1. Einführung
Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Person und den wesentlichen Ideen des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften aus dem Jahre 1980 - La wrence Robert Klein. Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Lebenslauf des Ökonomen in ausführlicher Weise zu beschreiben, sowie einen Einblick in seine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der ökonomischen Forschung und Modellbildung zu geben.
„For the creation of economic models and their application to the analysis of economic fluctuations and economic policies 1 .“ So lautet die Begründung für die Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1980 in einer kurzen griffigen Formel. Übersetzt bedeutet dies soviel wie: “ Für die Konstruktion ökonometrischer Konjunkturmodelle und deren Verwendung bei Analysen der Wirtschaftspolitik“. Klein begann seine herausragende Laufbahn im Jahre 1950, als er seine Versuche präsentierte , anhand verschiedener Modelle die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft zu untersuchen. Das von ihm geschaffene Wharton Modell genießt einen sehr guten Ruf und wird regelmäßig zu Voraussagen von Konjunkturschwankungen des Bruttosozialprodukts, des Exports, der Investitionen und des Konsums herangezogen. Das Ende der 60er Jahre gestartete LINK-Projekt bewog viele Länder zur Anwendung wirtschaftlicher Modelle zum Zwecke der Prognose und Analyse. 2 Auch bei der Entwicklung dieses Modells für die Analyse der weltwirtschaftlichen Entwicklungen hatte Klein eine zentrale Rolle inne. Dabei halfen ihm bei der Verknüpfung verschiedener Konjunkturmodelle zum einen sein herausragendes
mathematisches Talent, zum anderen der relativ frühe Einsatz vo n computergestützten Verfahren.
Eine Skizzierung der für die ökonomische Forschung bedeutendsten Modelle sowie eine kurze Zusammenfassung der anhand dieser Modelle gewonnen Prognosen für die Weltwirtschaft am Übergang zur Jahrtausendwende soll in dieser Seminararbeit geben werden. Zunächst wird jedoch die Person Lawrence R. Klein anhand seiner Biographie vorgestellt.
1 http://www.nobel.se/economics/ laureates/1980/
2 Martin, Werner (Hrsg.): Verzeichnis der Nobelpreisträger: 1907 - 1987 mit
Preisbegründungen. München [u.a.]: Saur, 1988, S. 353
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Dabei wird näher auf seine wissenschaftliche Karriere, seine weiteren Interessens- und Forschungsgebiete, einen Teil seiner zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen u nd Forschungsgruppen, in denen er mitwirkte , eingegangen.
2. Lawrence Robert Klein - die Biographie eines Nobelpreisträgers
Lawrence R. Klein wurde am 14. September des Jahres 1920 als zweites von drei Kindern in Omaha , im Bundesstaat Nebraska geboren. Seine Eltern, Leo Byron und Blanche Klein arbeiteten in einem Lebensmittelladen. Er besuchte in jungen Jahren die staatlichen Schulen in Omaha , wobei ihm, wie er selbst rückblickend sagt, die Ausbildung an der High School in den Grundfächern Mathematik, Englisch, Fremdsprachen und Geschichte später sehr zugute kam. 3 Kleins Kindheit und frühe Jugend waren geprägt von den Einflüssen der Weltwirtschaftskrise. Diese frühen Erfahrungen mit den Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen legten bei ihm den Grundstein für ein tiefes Interesse an ökonomische n Fragen. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf Fragen nicht nur dieser Zeit, sondern vor allem Fragen und Probleme der darauf folgenden Epoche des zweiten Weltkriegs verbunden mit der sich anschließenden Neuordnung. Insbesondere seine Begeisterung für die höhere Mathematik ermutigte ihn zu theoretischen Studien der Wirtschaft. Im Jahre 1942, im Alter von 22 Jahren, beendete er sein Studium an der Berkele y Universität von Kalifornien. Im Grundstudium erweiterte er n ach eigenen Angaben seine Fähigkeiten im Bereich der Mathematik und vor allem der Ökonomie. Die nächste Station seiner Ausbildung führte ihn nach Massachusetts, wo er am Institute of Technologie (MIT) unter Paul A. Samuelson, der sich selbst als einen der letzten Generalisten der Ökonomie 4 bezeichnete, studierte. Klein schloss sein Studium am MIT 1944 mit seiner Promotion zum Dr. phil. ab. Seine Doktorarbeit befasste sich intensiv mit den
3 vgl.: Recktenwald, Horst Claus: Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft.
