Inhaltsverzeichnis:
1 EINLEITUNG 4
2 DEFINITIONEN: 5
2.1 WAS IST GENTRIFICATION 5
2.2 PIONIERE GENTRIFIER UND VERDRÄNGTE 6
3 MODELLE THEORIEN 8
3.1 PHASENMODELLE 8
3.1.1 INVASIONS-SUKZESSIONS ZYKLUS: 8
3.1.2 WANDEL VON NACHBARSCHAFTEN 9
3.1.2.1 Phasen der Gentrification von Wohnvierteln 10
3.2 THEORIEN: 12
3.2.1 DAS MARKTMODELL: 12
3.2.1.1 Rent gap-Theorie: 13
3.2.1.2 Value gap-Theorie: 13
4 GENERALISIERBARKEIT VON FORSCHUNGSERGEBNISSEN 15
5 STÄDTEWANDEL UND GENTRIFICATION ANNO DAZUMAL 17
5.1 STÄDTEWANDEL IM BAROCK 17
5.2 STÄDTEWANDEL IN DER GRÜNDERZEIT 18
5.2.1 DIE UMGESTALTUNG VON PARIS 18
5.3 HARLEM EIN BEISPIEL FÜR DEN WANDEL VON NACHBARSCHAFTEN IM 20
JAHRHUNDERT 20
6 LITERATURLISTE: 22
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GENTRIFICATION
DIE DYNAMIK DER AUFWERTUNG IN GROßSTÄDTEN
1 E EI IN NL L E 1
Für die Stadtsoziologen, ist die Erforschung des Prozesses der Gentrification und der damit vollzogene Wandel von Nachbarschaften und Infrastruktur eines Gebietes in den letzten Dekaden ein wichtiger und nicht mehr wegzudenkender Bereich geworden. In dieser Seminararbeit möchte ich mich nun ebenfalls diesem Phänomen widmen und versuc hen eine Einführung in diese Thematik zu geben. Dafür werden zuallererst Notwendige und ständig wiederkehrende Begriffe, wie Pioniere, Gentrifier und natürlich auch Gentrification selbst definiert und erklärt. In Folge werde ich zentrale Modelle und Theorien dieses Forschungsbereiches erläutern. Des weiteren wird auf wichtige Überlegungen, die für die Generalisierung der zahlreichen nord- amerikanischen Studien auf West- Europa zu berücksichtigen sind, hingewiesen. Um aufzuzeigen, dass Gentrification keine neue Erscheinung in der 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts ist, werde ich auch auf historische Veränderungen der Städte, wie sie besonders im Barock und in der Gründerzeit entstanden, eingehen. Als praktische Beispiele werden hierfür das Paris des 19 Jahrhunderts und der New Yorker Stadtteil Harlem (Anfang des 20 Jahrhunderts) verwendet.
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2 D DE EF F I N: : 2
2.1 WAS IST GENTRIFICATION
Der Begriff ist in den 60er Jahren in England entstanden und beschrieb ursprünglich das Zurückkehren des niederen englischen Landadels (gentry) in aufgewertete Wohngebiete. Im angloamerikanischen Raum wurde dieser Begriff an den Beispielen New York, Baltimore und Philadelphia heftig diskutiert, erweitert und der Prozess empirisch erforscht. In den 80er Jahren wurde diese Forschung auch für das europäische Festland immer interessanter und es entstanden auch hier zahlreiche Studien. All dies hat zu einer großen Menge an unterschiedlichen Begriffsdefinitionen geführt. Grundsätzlich unterscheiden sich diese darin, ob sie den Begriff sehr komplex beschreiben, mit dem Ziel Gentrification von anderen Prozessen des Bevölkerungsaustausches in Wohngebieten abzugrenzen, oder ihn eher breiter definieren. Friedrichs, wendet sich von den erstgenannten holistischen Definitionen ab, da er der Meinung ist, dass sie bei Untersuchungen über längere Zeiträume hinderlich sind. Er schlägt daher folgende Definition vor:
„Gentrification ist der Austausch einer statusniederen Bevölkerung durch eine statushöhere Bevölkerung in einem Wohngebiet“ 1
Der theoretische Gewinn, besteht laut Friedrichs bei dieser Definition darin, den Prozess der Gentrification auch mit anderen Theorien verbinden zu können. Da es nicht möglich ist eine Umfangreiche Definition zu finden, die den Prozess in seiner Gesamtheit und Allgemeingültigkeit erklärt, halte ich es ebenso für besser, eine einfachere Beschreibung zu wählen. Es ist für einen Forschungsbereich, der in der ganzen westlichen Welt von Bedeutung ist, nicht zielführend für jede größere Stadt eigene Theorien und Definitionen zu entwickeln, die zwar hier ihre Gültigkeit besitzen in der Nachbarstadt aber teilweise oder gänzlich versagen. Es könnte vielleicht sogar soweit kommen, dass ein im Prinzip gleicher Prozess als etwas gänzlich anderes behandelt wird und mögliche Synergieeffekte daher nicht genutzt werden.
