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Die Öffentlichkeit der Bürgerbewegung als Infrastruktur der Demonstranten des Herbst 1989

Title: Die Öffentlichkeit der Bürgerbewegung als Infrastruktur der Demonstranten des Herbst 1989

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 20 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Florian Schmidt (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Einleitung

„Nicht die Medien haben die Wende gemacht. Das Volk hat die Wende gemacht [...]. Zum anderen die Medien, schön, die waren schon ein Schutz. Ohne die Nikolaikirche und einen Raum hier hätten ihnen [den Demonstranten] die Medien nichts geholfen.“ Dieses Zitat vo n Christian Führer, der seit 1980 das Amt des Pfarrers in der Leipziger Nikolaikirche ausübte, bringt die konstitutiven Elemente des Herbst 1989 sehr gut in einen Zusammenhang.

Zum einen ist da das Volk (oder besser ein im Laufe des Jahres 1989 anwachsender Teil der DDR-Bevölkerung), das aus Gründen, auf die ich als nächstes eingehen werde, der Meinung war, dass das politische System der DDR einer grundlegenden Reform unterzogen werden müsse. Dazu bedurfte es aber, so meine These, eines beständigen Aufbaus einer Demonstrations-Infrastruktur durch oppositionelle Basisgruppen, die Kritik am Staat fassbar machten.

Daneben existierte in Leipzig die Nikolaikirche, die hier jedoch weniger als evangelische Kirche, sondern als Raum von Interesse sein soll, in dem in begrenztem Umfang politische Kritik geäußert werden konnte und der über Jahre hinweg die Rolle einer begrenzten Öffentlichkeit darstellte, die als Grundlage für die durch Massenmedien vermittelten und gesellschaftlich sehr viel weiter reichenden Ereignisse des Herbstes 1989 diente. Diese Öffentlichkeit überbrückte das über Jahrzehnte andauernde autistische Verhalten der DDR-Medien, bis es möglich wurde kommunizierbare Inhalte über die Medien der BRD zu transportieren. Im folgenden werde ich nun versuc hen, das Verhältnis zwischen Bürgerbewegung, Demonstranten und politischem System, sowie Medien und politischer Öffentlichkeit näher zu beleuchten und in einen Zusammenhang zu bringen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil

1. Wurzeln des Herbst 1989

1.1. Widersprüche in der DDR-Gesellschaft der 80er Jahre

1.2. Bildung einer Opposition

1.3. Politische Kommunikation Neuer Sozialer Bewegungen

1.4. Die Bürgerbewegung und die Medien vor 1989

2. Die Ereignisse bis Ende 1989

2.1. Eine Lawine setzt sich in Bewegung

2.2. Oppositionelle Gruppen im Aufwind

2.3. Genese der massenmedialen Öffentlichkeit

2.4. Absage an eine Reform der DDR

C. Fazit

D. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der DDR-Bürgerbewegung, den Montagsdemonstranten und dem politischen System unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Medien und der politischen Öffentlichkeit im Herbst 1989. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie oppositionelle Basisgruppen trotz staatlicher Repression eine Infrastruktur schufen, die als Grundlage für den gesellschaftlichen Wandel diente, und warum ihre komplexen Reformforderungen später durch die Dynamik der Wiedervereinigungsdebatte in den Hintergrund gedrängt wurden.

  • Die Rolle der Nikolaikirche und von Basisgruppen als alternative Öffentlichkeit.
  • Die medienvermittelte Kommunikation als Schlüsselressource sozialer Bewegungen.
  • Der Übergang von der Bürgerprotest-Infrastruktur zur massenmedialen Wahrnehmung.
  • Die Diskrepanz zwischen den Reformzielen der Bürgerbewegung und den Interessen der westlichen Medien und Politik.

Auszug aus dem Buch

Die Bürgerbewegung und die Medien vor 1989

Diese Funktionen waren natürlich für die DDR-Bürgerbewegung nicht leicht zu nutzen, da sie beispielsweise im Unterschied zur westdeutschen Friedensbewegung, abgesehen von einigen schwammigen Formulierungen in der KSZE-Schlussakte, keine staatlichen Grundlagen für eine wie auch immer geartete Artikulation ihrer Interessen besaßen.

Das Kernproblem dabei dürfte gewesen sein, dass es aus der sozialistischen Staatsideologie heraus keinerlei politische Opposition denkbar war.

