Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hintergrund von Primary Nursing 2
2.1 Entwicklungen der Pflege in den USA 2
2.2 Funktionspflege 4
2.3 Gruppenpflege 5
3. Die Kernelemente des Primary Nursing 6
3.1 Definition von Primary Nursing 6
3.1.1 Verantwortung 7
3.1.2 Die tägliche Arbeitszuweisung nach der Fallmethode 7
3.1.3 Direkte Wege der Kommunikation 8
3.1.4 Care giver as care planner 8
3.2 Die Rolle der Stationsleitung 8
4. Primary Nursing in der Ambulanten Pflege 9
4.1 Pflegesysteme in der Ambulanten Pflege 9
4.1.1 Bezirkssystem 10
4.1.2 Tourensystem 10
4.1.3 Funktionsbezogenes arbeitsteiliges System 11
4.1.4 Zuordnung der Kunden zu den speziellen
Qualifikationen bzw. Stärken der Pflegekräfte 11
4.2 Vergleich von Primary Nursing mit Pflegesystemen der Ambulanten Pflege
und daraus resultierende Vorteile 12
4.3 Qualitätssicherung durch Primary Nursing 13
4.3.1 Strukturqualität 14
4.3.2 Prozessqualität 14
4.3.3 Ergebnisqualität 14
4.4 Umsetzung von Primary Nursing 15
4.4.1 Die Rolle der Stations- bzw. Pflegedienstleitung 15
4.4.2 Die Rolle der Primary Nurse 16
4.4.3 Die Rolle der Associate Nurse 16
4.4.4 Die Rolle der Care Assistants 17
4.5 Praktische Beispiele für die Umsetzung von Primary Nursing 17
5. Kritische Würdigung 20
Bibliographie 21
II
Um die Motivation der Theoriebildung von Primary Nursing nachvollziehen zu können , zeigt Manthey die dafür relevanten Entwicklungen der Krankenpflege in den USA auf. Diesen stattfindenden Prozess bezeichnet sie als „Entprofessionalisierung der Pflege“ 2 .
In den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war es üblich, dass die examinierte Pflegekraft hauptsächlich als private Pflegekraft („Private Duty Nurse“) im Haus des jeweiligen Patienten bzw. als Gemeindeschwester („Public Health Nurse“) tätig war. 3 Im Krankenhaushaus arbeiteten „bis weit ins 20. Jahrhundert“ 4 stattdessen meist Auszubildende und nicht examiniertes Pflegepersonal. „Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden examinierte Pflegekräfte verstärkt von Krankenhäusern eingestellt.“ 5 Während die examinierten privaten Pflegekräfte zuvor keine Anordnungen, Beschränkungen oder Vorgesetzten hatten, sie ihre individuelle Pflege ganzheitlich und unabhängig durchführen konnten, war diese Autonomie mit der Arbeit im Krankenhaus nicht mehr gegeben. Mitte der Zwanziger Jahre wuchs die Zahl der Krankenpflegeschulen, so dass in den Dreißiger Jahren die Anzahl der Pflegekräfte übermäßig zunahm. Folge waren natürlich geringe Löhne. Ebenso konnten sich viele Familien, finanziell geschwächt durch die Depression im Jahr 1929, die Krankenpflege durch eine Privatperson nicht mehr leisten und nahmen die wesentlich günstigere Pflege im Krankenhaus in Anspruch. Daher sahen sich viele examinierte Pflegekräfte gezwungen wieder im Krankenhaus zu arbeiten, das ihnen neben „einer vollen Arbeitswoche einen Platz zum Schlafen und drei Mahlzeiten am Tag“ 6 bot. Aufgrund der hohen technischen Kompetenzen der examinierten Pflegekraft in der gesamten Versorgung der Patienten stand die individuelle Fürsorge des Patienten im Vordergrund, ähnlich der häuslichen Krankenpflege (Patientenzuweisung nach der Fallmethode). Aber hier wurde „die Arbeit der examinierten Pflegekraft erstmals den Regeln und Vorschriften einer bürokratischen Institution unterworfen“. 7 Auch kam es zur Frage, ob eine teure examinierte Pflegekraft Leitungspositionen besetzen sollte, die doch genauso gut von einer billigeren, ebenso talentierten „Alt-Auszubildenden“ 8 übernommen werden konnte.
Mit der Bombardierung Pearl Harbors im Jahr 1941 stieg der Bedarf an ausgebildetem Pflegepersonal rapide an. Das zuvor bestehende Überangebot hatte sich in einen großen Mangel verwandelt, so dass die Gefahr einer Unterversorgung gegeben war. „Die Bundesregierung förderte die Pflegeausbildung mit allen Kräften, und die militärischen Ausbildungsgänge fingen an, Pflegekräfte in noch nie da gewesenem Ausmaß hervorzubringen.“ 9 Es entstanden verschiedene Kurz-Ausbildungslehrgänge für pflegerisches Hilfspersonal. Neben examinierten Kräften gab es jetzt auch
Krankenpflegehelferinnen (Licensed Practical Nurses, LPN), Pflegehelferinnen (Nurses´ Aides, NA) und freiwillige Hilfskräfte (hauptsächlich Hausfrauen). Ende des Zweiten Weltkrieges gab in den meisten US-Krankenhäusern „eigene Ausbildungslehrgänge für Hilfskräfte“ 10 . Die Pflege veränderte sich, „besonders hinsichtlich der Fragmentierung komplexer Vorgänge“ 11 .
