Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Herausbildung der demokratischen Vereine
2.1 Die Entwicklung des Demokratiegedankens im „Vormärz“ 2
2.2 Die Bildung demokratischer Vereine im Revolutionsjahr 1848 2
3. Die Entstehungsgeschichte des Centralmärzvereins
3.1 Gründung, Charakter und Programm des Centralmärzvereins 4
3.2 Organisation, Tätigkeit und Entwicklungsverlauf des Centralmärzvereins 6
3.3 Vom Kampf um die Durchsetzung der Reichsverfassung bis
zum Ende des Centralmärzvereins 7
4. Das Erscheinungsbild und die Darstellung des Centralmärzvereins
in den Medien
4.1 Die Deutsche Bürgerzeitung - Organ des Centralmärzvereins 9
4.2 Die Neue Rheinische Zeitung - Organ der Demokratie 10
5. Der Centralmärzverein - ein gescheiterter Verein? 12
6. Resümee 13
7. Anhang
7.1 Abkürzungsverzeichnis 14
7.2 Quellenverzeichnis 14
7.3 Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
1848 - in Deutschland beginnt eine neue Zeit. „Ein neues Zeitalter der Demokratie“ nannte es Roman Herzog in seiner Rede anlässlich des Festaktes „150 Jahre Revolution von 1848/49“ am 18. Mai 1998 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main. 1
Als bleibender Anfang der deutschen Demokratie ist also das Jahr 1848 in die Geschichte eingegangen. Was hier begann war auf die Dauer nicht mehr rückgängig zu machen. Über fast anderthalb Jahrhunderte ist die Revolution von 1848/49 in Deutschland nun schon ein wichtiger Gegenstand der politischen Identitätsstiftung und Traditionsbildung. Bisherige Jubiläen boten immer wieder Anlass für Historiker, sich forschungsorientiert mit der Revolution von 1848/49 auseinanderzusetzen. Gegenwärtig ist die Zahl der ihr gewidmeten Untersuchungen kaum noch zu überblicken. Dies zeigen vor allem Gesamtdarstellungen der Revolution, signifikante Teilbereiche, wie etwa die Geschichte der Frankfurter Nationalversammlung, die Geschichte des Parlamentarismus, des Liberalismus, der Nationalstaats- und Nationalitätenproblematik sowie einzelner deutscher Territorialstaaten. Doch wie verhält sich das mit der Demokratie-Forschung? Obwohl zwar eine Anzahl von Sekundärliteratur, Berichten und Studien bezüglich Demokratieentwicklung, Vereinsentstehung und Arbeiterbewegung entstanden ist, gibt es jedoch noch keine forschungsmäßig fundierte und die ganze Thematik umfassende Gesamtdarstellung der demokratischen Linken, welche sich 1848 als Dachorganisation aller demokratischen Vereine zum „Centralmärzverein“ zusammenschlossen. Man findet häufig einzelne Zeilen, kurze Beiträge oder Dokumentationen. Näher damit auseinandergesetzt hat sich aber Rolf Weber 2 in einem größtenteils wirklich ausführlichen Beitrag im „Lexikon zur Parteiengeschichte“ von Dieter Fricke. Da Rolf Weber in meiner Hausarbeit immer wieder auftaucht, wird im weiteren Verlauf der Arbeit ein Kurztitel einge führt. Meine Ihnen vorliegende Arbeit beschäftigt sich eingehend mit den Chancen der Demokratieentwicklung im 19. Jahrhundert, der Entstehung des demokratischen Vereins- und Organisationswesen, beleuchtet dies näher am Beispiel des „Centralmärzvereins“ sowie forschungsorientiert dessen Darstellung in den Medien und versäumt es nicht, sich abschließend mit dieser Thematik thesenartig in der historischen Fragestellung auseinanderzusetzen. Möge uns die Vergegenwärtigung der damaligen Ereignisse hilfreich sein, welche an die fruchtbaren Tage der demokratischen Entwicklung in der deutschen Geschichte erinnert. __________________________
1 Roman Herzog in: 1848. Epochenjahr für Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland, München 1998, S. 9.
2 Rolf Weber: Centralmärzverein (CMV) 1848-1849 in: Dieter Fricke (Hrsg.), Lexikon zur Parteiengeschichte,
Bd. 1, Leipzig 1983-86, S. 403-412.
