Inhaltsverzeichnis……………………………………………………… I
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
Wissen und Information 6
1.
1.1 Historische Betrachtungen 6
1.2 Daten - Informationen - Wissen 9
1.3 Der philosophische Wissensbegriff 10
2. Theorien des Wissensmanagements. 12
2.1 Die Wissensspirale 12
2.1.1 Vorraussetzungen 13
2.1.2 Systemische Vorraussetzungen 14
2.1.3 Explizites und implizites Wissen 15
2.1.4 Umwandlung des Wissens 15
2.1.5 Die Wissensspirale in der Praxis 17
2.2 Das Bausteinkonzept 18
2.2.1 Wissensziele 19
2.2.1.1 Normative Wissensziele 20
2.2.1.2 Strategische Wissensziele 21
2.2.1.3 Operative Wissensziele 21
2.2.2 Wissensidentifikation 21
2.2.3 Wissenserwerb 23
2.2.4 Wissensentwicklung 24
2.2.4.1 Individuelle Wissensentwicklung 25
2.2.4.2 Kollektive Wissensentwicklung 26
2.2.5 Wissensverteilung 26
2.2.6 Wissensbewahrung 27
2.2.7 Wissensbewertung 29
Inhaltsverzeichnis II
2.2.8 Anreizsysteme 30
2.2.8.1 Motivatoren 31
2.2.8.2 Vergütungssysteme 32
2.3 Barrieren des Wissensmanagements 33
2.3.1 Konfliktpotentiale der Wissensentwicklung 34
2.3.2 Personelle Barrieren der Wissensverteilung 35
2.3.3 Barrieren der Wissensnutzung 36
3. Informationstechnologie und Wissensmanagement 37
3.1 Anforderungen an Wissensmanagement Software 38
3.1.1 Komponenten von Wissensmanagement Software 38
3.1.1.1 Wissen organisieren 39
3.1.1.2 Wissenensretrieval 40
3.1.1.3 Wissen darstellen 40
3.1.1.4 Wissen kommunizieren 40
3.2 Architektur von Wissensmanagement Software 41
3.2.1 Textbasierte Systeme 43
3.2.2 Dokumentenmanagement Systeme 43
3.2.3 Content Management Systeme 44
3.2.4 Groupware- und Kommunikations-Systeme 44
3.2.5 Prozessorientierte-Systeme 45
4. Umsetzung in einem Softwareunternehmen 46
4.1 Allgemeine Anforderungen an Wissensmanagement Software 46
4.1.1 Benutzerverwaltung 46
4.1.2 Archivierungsfunktion 46
4.1.3 Suchfunktion 47
4.1.4 Design 47
4.1.5 Workflow 47
4.1.6 Qualitätsmanagement 48
Inhaltsverzeichnis III
4.1.7 Wissenskommunikation 48
4.1.8 Wissensentwicklung 48
4.1.9 Anforderungen an die Unternehmenskultur 49
4.2 Analyse der Ausgangsituation 50
4.2.1 Ist-Analyse der vorhandenen Systeme und Prozesse 51
4.2.1.1 Analyse des Softwaresystems 51
4.2.1.1.1 Allgemeine Forderungen 52
4.2.1.1.2 Module 53
4.2.1.1.3 Suchmaschine 55
4.2.1.1.4 Dokumentenverwaltung 55
4.2.1.1.5 Administration 56
4.2.1.2 Nutzung des Ucone Systems 57
4.2.1.3 Tellerrandtour 60
4.2.1.4 Interne Schulungen 61
4.3 Konzeption des Wissensmanagements 62
4.3.1 Wissensbewertung 63
4.3.1.1 Balanced Scorecard (BS)C 64
4.3.1.2 Balanced Scorecard und Wissensmanagement 65
4.3.2 Entwicklung eines Anreizsystems 68
4.3.2.1 Management by Knowledge Objectives 68
4.3.2.1.1 Wissensidentifikation mit Yellow Pages 71
4.3.2.1.2 Aktivierung der User 71
4.3.2.1.3 Explizierung von Wissen 72
4.3.2.1.4 Interne Bildungsmaßnahmen 72
4.3.2.2 Problematik der Wissenszieldefinition 72
5. Wissensmanagement - Wissende managen 74
