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Kierkegaards Einfluss und Motive des versäumten Lebens bei Max Frisch

Title: Kierkegaards Einfluss und Motive des versäumten Lebens bei Max Frisch

Seminar Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 1

Autor:in: Renate Enderlin (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Zwei Existenzmöglichkeiten nach Søren Kierkegaard, das ästhetische und das ethische Stadium werden in der Arbeit vorgestellt. Der Sprung ins Religiöse (das dritte Stadium bei Kierkegaard) wird dabei ausgeblendet, weil er in den Kategorien des versäumten Lebens nicht auftaucht und von Max Frisch (anders als bei Kierkegaard) nicht als Lösung präsentiert wird. In einem zweiten Schritt wird der Zusammenhang zwischen Schriftstellerexistenz, Künstlerdasein und Literatur dargestellt. Der zweite Teil nennt fünf Motive eines versäumten Lebens, die in einem dritten Teil in Bezug auf Max Frischs Romane „Mein Name sei Gantenbein“, „Homo faber“ und „Stiller“ behandelt werden. Dabei habe ich mich an der Dissertation von Kerstin Gühne-Engelmann orientiert. Abschließend versuche ich in einer kurzen Synopse der drei Romane, Gemeinsamkeiten zwischen den drei Protagonisten zu verdeutlichen.

Max Frisch hat das Motiv des versäumten Lebens in alle seine Romane verpackt. Das Thema hat ihn auch in seinem eigenen Leben beschäftigt. Einerseits hatte er den Wunsch, den Künstler in sich zu akzeptieren, andererseits quälte ihn das Gefühl, über der Schriftstellerei sein eigenes Leben zu versäumen. Der Dichter ist als Ästhet eben selber eine gefährdete Existenz, schwebt in Angst sein eigenes Leben, sich selbst zu verlieren.
Aber auch Menschen, die eine Flucht ins Lesen antreten und über den erzählten Geschichte ihre eigene Geschichte verpassen, sind in Gefahr völlig aus einem ethischen Leben zu verschwinden. Max Frisch vermittelt in seinen drei Romanen die Möglichkeit, dass ein Leben auch misslingen kann. Diese ernsthafte Vorstellung, dass es möglich ist, sein Leben zu versäumen, kann uns Leser wachrütteln, schockieren und motivieren, unser Verhalten zu überdenken. In der Reflexion ist der Sprung aus dem ästhetischen Leben noch nicht getan, nur ein erster Schritt. Es gilt also, die Bücher am Ende aus der Hand und sein Leben in die Hand zu nehmen. Nicht Reflexion über das Leben anderer oder abstrakte Träume, sondern ein erfülltes Leben wird angestrebt. Doch was heißt, sein Leben wirklich leben? Was ist ein erfülltes Leben? Es ist schwer, darauf eine befriedigende Antwort zu finden, denn wir können nicht einfach definieren, was ein wirkliches Leben ausmacht. Leichter gelingt es, in der Negation auszudrücken, was wir unter einem glücklichen, zufriedenen Leben verstehen, nämlich in der Antwort auf die Frage: Was heißt, sein Leben versäumen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Existenzmöglichkeiten bei Kierkegaard

1.1 Ästhetisches Stadium

1.2 Ethisches Stadium

1.3 Literatur und ein Schritt ins Ethische

2. Kategorien des versäumten Lebens

2.1 Erlebnisunfähigkeit

2.2 Beziehungslosigkeit

2.3 Zeitverlust

2.4 Todesflucht

2.5 Lebensflucht

3. Das Motiv des versäumten Lebens bei Max Frisch

3.1 Erlebnisunfähigkeit – Wahrnehmungsfilter

3.1.1 Stiller

3.1.2 Faber

3.1.3 Gantenbein

3.2 Beziehungslosigkeit – Scheitern in der Liebe

3.2.1 Stiller

3.2.2 Faber

3.2.2 Gantenbein

3.3 Verzerrte Zeiterfahrung – Verlust der Gegenwart

3.3.1 Stiller

3.3.2 Faber

3.3.3. Gantenbein

3.5 Todesflucht – Angst vorm Alter

3.5.1 Stiller

3.4.2 Faber

3.4.3 Gantenbein

3.5 Lebensflucht statt Lebenserkenntnis

3.5.1 Stiller

3.5.2 Faber

3.5.3 Gantenbein

4. Synopse: Stiller, Faber und Gantenbein

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Existenzphilosophie von Søren Kierkegaard auf das Motiv des „versäumten Lebens“ in den Romanen von Max Frisch. Ziel ist es, anhand der Protagonisten aus „Stiller“, „Homo faber“ und „Mein Name sei Gantenbein“ aufzuzeigen, wie die Flucht in Rollen, Geschichten und Technik zur Entfremdung und zum Verlust der gelebten Gegenwart führt.