Düsseldorf: Verl. Wirtschaft und Finanzen, 1989, S. 682
4 vgl.: Heuser, Jean Uwe: Die großen Ökonomen. 1994, S.254
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Theorien des Wirtschaftwissenschaftlers John Maynard Keynes (1883 - 1946). Sie diente auch 1947 als Grundlage für sein erstes Werk, das ihm internationale Annerkennung brachte; „The Keynesian Revolution“. Hier präsentiert er zum einen die Struktur der Keynesianischen Theorie auf sehr formale Weise, beschäftigt sich aber zum anderen auch mit Debatten zur „General Theory“ und deren Übertragbarkeit auf die Wirtschaft. Wie kein anderes seiner Werke zeigt „The Keynesian Revolution“ Kleins „dreifaches“ Interesse zum einen für die ökonomische Theorie, die ökonometrische Modellierung und als drittes deren Anwendung auf Probleme der Wirtschaftspolitik. 5 Die Arbeit unter Samuelson war eine der prägenden Stationen seiner Ausbildung. Ein zweiter wichtiger Meilenstein war sein Beitritt zur Arbeitsgruppe für Ökonometrie der Cowles Commission an der Universität Chicago im Bundesstaat Illinois. Hier bekam er vom Vorsitzenden der Kommission, Jacob Marschak, die Aufgabe angetragen, Jan Tinbergens frühe Versuche an Modellkonstruktionen für die USA zu aktualisieren. 6 Im Kreise bekannter Wissenschaftler wie Trygve Haavelmo, Tjalling Koopmanns, Theodore Andersen, Leonid Hurwicz, Herman Rubin, Kenneth Arrow, Don Patkin, Herman Chernoff und Herbert Simon erstellte Klein sein erstes ökonometrisches Makromodell. Das Zusammentreffen mit diesen bekannte n Ökonomen ermöglichte ihm einen tieferen Einstieg in die Volkswirtschaftstheorie und ließ ihn seine Kenntnisse bezüglich der Ökonometrie festigen (“At Chicago, I was in the midst of a veritable galaxy of stars […]“ 7 ). Hier nahm er erste theoretische Arbeiten in Angriff, die im Bereich statistischer Aggregationsverfahren und gesamtwirtschaftlicher Prognosen anzusiedeln sind . In diese Zeit fällt auch eine seiner frühen Prognosen, die eine leichte konjunkturelle Erholung nach dem Krieg vorhersagte. Im Gegensatz dazu ging die herrschende Meinung von einer allgemeinen Nachkriegsdepression der Wirtschaft aus. 8 Im Verlauf seiner Arbeiten in der Cowles Commission lernte er seine zweite Frau Sonia Adelson kennen. Mit ihr zusammen verließ er 1947 die Vereinigten Staaten, um das Nachkriegseuropa zu bereisen. Im Kreise von Ragnar Frisch, Trygve Haavelmo und Jan Tinbergen - um nur die wichtigsten
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vgl.: Beaud, Michael: Economic Thought since Keynes, 1995, S. 298
6 vgl.: Merseburg, Alexander: Wirtschaftwissenschaften Klein, Lawrence Robert. In: Harenberg:
Lexikon der Nobelpreisträger. 1998, S. 511
7 http://www.nobel.se/economics/laureates/1980/klein-autobio.html
8 vgl.: http://www.wharton.upenn.edu/huntsmanhall: Internetauftritt der Penn University
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zu nennen - verbrachte er 1947/48 ein akademisches Jahr in Norwegen, Schweden und Mitteleuropa. Im Herbst des Jahres 1948 kehrte er nach Amerika zurück und arbeitete im Rahmen eines Stipendiums am National Bureau of Economic Research. Zu seinen T ätigkeitsbereichen gehörte die ökonometrische Analyse von Produktionsfunktionen. Um auf wesentlich detaillierteres Datenmaterial zugreifen zu können, wechselte er zur University of Michigan. In den Jahren 1949 - 1954 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser Universität. Eine Festanstellung wurde ihm aufgrund seiner ehemaligen Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Amerikas (1946/47) 9 zur Zeit der politisch repressiven McCarthy Ära verwehrt. Zusammen mit seinem Studenten Arthur Goldberger entwickelte er in dieser Zeit das Klein-Goldberger Modell, dessen Grundideen von Jan Tinbergen stammten, und das später zum Michigan Modell weiterentwickelt wurde. Vermutlich waren es die oben genannten politischen Einengungen, die Klein 1954 nach England an die Oxford University gehen ließen. Hier lehrte und forschte er vier Jahre am statistischen Institut unter der Leitung von Frank Burchardt. Aus Untersuchungen zum Sparverhalten erstellte er in den folgenden Jahren ein Modell für Großbritannien bevor er schließlich 1958 nach Amerika zurückkehrte. Klein nahm den Ruf der University of Pennsylvania an und begann am dortigen Department of Economics eine Modellreihe, die später unter der Bezeichnung Wharton Modell bekannt und weiterentwickelt werden sollte. Das Modell betrachtet die Effekte steuerlicher Veränderungen, Veränderungen öffentlicher Ausgaben und Schwankungen des Ölpreises auf die Wirtschaft und lässt so relativ genaue Prognosen zu. Das Wharton Economic Forecasting Model wurde nach der gleichnamigen Business School an der Universität von Pennsylvania benannt und ist zum Standard -Tool für ökonomische Prognosen geworden 10 . Anfang der 60er Jahre unternahm Klein immer größere Anstrengungen, empirische Arbeiten für öffentliche und auch private Interessenten anzufertigen. Mit dem Verkauf seiner Prognosen gelang es ihm, die
wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der University of Pennsylvania zu unterstützen. Diese kommerzielle Prognoseerstellung wurde sehr bald durch die von Klein gegründete Wharton Econometric Forecasting Associates - kurz
9 vgl.: Merseburg, Alexander: Wirtschaftwissenschaften Klein, Lawrence Robert. In: Harenberg:
Lexikon der Nobelpreisträger. 1998, S. 511
10 vgl.: http://boston.com/globe/search/stories/nobel/1980/ The Boston Globe Online;16.10.1980
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Thomas Witte, 2004, Lawrence Robert Klein - Biographie eines Nobelpreisträgers, München, GRIN Verlag GmbH
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