Inhaltsverzeichnis IV
Literaturverzeichnis VII
Anhang XI
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1: Spirale der Wissensschaffung im Unternehmen
Abbildung 2-2: Bausteine des Wissensmanagements
Abbildung 2-3: Wissenstopographie
Abbildung 2-2: Bausteine des Wissensmanagements
Abbildung 2-5: Todesspirale der Elektronischen Wissensbasis
Abbildung 2-2: Evolutionsmodell des Wissens
Abbildung 3-1: Komponenten Wissensbasierter Informationssysteme
Abbildung 3-2: Architektur eines Wissensmanagement Systems
Abbildung 4-1: Anforderungsprofil der Software Ucone
Abbildung 4-2: Verteilung der Nutzungshäufigkeit des Ucone Systems
Abbildung 4-3: Verteilung des Nutzungsverhaltens
Abbildung 4-4: Verhältnis von aktiven und passiven Nutzern
Abbildung 4-5: Akzeptanz der Tellerrandtour
Abbildung 4-6: Gründe für das Scheitern von Wissensmanagement im
Unternehmen
Abbildung 4-7: Management by Knowledge Objectives
1. Wissen und Information
1.1. Historische Betrachtungen
„Wissen ist Macht“. Dieses berühmte Zitat von Francis Bacon aus dem Jahre 1597 bezog sich auf die Seeschlacht bei Lepanto. Innovative Techniken durch neue Forschungsergebnisse verschafften der britischen und spanischen Marine einen strategischen Vorteil. Mit wendigeren Schiffen und leichteren Kanonen war es den abendländischen Seefahrern gelungen die Seehoheit im Mittelmeer zu erobern und die osmanische Flotte vernichtend zu schlagen. Damals war man überzeugt, Wissen würde helfen die Probleme der Menschheit zu lösen. 1
Deshalb wurde der Zugang zu Wissen stark reglementiert und die Mehrheit der Bevölkerung besaß keine, oder nur unzureichende Schulbildung. War während dieser Epoche nur eine kleine Oberschicht privilegiert auf Wissensquellen zuzugreifen, änderte sich dies im Laufe der Zeit. Wissen und die Möglichkeit, es zu erlangen wurde im Zuge der Aufklärung zum zentralen philosophischen Postulat. Die berühmten Worte von Immanuel Kant „sapere aude“ -Wage zu Wissen- appellieren an freies, eigenständiges Denken. Wissen wurde sukzessive zum Allgemeingut.
War noch zu Zeiten der industriellen Revolution das Kapital die entscheidende Größe um wettbewerbsfähig zu bleiben, oder technischen und gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen, werden heute Ideen und Innovationen verkauft und sichern somit den Fortbestand der Organisation. 2
Begonnen hat die Dokumentation von Wissen und Erfahrungen in grauen Vorzeiten. Schon immer wußte die Menschheit mit dem Faktor Wissen umzugehen und ihren Nutzen daraus zu ziehen. Von der Erfindung einfachster Werkzeuge über Ackerbau und Viehzucht bis zu moderner Hochtechnologie gab und gibt der Mensch Wissen an nachfolgende Generationen weiter. Durch den Einsatz von Werkzeugen, neuen Techniken in der Nahrungssuche und ersten bescheidenen Formen der Arbeitsteilung war es dem frühen Menschen nun möglich nicht mehr all seine Zeit in die Nahrungssuche investieren zu müssen.
