1. Begründung des Themas
Der Klang der Stimme in Verbindung mit Mimik und Gestik stellt eine Beziehung zwischen Sender und Empfänger her. Als körpereigenes Instrument ermöglicht es die Stimme, in Tonfall und Sprache Gefühle unmittelbar auszudrücken. Da mit einer geistigen Behinderung häufig auch eine Sprachentwicklungsverzögerung (z.B. Tim) oder Dyslalie (Bernhard) einher geht, ist eine Erweiterung der stimmlichen Kompetenz gerade für diese Schüler von Bedeutung.
Die vorangegangene Unterrichtseinheit „Stimme und Atmung“ behandelte den kreativen Einsatz der Stimme in Spielen und Geschichten. Jeder Schüler konnte seinen Möglichkeiten entsprechend die stimmliche Ausdrucksfähigkeit erproben und erweitern. Nun knüpft der musikalische Einsatz in Form von „Singen“ an. Die aktuelle Einheit gilt als Vorbereitung auf einen hauptsächlich gesanglich gestalteten Auftritt am 13. Februar in Bad Arolsen.
2. Richtlinienbezug
Für die Schule für Praktisch Bildbare existiert in Hessen kein gesonderter Rahmenplan. Daher greife ich auf die Ausführungen für die Schule für Lernhilfe in Hessen sowie den ausführlichen Lehrplan für geistig Behinderte des Staatsinstituts für Schulpädagogik München zurück.
Die heutige Unterrichtsstunde ist dem Bereich „Musik mit der Stimme“ zuzuordnen. Das Lernfeld „Singen“ umfasst für die Grundstufe die Inhalte „Erlernen zeitgemäßer, auch ausländischer Kinder-, Spiel-, Bewegungs-, Tanz - und Erzähllieder“, das „Begleiten mit Körperinstrumenten und anderen Instrumenten“ sowie das „Spielen mit Liedern und Liedelementen zur Stimmbildung (Atmung, Tongebung, Artikulation)“ (Rahmenplan Ästhetische Erziehung Hessen, 23). Laut Bayrischem Lehrplan folgt dem experimentellen Umgang mit der Stimme die Begegnung mit Liedern mit unterschiedlicher Gewichtung auf Melodie, Rhythmus, Text und Gestaltung (300f).
3. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
Die Reihenfolge der Lieder, die erarbeitet werden, folgt der Chronologie der Aufführung. Vergangene Woche wurde das Lied „„Ich kann schwimmen“, sagt das grüne Krokodil“ eingeführt und textlich in Gruppen verändert. In der heutigen Stunde greife ich dieses Lied eventuell zur Wiederholung wieder auf. Als neues Lied wird „Das Nilpferd“ gesungen und harmonisch begleitet. In der darauffolgenden Woche führe ich das „Trommel-Lied“ mit rhythmischer Begleitung in Laut-Leise-Differenzierung ein und wiederhole die vorangegangenen Lieder. Anschließend werden alle Lieder nochmals geübt und ggf. auf Tonband aufgenommen, um die Gestaltung aus Publikumssicht zu hören. Das bekannte
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„Gummibären-Lied“ wird aufgefrischt. In der letzten Stunde vor dem Auftritt werden alle Lieder in chronologischer Folge mit dem dazugehörigen Aufbau geprobt.
4. Sachanalyse
Zur Aufführung
Die regionale Begegnung „Schulen in Hessen musizieren“ gehört zu der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Schulen musizieren“. Die Schüler erhalten hier die Möglichkeit, Musik sowohl praktizierend als auch zuhörend zu erfahren. Neben gesanglichen werden auch instrumentale Darbietungen mit Orchesterinstrumenten und Bläserensembles zu hören sein, die den Schülern aus der schulischen Arbeit unbekannt sind. Alle Ausführenden sind gleichzeitig auch das Publikum. Dadurch erhoffe ich mir eine Begegnung auf gleicher Ebene, die den Schülern der Sonderschule in der Öffentlichkeit sonst eher nicht möglich ist.
