8.3. Integrative Versorgung 35
9. Zusammenfassung 36
10. Fazit: Was kann Deutschland von Österreich lerne n 37
Literaturverzeichnis 39
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung - Altersstruktur der österreichischen Bevölkerung in
Abbildung 2: Bruttoinlandsprodukt (BIP) - jährliche Veränderungen in Prozent. S. 7
Abbildung 3: Leistungen der Krankenversicherung Österreich in Euro. S.18
Abbildung 4: Gesundheitsausgaben in Prozent des BIP, 1997. S.20
Abbildung 5: Gesundheitsausgaben aus öffentlichen Quellen, in Prozent der gesamten
Abbildung 6: Krankenhausbetten in Akutkrankenhäusern pro 1000 Einwohner, 1998. S.25
1. Einleitung
Im Zeichen zunehmender Globalisierung und Europäisierung orientieren sich die nationalen Gesundheitssysteme zunehmend an der Entwicklung anderer Systeme. D abei konzentriert sich die europaweite Diskussion nicht nur auf den reinen Vergleich der Systeme, sondern auch auf die allgemeine ökonomische Konvergenz, die als Zielsetzung der nationalen Gesundheitspolitik immer mehr in den Vordergrund rückt. Schon 1992 bemühten sich die Mitgliedsstaaten der EU um eine Annähung ihrer Volkswirtschaft. Dabei könnte aufgrund der Bemühungen zu einer ökonomischen Konvergenz, auf eine Konvergenz der Gesundheitssysteme (innerhalb von Europa) geschlossen werden. 1 Bei der Betrachtung verschiedener Gesundheitssysteme (GS) zeigen sich vor allem Unterschiede in der Organisation, der Finanzierung sowie in der Bereitstellung von Ressourcen, womit jeweils auch individuelle Stärken und Schwächen dieser Gesundheitssysteme verbunden sind. 1
Der Vergleich eines GS mit anderen Systemen anderer Staaten unterstützt des Weiteren einen gegenseitigen Lernprozess, der zu einer deutlichen Verbesserung der systematischen Ausgestaltung führen kann. D abei wird angestrebt, die gesundheitliche Situation der Bevölkerung zu verbessern. 1
Das Ziel von GS- Vergleichen liegt primär darin, einen weitfassenden Überblick über die Entwicklung wichtiger Merkmale und Kerngrößen von GS anderer Länder zu bekommen. Darüber hinaus bieten GS- Vergleiche die Möglichkeit, den Stellenwert der medizinischen Versorgung und der Gesundheit in einem Land zu ermitteln. Damit ist der GS- Vergleich auch bedeutend für die Beurteilung der Effizienz und Effektivität eines GS. 1
In meiner vorliegenden Arbeit befasse ich mich ausschließlich mit dem Vergleich der GS Deutschland - Österreich. Dabei werde ich zunächst die beiden GS grob vorstellen und unter den Gesichtspunkten Struktur des GS, Finanzierung, Leistungserbringung, Verwendung der Finanzmittel sowie Reformen im GS beleuchten. Abschließend fasse ich die Stärken und Schwächen des österreichischen Gesundheitssystems noch einmal kurz zusammen und gehe darauf ein, was Deutschland von Österreich lernen kann.
1 vgl. Mühlbacher/ Henke/ Knabner/ Mackenthun/ Schreyögg. Deutschland im Strukturvergleich von
Gesundheitssystemen. 2004. S. 6 - 19
5
1. Wirtschaftliche und Demografische Rahmenbedingungen
1998 umfasste die Bevölkerung in Österreich 8,08 Millionen Menschen, wobei 56% davon in Städten lebten. Mit einem Bevölkerungswachstum von 4,4 % seit 1990 gehört Österreich, zusammen mit den Niederlanden und Luxemburg, zu den EU- Ländern mit der größten Wachstumsrate. Aber Österreich hat nicht nur eine Steigung der Wachstumsrate der Bevölkerung zu verzeichnen, sondern auch einen Rückgang der Mortalitätsrate. Gegenüber 1970 verringerte sich die Mortalität um insgesamt 40 %. Dabei erweisen sich Herzkrankheiten, bösartige Neubildungen, Hirngefäßerkrankungen, Unfälle sowie Pneumonie, Grippe und sonstige Erkrankungen der Atemwege als die 5 wichtigsten Todesursachen. Relativ zur gesamten Mortalität war die Verringerung der Sterberate in Österreich zwischen 1970 und 1997, verglichen mit dem EU- Durchschnitt, um 18% stärker ausgeprägt, dass heißt, sie sank deutlich schneller. Der Rückgang der Mortalität infolge von Krebserkrankungen war dabei am deutlichsten ausgeprägt. Während in Österreich die Todesfälle infolge von Krebserkrankungen in 25 Jahren um 17% von 228 pro 100.000 Personen auf 189 verringerte, war der Rückgang im Durchschnitt der europäischen Union deutlich geringer. 2
