A. Inhaltsverzeichnis
B. Einleitung Seite 3
C. Hauptteil
1. Situation des byzantinischen Kaiserreiches 1.1. Stellung und Selbstverständnis Seite 4 1.2. Reaktion des Westens Seite 6
2. Situation des westlichen Abendlandes 2.1. Stellung der römischen Kirche vor der Kirchenreform Seite 7
2.2. Exkurs: Modell des Heiligen Krieges Seite 8
2.3. Entwicklung der römischen Kurie mit Einsetzen der Kirchenreform Seite 9
3. Die Propaganda des Heiligen Krieges gegen Byzanz 3.1. Exkurs: Propaganda Seite 10
3.2. Begrifflichkeit der westlichen Propaganda Seite 11
4. Das Verhältnis der Normannen zu Byzanz Seite 14
D. Fazit Seite 17
E. Bibliographie Seite 19
2
B. Einleitung
Byzanz und das lateinische Abendland - zwei politische und kulturelle Pole, die im Hochmittelalter trotz ihres konfliktreichen und missverständlichen Verhältnisses tief in der gemeinsamen christlichen Religion verwurzelt waren.
Diese Gemeinsamkeit konnte jedoch nicht verhindern, dass die Lateiner im April 1204 die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel im Rahmen eines Kreuzzuges erstürmten und in blinder Zerstörungswut unermessliche Kunstschätze und ganze Bibliotheken plünderten.
Zu dieser Problematik stellte sich mir folgende Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass sich ein eigentlich gegen die Expansionsbestrebungen der islamischen Welt gerichteter Heiliger Krieg des westlichen Christentums, den die Kreuzzüge unweigerlich darstellten 1 , gegen die byzantinischen „Glaubensbrüder“ oder „conchristiani“ richtete ?
Bei der Beschäftigung mit diesem Problem ergaben sic h zahlreiche Parallelen zur aktuellen Weltpolitik und den vor wenigen Monaten ausgesprochenen Überlegungen zur Führung eines neuen „Kreuzzuges“ gegen die fundamentalistisch- islamische Welt seitens des amerikanischen Präsidenten als Antwort auf die Ereignisse des 11. September 2001. Dies ermöglichte die verknüpfende Betrachtung einer modernen Kommunikationsform in der Politik - der Propaganda.
Die folgenden Ausführungen sollen zeigen, wie Missverständnisse über gegenseitige Werte, Normen und politische Vo rstellungen über die Jahrhunderte zu propagandistisch leicht verwertbaren Klischees eines aggressiven politischen Konzeptes reifen konnten. 2
Dazu möchte ich im nun zuerst das Selbstverständnis und den Entwicklungsstand der beiden Pole, Byzanz und lateinischer Westen, gegenüberstellen.
1 Colpe: Der „Heilige Krieg“. S. 56.
2 in Anlehnung an Lake / Rothchild: Containing Fear. S. 104.
3
C. Hauptteil
1. Situation des byzantinischen Kaiserreiches
1.1. Stellung und Selbstverständnis des byzantinischen Kaiserreiches
Byzanz war in seiner politischen und geistigen Orientierung im Hochmittelalter ein zwiegespaltenes Land.
Als Erbe einer mächtigen antiken Hinterlassenschaft war es fest im geistig vorgeprägten Boden des Abendlandes verhaftet. In Hinblick auf die christliche Religion besaß Ostrom sogar eine Vorreiterrolle, da es wegen seiner Lage die neuen Impulse des frühen Christentums aus Syrien, Palästina und Ägypten auffing und sich bei seiner Hinwendung zum lateinischen Westen in der Lage sah, Formen christlicher Glaubensausübung an die römische Kirche weiterzugeben. 3
Daneben musste sich Byzanz ob seiner geographischen Lage weit früher als der Westen mit arabischen und persischen Expansionsbewegungen auseinandersetzen. Dies führte dazu, dass es als christlicher Schutzwall ständig gegen den Orient hin ausgerichtet war. So führte beispielsweise Kaiser Herakle ios im Jahre 622 Krieg gegen die Perser und wurde 8 Jahre später zum sogenannten Befreier des Heiligen Landes. Auch Kaiser Leon III. führte Feldzüge in Anatolien und im Jahre 740 gelang ihm die „Säuberung“ Kleinasiens. 4
Da das byzantinische Kaiserreich sich zum einen als Erbe des römischen Imperiums und andererseits als Vorreiter des christlichen Glaubens für das Abendland ansah, entwickelte es gegenüber neuen politischen Kräften eine äußerst angreifbare Arroganz. So fand zum Beispiel der römische Kaiserkult seine Fortsetzung und Krönung in Ostrom, da sich der byzantinische Kaiser als einzig legitimer Stellvertreter Christi auf Erden ansah 5 und sein Reich für ihn als Sonne im Mittelpunkt der Welt stand 6 .
