1. Begründung des Themas
„Durch die Konzentratio n auf einzelne musikalische Elemente (Parameter) wie Tempo, Klangdauer, Klangstärke, Klanghöhe, Klangfarbe und Merkmale wie Instrumentierung, Form/ Aufbau, Motiv/ Thema, Rhythmus und Dynamik kann Musik nicht nur verstehbarer und damit erlebbarer gemacht werden; es wird zugleich die auditive Wahrnehmung sensibilisiert und gefördert. Angesichts der heutigen akustischen Reizüberflutung wird damit ein grundlegendes (sonder-) pädagogisches und therapeutisches Ziel angesprochen“ (Tischler, 22). In dieser Unterric htseinheit beschränke ich mich auf die drei fundamentalen Kontraste schnell - langsam (Tempo), laut - leise (Dynamik) und hoch - tief (Tonhöhe). „Grunderfahrungen, die im Wechselspiel von „Musik und Bewegung“ erlebt werden können, entsprechen vor allem den allseits bekannten Gegensätzen laut - leise, schnell - langsam, hoch - tief und weiteren Ausdrucksqualitäten, die nicht so häufig elementarisiert werden, wie spitz und rund, weich und hart oder ganz allgemein viel und wenig“ (Jungmaier in Widmer, 129).
„Die Fähigkeit und das Bedürfnis, sich spielerisch und tänzerisch zu bewegen, zu singen und Klänge zu erfinden, gehören zu unseren ursprünglichen, zentralen kreativen Potenzen, die in jedem Menschen angelegt sind“ (Widmer, 138). Auch geistig und motorisch eingeschränkten Kindern ist Bewegungen als Zugang zu musikalischen Elementen möglich. Bewegung stellt laut Krebber-Münch die „unmittelbarste und lustvollste Umsetzung von Musik“ dar (125). Das körperliche Erleben von Musik steht in enger Verbindung zur Körperwahrnehmung und den körperlichen sowie instrumentalen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Schüler können ihre motorischen Kompetenzen auf verschiedenen Niveaus einbringen und gemeinsam am gleichen Gegenstand lernen.
2. Richtlinienbezug
In den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (1998, 4) wird als zentrale Aufgabe einer sonderpädagogischen Förderung angeführt, jedem Schüler Hilfen zur Entwicklung der individuell erreichbaren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu geben. „Hierbei müssen Körpererfahrungen gemacht und erweitert werden, Körperfunktionen beherrscht und senso-und psychomotorische Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgebildet werden. Die Förderung schafft Gelegenheit, Wahrnehmung, Konzentration und Merkfähigkeit aufzubauen, Begriffe und Vorstellungen zu erwerben sowie Kreativität, Denken und Kommunikation zu
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entwickeln.“ Be-greifen und Handeln gelten demnach in Analogie zur
Entwicklungspsychologie Piagets als Mittel zum Aufbau von Denkoperationen. Die Lernfelder des Musikunterrichts lassen sich grob in vier große Bereiche einteilen: Musikhören, Musikmachen, Musik und Bewegung sowie Reflexion über Musik. In dieser sowie der kommenden Einheit werde ich mich auf den Bereich „Musik und Bewegung“ konzentrieren.
Im hessischen Rahmenplan für Musik wird eine Untergliederung in 1. Körpererfahrung, 2. Raum-, Zeiterfahrung, 3. Partner-, Gruppenerfahrung vorgenommen. In dieser Unterrichtseinheit kommt das motorische Erleben und Umsetzen isolierter Extreme auf drei unterschiedlichen Ebenen (ganzkörperliche Bewegung, Instrumentalspiel, Malen) zum Tragen. Raum- und Zeiterleben werden angesprochen.
Die bayrischen Richtlinien messen diesem Bereich aufgrund seiner elementaren kreativen Möglichkeiten große Bedeutung bei. Als Inhalte werden vorgeschlagen „Sich durch Tempo, Rhythmus, La utstärke oder Klangfarbe zu Bewegungen anregen lassen: „Bewegungen mit dem ganzen Körper, mit Körperteilen“, „Einzelne Körperteile zur Musik bewegen“, „Spiellieder in Bewegung umsetzen“, „Sich in unterschiedlichem Tempo bewegen“ und „ Auf Instrumenten vorgespielte Tempi in der Bewegung nachvollziehen“.