Doch Österreich hat ähnlich wie Deutschland mit einer demografischen Strukturveränderung der Bevölkerung zu kämpfen, die vor allem durch die Geburtenentwicklung, die altersspezifische Sterblichkeit sowie die Zu- und Abwanderung bestimmt ist. Seit Beginn der neunziger Jahre ist die Geburtenzahl allein in Oberösterreich von 17.500 auf derzeit unter 13.000 gesunken. Im Gegensatz dazu steigt die Lebenserwartung der Menschen kontinuierlich. Die gesamte Lebenserwartung - von Geburt bis zum Tod - betrug 1950 für Männer 64 und für Frauen 70 Jahre. Heute liegt diese für Männer bei 76 und für Frauen bei 80 Jahre. Dabei treffen diese demografischen Daten für Österreich wie auch für Deutschland gleichermaßen zu. Demnach werden die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung beider Länder ähnlich ausfallen. 2
Die Zahl der Personen im Kindes- und Jugendalter geht stetig zurück, so dass im Jahr 2015 sowohl in Österreich, als auch in Deutschland deutlich weniger unter 20-jährige leben als heute. Darüber hinaus wird der Anteil älterer Menschen anwachsen. So wird die Zahl der über 60- jährigen mit steigender Dynamik bis zum Jahr 2015 um über 65.000 Personen zunehmen und bis zum Jahr 2030 um weitere 140.000 Persone n ansteigen (siehe Abbildung 1). Des
2 vgl. Europäisches Observatorium für Gesundheitssysteme (Hrsg.). M. Hofmarcher/ H. Rack.
Gesundheitssysteme im Wandel. Österreich. 2001. S.1 - 3
6
Weiteren wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der über 85- jährigen in den nächsten 30 Jahren in Österreich, wie auch in Deutschland mehr als verdoppeln wird. Somit wird in beiden Ländern ein immer mächtigerer Kopf auf kontinuierlich schwächer werdenden Schultern lasten. Das Haupt der Bevölkerungspyramide wird also zunehmend mächtiger, während der Fuß immer schwächer wird. 3
Abb.1: Bevölkerungsentwicklung - Altersstruktur der österreichischen Bevölkerung in den
Jahren 2000, 2015 und 2030 3
Bis zu den 80er Jahren galt in Österreich: von 100 Österreichern waren 33 Jugendlich unter 20 Jahre, 50 im erwerbsfähigen Alter und 17 im Pensionsalter. Bis zum Jahr 2030 vertauschen sich die Gewichte zwischen Jungen und Senioren auf nur noch 19 Junge, 47 Erwerbstätige und immerhin 34 Senioren. Dadurch kommt es zu drastischen Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft. 3
In Deutschland stellt sich die demografische Ent wicklung ähnlich dramatisch dar. Nach Ergebnissen der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für die Jahre 2001 bis 2050 wird sich der Bevölkerungsanteil der über 60- jährigen von heute 24,1 % auf ca. 36,7 % im Jahr 2050 erhöhen. 3
Diese drastischen demografische n Strukturveränderungen beider Länder, stellen vor allem ihr Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. Um auch in Zukunft eine qualitative und hochwertige medizinische Versorgung, sowie den Zugang zur Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können, müssen Länderspezifisch umfassende, effiziente, effektive sowie
3 vgl. www.ooe.gv.at [Stand: 3.06.2004]
7
nachhaltig wirksame Reformen im Gesundheitswesen durchgeführt werden. 4 Im Verlauf meiner Arbeit werde ich auf diese Thematik noch etwas genauer eingehen.
