Sprachverweigerung, Außenseiterverhalten, Aggressivität, Lernstörung und Leistungsverweigerung jeder Art. Untersuchungen zu unterschiedlichen Prävalenzraten von Verhaltensstörungen und den damit einhergehenden psychosozialen Belastungsfaktoren werden anhand epidemiologischer Quer- und Längsschnittstudien angestellt. Es gibt zwei Fragen:
o Unterscheidet sich Prävalenzrate an Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen aus migrierten Familien von denen deutscher Jugendlicher der gleichen Altersklasse und mit dem gleichen Bildungsstand?
o Sind die vorhandenen Belastungen der Jugendlichen aus migrierten Familien aufgrund sozioökonomischer und kultureller Unterschiede als Belastungsfaktoren einzuordnen, d.h. kann für die Belastungen ein Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten bei den Jugendlichen gefunden werden? Forschungsstand:
Folgen des Migrationsstatus für die psychische Entwicklung von jugendlichen Migrant/inn/en Kinder und Jugendliche sind einem Kultur- und Normkonflikt ausgesetzt, weil die Sozialisation in zwei sich unterscheidenden Kulturen stattfindet. Hierbei ist mit Norm gemeint: Allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Regel für das Zusammenleben der Menschen (Dudenverlag). Weil Familie, Tradition und Umwelt, Schule sich unterscheiden, kann dies zu familiären Spannungen und Konflikten bei der Identitätsentwicklung führen. Es besteht also die Gefahr der Ablehnung durch beide Kulturen. Es können verschiedene Folgen eintreten:
• durch den Kulturkonflikt kann eine mangelnde Entwicklung der Ich-Identität entstehen, die wiederum zu Identitätsdiffusion, Orientierungslosigkeit und Persönlichkeitsstörungen führen kann
• durch Verarbeitung kultureller Widersprüche kann es zu schmerzhafter innerer Spannung kommen, die wiederum psychosomatische und psychiatrische Störungen hervorruft
• durch den Normenkonflikt der unterschiedlichen Kulturen kann abweichendes (deviantes) Verhalten unterstützt werden
• restriktive Erziehung kann aufgrund widersprüchlicher Anforderungen zu Schuldgefühlen und Ängsten führen, die oft mit passiver, fatalistischer und resignativer Haltung und schlechten Schulleistungen verbunden sind
• Eltern können durch ihre eigene Verunsicherung den Kindern keine stabile Umgebung bieten und häufig auch keine Vorbildfunktion mehr ausüben. Dies kann zu familiären Konflikten und persönlicher Verunsicherung bei den Kindern und Jugendlichen mit der Folge von psychosomatische n Erkrankungen, Schulschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten führen. Prävalenz von Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen Prävalenzuntersuchungen zu Verhaltensauffälligkeiten dienen der Beschreibung der Häufigkeit und Verteilung von Verhaltensauffälligkeiten in bestimmten Populatione n. Auf Basis dieser Daten kann eine angemessene Versorgung geplant werden. Prävalenzraten von Verhaltensauffälligkeiten im europäischen und außereurpäischen Vergleich
Gemessen anhand des Gesamtauffälligkeitswertes waren 4 % der 12-16 jährigen Puerto-Ricaner/innen auffällig, bei den US-amerikanischen Jugendlichen hingegen zu 15 %. In den Niederlanden waren 16 % der 11-15 jährigen Jugendlichen auffällig (Verhulst/ van Wattum, 1993). In Deutschland waren 1990 (Remschmidt/ Walter, 1990 a+b) 6-17 Jährige anhand des
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Gesamtauffälligkeitswertes zu 13 % auffällig. Wovon hängen diese Prävalenzunterschiede ab? Diese Frage wird später beantwortet.