3. Sachanalyse
Parameter
Unter musikalischen Parametern versteht man im Wesentlichen die drei Elemente Tonhöhe, Tempo und Lautstärke, die durch die Begrifflichkeiten hoch - tief, schnell - langsam und laut - leise charakterisiert werden (s. Begründung).
Bewegung
Bewegung ist neben den Dimensionen Wahrnehmung, Ausdruck und Kommunikation eine der musikalischen Verhaltensweisen nach Amrhein (25f). Der Bewegung kommt dabei als grundlegendste musikalische Fähigkeit eine besondere Bedeutung zu. Unter musikalischer Bewegung versteht Amrhein jedoch nicht nur die Bewegung des eigenen Körpers am Platz oder im Raum sondern ebenso den Gebrauch körpereigener Instrumente, Umgang mit Instrumenten und Materialien, Gestik und Mimik, Stimme und innere Bewegungen wie Empfindungen oder Assoziationen (Amrhein, 28). Bewegung gilt nicht nur als eine Verhaltensweise sondern auch als das bedeutendste methodische Prinzip. Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Handlungsweisen mit Musik:
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a) die Bewegungsreaktion auf Musik, in denen der gehörte Eindruck insbesondere bezogen auf die musikalischen Parameter durch Bewegungsimprovisation ausgedrückt wird.
b) die instrumentale Improvisation auf eine gezeigte Bewegung (Krebber-Münch, 128). In beiden Fällen dient der Körper als Ausdrucksmedium. In dieser Unterrichtseinheit werden beide Handlungsweisen umgesetzt, um Bewegung sowohl als Anlass als auch als Reaktion zu erleben.
Körpererfahrung
Nach Heuermann (Krebber-Münch, 126) werden Erfahrungen mit Musik eng an Bewegungen geknüpft. Die motorischen Erfahrungen werden im Körpergedächtnis gespeichert und bei Wiederholen der Musik reaktiviert. Die neurophysiologisch gesehen enge Verbindung von auditivem und vestibulärem System gilt als Ursache für die gegenseitige Stimulierung.
Erfahrung in Raum und Zeit
Raum und Zeit werden dadurch in Relation gesetzt, dass der Raumweg dem zeitlichen Weg der Musik angepasst wird. Die bayrischen Richtlinien schlagen beispielsweise vor, sich frei im Raum zu bewegen, ohne Gegenstände oder andere Kinder anzustoßen, in bestimmten Formen den Raum zu durchqueren (Kreis, Schlange) oder die Bewegung in wechselnder Raumrichtung (vorwärts, rückwärts und seitlich) auszuführen. Dieser Bereich wird als Vorübung zum Tanzen in der kommenden Unterrichtseinheit eingesetzt.
Soziale Erfahrung
Die gemeinsame Koordination von rhythmisch gebundenen Bewegungsmotiven auf Musik erfordert ein Zurückstellen der individuellen und spontanen Bewegungsäußerung und ist erst als eine aufbauende Stufe zu sehen. Daher wird in der heutigen Stunde der Fokus auf der Bewegungsimprovisation (Körper/ Instrument) liegen.
4. Individuelle Lernvoraussetzungen
Annabel
kann sich Melodien schnell merken und singt sie mit klarer Stimme. Trotz ihres Körpergewichtes sind ihre Bewegungen nicht schwerfällig. Ihr gelegentlich kleinkindhaftes Verhalten hindert sie daran, sich situationsangemessen im Unterricht zu verhalten.
Annika
Ihre Malbewegungen sind meist zickzackförmig und beschränken sich auf einen kleinen Bereich des Blattes. Annikas Körperschema ist noch wenig ausgeprägt, so dass sie außerhalb
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Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2004, Musikalische Parameter durch Bewegung erfahren - hoch und tief, München, GRIN Verlag GmbH
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