1 Vgl. Hardenberg, I.: Ist Wissen Macht?, 2001.
www.archiv.hoechst.de/txt_d/ls_forum/wissen/artikel_3.html
2 Vgl. Neumann, S.: Knowledge Management Systems. Heidelberg 1998, S.194
Wissen und Information 7
In der geschaffenen freien Zeit konnte sich der Mensch kreativ beschäftigen. Dieses, wie wir heute sagen würden, innovationsfreundliche Klima führte zu neuen Entwicklungen und bereicherte wiederum den Erfahrungs- und Wissensschatz des Menschen.
Nicht nur die Verteilung des Wissens innerhalb der gesellschaftlichen Schichten hat sich seit dieser Zeit verändert, auch hat der Umfang des Wissens und der zur Verfügung stehenden Informationen, in einem für den Einzelnen unüberschaubaren Ausmaß zugenommen.
Verdoppelte sich die Informationsmenge in den 300 Jahren von der Erfindung des Buchdrucks bis in die Neuzeit, so wird heute von einer Informationsverdopplung im Sechsjahres-Rhythmus ausgegangen. Konnte noch vor wenigen hundert Jahren ein einziger Wissenschaftler gleichzeitig in mehreren Naturwissenschaften Forschung betreiben, so sind heutzutage Generalisten in den Wissenschaften nicht mehr vorstellbar. Das ist nicht weiter verwunderlich wenn man bedenkt, dass 90% aller jemals forschenden und lehrenden Wissenschaftler in der Gegenwart leben. 3 Neben der Menge des zur Verfügung stehenden Wissens sind auch die Möglichkeiten mit Wissenden in Kontakt zu treten viel einfacher und weniger kostenaufwendig als noch vor wenigen Jahrzehnten. Unabhängig vom Aufenthaltsort ist der moderne Mensch überall erreichbar. Mobilfunk und SMS, Email und Instant Messaging machen den Wissensträger zum omnipräsenten Kommunikationspartner. Heute wird bereits vom Information Overflow gesprochen - einer nicht enden wollenden Informationsflut die auf den User einströmt. Angesichts überquellender Email Postfächer und mobiler Kommunikation eine sehr zutreffende Bezeichnung. Die Zukunft zeichnet bereits das Bild eines jederzeit empfangsbereiten Objekts das im Fluss der Information, lediglich Entscheidungen treffen muss:
“Ultimately, the ‘hyper-connected individual’ will be the pivot of his or her uniquely connected world. Individuals will benefit from the use of technology, information and intelligence to save time and money, reduce inconvenience and risk, and open up opportunities.” 4
3 Vgl. Bickmann, R.: Emotionale und soziale Intelligenz, 2001.
www.bickmann.de/cgi-bin/knowledge-base.pl?http://www.bickmann.de/knowledge-base/artikel-soziale-intelligenz.htm
4 Vgl. Mole, C.: The new ICE age, 2000. www.ebfonline.com/main_feat/trends/trends.asp?id=233
Wissen und Information 8
Damit die sich daraus ergebenden Vorteile nicht zum Nachteil des Individuums und letztlich der Organisation auswirken, muss der Informationsfluss kontrolliert und kanalisiert werden. Unternehmen haben die sich daraus ergebenden Herausforderungen erkannt und stufen Wissensmanagement mittlerweile als eine sehr wichtige Aufgabe, die langfristig den Unternehmenserfolg sichert, ein.
Das Frauenhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation führte 1997 eine Studie zum Thema Wissensmanagement durch. 75% der Befragten schätzten den Anteil des Produktionsfaktors Wissen an der Wertschöpfung auf über 60%. Welche strategische Bedeutung dem Faktor Wissen beigemessen wird, zeigt die Tatsache, dass Wissensmanagement Projekte zu fast 50% von der Vorstandsebene eingeleitet werden. 5
Immer wieder wird der Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft be-schworen. Gerade in stark vom Know-How geprägten Branchen ist Wissen zu einer überlebenswichtigen Ressource geworden. Innovationen und die Reaktion auf volatile Märkte sind bei immer kürzeren Halbwertszeiten von Produkten und Dienstleistungen unerlässlich.