Unterschiede bei den Prävalenzraten von Verhaltensstörungen in verschiedenen Populationen
Unterschiede können im Allgemeinen auf Kultureffekte zurückgeführt werden. Die Verwendung von ICD bzw. DSM in unterschiedlichen Ländern gibt einen Hinweis darauf, dass die dort erfassten Symptome in verschiedenen Kulturen mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen einhergehe n. Daher kann von einer universalistischen Position ausgegangen werden, die annimmt, dass es universell vergleichbare Maßstäbe bezüglich von Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen gibt. Faktoren, die Prävalenzunterschiede zwischen verschiedene n Ländern und innerhalb eines Landes in verschiedenen Subpopulationen begünstigen, sind : Alter, Geschlecht, Intelligenz, Stadt-Land-Unterschiede. Dabei kann festgestellt werden, dass Schulkinder weniger verhaltensauffällig sind als dies in der Adoleszenz vorkommt. Niedriger sozioökonomischer Status (SES) wird nach wie vor kontrovers diskutiert, aber Konsens ist, dass SES immer in Zusammenhang mit anderen Einflussvariablen beurteilt werden muss, wie z.B. Intelligenz. Belastungsfaktoren bezüglich der Entwicklung von Verhaltensstörungen Chronische Belastungsfaktoren können auf Psychopathologie älterer Jugendlicher einen stärkeren Einfluss haben als akute. In Längsschnittstudien aus verschiedenen Ländern wurden chronische Belastungsfaktoren erhoben (für uns relevante):
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Armut, beengtes Wohnen und die letzten beiden Punkte kommen vermutlich häufiger bei Kindern und Jugendlichen aus migrierten Familien vor. Untersuchung von Freitag (1999) zu Sozialstatus und Verhaltensauffälligkeiten: Untersucht wurden Abiturient/inn/en der 12. Klasse im Berliner Bezirk Kreuzberg. Sie beantworteten im Mai und Juni `96 drei Fragebögen während oder außerhalb des Unterrichts in der Schule. Zu den demographische Daten kann gesagt werden, dass Kreuzberg ein Bezirk ist, der zu 1/3 von sog. Ausländern bewohnt wird, von denen wiederum me hr als die Hälfte Türk/inn/en sind, etwas mehr als 1/10 der ausländischen Bevölkerung umfasst die zweitgrößte Migrant/inn/en-Gruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien. Es wurde keine Schichtparallelisierung durchgeführt, um den Einfluss eines niedrigen SES beurteilen zu können; erfolgreiche junge Migrant/inn/en, die den Bildungserwartungen ihrer Eltern nachkommen konnten und außerdem gute Chancen auf eine soziale Assimilation haben, wurden befragt. Die Stichprobe der vorliegenden Studie
122 deutsche Schüler/innen wurden befragt und 102 Migrantenkinder, davon 57 türkische Schüler/innen. Alle waren zwischen 17-22 Jahren. Die Untersuchungsinstrumente
Zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten wurde das YSR (Youth Self Report) verwendet. Daneben der Fragebogen zu psychosozialen Umständen einer/ eines Jugendlichen mit Fragen zu familiären und außerfamiliären Lebensumständen. Intrafamiliär wurden Fragen gestellt zu:
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Extrafamiliär wurden Fragen gestellt zu:
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• Ergebnisse YSR: Verhaltensauffälligkeiten im YSR:
Einzelne Syndromskalen des YSR:
Ergebnisse Fragebogen zu psychosozialen Ums tänden:
Sozioökonomische, familiäre und migrationsspezifische Lebensumstände der Jugendlichen aus migrierten Familien in der Stichprobe zeichnen sich durch zwei Merkmale aus:
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Diese Stabilität könnte eine der Voraussetzungen für den schulischen Erfolg der Jugendlichen sein. Neben den sozioökonomischen zeigten sich auch kulturelle Unterschiede bzgl. des Freizeitverhaltens, der Partnerschaften, der religiösen Bindung und der beruflichen Zukunftsvorstellung zwischen den einzelnen Gruppen. Schlussfolgerungen:
Es gab keine signifikant unterschiedlichen Prävalenzraten von Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen aus migrierten Familien im Vergleich zu den untersuchten deutschen Jugendlichen mit gleicher Schulausbildung. Schicht- und Geschlechtszugehörigkeit waren nicht mit der Prävalenzrate von Verhaltensauffälligkeiten korreliert. Zwar gab es „ethnische Unterschichtung“, dies war aber kein Risikofaktor für Verhaltensauffälligkeiten in dieser Stichprobe. Unterschiede gab es bezüglich der Anzahl der psychosozialen Belastungsfaktoren zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen aus migrierten Familien auf Ebene der Einzelitems. Es gab keine Zusammenhänge zwischen erhobenen kulturellen Unterschieden
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Arbeit zitieren:
Hülya Bayram, 2005, Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen aus migrierten Familien, München, GRIN Verlag GmbH
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