Behinderung im Nationalsozialismus
Von
Michael Großkopf
Inhalt
1. Vorwort
2. Darwinismus und Sozialdarwinismus
2.1 Darwinismus
2.2.2 Selektion
3. Eugenik
4. Euthanasie
5. Nationalsozialistische Ideologie und Sozialdarwinismus
6. Die Gesundheitspolitik
7. Rechtliche Grundlage zur Diskriminierung und Verfolgung behinderter
Menschen
7.1 Gesetz zur Förderung von Eheschließung vom 01.06.1933
7.2 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (GzVeN) vom 14.07.1933
7.3 Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesen vom 03.07.1934
7.4 Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes vom
18.10.1935
8. Hilfsschulen während der NS Zeit
9. Behinderung unter dem Hakenkreuz
10. „Auslöser“ Massenmordes
11. Kindereuthanasie
12. Ausweitung der Euthanasie, die Aktion T4
13. Euthanasiestopp und Wilde Euthanasie
13.1 Die Euthanasiepredigt
14. Opferzahlen
15. Quellen
2
1 Vorwort
Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über den Umgang mit Behinderten in der Zeit der NS-Diktatur. Ich zeichne den Weg von den Theoretischen Grundlagen über die Gesetzgebung bis hin zur Vernichtung. 2 Darwinismus und Sozialdarwinismus
2.1 Darwinismus
Unter Darwinismus versteht man eine Reihe von Konzepten, die auf Charles Darwins (1809-1882) Lehre der Evolution und der natürlichen Selektion zurück gehen. Charles Darwin entwickelte die erste Theorie eines natürlichen Prinzips für Evolution, dem der natürlichen Selektion. Sie erklärt die langsame Aufspaltung der Organismen in viele verschiedene Arten als Folge von Anpassungen an den Lebensraum. Von dieser Theorie leiten sich heutzutage alle modernen Evolutionstheorien ab. Der Begriff als solches wurde von Alfred Russel Wallace (1823-1913) eingeführt. Der von seiner Publikation, „On the Origin of Species by means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life”,aus dem Jahre 1859, geprägte Begriff “Survival of the Fittest” wurde später auf die Humanbiologie übertragen und liefert somit eine der entscheidenden Grundlage für sozialdarwinistische Theorien und Denkansätze.
Doch wird eine Reduzierung von Darwins Theorie auf die Selektion, welche beinhaltet dass nur der bestangepassteste und stärkste Organismus überleben kann, seinem Werk nicht gerecht, schreibt Darwin doch im letzten Satz seiner Einleitung: „(...) dass die natürliche Zuchtwahl das wichtigste, wenn auch nicht das
ausschließliche Mittel zur Abänderung der Lebensformen gewesen ist.“ 1 2.2.1 Sozialdarwinismus
Unter Sozialdarwinismus versteht man eine gesellschaftswissenschaftliche Theorie, welche die durch Darwin bekantgewordene Evolutionstheorie aus der Biologie auf soziale, wirtschaftliche und politische Phänomene überträgt.
2.2.2 Selektion
In Deutschland war Schallmayer der bekannteste Vertreter der Sozialdarwinisten. 2 Schallmayers Selektionstheorie basiert auf den folgenden Darstellungen: Nur ein Teil einer Art ist durch eine bessere Anpassung an die äußeren Umstände in der Lage sich fortzupflanzen. Er legt die Fähigkeit einzelner Organismen zu Veränderungen im Erbgut sowie deren Weitergabe zu Grunde. Dessweiteren beschreibt er einen Ausleseprozess bei dem die besser ausgestatteten und tüchtigeren d. h. die an ihren Lebensbedingungen besser angepasste Arten und Individuen in geringerem Maße von der vorzeitigen Vernichtung betroffen sind a ls ihre Artgenossen (natürliche Auslese),dadurch erhöht sich die Chance zur weiteren Fortpflanzung. Das zusammenwirken dieser Faktoren ergaben für Schallmayer das vorherrschen einer aufsteigenden Entwicklungsrichtung.
1 Altner: 1981.
2 Novak, 1978
Die Selektion war für Schallmayer die Grundlage jedes Fortschrittes, bedenkenlos übertrug er seinen Ansatz auf den Menschen. Er beschrieb störende Momente im Selektionsprozess:
3 Eugenik
Eugenik oder Eugenetik (aus dem Griechischen , eugenes wohlgeboren) ist die Bezeichnung für die Anwendung der Erkenntnisse der Humangenetik auf Bevölkerungen. Der Begriff wurde 1883 vom britischen Anthropologen Francis Galton (1822-1911), einem Vetter ersten Grades von Charles Darwin, geprägt. Galton verstand unter Eugenik eine Wissenschaft, deren Ziel es ist, durch „gute Zucht“ den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen in einer Bevölkerung zu vergrößern. Durch Begünstigen der Fortpflanzung „Gesunder“ durch frühe Eheschließungen und der Unterstützung hoher Kinderzahlen einerseits sowie das Verhindern der Fortpflanzung „Kranker“ durch Eheverbot, Sterilisation und Zwangssterilisation andererseits sollten die Erbanlagen in der Bevölkerung langfristig „verbessert“ und erblich bedingte Krankheiten vermindert werden. Die Eugenik beruht auf frühen humangenetischen Entdeckungen und sozialdarwinistischen Überlegungen. Es wurde davon ausgegangen dass körperliche und charakterliche Eigenschaften eines jeden Menschen von vorneherein festgelegt seien und nur in einem begrenzten Maße durch soziökologische Faktoren zu beeinflussen seien. Galton vertrat die Auffassung, dass es möglich sei, ähnlich wie bei der Pferdezucht, durch gezielte Auswahl der Eltern, über mehrere Generationen eine hochbegabte Menschenrasse hervorzubringen. Die von den Nationalsozialisten ab 1939 durchgeführten Mordaktionen an „lebensunwerten“ Personen wurde als Form der „negative Eugenik“ andiskutiert, aber nicht ausdrücklich befürwortet. 3
Der gegenteilige Begriff zur Eugenik ist die Dysgenik, also das Prinzip der „schlechten Zucht“.
Nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wurden bis Mai 1945 mindestens 400.000 Menschen zwangssterilisiert, d.h. rund 1% der Bevölkerung des
Deutschen Reiches im fortpflanzungsfähigen Alter. 4
3 Rudnick ,1985
Arbeit zitieren:
Michael Großkopf, 2004, Behinderung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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