die Empowerment-Praxis und umfasst folgende sechs Bausteine:
o Das Vertrauen in die Fähigkeit jedes einzelnen zur Selbstgestaltung und zu gelingendem Lebensmanagement
o Die Akzeptanz von Eigen-Sinn und der Respekt auch vor unkonventionellen Lebensentwürfen der Klienten psychosozialer Arbeit
o Das Respektieren der eigenen Wege und der eigenen Zeit des Klienten und der Verzicht auf strukturierte Hilfepläne und eng gefasste Zeithorizonte
o Der Verzicht auf entmündigende Expertenurteile über die Definition von Lebensproblemen, Problemlösungen und wünschenswerten Lebenszukünften
o Die Orientierung an der Lebenszukunft des Klienten
o Die Orientierung an einer „Rechte-Perspektive“ und ein parteiliches Eintreten für Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit (vgl. Herriger 1, 2002, S. 72ff)
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Drei ethische Grundüberzeugungen prägen das Empowerment-Konzept, sein Menschenbild und sein methodisches Handeln:
(1) Die Wahrung von Selbstbestimmungsrechten, das heißt die Bewahrung des Rechtes auf Eigen-Sinn und Unterschied. Das setzt von den Mitarbeitern sozialer Dienste eine sensible selbstreflexive Eingrenzung der eigenen „Expertenmacht“ voraus. (2) Das Eintreten für soziale Gerechtigkeit, das heißt die gesellschaftlichen Strukturen sozialer Ungleichheit zu thematisieren und den Menschen ein kritisches Bewusstsein für die Muster der sozial ungleichen Verteilung von Lebensgütern und gesellschaftlichen Chancen zu vermitteln und das Wissen über die Veränderbarkeit dieser Strukturen zu festigen.
(3) Das Einlösen von Rechten auf demokratische Partizipation, das heißt auf die Stärkung der Teilhabe der Bürger an Entscheidungen, die ihre Lebensgestaltung und ihre direkte soziale Umwelt betreffen, zu zielen. (vgl. Herriger 1, 2002, S. 78f)
3. Methoden de s Empowerments
Empowerment ist im Hinblick auf die Methodik offen, bedient sich der vielfältigsten Instrumente und verknüpft diese miteinander. Dabei vollziehen sich Empowerment-Prozesse auf vier Ebenen, die nachfolgend kurz vorgestellt werden sollen. (vgl. ebd., S. 83)
Die individuelle Ebene
Die individuelle Ebene wird auch die Ebene der Einzelfallhilfe genannt. Vorwiegend aus dem Handlungsfeld von Beratung und sozialer Einzelfallhilfe entstammen die Beispiele für die praktische Umsetzung des Empowerment-Konzeptes. Betroffene Personen aus der erlernten Hilflosigkeit einen Ausweg zu zeigen, das ist die Gemeinsamkeit bei diesen personenbezogenen Arbeitsansätzen.
Sozialarbeiter sollen Hilfestellungen und Unterstützung vermitteln, die die Situation von Machtlosigkeit, Resignation und Demoralisierung der betroffenen Klienten aufheben und sie wieder dazu befähigen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, ihr Vertrauen in das eigenen Vermögen zur Lebensgestaltung stärken und verschüttete Kraftquellen an Kompetenz entdecken. (vgl. Herriger 2, http://www.empowerment.de/grundlagentext.html, verfügbar am 15.2.05)
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Das Empowement- Konzept setzt hier folgende drei methodischen Werkzeuge ein:
o Ressourcendiagnostik >> Erfassen von eigenen Ressourcen und verschütteten Fähigkeiten der Klienten (vgl. Herriger 2,
http://www.empowerment.de/grundlagentext.html, verfügbar am 15.2.05)
o Unterstützungsmanagement >> Case-Management = ganzheitliches und gezieltes Unterstützen und Arrangieren von vorhandenen bzw. erreichbaren Ressourcen und Hilfsquellen (vgl. Galuske, 1998, S. 271)
o Biographiearbeit >> „auch biographisches Erzählen“, Lebenskohärenz, Entdecken lebensgeschichtlich verschütteter Stärken, Herstellen von Zugehörigkeit, Bearbeitung von Lebensmarkierungen, Zugewinn von Zukunft (vgl. Herriger 1, 2002, S. 103 ff)
Die Ebene der Gruppenarbeit bzw. der sozialen Netzwerke
Empowerment ist nicht nur das Ergebnis einzelfallbezogener Settings von Beratung und Begleitung, sondern vielmehr auch das gemeinschaftliche Produkt von Menschen, die sich zusammenfinden, ihre Kräfte bündeln und gemeinsam beginnen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. In den Blick rücken hier Gruppenprozesse und bürgerliches Engagement in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern, wie Selbsthilfe, ehrenamtliche Mitarbeit oder die Mitarbeit in bürgerschaftlichen Initiativen. In diesen Feldern sind Empowerment-Prozesse in der sozialen Gemeinschaft eingelagert, vollzieht sich die Entfaltung personaler Kräfte in der stärkenden Gemeinschaft mit anderen.
In der sozialen Praxis richtet sich der Fokus also auf die Inszenierung, den Aufbau und die Weiterentwicklung von förderlichen Netzwerkstrukturen. Diese unterstützen dann wiederum die Selbstorganisation der Menschen. (vgl. Herriger 1, 2002, S. 118) Hier kommen zwei konkrete Methoden zum Einsatz:
o Netzwerkberatung >> Erneuerung von Vertrauen in familiäre, verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen, Engerknüpfung von gelockerten und rissigen Verbindungen um emotionale Belastungen zu mindern, mögliche Einbindung in das „private Netzwerk“, Netzwerk- Konferenz
o Netzwerkförderung >> fehlenden Unterstützungsnetzwerke neu inszenieren, Zugänge zu sozialer Teilhabe und Partizipation öffnen, Treffen mit Gleichgesinnten ermöglichen
(vgl. Herriger 2, http://www.empowerment.de/grundlagentext.html, verfügbar am 15.2.05)
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Arbeit zitieren:
Petra Lindemann, 2005, Empowerment in der sozialen Arbeit - Grundlagen und Interview, München, GRIN Verlag GmbH
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petra
Ihre Arbeit.
Sehr interessantes Interview. Unbedingt lesen. Zieht richiggute Parallelen zur Praxis!
am Saturday, October 01, 2005-