Der Unternehmenswert bestimmt sich nicht nur durch das in den Bilanzen ausgewiesene Vermögen, sondern im Zeitalter des Shareholder Value auch immer mehr durch das Vertrauen der Anleger auf zukünftige Profite des Unternehmens. Wissensmanagement begründet die Fähigkeit über Märkte, Mitbewerber, Technologien und Prozesse genau informiert zu sein und steigert somit den Unternehmenswert. 6 Wissensmanagement beschäftigt sich mit der Entstehung, Verbreitung, Nutzung und Speicherung des Wissens im Unternehmen. Es zeigt Wege auf wie Wissen beschafft, entdeckt und verwaltet werden kann.
Zwischenzeitlich hat die Management Literatur eine Flut von Werken hervorgebracht, die sich mit Wissensmanagement und seinen verschiedenen Facetten auseinandersetzten und dem gestiegenen Einfluss des Produktionsfaktors Wissen Bedeutung beimessen. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Wissen im Unternehmen entsteht, durch welche Kanäle es verteilt und wie es am besten konserviert werden kann. Im zweiten Teil wird exemplarisch auf Formen des Wissensmanagements eingegangen und die Grundzüge wichtiger Forschungsansätze hinterfragt. Im dritten Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Informations- und
5 Vgl. Döring-Katerkamp, U.: Etablierung von Wissensmanagement 2001, 2001.
www.ifem.org/etablierungwm/summary-etablierung-wm.pdf, 2001Institut für e-Management e.V.
(IfeM)
6 Vgl. Nohr, H.: Wissen wird zum Fokus betrieblichen Managements. Stuttgart 2001, S. 3
Wissen und Information 9
Kommunikationstechnologien im Wissensmanagement spielen und wie Theorie in Praxis umgesetzt werden kann. Im letzten Teil wird ausgehend von einer Bedarfsanalyse, ein Wissensmanagement Prozesse für ein mittelständisches Softwareunternehmen konzipiert.
1.2. Daten - Informationen - Wissen
Eine erste Annäherung an den Wissensbegriff ist die Abgrenzung zu den verwandten Begriffspaaren Daten und Informationen. Oft werden Sie im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet, deshalb ist eine klare, sprachliche Differenzierung zu Beginn der Arbeit eine unabdingbare Forderung.
In der Fachliteratur wird oft die hierarchische Gliederung der Begriffe als ursächliches Unterscheidungsmerkmal angeführt. In der Regel besteht die Hierarchie in sequentiell, temporärer Hinsicht. Aus Daten entstehen Informationen und aus Informationen kann Wissen generiert werden. Eine weitere Abgrenzungsmöglichkeit besteht in qualitativer Art. Daten sind weniger wertvoll als Informationen, Wissen von höherem Wert als In-formationen:
„There’s data: The temperature is 77 degrees. There’s information, a context into which the Data can be put: That´s hot for this time of the year. There’s knowledge, conclusion drawn from the data and information: we should postpone the ski trip, or global warming is a bigger problem than we thougt. 7
Daten kennzeichnen dem zufolge lediglich einzelne objektive Fakten zu Ereignissen oder Vorgängen. 8 Daten können aber keine Aussage darüber machen, wie sie entstanden sind oder welcher Grundlage sie entstammen. Im obigen Beispiel können aus der Temperaturbeobachtung allein keine weiteren Rückschlüsse gezogen werden. Eine Interpretation des Datums wird keine genauen Werte liefern, da nicht bekannt ist wann und wo es gemessen wurde.
Aus dem Datum wird erst im Kontext eine Information.