Die Sorge, dass durch die aus dem Krieg heimkehrenden Pflegehilfskräfte ein Überangebot bestünde, war unbegründet. Vielmehr herrschte in den Fünfziger Jahren wieder ein Mangel an Pflegekräften. Einerseits bedingt durch die zahlreiche Errichtung neuer Krankenhäuser, andererseits durch „die immer weiter ansteigende Komplexität neuer medizinischer Technologien“. Hinzu kam „die hohe Fluktuation des Pflegepersonals“ 12 . Folge war die stärkere Einbindung und Organisation des verbleibenden Hilfspersonals, die „unter Anleitung von examinierten Pflegekräften ein Maximum an Tätigkeiten verrichten konnten“ 13 . Das Prinzip der Gruppenpflege kam nun zum Tragen, wobei in der Praxis eher die Form der Funktionspflege üblich war. Die wenigen examinierten Pflegekräfte wurden zu Teamleitern, die die Verantwortung, Koordination und Beaufsichtigung der immer größer werdenden Zahl an Pflegehilfskräften inne hatten. So war die Möglichkeit gegeben die Personalkosten zu verringern.
Mitte der Sechziger Jahre wurde die Unzufriedenheit mit der pflegerischen Versorgung immer größer. „Die Patienten waren unzufrieden mit dem Krankenhaus, die Ärzte waren unzufrieden mit der Pflege, und die Pflege war mit sich selbst und mit allen anderen unzufrieden.“ 14
Die Ansätze des Primary Nursing entstanden somit in den Sechziger Jahren als Antwort auf die jahrelange Unzufriedenheit, die der Pflegeberuf durch die bisherigen Pflegesysteme, vor allem durch die vorherrschende Funktionspflege mit sich brachte. De la Cuesta gliederte die Gründe dieser Unzufriedenheit in folgende vier Bereiche:
• tätigkeitsorientierte Pflege, • Mangel an individualisierter Pflege, • geringe Befriedigung durch die Arbeit für die Pflegenden, • oberflächliche Beziehung zwischen Pflegeperson und Patient 15 .
Besonders das Missverhältnis zwischen der Theorie des Pflegeprozesses und seiner Umsetzung sowie die mangelnde Ind ividualität und Kommunikation wurden deutlich. Es herrschte ein großes Aufgebot an Pflegekräften, die nur für einen kleinen Bruchteil der Gesamtpflege zuständig waren und so auch nur geringe bis keine Verantwortung hatten. Hinzu kamen die langen und komplexen Kommunikationswege, durch die etliche Informationen verloren gingen oder gar nicht erst als wichtig erachtet wurden. Manthey berichtet, „es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Patienten nicht wussten, welche der sie pflegenden Personen examinierte Pflegekräfte waren, und dass die
Pflegekräfte nicht wussten, wer ihre Patienten waren und warum sie im Krankenhaus lagen“ 16 .
Man versuchte zwar zuerst die Gruppenpflege zu verbessern (z.B. genaue Einhaltung der Prinzipien, unterschiedliche Zusammensetzung des Pflegepersonals, Aufstockung an examinierten Kräften), erkannte aber, dass durch folgende Probleme keine Verbesserung in Sicht war:
• „Fragmentierung der Pflege • komplexe Kommunikationsstrukturen • unklare Verantwortung und fehlende Zuständigkeit“ 17 .
Es musste also eine alternative Pflegeorganisation gefunden werden, die genau die Lösung dieser Probleme beinhaltete: Primary Nursing.
Manthey hat diese von ihr entwickelte Organisation 1969 an der Universität Minnesota eingeführt. Von da an fand es rasche Verbreitung in den USA. In Großbritannien verbreitete sich das dieses System ab den Achtziger Jahren sehr stark, während in Deutschland erst Mitte der Neunziger Jahre das Interesse dafür geweckt wurde.
Um die Einmaligkeit von Primary Nursing noch augenscheinlicher werden zu lassen, wird der Vergleich mit anderen uns bekannten und praktizierten Systemen der Pflegeorganisation hergestellt.
2.2 Funktionspflege
In der Funktionspflege werden aus Gründen der Zweckmäßigkeit, Rationalität („Fließband-Prinzip“) und Personalkostensenkung die Pflegeaktivitäten aufgeteilt. D.h. einzelne Pflegekräfte führen entsprechend ihrer Qualifikation einzelne oder mehrere Aufgaben am Patienten durch. „In dieser Hierarchie entsteht durch die strenge Ritualisierung von Pflegeleistungen eine hohe Geschwindigkeit der Leistungserbringung und eine gute Qualität der Einzelleistung.“ 18
Aber eben durch diese Hierarchie finden sich in diesem funktionalen Pflegeprinzip sehr oft unzufriedene Mitarbeiter ebenso wie Patienten. Eine ganzheitliche, kontinuierliche Pflege ist nur in so weit vorhanden, dass eine Pflegekraft mehrere Tätigkeiten an einem Patienten durchführt, was bei diesem Prinzip oft nicht der Fall ist. Funktionspflege zeichnet sich also durch „ein hohes Maß an Fragmentierung und Diskontinuität“ 19 aus. Da die Pflegeplanung meist von der Stations- oder Schichtleitung durchgeführt wird, die Pflege am Patienten selbst aber von vielen
anderen Mitarbeitern, liegt die Verantwortung und die Rechenschaftspflicht für die Pflege bei den Erstgenannten. Nur für die eigenständig ausgeführten Aufgaben sind die einzelnen Pflegekräfte verantwortlich.
Arbeit zitieren:
Diplom-Pflegepädagogin (FH) Andrea-Eva Schwarz, 2005, Primary Nursing in der Ambulanten Pflege, München, GRIN Verlag GmbH
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