-1-
2. Die Herausbildung der demokratischen Vereine
2.1 Die Entwicklung des Demokratiegedankens im „Vormärz“
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts herrschten in Deutschland - auch bedingt durch die Ereignisse der französischen Revolution und die Zerschlagung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen durch Napoleon - erstmals gute Voraussetzunge n für eine demokratische Entwicklung. Jedoch wurden diese durch die Entscheidungen des Wiener Kongresses 1815 vollends zerschlagen. Daraufhin beschlossen die Monarchen Europas und die deutschen Fürsten, sich nach dem Prinzip der Solidarität gegenseitig zu helfen, ihre von Gott gegebene Macht (Legitimität) wieder herzustellen und zu festigen (Restauration). Folglich schlossen sich Russland, Österreich und Preußen zur Heiligen Allianz zusammen, der in den nun folgenden Jahren - mit Ausnahme von Großbritannien und dem Vatikan - alle europäischen Staaten beitraten. Die sich entwickelnden demokratischen Tendenzen wurden von Österreich und Preußen gemeinsam bekämpft, was die Karlsbader Beschlüsse 1819 zeigten. Von nun an gehörten polizeistaatliche Methoden wie Aussetzung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit während der Demagogenverfolgung zur Tagesordnung. Diese Strategien hatten Erfolg, denn die Bürger nahmen in der Zeit des Biedermeiers und der Romantik kaum noch am politischen Leben teil. Durch das strenge Vereinsrecht im Deutschen Bund wurden sie in den Untergrund oder zu unpolitischer Tarnung gezwungen. Dieser Zustand änderte sich erst wieder um 1830, dennermutigt durch die Julirevolution in Frankreich- begann sich der kämpferische Stil, der Vormärz, erst richtig durchzusetzen. In vielen politischen und literarischen Texten verbreiteten sich dessen Ideen. Vor allem die liberalen und demokratischen Gedanken beeinflussten nach der Ausrufung der Republik in Frankreich im Februar 1848 auch in Deutschla nd das politische Geschehen und führten zur Märzrevolution. 3 Zu formalen Parteistrukturen wie im heutigen Sinne war es also im Vormärz - größtenteils aufgrund der Karlsbader Beschlüsse- nicht gekommen.
2.2 Die Bildung demokratischer Vereine im Revolutionsjahr 1848
Der eigentliche Aufbruch ins Zeitalter des demokratischen Organisationswesens fand seit der Märzrevolution durch Gründung lokaler politischer Vereine statt. So begannen die Bürger sich in die Politik einzubringen denn von der Obrigkeit konnten keine Reformen erwartet werden. Nachdem die Ereignisse der Pariser Februar-Revolution in Deutschland bekannt geworden ___________________________ -2- 3 Vgl. Abitur 2002, Geschichte Leistungskurs Gymnasium Thüringen, Freising 2001, S. 2000-20f.
waren, fanden in den deutschen Städten, beginnend im Westen, Volksversammlungen statt, an denen sich erst Hunderte, bald aber Tausende von Menschen beteiligten. Somit war Deutschland innerhalb weniger Monate von hunderten politischen Vereinen überzogen. Sie brachten Menschen zusammen, formulierten Eingaben, organisierten Rednerabende, stellten Kandidaten auf und führten Wahlkämpfe. Die Vereine vermittelten die „großen“ politischen Ereignisse den „lokalen Lebenswelten“, womit der „Kreis staatsbürgerlicher Aktivität“ erweitert wurde. 4 In engem Kontakt mit den Fraktionen der Landesparlamente und der Frankfurter Nationalversammlung stehend, erfüllten sie eine wichtige Rückkopplungsfunktion. Je nach politischer Ausrichtung schlossen sie sich zunächst regional, dann landesweit zu lockeren Verbänden zusammen, wodurch die Vorform eines nationalen Parteisystems entstand, dessen Struktur die deutsche Parteiengeschichte bis ins 20. Jahrhundert prägte. Neben dem demokratischen Vereinsnetz entstanden noch vier weitere parteipolitische Milieus: Liberale, Konservative, Katholiken und Arbeiter. Halten wir das Augenmerk jedoch auf die Demokraten. Denn bald kam es aufgrund eines Konfliktes über die zukünftige Staatsform -Republik oder konstitutionelle Monarchie- zur Spaltung zwischen Liberalen und Demokraten. Im Revolutionsjahr 1848 gründeten beide Strömungen jedoch separate Vereine. Die Demokraten nannten ihre Organisationen „Volksvereine“, „Demokratische Vereine“ oder in Sachsen auch „Vaterlandsvereine“. Dem demokratischen Milieu sind auch die „Rustikalvereine“ der schlesischen Bauern zuzuordnen. Sich auf das Prinzip der Volkssouveränität stützend agierten die demokratischen Vereine für die strenge Erfüllung der Märzforderungen, ein Einkammerparlament sowie für eine an die Verfassung gebundene Monarchie und oftmals sogar eine deutsche Republik. Die Aufrufe zur Gründung der Vereine fanden eine lebhafte Erwiderung. Schon am 23. April 1848 kamen in Leipzig 116 Delegierte zusammen, die über 11.000 Mitglieder in 43 sächsischen Vaterlandsvereinen vertraten. Auch in Preußen stieg die Zahl der demokratischen Vereine auf ca. 250, obwohl sie nicht auf hohem Niveau wie in Baden oder Sachsen vorbereitet worden waren und Gründungen nur sehr zögerlich von statten gingen. 5 Dies ist teils darauf zurück zuführen, dass das Recht zur Vereinsgründung erst am 6. April 1848 durch eine königliche Verordnung sanktioniert wurde. 6
Für Preußen ist jedoch besonders der „Politische Klub “ hervorgegangen, der sich am 21. Mai in „Demokratischer Klub“ umbenannte und Volkssouveränität, liberale Verfassung sowie Demokratie geltend machen wollte. Anfang April 1848 wurde durch einige radikale ________________________
4 Frank Lorenz Müller: Die Revolution von 1848/49, Darmstadt 2002, S. 77.
5 Ebenda, S. 77f. -3- 6 Vgl. Joachim Paschen: Demokratische Vereine und preußischer Staat, München /Wien 1977, S. 33.
Arbeit zitieren:
Sven Fiedler, 2004, Die Entstehung des demokratischen Organisationswesens in der deutschen Revolution von 1848/49: "Der Centralmärzverein", München, GRIN Verlag GmbH
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