Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 4
2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs 4
2.1 Die Ausdrucksseite 5
2.2 Die Inhaltsseite 6
3. Der sprachideologische Fremdwortdiskurs 7
3.1 Gemäßigter vs. radikaler Sprachpurismus 7
3.2 Kennzeichen des Sprachpurismus 8
3.3 Der Sprachpurismus in der Geschichte der deutschen Sprache 9
4. Der sprachpädagogische und -soziologische Fremdwortdiskurs 10
5. Der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs 11
5.1 Stilistische Urteile 11
5.2 Kommunikationsspezifische bzw. ethische Urteile 12
6. Zusammenfassung und Schlusswort 12
7. Literatur 13
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1. Einführung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Bewertung von Fremdwörtern in der Sprachgeschichte des Deutschen. In Anlehnung an Gardt (2001) habe ich eine Vorgehensweise gewählt, die sich nicht chronologisch orientiert, sondern sich auf unterschiedliche „Diskurse“ (Gardt, 2001, 30), unterschiedliche Herangehensweisen bezieht. Schon seit der frühen Neuzeit können diese Diskurse in der Bewertung von Fremdwörtern angetroffen werden. Auch die Geschichte des Neuhochdeutschen wird durch die Diskussion über den Einfluss fremder Sprachen geprägt. So gibt es auch heute noch Vertreter für die verschiedensten Argumente, die innerhalb dieser Diskurse ausschlaggebend sind. Bevor ich auf die Diskurse im Einzelnen eingehe, möchte ich zunächst noch einige allgemeine Bemerkungen zum Thema voranstellen. Die Geschichte einer Sprache wird stets maßgeblich durch die Einstellungen ihrer Sprecher beeinflusst (vgl. Gardt, 2001). Die Bewertung von Fremdwörtern wurde im Laufe der Geschichte „von Grammatikern, Rhetorikern, Sprachtheoretikern und auch Ideologen“ (ebd., 31) vorgenommen. Entsprechend der jeweiligen Überzeugung fiel die Definition des Begriffs „Frem dwort“ unterschiedlich aus. Bei der Bewertung von Fremdwörtern wurden nicht nur die Merkmale des Sprachsystems beschrieben, gleichzeitig wurde das System auch normierend beeinflusst. Unter den Punkten zwei bis fünf werde ich mich mit verschiedenen Diskursen beschäftigen, die sich auf unterschiedliche Dimensionen des Fremdwortbegriffs beziehen. Dazu gehören der sprachstrukturelle, der sprachideologische, der sprachpädagogische und -soziologische und der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs. Es ist nicht möglich, eine klare Abgrenzung unter ihnen vorzunehmen, da sie sich überlappen und jeweils eine Mischung verschiedener Aspekte darstellen. Wenn nicht anders vermerkt, beziehe ich mich auf die Ausführungen von Gardt (2001).
2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs
In diesem Diskurs stehen grammatische und lexikalische Fragen des Fremdworts im Zentrum der Aufmerksamkeit. Definitionen werden hier nur vereinzelt angetroffen und sind meist allgemein gehalten. Ein Beispiel für eine solche Begriffserklärung wäre folgende: „Fremdwörter sind zunächst die aus einer anderen Einzelsprache übernommenen, dem Deutschen ausdrucksseitig wie inhaltsseitig nicht zugehörigen Wörter.“ (Gardt, 2001, 36). Auch die Begrifflichkeit gestaltet sich sehr unterschiedlich. Bevor im 19. Jahrhundert der Begriff des „Fremdwortes“ eingeführt wurde, gab es zahlreiche andere Ausdrücke, von denen ich an dieser Stelle einige kurz nennen möchte: „fremde[…] Wörter[…], […] Barbarismen, verba peregrina, […] Fremdlinge[…]“ (Gardt, 2001, 36). Es wurden auch Ausdrücke mit gleichzeitiger negativer Bewertung verwendet. So war die Rede von „undeutschen Wörtern, fehlgebildeten Wörtern, Bastardwörtern, fremdem
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Putz/Schmuck/Glitterwerk, fremden Brocken, e rbettelten Lappen fremder Sprachen, fremdem Mischmasch etc.“ (ebd., 37).
Ich möchte nun auf die in der oben genannten Definition erwähnten Merkmale des Fremdworts eingehen, die innerhalb dieses Diskurses im Vordergrund stehen. Gleichzeitig werde ich versuchen, diese Aspekte anhand bestimmter Stationen in der deutschen Sprachgeschichte zu verdeutlichen.
2.1 Die Ausdrucksseite
Die Ausdrucksseite äußert sich in Aussprache, Schreibung, Wortbildung und Beugung. Schwierigkeiten in diesem und anderen Bereichen traten zu jeder Zeit hauptsächlich bei den Sprechern auf, die keine oder nur wenige Fremdsprachenkenntnisse besaßen und besitzen (vgl. Zabel, 1987). Bis zum 15. Jahrhundert, zur Zeit der Völkerwanderung, also zu den Anfängen der deutschen Sprachgeschichte, war die Sprache geprägt durch eine fast ausschließlich mündliche Verwendung (Munske, 2001). In dieser Zeit gab es hauptsächlich direkte Entlehnungen, die heute als integriert 1 gelten und „in keiner Weise mehr als ‚fremd’ empfunden“ werden (ebd., 12), da sie an den Laut-wandelprozessen des Deutschen teilgenommen haben. Der Grad der Integration auf Seiten von Aussprache, Schreibweise und Flexion kennzeichnet die Unterscheidung von Fremdwörtern und Lehnwörtern.