3 Seidel: Byzanz im Spiegel. S. 7.
4 Kindlimann: Die Eroberung. S. 9 f..
5 Sturminger: 3000 Jahre. S. 116.
6 Schreiner: Byzanz und der Westen. S. 562 ff..
4
Daneben bezogen die byzantinischen Kaiser hochmütig die Herrschaft der germanischen Fürsten, die nach ihrem Einbruch das weströmische Reich aufgespalten hatten, unter ihrer Herrschaft mit ein. Dies führte dazu, dass Byzanz von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr an einer daraus resultierenden historischen und g eographischen Isolation krankte. 7 Es entstand eine fast „snobistische“ Reserviertheit gegenüber fremden Sprachen und Ideen und eine sehr geringe Bereitschaft seitens der byzantinischen Intelligenz, Kenntnisse anderer Kulturen, insbesondere der westlichen, in eigene Denkschemata mit einzubeziehen. 8
Das Ergebnis war ein Sitz zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite waren die „Emporkömmlinge“ in Form der westlichen Barbaren, gegenüber denen man bis ins 13. Jahrhundert auf Grund der eigenen abgehobenen Rolle im Weltgeschehen zum Beispiel niemals Vereinbarungen in Vertragsform anbot, sondern diese als Verleihungen und Gnadenurkunden formulierte, „so daß der Kaiser immer als der Gnaden austeilende, verleihende Gönner erschien.“ 9
Auf der anderen Seite stand die besonders für das byzantinische Militär bedrohliche Expansionsbewegung diverser arabischer und persischer Gruppen. Nach dem Tod Kaiser Basileios II. im Jahre 1025 verfiel unter der Herrschaft des hauptstädtischen Beamtenadels der mittelalterliche Staat zusehends und mit ihm die militärische Grundstruktur. 10 Besonders die Ordnung und Disziplin des Heeres sank gegenüber früheren Jahrhunderten. 11
Aus diesem Grund, aber meiner Meinung nach auch auf Grund der Erfahrungen aus früheren Begegnungen mit der islamische n Welt, die zur damaligen Zeit gerade in Fragen des Handels, besonders gegenüber der westlichen Welt, sehr fortschrittlich war, setzten die byzantinischen Kaiser (insbesondere Alexios und Manuel) auf die Mittel der Diplomatie. Vater dieses Gedankens war sicherlich der der eigenen Bestandserhaltung, da man nicht zwischen der türkischen Expansion und der westlichen Kreuzzugsbewegung zerrieben werden wollte.
7 Seidel: ebenda.
8 Schreiner: ebenda. S. 562 ff..
9 Sturminger: ebenda. S. 117
10 Kindlimann: ebenda. S. 23.
11 Schreiner: ebenda. S. 576 f..
5
1.2. Die Reaktion des Westens
Der Westen reagierte auf Agieren des byzantinischen Reiches sehr zwiegespalten und änderte über die Jahrhunderte hinweg oftmals seine Einstellung. So kann man sagen, dass Byzanz seitens des Westens vor dem Jahre 800 eine große Bewunderung zu Teil wurde. 12 Diese wurde zwar nicht unbedingt offen zugegeben, aber Papst Johannes VIII (872-882) wandte sich zum Beispiel unter dem Druck der Araber von den schwach gewordenen Karolingern ab und dem byzantinischen Reich zu. So ist auch in den Quellen Kindlimanns oftmals bestätigt, dass Byzanz bis 1025 als unerschütterlicher Eckpfeiler der Verteidigung der Christenheit angesehen wurde. 13
Mit der Existenz eines Gegenkaisertums und besonders mit der selbstbewusster werdenden Stellung des römischen Papsttums, auf das ich im weiteren noch eingehen werde, schwindet diese klare Anerkennung, was s ich allerdings nicht in einem gesammelten Echo der westlichen Welt niederschlägt. 14
Im 11.Jahrhundert verschwindet allerdings die schwärmerische Betrachtungsweise des Westens zugunsten der eines realen Partners, an dem man sich politisch, kulturell und zivilisatorisch orientieren möchte. 15
Parallel dazu entsteht aber die westliche Vorstellung, dass man es bei Byzanz mit einem arroganten Rivalen zu tun habe, der aufgrund seiner geographischen Lage und seines fremden Lebensstils zum Orient gerechnet werden müsse. 16 Gerade gegenüber dem immensen byzantinischen Prestige versuchten aufstrebende Kräfte im Westen die eigene Stärke zu betonen.
Als Beispiel dient hier der Bischof Liuprand von Cremona, der als Gesandter am byzantinischen Hof alles versuchte um das Bild des byzantinischen Staates zu zerstören und das Ansehen seines Herrn, Otto des Großen (936-973), kontrastartig zu erhellen: Nach dem ein Brief des römischen Papstes den byzantinischen Hof empört hatte, da darin Otto als „imperator Romanorum“ und der byzantinische Kaiser als „Grecorum
12 Schreiner: ebenda. S. 553.
13 Kindlimann: ebenda. S. 11.
14 Schreiner: ebenda.
15 ders.: ebenda.
16 Seidel: ebenda. S. 45.
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Arbeit zitieren:
Florian Schmidt, 2002, Die geistige Vorbereitung eines Lateinischen Kaiserreiches am Bosporus: Das Feindbild vom treulosen Griechen, München, GRIN Verlag GmbH
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