1 Friedrichs, Jürgen (Hrsg.): Gentrification, Theorie und Forschungsergebnisse; Leske u. Budrich, Opladen,
1996.
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Nun aber wieder zurück zur Erklärung obiger Definition. Es geht hierbei im speziellen um die Aufwertung von innenstadtnahen Gebieten, wie sie in den letzten Jahrzehnten auch im gesamten deutschsprachigen Raum zu beobachten war. Äußerlich werden diese Aufwertungen sichtbar in Form von Renovierungen der Hausfassaden und der Ansiedlung von neuen Dienstleistungsbetrieben und der damit einhergehenden Verdrängung von alteingesessenen Geschäften und Unternehmen. Nebenbei werden auc h Mietwohnungen zusammengelegt oder in Eigentumswohnungen umgewandelt, dies führt auch zu einer Erhöhung des Mietpreisniveaus in der Gegend. Von dieser Erhöhung sind meist auch Wohnungen betroffen, die nicht renoviert wurden. Personen die neu in diese Gebiete ziehen sind idealtypisch meist jung, unverheiratet und kinderlos und verfügen über ein überdurchschnittliches Einkommen. Wie dies im Detail ablaufen kann, werden die weiter unten folgenden Abschnitte mit der Darstellung von Modellen und dazugehörenden Theorien erläutern.
2.2 PIONIERE , GENTRIFIER UND VERDRÄNGTE 2
Die Bewohner, die neu in ein Gebiet ziehen und somit an der Gentrifizierung beteiligt sind werden meist als Pioniere und Gentrifier bezeichnet. Zuerst ziehen die Pioniere in ein aufwertungsverdächtiges Gebiet, danach die Gentrifier, die zum Teil auch die Pioniere wieder verdrängen.
Wer sind aber diese beiden Gruppen, die so maßgeblich an der Aufwertung von Wohngebieten beteiligt sind und wer sind die Personen die ihnen weichen müssen, weil sie es sich nicht mehr leisten können ihre Wohnung zu behalten und vielleicht auch nicht mehr in dieser Gegend erwünscht sind?
Pioniere sind risikofreudige junge Personen, oft Studenten, die über ein relativ geringes Einkommen verfügen und kinderlos sind. Sie leben oft in Wohngemeinschaften, ein Umstand, der es ihnen trotz geringer finanzieller Mittel der Einzelnen ermöglicht sich am Wohnungsmarkt gegen die traditionellen Bewohner der innenstadtnahen Gebiete
2 Blasius, Jörg: Gentrification und Lebensstile, eine empirische Untersuchung; Dt. Universitäts Verlag
Wiesbaden, 1993.
Häußermann, Hartmut: Großstadt: Soziologische Stichworte; Leske u. Budrich, Opladen 1998.
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durchzusetzen. Sie begrüßen es, dass in ihrem neuen Wohngebiet die Bewohner eine heterogene Gruppe sind und dadurch mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen.
Gentrifier hingegen verfügen über ein überdurchschnittlich hohes und sicheres Einkommen, leben meist zu zweit, sind aber unverheiratet und kinderlos. Sie kommen erst später in das Gebiet, wenn die Aufwertung schon deutlich sichtbar wird und die Wandlung in eine „gute“ Wohngegend absehbar ist. Diese Gruppe kann man daher auch als risikoscheu bezeichnen, denn sie planen in diesem Viertel länger zu leben und legen daher auf eine gesicherte Wohnqualität Wert. Die Gentrifier stellen eine sehr homogene Gruppe dar. Heterogenität lehnen sie, im Gegensatz zu den Pionieren, ab. Sie möchten unter ihresgleichen bleiben.
Die Verdrängten gelten als eine sehr h eterogene Gruppe die aus Arbeitern, einfachen Angestellten, Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern, kurz Angehörigen der unteren Einkommensgruppen besteht. Dem entgegnet Blasius (in Friedrichs 1996), dass dies keineswegs zutrifft, sondern zeigt am Beispiel Köln, wie alle Bewohner in einem gentrifizierten Gebiet, die nicht in ihrer eigenen, finanziell abgesicherten Wohnung, leben, von Verdrängungsprozessen betroffen sind. Gut verdienende Personen verlieren ihre Wohnungen an noch besser verdienende bzw. an Personen, die diese Wohnungen als Eigentum erwarben. Schlechter Verdienende geben ihre Wohnungen auf, da sie die erhöhten Mieten nach Renovierungen nicht mehr bezahlen können. Es muss sich aber nicht immer um Finanzielle Gründe für ein Abwandern handeln, einige werden ihren Wohnsitz schlicht und einfach deshalb aufgeben, weil ihnen der Wandel in diesem Gebiet nicht gefällt und sie mit dem neuen Image nichts anfangen können.
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Quote paper:
Mag. Alexander Haring, 2003, Gentrifikation - Die Dynamik der Aufwertung in Großstädten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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