  • Analyse der existenzphilosophischen Kategorien nach Kierkegaard (ästhetisches vs. ethisches Stadium).
  • Untersuchung der Mechanismen von Erlebnisunfähigkeit und Realitätsflucht bei Max Frisch.
  • Reflektion über die Rolle von Literatur, Schreiben und Konstruktion von Identität.
  • Gegenüberstellung von Vergangenheitsbewältigung und dem Scheitern in zwischenmenschlichen Beziehungen.
  • Synthese der Romane zur Verdeutlichung gemeinsamer Krisenmomente der männlichen Protagonisten.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Faber

Faber sieht alles emotionslos, rationalisiert alles, erklärt alles mit Logik und funktionalisiert alles. Sein Credo ist die Technik. Sie ersetzt für ihn Religion und Lebenssinn. Er glaubt an nichts andres mehr. Am liebsten scheint es, würde Faber Menschen durch Maschinen ersetzen, um das Leben berechenbarer und für ihn einfacher zu gestalten. Er kann den Mond nur noch als Masse sehen, nicht als romantisches Motiv.

Natur scheint ihm bedrohlich, aus Angst vor Gefühlen. Er flieht vor Ängsten, Hoffnungen und verkriecht sich in isolierter, technisierte Zivilisation. Ständig macht Faber auf seiner Reise mit Sabeth Fotos. Seine Kamera schiebt sich zwischen ihn und die Wirklichkeit. Er kann seine Welt nur noch durch Technik und künstliche Medien wahrnehmen. Sie schaffen die für ihn notwendige Distanz zum Leben. Faber setzt reproduzierte Wirklichkeit mit Wirklichkeit gleich – erst später erkennt er Unterschied und lernt auch die Kunst schätzen, die ihn zuvor nur gelangweilt hat, weil auch sie meist funktionslos ist.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung definiert die existenzphilosophische Grundlage der Arbeit und skizziert den methodischen Ansatz zur Untersuchung der Romane von Max Frisch.

1. Existenzmöglichkeiten bei Kierkegaard: Dieses Kapitel erläutert das ästhetische und ethische Stadium als zentrale Kategorien der menschlichen Entscheidungsfreiheit und Verzweiflung.

2. Kategorien des versäumten Lebens: Hier werden fünf Kernkriterien wie Erlebnisunfähigkeit und Lebensflucht definiert, die den Zustand eines nicht wahrhaft gelebten Lebens charakterisieren.

3. Das Motiv des versäumten Lebens bei Max Frisch: Dieser Hauptteil wendet die Kierkegaardschen Kategorien auf Stiller, Faber und Gantenbein an, um ihre spezifischen Ausprägungen der Entfremdung und Rollenspielerei zu analysieren.

4. Synopse: Stiller, Faber und Gantenbein: Das Kapitel führt die Analyseergebnisse zusammen und verdeutlicht die gemeinsamen Muster der Flucht sowie die Einsicht in die Notwendigkeit, sich der eigenen Freiheit zu stellen.

Schlüsselwörter

Søren Kierkegaard, Max Frisch, Existenzphilosophie, versäumtes Leben, Stiller, Homo faber, Mein Name sei Gantenbein, ästhetisches Stadium, ethisches Stadium, Identität, Rollenspiel, Entfremdung, Wiederholung, Zeitverlust, Selbsterkenntnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des „versäumten Lebens“ im Werk von Max Frisch unter expliziter Rückbindung an die Existenzphilosophie von Søren Kierkegaard.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Existenzstadien des Menschen, die Mechanismen von Realitätsflucht, das Scheitern in sozialen Beziehungen sowie die existenzielle Bedeutung von Entscheidungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten der Protagonisten Stiller, Faber und Gantenbein in ihrem Streben nach einer authentischen Existenz und dem gleichzeitigen Fliehen vor der Gegenwart herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Dissertation von Kerstin Gühne-Engelmann, um die Romane systematisch mit den philosophischen Begriffen Kierkegaards zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wahrnehmungsfiltern (Technik, Rollen, Geschichten), Beziehungsunfähigkeit, verzehrter Zeiterfahrung, Todesflucht und allgemeiner Lebensflucht bei den drei Protagonisten.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind das ästhetische Stadium, die Angst vor der Wiederholung, die Selbstentfremdung durch Geschichten und die Bedeutung der (Selbst-)Wahl für ein erfülltes Leben.

Inwiefern spielt die Kamera bei Walter Faber eine zentrale Rolle?

Die Kamera dient als Wahrnehmungsfilter, der Faber die notwendige Distanz zur unmittelbaren Wirklichkeit verschafft und ihn somit vor echten emotionalen Erfahrungen schützt.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Gantenbein im Vergleich zu Stiller oder Faber?

Gantenbein reflektiert seine Existenz bewusst als „Rolle“, was ihn dazu zwingt, sich in einer ständigen Distanz zu seinen Mitmenschen und zur unmittelbaren Realität zu halten, während er gleichzeitig versucht, anderen ihre Rollen zu nehmen.

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Details

Title
Kierkegaards Einfluss und Motive des versäumten Lebens bei Max Frisch
College
University of Vienna  (Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Proseminar WS 2004
Grade
1
Author
Renate Enderlin (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V36285
ISBN (eBook)
9783638359535
ISBN (Book)
9783638761352
Language
German
Tags
Kierkegaards Einfluss Motive Lebens Frisch Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Renate Enderlin (Author), 2005, Kierkegaards Einfluss und Motive des versäumten Lebens bei Max Frisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36285
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