Zum Singen
Lieder kommen als einprägsame und überschaubare sprachliche und musikalische Gestaltung dem Aufnahme- und Wiedergabevermögen der Schüler entgegen (Rahmenplan Hessen, 11).
Jede Unterrichtsstunde dieser Einheit beschäftigt sich nicht nur mit dem bloßen Erlernen von Liedern und Texten sondern enthält auch Elemente der Stimmpflege sowie der Liedgestaltung mit realen Instrumenten. Dadurch soll die Fähigkeit, sich musikalisch auszudrücken allmählich erweitert werden. „Musikalischer Ausdruck ist Inneres, das durch die Ausdrucksmedien Bewegung, motorische und klangliche Ebene der Stimme, Instrumente, Materialien und elektronische Medien zum Ausdruck kommt“ (Amrhein, 29).
Zur Liedauswahl
Es wird auf eine Vielseitigkeit des Lied-Repertoires Wert gelegt, um sowohl eine emotionale als auch vom musikalischen Schwierigkeitsgrad her große Bandbreite präsentieren zu können. Die exotischen Tiere der ersten beiden Lieder sind dem Alter der Schüler angemessen und motivierend.
Das in der vergangenen Woche eingeübte Lied „Ich kann schwimmen sagt das grüne Krokodil“ behandelt inhaltlich das Können oder Erlernen-wollen einzelner Fähigkeiten. Die ersten beiden sowie die letzte Strophe habe ich dem Original entnommen, die weiteren sind von den Schülern selbst verfasst. Dabei kommt sowohl eine Vereinfachung des Textes auf die Kernaussage als auch die Kreativität der Schüler zum Tragen. Im Gegensatz zur Vorlage kommt pro Strophe nur ein Satz in identischer Wortreihenfolge vor. Z.B.:
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Die Reihenfolge der Strophen wird als Merkhilfe in bildlicher Form auf großen Plakaten veranschaulicht.
Das zweite Lied „Das Nilpferd“ wird in der heutigen Unterrichtsstunde erarbeitet. Es ist im Gegensatz zu den anderen Liedern in Moll (d) und vermittelt eine getragene, leicht melancholische Stimmung. Die Melodie ist einfach gehalten: sie besteht aus zwei Zeilen im Tonraum einer Sexte (d´-b´), die nur leicht variiert (letzter Part der dritten Zeile) wiederholt werden. Durch diese lautmalerische Variation „uuah“ wird die Kernaussage des Textes - das Gähnen - betont und zusätzlich durch einer Fermate hervorgehoben. Auch hier habe ich aus Verständnisgründen kleine Textänderungen vorgenommen:
Das Lied bietet sich aufgrund seiner elementaren Harmonik an, um eine ostinate Begleitung in Bordun zu begleiten. Große Stabspiele eignen sich hierfür aufgrund ihrer motorisch relativ einfachen Spielweise. Rhythmische Schwierigkeiten könnten auftreten, weil die Schüler den Dreiertakt nicht gewohnt sind. Die Betonung ist im Gegensatz zum bekannten Vierertakt lediglich auf der ersten Zählzeit. Durch das kontinuierliche Weiterlaufen der Viertel dürfte es aber gelingen, den wiegenden Impuls aufzufangen und instrumental umzusetzen.
Als drittes Lied habe ich das „Trommel-Lied“ ausgewählt, bei dem mit Trommeln die Parameter laut und leise ausgedrückt werden. Das vierte und letzte Lied wird das „Gummibärenlied“ sein. Den Schülern ist es bereits aus früherem Musikunterricht bekannt und wird mit Freude gesungen. Es soll den Abschluss unseres Beitrags bilden.
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Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2004, Liederarbeitung, München, GRIN Verlag GmbH
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Einstellungen und Verhalten bezüglich Behinderten
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
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