Typischerweise wird die Information als Nachricht beschrieben, da sie im Gegensatz zum Datum einen Sender und einen Empfänger besitzt. Beim Empfänger wird eine in-formative Wirkung erzielt, indem sie als „form gebend“ eingestuft wird. Informationen
7 Vgl. Stewart, T.: Intellectual Capital. Doubleday Publishing. New York 1997, S. 69
8 Vgl. Davenport, T., Prusak, L.: Das Praxishandbuch zum Wissensmanagement. Landsberg/Lech 1998,
S. 27
Wissen und Information 10
zielen darauf ab, eine Veränderung der Weltsicht beim Empfänger zu bewirken. Am geläufigsten ist die Definition der Informationen als zweckgerichtete Daten. 9 Eine Definition für Wissen hat sich seit jeher als sehr schwierig erwiesen. Wissens ist wesentlich schwerer zu erfassen, als Fakten. Da kulturelle Unterschiede auch andere Denkweisen mit sich bringen, kann keine globale Gültigkeit der Definition erreicht werden. Den Versuch einer interkulturell gültigen Arbeitsdefinition von Wissen liefert Thomas Davenport:
„Wissen ist eine fließende Mischung aus strukturierten Erfahrungen, Wertvorstellungen Kontextinformationen und Fachkenntnissen, die in ihrer Gesamtheit einen Strukturrahmen zur Beurteilung und Eingliederung neuer Erfahrungen und Informationen bietet. Entstehung und Anwendung von Wissen vollziehen sich in den Köpfen der Wissensträger. In Organisationen ist Wissen häufig nicht nur in Dokumenten oder Speichern enthalten, sondern erfährt auch eine allmähliche Einbettung in organisatorische Routinen, Prozesse, Praktiken und Normen.“ 10
Diese Definition geht über die Erklärung des reinen Wissensbegriffes hinaus und gibt gleichzeitig einen Antwort auf den Umgang mit Wissen in Organisationen. Der Begriff Wissensmanagements und die Wissensentstehung sind also eng miteinander verknüpft.
1.3. Der philosophische Wissensbegriff
Über den Begriff des Wissens wurde schon früh gerätselt. Bereits in der Antike versuchten Wissenschaftler, von einem meist philosophischen Standpunkt ausgehend, von der Entstehung des Wissens, zu erklären was Wissen ist. Zwei Hauptströmungen in der Entwicklung der Wissenstheorie gelten als federführend.
Dies sind zum einen der erkenntnistheoretische, intellektuelle Ansatz der abendländischen Kultur und zum anderen die ganzheitliche Sichtweise des fernen Ostens. Keiner der beiden Ansätze kann aber die ultimative Antwort auf die Frage wie Wissen geschaffen wird oder was Wissen ist geben. Diese liegt in der Vereinigung der beiden Theorien und scheint ebenfalls stark durch die vorherrschenden Kultur geprägt zu sein.
9 Vgl. Davenport, T., Prusak, L.: Das Praxishandbuch zum Wissensmanagement. Landsberg/Lech 1998,
S. 29
10 Vgl. ebd., S. 32
Wissen und Information 11
Die epistemologische westliche Herangehensweise an die Fragestellung spaltet sich wiederum in zwei Hauptströmungen, die sich jedoch gegenseitig ergänzen, den Rationalismus und den Empirismus. Der Rationalismus verfolgt einen logisch deduktiven Ansatz. Im Empirismus hingegen wird Wissen durch Sinneseindrücke und Erfahrungen i.w.S. erlangt.
