Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das literarische Verfahren zur Darstellung des Persönlichkeitswandels von
Walter Faber 4
2.1 Dient die Sprache als Spiegel des Innenlebens von Walter Faber? 4
2.2 Wie stilisiert Frisch die Sprache des Technikers? 5
2.3 Ist das schmückende Adjektiv der Sprache des Technikers angemessen? 8
2.4 Sind Fehlleistungen und Nichtwissen ein Zeichen für Fabers Unsicherheit? 9
2.5 Das Metaphernspiel als Zeichen für die Weltanschauung Fabers 10
2.6 Die Sprache des gewandelten Fabers 11
2.7 Abschließende Betrachtung 12
3. Literaturverzeichnis 14
3
1. Einleitung
Diese Hausarbeit soll den Abschluss des Einführungsseminars „Einführung in die Literaturwissenschaft“ bilden.
Gegenstand der Untersuchung sind die literarischen Darstellungsverfahren, mit denen der Persönlichkeitswandel Walter Fabers dargestellt wird.
Die Sprache gilt als Spiegel der Seele und Max Frisch nutzte dies geschickt, um den Techniker und seinen Persönlichkeitswandel darzustellen. Es wird untersucht, wie Frisch den Techniker durch seine Sprache charakterisiert, wie sich der Wandel in Fabers Weltbild durch seine Sprache ankündigt und wohin sich Fabers Sprache am Ende des Berichts gewandelt hat.
Christa Wolf beschrieb in einer Literaturzeitschrift die Lebensumstände des Homo Faber prägnant:
„Ein Mensch - ein männlicher Mensch - leidet unter Erlebnisentzug; unter Bindungslosigkeit, unter der Unfähigkeit zu lieben und sich lieben zu lassen: Unter der unüberbrückbaren Fremdheit zum Nächsten, zur Frau, die er durch Angst, Schuldgefühl, Anbetung, Eifersucht auf Distanz hält." 1
Die Art und Weise, wie Frisch diese Thematik, diese äußere Struktur sprachlich umsetzt, soll Gegenstand der folgenden Untersuchung sein.
1 Wolf, Christa: Max Frisch, beim Wiederlesen oder: Vom Schreiben in der Ich-Form. In: Arnold, Heinz Ludwig: Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Max Frisch Heft 47/48. 3., erw. Auflage. München: Edition Text + Kritik 1983. S.6-13.
Seite 9
4
2. Das literarische Verfahren zur Darstellung des Persönlichkeitswandels von
Walter Faber
2.1 Dient die Sprache als Spiegel des Innenlebens von Walter Faber?
Im „Homo Faber“ ist die Sprache das wichtigste Mittel zur indirekten Beschreibung von Gefühlen und vom Innenleben seiner Handlungsträger, für den Autor selbst ist die
„Sprache der eigentliche Tatort“ 1 . In den folgenden Abschnitten werden einige stilistische und rhetorische Mittel als Beispiel für die sprachliche Umsetzung untersucht. Fabers Sprache ist eine Rollensprache, die Sprache eines Menschen, der sich selbst mit
dem Bild des Technikers identifiziert. 2 Max Frisch beschrieb die Sprache seiner Titelfigur in einem Brief an seinen Verleger Peter Suhrkamp sehr prägnant mit den Worten: „Walter Faber berichtet eine Menge von Sachlichkeiten, die real und doch
wertlos sind.“ 3
Im Roman-Bericht Homo Faber haben wir es mit einem Ich-Erzähler zu tun. Walter Faber verfasst seinen Bericht für Hanna, sie ist also der Adressat des Berichtes. Das Hauptanliegen, welches Faber mit seinem Bericht verfolgt, ist die Darstellung seiner selbst, d.h. ein Bericht über sein Handeln, Denken und Fühlen in den einzelnen Phasen
seines Lebens. 4 Faber bemüht sich, das Erlebte zu fixieren, also sich mit den Geschehnissen der letzten Wochen und seinem gesamten Dasein auseinanderzusetzen. Im Angesicht des nahenden Todes wandelt sich Fabers Sicht der Dinge, ihm wird bewusst, das Schicksal und Tod auch in seinem Leben eine Rolle spielen und das im Leben eines Menschen nicht alles durch Statistiken und Formeln zu ergründen ist. Dadurch, dass Max Frisch für den Bericht die Erzählperspektive des Ich-Erzählers gewählt hat, kommt allein der subjektiven Sichtweise dieses Charakters die Aufgabe zu, Erlebnisse, Eindrücke, Sichtweisen und besonders Gefühle mit der Sprache zu schildern.
