Japanische Farbholzschnitte. Entwicklung, Technik und ihr Einfluss auf die europäische Kunst
Berlin, den 23.2.2002
1. DAS AUFKOMMEN IN EUROPA 2
2. HISTORISCHER ABRISS 3
3. HERSTELLUNGSVERFAHREN 9
4. THEMENBEREICHE UND STILMERKMALE 11
5. MEISTER UND SCHULEN 15
6. AUSWIRKUNGEN AUF DIE EUROPÄISCHE KUNST 18
ABGEKÜRZT ZITIERTE LITERATUR 22
1. Das Aufkommen in Europa
Als Japan 1853 nach einer über 200 Jahre dauernden Abgeschiedenheit von der westlichen Welt gezwungen wurde, mit Amerika und Europa Handelsbe-ziehungen einzugehen, kamen bald auch die ersten Farbholzschnitte nach Europa. Dort wurden sie entweder als Einwickelpapier für Porzellanwaren benutzt oder sie waren in Kolonialwarengeschäften billig zu erwerben.
1855 konnte Japan seine kunstgewerblichen Exporte erstmals auf der Pariser Weltausstellung zeigen. Die positive Resonanz, die diese Artikel erfahren hatten, führte dazu, dass 1862 in der Pariser Rue de Rivoli das Geschäft "La Porte Chinoise" eröffnet wurde . Nach der Eröffnung dieses Geschäftes, das Kunstgegenstände aus Japan verkaufte, darunter auch Drucke von Farbholz-schnitten, entwickelte sich "ein wahrer Japankult" und für die Entwicklung der modernen westlichen Malerei sollte die japanische Kunst, wie ein Kunstkritiker am Ende des 19. Jahrhunderts feststellte, eine ähnliche Rolle spielen wie die Antike für die Renaissance.
Entdeckt und in Mode gebracht wurde die japanische Kunst jedoch schon früher. 1856 war dem französischen Maler, Graphiker und Porzellanmodelleur Felix Bracquemond durch Zufall ein Exemplar von Hokusais Skizzenbüchern in die Hände geraten, das er "voller Begeisterung" seinen Freunden zeigte, unter denen sich viele Künstler befanden.
Die Impressionisten waren die ersten, die sich für japanische Farbholzschnitte interessierten und sie zu sammeln begannen, denn diese Arbeiten unter-schieden sich wegen ihrer Hinwendung zu trivialen und genrehaften Motiven und ihrem völlig anderen Raumempfinden grundlegend von der offiziellen französischen Kunst des 19. Jahrhunderts. Gombrich schreibt dazu:
"In ihnen fanden sie eine Kunst, die nichts von all den akademischen Regeln und Formeln wußte, von denen sie sich frei zu machen suchten. Die japa-nischen Holzschnitte zeigten ihnen, wie befangen sie trotz allem noch waren und wie sehr ihnen gewisse Konventionen der europäischen Überlieferung noch im Blut steckten. Den Japanern war jeder überraschende und frappante Naturausschnitt willkommen."
2. Historischer Abriss
Die Kunst des Druckens kam zwar, wie als sicher gelten kann, ursprünglich aus China, doch die ältesten erhaltenen Exemplare dieser Kunst stammen aus Japan. Im japanischen Mittelalter diente der Holzschnitt vorwiegend der Vervielfältigung buddhistischer Schriften, die ab ca. 1088 in die japanische Sprache übersetzt wurden. Im 12. Jahrhundert wurden ihnen Dekorationen aus Holzschnitten hinzugefügt.
Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war das Drucken allein den Tempeln und Klöstern vorbehalten. Mit dem Beginn der Edo-Zeit (1603-1868) vollzogen sich in Japan weitreichende politische, soziale und kulturelle Wandlungen. Waren in den vergangenen Epochen Aristokratie, Ritterstand und Priesterschaft als Träger der Kultur und Kunst hervorgetreten, so strebte jetzt ein kulturbeflissenes Bürgertum in diese Rolle. Der Regent Tokugawa Ieyasu (1542-1616) hatte sich 1603 von Kaiser Go-Yosai zum Shogun ernennen lassen und Edo, das heutige Tokyo, zum Regierungssitz erklärt. "Mit eiserner Faust erzwang er die innere Einheit, rottete das Christentum aus und verbannte alle Fremden, auch die holländischen Händler, auf eine künstliche Insel vor Nagasaki."
[...]
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Dr. Sabrina Cercelovic, 2002, Japanische Farbholzschnitte. Entwicklung, Technik und ihr Einfluss auf die europäische Kunst, Munich, GRIN Publishing GmbH
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