Während der erkenntnistheoretische Ansatz eine Erklärung aus einer Unterteilung des Begriffes sucht und sein Ursprung geisteswissenschaftlich ist, entstand in der fernöstlichen Tradition ein vollkommen anderer Zugang zum Wissensbegriff. Gleichsam ist der japanische Ansatz eine Verbindung von Konfuzianismus, Buddhismus und westlichen geprägten Philosophien. Im Besonderen ist er durch drei Postulate geprägt:
• Einheit von Mensch und Natur
• Einheit von Körper und Geist
• Einheit von Ich und anderen 11
Um die fernöstliche Theorie zu verstehen, muss die vorherrschende Sprachkultur genauer betrachtet werden. Die japanischen Sprache und Ausdrucksweise ist sehr bildhaft und damit kontextbezogen. Es konnte sich daher in Japan nie ein klares, universelles Denken entwickeln. Wissen wird nach der fernöstlichen Theorie nicht durch logisches Abstrahieren entwickelt, sondern durch Erfahrung. Beim Sprechen wird die Situation immer wieder neu durchlebt und ist damit stark personenbezogen. 12 In der Folge gestaltet sich die Vermittlung und Dokumentation von persönlichem Wissen über Normierung und Standardisierung wesentlich schwieriger.
11 Vgl. Nonaka I., Takeuchi, H. Die Organisation des Wissens. Campus Verlag,
New York, Frankfurt/Main 1997. S. 40 ff.
12 Vgl. ebd. S. 41
2. Theorien des Wissensmanagements
Nachdem grundlegende Definitionen gegeben wurden und der Wissensbegriff von der geisteswissenschaftlichen Seite aus betrachtet wurde, sollen nun beispielhaft zwei wichtige Konstrukte aus der modernen Managementliteratur betrachtet werden. Wissensmanagement ist keineswegs eine neuzeitliche Erscheinung. Erfolgreiche Organisationen haben es schon immer verstanden Wissensressourcen effizient zu verwalten, ohne jedoch auf wissenschaftliche Basisarbeit zurückgreifen zu können. 13
Die Modellvorstellung der Wissensspirale betrachtet ausgehend von der fernöstlichen Tradition die Entstehung von organisationalem Wissen. Das westlich geprägte Konzept eines modularen Aufbaus der Wissensmanagement Funktionen als vernetzten Regelkreis, wird durch den Ansatz zum Wissensmanagement durch Probst beschrieben.
2.1. Die Wissensspirale
Das Konzept der Wissensspirale beschäftigt sich mit der Entstehung von Wissen in Organisationen. Hier wird nicht nur das Individuum betrachtet, sondern auch die Prozesse analysiert die dazu führen, dass Wissen innerhalb von Organisationen geschaffen, verteilt und dokumentiert wird.
„Organisationales Lernen betrifft die Veränderung der organisationalen Wissensbasis, die Schaffung kollektiver Bezugsrahmen sowie die Erhöhung der organisationalen Problemlösungs- und Handlungskompetenz.“ 14
In ihrer Forschungsarbeit identifizierten Nonaka und Takeuchi, ausgehend von den Ansichten der klassischen fernöstlichen Wissensentstehung, das Konzept der Wissensspirale.
13 Vgl. Roehl, H.: Instrumente der Wissensorganisation. Wiesbaden 2000, S. 79
14 Vgl. Probst, G.: Wissen Managen. Frankfurt/Main 1999, S. 46
Theorien des Wissensmanagements 13
Die Wissensentstehung verläuft demnach entlang einer gedachten Spirale vom implizitem zum expliziten Wissen und gleichzeitig vom Individuum hin zur Organisation. Die Wissensspirale weist folglich eine epistemologische Dimension die das Wechselspiel von implizitem und explizitem Wissen betrachtet und eine ontologische Dimension welche die Ausbreitung des Wissens innerhalb der Organisation darstellt, auf.
Abbildung 2-1: Spirale der Wissensschaffung im Unternehmen 15
2.1.1. Vorraussetzungen
Damit der Prozess der Wissensspirale in Gang gesetzt werden kann, müssen bestimmte Vorraussetzungen innerhalb der Organisation für ein innovationsfreundliches Klima sorgen:
• Intention beschreibt die Vision über das entwickelnde Wissen.