Das 17. Jahrhundert war geprägt durch die Forderung nach deutscher Aussprache, Schreibung und Flexion. Im Gegensatz dazu stand die Auffassung, Schreibung und Lautung sollten beibehalten werden, die sich im 18. Jahrhundert etablierte. Die jeweiligen Kriterien bezogen sich unter anderem auf die Art der Ausgangssprache 2 oder den Wohlklang des entsprechenden Wortes. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Vertreter der historischen und der phonetischen Schreibweise (Zabel, 1987). Die Erstgenannten setzten sich für eine Schreibung entsprechend der Abstammung des Wortes ein und verfolgten damit gleichzeitig ein bildungspolitisches Anliegen. Dagegen forderten die Vertreter der phonetischen Schreibweise die Anpassung der Fremdwörter an die deutsche Sprache (Zabel, 1987) und die systematische Ersetzung fremder Grapheme (vgl. Munske, 2001). Die Beweggründe lagen hier laut Zabel (1987) weniger in der Vereinfachung als vielmehr in der Vereinheitlichung der Sprache. Munske (2001) weist darauf hin, dass bis heute einer Umgestaltung der orthografischen Normen in Bezug auf Fremdwörter entgegengewirkt wird. Das liegt einerseits an einer grundsätzlichen Abneigung gegen jegliche Rechtschreibreform und zum Zweiten an einer „Bindung an die humanistische Tradition“ (ebd., 25). Auch nach der neuesten Rechtschreib-reform gibt es noch viele griechische Wörter, die charakteristische Lautverbindungen beibehalten haben. Charakteristisch für die Unsicherheiten im Umgang mit der Schreibung von Fremdwörtern
1 Integration bezeichnet die „Eingliederung von anderssprachlichen Elementen in das System oder Lexikon einer Sprache“ (Glück, 2000, 4271)
2 Bei Fremdwörtern aus so genannten „lebenden“ Sprachen sollte die ursprüngliche Schreibung beibehalten werden, wohingegen Wörter aus „toten“ Sprachen angepasst werden sollten.
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ist auch die Realisierung der Orthografie in Doppelformen, die entsprechend verschiedene Schreibungen zulassen (siehe auch Zabel, 1987).
Die Stigmatisierung der Fremdwortschatzes manifestierte sich darin, dass er im Deutschen lange Zeit nicht in grammatische Beschreibungen aufgenommen wurde.
Während der Zeit der Aufklärung wurden Forderungen nach einem Sprachsystem ohne Widersprüche laut. Das zentrale Argument gegen Fremdwörter war, dass deren Bildung nicht der des Deutschen entspräche und dadurch kein analoges und strukturell durchsichtiges Sprac hsystem erlaube. Gardt (2001) spricht in dieser Hinsicht von der Begründung eines „strukturell motivierten Purismus“ 3 (ebd., 40). Im Duden Band 5 wird jedoch darauf hingewiesen, dass sich der Fremd-wortgebrauch meist nicht auf die grammatische Struktur des Deutschen auswirkt, da die aufgenommenen Wörter beispielsweise in der Flexion dem deutschen Muster folgen. Auch auf der Ebene der Satzstruktur bietet die Verwendung von Fremdwörtern diverse Vorteile. Sätze können durch den Wegfall der Satzklammer bei fremdsprachlichen untrennbaren Verben übersichtlicher werden. Zudem werden vielfältige Satzvariationen ermöglicht (vgl. Duden Band 5).
2.2 Die Inhaltsseite
Ein weiterer Bestandteil der Definition bezieht sich auf die Inhaltsseite von Fremdwörtern. Hierzu gehört der Grad der Verbreitung von Fremdwörtern im Sprachgebrauch und ihre Eigenschaft besonders als Fachwörter eine Lücke im Wortschatz schließen zu können.
Gardt (2001) weist darauf hin, dass „Fremdwörter umso eher akzeptiert werden, je stärker sie im Gebrauch etabliert sind“ (ebd., 37). Der Gebrauch oder auch die Verwendungshäufigkeit der Fremdwörter ist wiederum abhängig davon, inwieweit sie sich der deutschen Sprache angepasst haben und von den Sprechern verstanden werden. Durch verbreitete Englisch- bzw. Fremdsprachenkenntnisse werden Fremdwörter heute zum Teil nicht mehr als so fremd empfunden (Drews, 1999). Sogar die „Gegner“ von Fremdwörtern kapitulieren da, wo bestimmte Ausdrücke sich im Sprachgebrauch schon stark etabliert haben.
Der zweite Aspekt der Inhaltsseite von Fremdwörtern betrifft ihre Fähigkeit, bestimmte Bezeichnungslücken im Wortschatz schließen zu können. Seit dem 15. Jahrhundert wurden lateinische Wörter in die deutsche Sprache übernommen, um die Bereiche zu erobern, die bisher ausschließlich von lateinischer Schriftlichkeit bestimmt waren (Munske, 2001). Auch heute werden Wörter aus anderen Sprachen, hauptsächlich dem Englischen, entnommen, die neue Dinge oder Sachverhalte (genauer) bezeichnen und ausdrücken und daher oft eine Bereicherung für den deutschen Wortschatz darstellen, was vor allem in der Branche der Informationstechnologie offensichtlich ist (Schreiner, 2002).
Im 17. Jahrhundert wurde erstmals der Versuch unternommen, solche Bezeichnungslücken mit deutschen Wörtern zu schließen. Es wurden Wortneuschöpfungen gebildet, die auf deutschen
3 Mit dem Sprachpurismus werde ich mich unter Punkt 3 beschäftigen.
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Anna Badstübner, 2004, Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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