So heißt es im Kleinen Politischen Wörterbuch des Jahres 1988: „In sozialistischen Staaten existiert für die Opposition keine objektive soziale und politische Grundlage, denn die Arbeiterklasse – im Bündnis mit allen Werktätigen – ist die machtausübende Klasse und zugleich Hauptproduktivkraft der Gesellschaft. Ihre Grundinteressen stimmen mit denen der anderen Klassen und Schichten prinzipiell überein.“

Diese autistische Herangehensweise teilte im selben Jahr auch der Minister für Staatsicherheit der DDR, Erich Mielke, der eine legale DDR-Opposition als Handlanger nichtsozialistischer Staaten entlarvt zu haben glaubte: „Seit langem verfolgt der Gegner das Ziel, die Systemauseinandersetzung mit dem Sozialismus mehr und mehr in den sozialistischen Staaten selbst zu führen und dafür geeignet erscheinende Kräfte in unseren Ländern zielgerichtet zu mobilisieren.“

Zusammenfassung der Kapitel

Wurzeln des Herbst 1989: Dieses Kapitel analysiert die zunehmenden gesellschaftlichen Widersprüche, die Entstehung oppositioneller Basisgruppen im kirchlichen Umfeld sowie die theoretischen Grundlagen politischer Kommunikation sozialer Bewegungen.

Die Ereignisse bis Ende 1989: Hier wird der Prozess der Mobilisierung der DDR-Bevölkerung nachgezeichnet, wobei die Bedeutung der Montagsdemonstrationen und der Wandel von der kirchlich basierten Öffentlichkeitsarbeit hin zur massenmedialen Präsenz kritisch beleuchtet wird.

Schlüsselwörter

DDR, Bürgerbewegung, Herbst 1989, Montagsdemonstrationen, politische Öffentlichkeit, Basisgruppen, Medienlogik, SED, Friedensgebete, Repression, Reform, Wiedervereinigung, Systemtheorie, Opposition, Interessenartikulation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Bürgerbewegung in der DDR im Herbst 1989 und untersucht, wie diese trotz staatlicher Kontrolle durch den Aufbau einer eigenen Infrastruktur die notwendige politische Öffentlichkeit schaffen konnte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die autistische Informationspolitik der DDR-Medien, die Bedeutung der Kirchen als Schutzraum für Oppositionelle, der Einfluss westlicher Medien auf die Mobilisierung der Bevölkerung und der Transformationsprozess der politischen Forderungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Bürgerbewegung als „Infrastruktur der Demonstranten“ fungierte und warum ihre spezifischen Reformforderungen mit dem Mauerfall und der zunehmenden Bedeutung der westlichen Medienlogik an Einfluss verloren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlichen Ansatz, der insbesondere systemtheoretische Modelle zur politischen Kommunikation und zur Bedeutung von Öffentlichkeit (nach Schmitt-Beck u.a.) auf die historischen Ereignisse der DDR-Wende anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Wurzeln der DDR-Opposition, die Funktionsweise alternativer Öffentlichkeiten und die Ereignisse bis Ende 1989, insbesondere die Verschiebung der Protestziele nach dem Mauerfall.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR-Bürgerbewegung, politische Öffentlichkeit, Interessenartikulation, Montagsdemonstrationen und Systemwandel charakterisiert.

Warum war eine Nutzung der DDR-Medien für die Bürgerbewegung nicht möglich?

Die DDR-Medien verstanden sich als „Instrument der Partei zur Durchsetzung ihrer revolutionären Politik“, was eine Kommunikation oppositioneller Interessen innerhalb der staatlichen Medienstrukturen systematisch verhinderte.

Welchen Einfluss hatten westliche Medien auf die Montagsdemonstrationen?

Westliche Medien fungierten als Rekrutierungsinstrument, da sie durch ihre Berichterstattung über die Proteste in Leipzig eine überregionale Aufmerksamkeit schufen, die wiederum potenzielle Sympathisanten motivierte, sich den Demonstrationen anzuschließen.

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Details

Title
Die Öffentlichkeit der Bürgerbewegung als Infrastruktur der Demonstranten des Herbst 1989
College
University of Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Revolution in den Medien - Revolution durch die Medien
Grade
2,3
Author
Florian Schmidt (Author)
Publication Year
2002
Pages
20
Catalog Number
V36277
ISBN (eBook)
9783638359450
Language
German
Tags
Bürgerbewegung Infrastruktur Demonstranten Herbst Revolution Medien Revolution Medien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Schmidt (Author), 2002, Die Öffentlichkeit der Bürgerbewegung als Infrastruktur der Demonstranten des Herbst 1989, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36277
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