"Äußerlich ist es die Sprache des Homo Faber; aber es ist doch nicht der nüchterne Rapport eines Technikers; ohne große poetische Gebärde werden
1 Petersen, Jürgen: Max Frisch. 2.Auflage. Stuttgart: Metzler 1989. Seite 121
2 Vgl. Schmitz, Walter: Max Frisch. Homo Faber: Materialien, Kommentar. München: Carl Hanser 1977. Seite 25
3 Petersen, Jürgen: Max Frisch. Seite 121
4 Vgl. Geulen, Hans: Max Frischs „Homo Faber“: Studien und Interpretationen. Berlin: de Gruyer 1965.
Seite 32
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Situationen und Stimmungen geschaffen, die haften bleiben. Was sich so anspruchsvoll und sachlich als "Bericht" bezeichnet, enthält mehr Dichtung als manches Gedicht. Die Sprache dieses Berichts wandelt sich übrigens mit dem Schreiber; ohne irgendwie ins Überschwängliche zu geraten, wird sie mählich wärmer, reicher, runder, erfüllt von einem gewandelten Menschen, der zwar nicht zugeben will, dass er sich verändert hat,…" 5
2.2 Wie stilisiert Frisch die Sprache des Technikers?
Wie Bereits erwähnt, ist die Sprache des Ich-Erzählers eine Rollensprache, sie dient der Charakterisierung von Walter Faber.
Zu Beginn des Romans folgen drei kurze, prägnant formulierte Sätze aufeinander. Dieser Stil geht mit dem technischen Verständnis Fabers einher und ist typisch für den Berichterstatter. Seine Sätze enthalten meist knappe Informationen über Ort, Zeit und Umstand. Faber beschreibt die Phänomene seiner Umwelt, sowie seine psychische und physische Befindlichkeit in kurzen, eingeschobenen Sätzen. Diese bilden über den gesamten Bericht hinweg eine Faktenbasis, wie sie für wissenschaftliche Protokollaussagen typisch ist. Häufig beschriebene Zeit- und Raumkoordinaten, Umstände und Beschreibungen sind typisch für Protokollaussagen empirischer Wissenschaften und unterstreichen den wissenschaftlichen Anspruch Fabers. „Wir starteten in La Guardia, New York, mit dreistündiger Verspätung infolge Schneestürmen. Unsere Maschine war, wie üblich auf dieser Strecke, eine Super Constellation.“ 6
Fabers Streben nach Genauigkeit zeigt sich unter anderem an statistischen Daten „…auf
365,2420 Tage, statt 365,2422 Tage…“ 7 , Sprachmontagen „…die Zeitung, die unsere Stewardeß verteilte, First Pictures Of World´s Greatest Air Crash In Nevada,…“ 8 , Zitatnachweisen „…Sabeth mit ihrem Baedeker: „Die Via Appia, die 312 vor
Christus…““ 9 und der exakten Terminologie „Sie haben meine Hermes-Baby genommen“ 10 . Diese wissenschaftliche Art zu schreiben belegt Fabers Wunsch nach einer sachlich- rationalen und somit überprüfbaren Rechenschaftslegung. 11
5 Schmitz, Walter: Homo Faber. Text und Kommentar. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1998. Seite 264
6 Frisch, Max: Homo Faber. Ein Bericht. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1997. Seite 7
7 Ebenda Seite 47
8 Ebenda Seite 7
9 Ebenda Seite 122
10 Ebenda Seite 215
11 Vgl. Schmitz, Walter: Max Frisch. Homo Faber: Materialien, Kommentar. Seite 25
Arbeit zitieren:
Sebastian Noll, 2004, Max Frisch: Homo Faber - Das literarische Verfahren zur Darstellung des Persönlichkeitswandels von Walter Faber, München, GRIN Verlag GmbH
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Anja von Hochstein
Fragwürdig.
Obschon ich die Thematisierung des obigen Themas als äußerst interessant empfinde muss ich mir eingestehen, dass ich selbst bereits zu diesem Schluss gekommen bin, jedoch nicht zu exakt Hundert Prozent sicher war, ob ich damit richtig liege. Nun weiß ich, dass es der Wahrheit entspricht, denn Max Frisch war an sich ein unbeschämter, direkter und charakterstarker Mensch. Doch ich bin der Meinung, dass dieses Werk eine äußerst autobiographische Seite hat, sozusagen den Autor in den Protagonisten dieses Werkes hineinprojeziert.
Vielen Dank,
dass ich hiermit meine Meinung zum Werk "Homo Faber"- von Max Frisch,habe abgeben können.
Anja von Hochstein
am Saturday, April 28, 2007-