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Friedrich Nietzsches Geschichtsbild in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung

Title: Friedrich Nietzsches Geschichtsbild in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung

Term Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Christin Knop (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Einleitung

Friedrich Nietzsche veröffentlichte zwischen 1873 und 1876 die Unzeitgemäßen Betrachtungen, vier Schriften, deren Inhalt sich jeweils kritisch gegen seine eigene Zeit und die eingesetzten Wandlungen innerhalb der deutschen Kultur wandte. Die Unzeitgemäßen Betrachtungen sind allesamt auch vor Nietzsches biographischem Hintergrund zu beurteilen, so befand er sich seit 1872 in wissenschaftlicher Isolation als Altphilologe: Die Geburt der Tragödie – ursprünglich ein philologische Arbeit – musste Nietzsche klarer Kritik ausgesetzt sehen. Außerdem litt er zum Zeitpunkt der Abfassung der Unzeitgemäßen Betrachtungen bereits unter stärkeren gesundheitlichen Problemen. 1

Die erste Unzeitgemäße Betrachtung trug den Titel David Strauß, der Bekenner und Schriftsteller. Sie richtet sich gegen den Fortschrittsglauben und ist eine konkrete Reaktion auf die Neufassung des Jugendwerks David Friedrich Strauß’, in welchem sich der Ex- Theologe zum Optimisten mit bejahender Haltung gegenüber der Wissenschaft seiner Zeit und damit einem „neuen Glauben“ bekannte, nachdem er in der Urfassung destruktive Kritik am Christentum geübt hatte.2

Die dritte Unzeitgemäße Betrachtung, Schopenhauer als Erzieher, zeigt eine Wertschätzung für Schopenhauers Persönlichkeit, die sich durch „Ehrlichkeit, Heiterkeit und Beständigkeit“ auszeichne und das Elend der Welt erkannt, sich dabei aber selbst gefunden habe. Es spreche die Hoffnung Nietzsches aus dem Traktat, dass der Pessimist beim Suchen der Unwahrheit und der Lüge doch noch auf den „rettenden Grund positiver Lebenserfahrung stoße“. 3 Die vierte Unzeitgemäße Betrachtung trägt den Titel Richard Wagner in Bayreuth. Obwohl das Verhältnis sich in den Jahren bis zur Veröffentlichung stark verändert und eine Abkehr Nietzsches von der Person Richard Wagner stattgefunden hatte, trägt die Arbeit Wertschätzung für die Wagnersche Kunst nach außen. Auf der anderen Seite skizziere sie ein psychisch treffendes Bild und hebe letztlich sogar sprachliche Unzulänglichkeiten bei Wagner hervor. Außerdem beinhalte die Schrift wieder Kritik am pervertierten Zustand der Kultur.4...
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1 Vgl. Frenzel, Ivo, Nietzsche, Reinbek 1966, S. 64.

2 Vgl. Frenzel 1966, S. 65 – 66.

3 Vgl. Frenzel 1966, S. 69.

4 Vgl. Frenzel 1966, S. 70 – 73.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nietzsches Sicht auf den Historismus seiner Zeit

2.1. Einflüsse des Historismus auf Erziehung und Bildung

2.2. Folgen für den Menschen

2.3. Folgen für die deutsche Kultur

3. Nietzsches Ansatz zum Nutzbarmachen der Historie für Leben und Kultur

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschichtsbild Friedrich Nietzsches, wie es in seiner zweiten „Unzeitgemäßen Betrachtung“ dargelegt wird. Im Zentrum steht dabei die kritische Auseinandersetzung mit dem Historismus des 19. Jahrhunderts und dessen Auswirkungen auf Bildung, Erziehung sowie das kulturelle Selbstverständnis.

  • Kritik am Historismus und der zeitgenössischen Geschichtswissenschaft
  • Wechselwirkungen zwischen historischer Bildung und menschlicher Persönlichkeitsentwicklung
  • Die Problematik der deutschen Kultur im Kontext von Innerlichkeit und Form
  • Nietzsches Konzepte des „unhistorischen“ und „überhistorischen“ Denkens
  • Die Rolle der Jugend und der „höchsten Exemplare“ als Gegenentwurf zur Massenbildung

Auszug aus dem Buch

2.2. Folgen für den Menschen

Die Hauptfolge des Historismus für den Menschen ist Nietzsche nach das Leiden an der historischen Krankheit. Die „Enzyklopädien“ können das Wissen nicht anbringen. So bleibe die Bildung innerlich, äußerlich aber werde der Mensch zum Barbaren. Durch die Kluft zwischen Inhalt und Form entstehe eine schwache Persönlichkeit. Der Mensch sei nicht mehr dazu in der Lage, die wirklichen Dinge, die das eigentliche Leben angehen, ernst zu nehmen. Das Innere hingegen sei jedoch nicht stark genug, um nach außen hin formgebend zu wirken, sodass, sobald die Innerlichkeit verschwunden sei, nur noch eine den Deutschen eigene, bummelige Äußerlichkeit übrig bleiben würde. Mit diesen Umschreibungen will Nietzsche andeuten, dass das angehäufte Wissen nicht sinnvoll, sozusagen als Einheit, genutzt wird und daher nicht das wert ist, was es zunächst wert zu sein scheint. D.h., er kritisiert wieder den fehlenden praktischen Nutzen der Bildung für das Leben:

„Als Ganzes bleibt es [das Innere] schwach, weil alle die schönen Fasern nicht zu einem kräftigen Knoten geschwungen sind.“

Der historische Sinn entwurzle, sofern er ungebändigt bleibe, die Zukunft und zerstöre die Atmosphäre der gegenwärtigen Dinge. D.h., Nietzsche sieht die Gefahr, dass die bloße übermäßige historische Analyse der Geschehnisse dazu führen könnte, der Gegenwart und der Zukunft – also dem Lebendigen – Schaden zuzufügen oder sie sogar zu vernichten, sofern kein „Bautrieb hinter dem historischen Triebe wirkt“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ biographisch und thematisch in Nietzsches Schaffen und führt in die Fragestellung zur zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung ein.

2. Nietzsches Sicht auf den Historismus seiner Zeit: Nietzsche analysiert hier die negativen Auswirkungen des Historismus auf das Bildungswesen und die menschliche Natur.

2.1. Einflüsse des Historismus auf Erziehung und Bildung: Untersuchung, wie die wissenschaftsgläubige Gegenwart das Bildungsideal zerstört und den Historismus als „Krankheit“ kennzeichnet.

2.2. Folgen für den Menschen: Darstellung der Entwurzelung und Persönlichkeitsschwächung, die durch ein Übermaß an historischem Wissen ohne praktischen Nutzen entstehen.

2.3. Folgen für die deutsche Kultur: Analyse der deutschen „Kulturlosigkeit“, die aus der Diskrepanz zwischen innerer Bildung und äußerer Konvention resultiert.

3. Nietzsches Ansatz zum Nutzbarmachen der Historie für Leben und Kultur: Erörterung der Gegenentwürfe durch unhistorisches und überhistorisches Denken als Mittel zur Lebensbejahung.

4. Schlussbetrachtung: Kritische Reflexion der Arbeit, die sowohl Nietzsches Diagnose teilt als auch seine teils unpraktischen Lösungsansätze hinterfragt.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Historismus, Unzeitgemäße Betrachtungen, Geschichtsbild, Bildung, Kultur, Historische Krankheit, Unhistorisches Denken, Überhistorisches Denken, Lebensfähigkeit, Persönlichkeitsentwicklung, Wissenskultur, Philosophie des 19. Jahrhunderts.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Nietzsches Kritik am Historismus des 19. Jahrhunderts und beleuchtet seine Vorstellungen darüber, wie Geschichte für das Leben produktiv gemacht werden kann, statt es durch Überanalyse zu ersticken.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Bildung, die negativen Auswirkungen des historischen Fiebers, das Verhältnis von Innerlichkeit und Kultur sowie Nietzsches Konzept der Gegenmittel (unhistorisches und überhistorisches Denken).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, Nietzsches Haltung zum Historismus zu charakterisieren und seine Lösungsansätze für die damalige Krise der deutschen Bildung und Kultur kritisch zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Textanalyse der „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ von Friedrich Nietzsche, ergänzt durch komparative Literatur zu Nietzsches Geschichtsphilosophie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Auswirkungen des Historismus auf Erziehung, Mensch und Kultur sowie die Darstellung und kritische Diskussion von Nietzsches Lösungsansätzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Historismus, Bildung, Lebensfähigkeit, Unzeitgemäße Betrachtungen und Nietzsches Kulturkritik charakterisiert.

Wie bewertet Nietzsche das deutsche Bildungssystem seiner Zeit?

Er kritisiert das System scharf als produzenten „wandelnder Enzyklopädien“, die zwar über ein unendliches historisches Wissen verfügen, aber unfähig sind, dieses Wissen sinnvoll für ihr eigenes Leben oder die Kultur einzusetzen.

Inwieweit übt die Autorin am Ende Kritik an Nietzsches Lösungsansätzen?

Die Autorin bemängelt die fehlende Plastizität von Nietzsches Vorschlägen. Sie kritisiert, dass sich Nietzsche in zu metaphorischen und mystischen Umschreibungen verliert und die praktische Umsetzbarkeit seiner Ideen für den Leser im Unklaren bleibt.

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Details

Title
Friedrich Nietzsches Geschichtsbild in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg
Course
Europäische Kulturkritik und das Russlandbild um die Jahrhundertwende
Grade
2+
Author
Christin Knop (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V36271
ISBN (eBook)
9783638359399
Language
German
Tags
Friedrich Nietzsches Geschichtsbild Unzeitgemäßen Betrachtung Europäische Kulturkritik Russlandbild Jahrhundertwende
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christin Knop (Author), 2005, Friedrich Nietzsches Geschichtsbild in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36271
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