15 Vgl. Nonaka I., Takeuchi, H. Die Organisation des Wissens. Campus Verlag,
New York, Frankfurt/Main 1997. S. 87
Theorien des Wissensmanagements 14
• Fluktuation/Chaos sorgen für eine Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Umfeld
• Autonomie gewährt dem einzelnen einen freien Handlungsspielraum
• Redundanz meint das Vorhandensein von Information die über die eigentlichen Bedürfnisse hinaus gehen
• Notwendige Vielfalt 16
Eine grundlegende Vorrausetzung ist die Überlegung, dass Wissen in Organisationen nur dann geschaffen werden kann, wenn es Individuen gibt, die Wissen zur organisationalen Wissensbildung bereitstellen.
„Individual intelligence is defined as a persons capability to process, interpret, encode, manipulate, and access information so as to acquire, retain and apply knowledge quickly and successfully to meet external challenges or solve problems in a particular domain or context.“ 17
Wichtig für die Entstehung von organisationalem Wissen ist nicht allein die intellektuelle Kapazität des Einzelnen, sondern vielmehr der Netzwerkeffekt Gruppe.
2.1.2. Systemische Vorraussetzungen
Die Organisation muss bestimmte Vorraussetzungen erfüllen, damit die Hebelwirkung der interorganisationalen Wissensschaffung genutzt werden kann. Das Konzept der Wissensspirale kann nur erfolgreich sein, wenn zwei wesentliche Fak-toren zutreffen:
Zum einen muss in der Unternehmensführung Klarheit über die zu erreichenden Wissensziele herrschen. Zum anderen muss die Unternehmensleitung Visionen formulieren und Managementstrategien entwickeln, die eine Vorstellung über das zu entwickelnde Wissen geben. Aus dem Leitbild lassen sich in der Folge Kernziele für die Wissensge- 16 Vgl.Nonaka I., Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens. New York, Frankfurt/Main 1997, S.88 ff.
17 Vgl.: Glynn, M.A.: On Leveraging Idividual Intellect in Organisations. Stanford, S. 35
Theorien des Wissensmanagements 15
nerierung ableiten, die den Forschungs- und Fachabteilungen den groben Rahmen für Entwicklungsprogramme vorgeben. 18
2.1.3. Explizites und implizites Wissen
Als federführend für die Theorie der Wissensspirale gelten die Forschungen der beiden aus Japan stammenden Wissenschaftler Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka, die heute in Harvard lehren. Sie identifizieren nach dem fernöstlichen Verständnis der Wissensentstehung zwei unterschiedliche Wissensarten: explizites und implizites Wissen.
Explizites Wissen ist, im Gegensatz zu der subjektiven Prägung des impliziten Wissens, stark rational. In diese Kategorie fällt auch der epistemologische, westlich geprägte Wissensbegriff, wie er auch im Rationalismus und Empirismus definiert wird. Explizites Wissen ist kodifiziert und formal artikulierbar, etwa in Form von mathematischen Formeln, Handbüchern oder technischen Daten. 19
Implizites Wissen wird auch als stillschweigendes Wissen oder als an das Individuum gebundene Wissen bezeichnet. Implizites Wissen ist meist kontextbezogen und daher in dieser Form nur schwer kommunizierbar. 20 Hierzu zählen intuitive Eindrücke, die auf individuellen Erfahrungen beruhen und stark durch persönliche Vorstellungen, Glauben, Idealen oder Weltanschauungen beeinflusst sind.
2.1.4. Umwandlung des Wissens
Neues Wissen entsteht im Modell der Wissensspirale durch Umwandlung von implizitem in explizites Wissen und umgekehrt. Dieser Prozess läuft in vier Stufen ab, welche durch die Umwandlungsschritte Sozialisation, Externalisation, Kombination und Internalisation vollzogen werden.
18 Vgl. Nonaka I., Takeuchi, H. Die Organisation des Wissens. New York, Frankfurt/Main 1997, S. 88
19 Vgl. ebd., S. 8
20 Vgl. ebd., S. 72
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