Im Gegensatz zur gleichen T endenz in der demografische n Entwicklung beider zu vergleichenden Länder, gibt es jedoch tendenzielle Unterschiede in der Wirtschaft. Im Gegensatz zu Deutschland ist die österreichische Wirtschaft auf Wachstumskurs. Nach einer aktuellen Prognose wird sich das reale Wirtschaftswachstum nach einem Wert von 2,1% im Jahr 1999 - auf 3,4% im Jahr 2000 beschleunigen und weiterhin im Jahr 2001 mit 3,1% immer noch ein stabiles Wachstum aufweisen. D amit entspricht das vorhergesagte Wirtschaftswachstum in Österreich für 2000 und 2001 genau jenem der Europäischen Union -und liegt somit etwas unter dem der Eurozone, aber deutlich über dem von Deutschland (siehe Abbildung 2) 5
Abb.2.: Bruttoinlandsprodukt (BIP) - jährliche Veränderungen in Prozent 5
Nachdem Österreich 1999 erstmals die Grenze von 3 Mio. Beschäftigten überschritten hatte, wurde weiterhin für die Anzahl der unselbständig Beschäftigten ein weiterer Anstieg erwartet. Die Arbeitslosenrate wies ebenfalls 1999 sowie 2000 einen spürbaren Rückgang auf und wird - laut Prognosen- auch in den darauf folgenden Jahren weiterhin leicht sinken. Des Weiteren ist eine Steigung der Arbeitnehmerentgelte, die als wichtigste Finanzierungsquelle für das Gesundheitswesen gelten, um 3,5% im Jahr 2000 zu verzeichnen. Diese werden vermutlich auch in den folgenden Jahren ein noch stärkeres Wachstum von bis zu 4 % jährlich aufweisen. Darüber hinaus werden gleichzeitig mit den Arbeitnehmerentgelten auch die Beiträge zur
4 vgl.: www.bundesregierung.de [Stand: 8.06.2004]
5 vgl. Europäisches Observatorium für Gesundheitssysteme (Hrsg.). M. Hofmarcher/ H. Rack.
Gesundheitssysteme im Wandel. Österreich. 2001. S.6
6 vgl.: www.destatis.de [Stand: 8.06.2004]
7 EU-15: alle EU - Länder
8 EU-11: alle EU - Länder, die Mitglieder der Währungsunion sind - außer Großbritannien, Dänemark und
Griechenland
8
Sozialversicherung steigen, deren Höhe als Prozentsatz des Einkommens gesetzlich vorgeschrieben ist. 9
Des Weiteren wurde, um die Teilnahme an der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu gewährleisten, mit Hilfe von Konsolidierungsmaßnahmen, die vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen angesiedelt waren, das Defizit der öffentlichen Haushalte in Österreich auf knapp unter 2 % der BIP reduziert. Z u den zentrale n Maßnahmen im Gesundheitsbereich zählten dabei zum einen die Sicherstellung höherer Einnahmen für die Sozialversicherung - zum anderen, die mit Hilfe der Einführung bzw. der Erhöhung von Selbstbehalten und die Umstellung der Finanzierung von Krankenanstalten. 9 In Deutschland dagegen nimmt das Wirtschaftswachstum stetig ab. Laut dem Statistischen Bundesamt, nahm das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2001 im Vergleich zum Vorjahr real nur um 0,6% zu. Das war, nach dem Rückgang um 1,1 % im Jahr 1993, das schwächste wirtschaftliche Wachstum seit der deutschen Einheit. 10 Die lahmende Wirtschaft schlug sich vor allem in der steigenden Arbeitslosenquote nieder. Die Arbeitslosenquote erreichte im Dezember 2002 8,5%, gegenüber 7,9% im Ende 2001. 11 Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung blieb auch im Jahr 2003 noch schwach und verläuft somit deutlich unterhalb des Durchschnitts des Euro- Raums (siehe Abbildung 3). 12
3. Grundstruktur des Gesundheitswesens
Das österreichische Gesundheitssystem basiert auf einer gesamtstaatlichen Verantwortung für die gesundheitliche Versorgung der österreichischen Bevölkerung. D ie gesetzlichen Regelungen der Pflichtversicherung gewährleisten somit für jeden einzelnen Bürger den Zugang zu einer umfassenden medizinischen und sozialen Versorgung. D abei wird das Sozialversicherungssystem hauptsächlich von der gesetzlichen Krankenversicherung, der Unfallversicherung sowie der Rentenversicherung (Pensionsversicherung) getragen. Zudem regelt das Bundespflegegeldgesetz durch finanzielle Unterstützung, die Hilfestellung für pflegebedürftige Personen. 13
9 vgl.: Europäisches Observatorium für Gesundheitssysteme (Hrsg.). M. Hofmarcher/ H. Rack.
Gesundheitssysteme im Wandel. Österreich. 2001. S.5 -7
10 vgl.: www.destatis.de [Stand: 08.06.2004]
11 vgl.: www.lbbw.de [Stand: 10.06.2004]
12 vgl.: Europäisches Observatorium für Gesundheitssysteme (Hrsg.). M. Hofmarcher/ H. Rack.
Gesundheitssysteme im Wandel. Österreich. 2001. S.5 -7
13 vgl.: Magistratsabteilung für Angelegenheiten der Ländersanitätsdirektion Dezernat II (Hrsg.).
Gesundheitsbericht für Wien. 1998. S. 307
9
Arbeit zitieren:
Anika Mescke, 2004, Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich: Deutschland - Österreich, München, GRIN Verlag GmbH
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Gesundheitssysteme im europäischen Vergleich
Stand 2004
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