Ludwig-Maximilians-Universität München - Institut für Kommunikationswissenschaft (ZW)
Proseminar: Medienlehre Presse SoSe 2001
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Hauptfach: Kommunikationswissenschaft (Diplomjournalistik) Nebenfächer: Soziologie, Politik 2. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Den letzten beißen die Hunde / Gründe für den Konzentrationsprozess 2
1.1 Die ökonomische Komponente. 2
1.2 Die Günther Kommission. 3
1.3 Einfluss auf Meinung und Politik 4
3. Arten von Konzentration. 5
4. Der Bertelsmannkonzern / Deutschlands größtes Medienunternehmen 6
1.4 Globale Strategien. 8
1.5 Regulierungsmöglichkeiten 11
5. Ausblick und Schluss 15
Literaturverzeichnis 17
- 1 - 1.Einleitung
„Wer sich länger mit Leo Kirch beschäftigt, bekommt leicht Halluzinationen. Weiß manchmal nicht mehr zwischen eingebildeter und echter Bedrohung zu unterscheiden“, schreibt Michael Radtke in seinem Buch „Die Medienmacht des Leo Kirch.“ 1 „Ich bin davon überzeugt, dass 98 Prozent übertrieben sind. Zwei Prozent bleiben übrig. Aus ihnen speist sich echte Bedrohung. Angst vor der Macht des Mannes mit dem Gesicht.“ Dabei erreicht die Kirchgruppe mit einem Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro (Stand 1998) gerade einmal Platz 16 auf der Liste der größten Medienunternehmen. 2 Eine Branche deren Top 50 1998 allein die unglaubliche Summe von 505 Milliarden DM umsetzten. Gegenüber 1995 eine Steigerung von 60%. Doch dürfte dieser Zuwachs nicht allein dem stetig wachsenden Markt, sondern auch etlichen Firmenzusammenschlüssen zu verdanken sein. „Dabei werden die Prozesse von Machtkonzentration und vertikaler Integration, so unsere Prognose, noch erheblich an Wucht und Geschwindigkeit zunehmen“, wie Lutz Hachmeister und Günther Rager in ihrem Buch „Wer beherrscht die Medien?“ schreiben. 3 Denn rein quantitativ nimmt die Zahl der Pressetitel wegen Übernahmen, Zusammenschlüssen und Betriebseinstellungen seit Jahren ab, während die Umsätze steigen. 4 „Nach einer ersten Konzentrationsphase in den sechziger Jahren scheint sich der Übernahmetrend in letzter Zeit wieder verstärkt zu haben“, meint auch Rolf Weber, der die Entwicklungstendenzen in Europa, insbesondere der Schweiz, untersucht hat. 5 Ziel dieser Arbeit soll es deshalb sein, das Wesen der Medien-Konzentrationsprozesses in der darzustellen, seine Besonderheiten und Probleme, sowie die Rolle der Konzerne zu erörtern. Auch auf die Frage nach einer Regulierung werde ich kurz eingehen. Denn wie sagte doch einst der britische Staatsmann Winston Churchill: „Der Preis der Größe heißt Verantwortung.“ 6 Doch die will, wie wir sehen werden, kaum einer tragen.
1 Radtke, Michael: Ausser Kontrolle. Die Medienmacht des Leo Kirch. Bern/München 1994, Seite IX.
2 Vgl. Hachmeister, Lutz; Günther Rager: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt. Jahrbuch 2000. München 2000, S. 21ff.
3 Hachmeister, S. 21.
4 Vgl. Weber, Rolf: Medienkonzentration und Meinungspluralismus. Entwicklungstendenzen in Europa und Diskussionsstand in der Schweiz. Zürich, 1995, S. 13.
5 ebenda, S. 13
6 Duden: Zitate und Aussprüche. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1993, S. 628.
- 2 - 2.Den letzten beißen die Hunde / Gründe für den Konzentrationsprozess
Auch das alte Sprichwort „Konkurrenz belebt das Geschäft“ scheint in der Medienbranche von eingeschränkter Gültigkeit. So schreibt Matthias Karmasin: „Freier Wettbewerb führt [...] nicht zu einer Vielfalt von Meinungen sondern zu einer Konzentration auf wenige Anbieter.“ 7 Diese Sache aber scheint erklärungsbedürftig, wollen wir doch nicht unserem liberalen Wirtschaftssystem die Schuld an der Misere mit der Medienkonzentration geben. Dennoch, so sehr man es auch dreht und wendet, die schwindende Anzahl an unabhängigen Medienunternehmen scheint vorrangig ein Problem ökonomischer Natur. Karmasin spricht von einer „Kostendegression pro Stück mit steigender Ausbringungsmenge“ 8 und einer „naturgemäß beschränkten“ Marktgröße 9 als Begünstigungsfaktoren für den Konzentrationsprozess. Viel wichtiger noch aber dürfte die „Anzeigen-Auflagen Spirale sein: „Je höher die Reichweite eines medialen Produkts, desto stärker die Kostendegression, desto niedriger die Anzeigenpreise, desto höher die Anzeigenerlöse.“ 10 Das Senken der Produktionskosten auf der einen Seite und das Erschließen neuer Werbemärkte auf der anderen präsentiert sich für die Konzerne also gleich in doppelter Hinsicht als reizvoll. Denn der Werbemarkt steigt und fällt mit der Zahl der Rezipienten . „Dies wiederum begünstigt auflagenstarke Publikationen, die [...] günstige Tausenderpreise anbieten können.“ 11 Hiermit ist gemeint, dass Anzeigenpreise bei großen „Blättern“ zwar absolut gesehen teurer sind, als bei kleineren Zeitungen, im Verhältnis zur Auflage aber billiger. 12 Eine Kartellkommission sprach 1969 in der Schweiz, in der eine ähnliche Situation vorherrscht, auch von einer „Politik der Inserenten, Titel zu bevorzugen, die in einer ökonomischen Region oder einem bestimmten Zielpublikum besonders verankert sind.“ 13 Als weitere Gründe wird eine Sättigung des Pressemarktes „im Vergleich zu Anzahl Leser und Umfang des Inseratevolumens“ eine Stagnation der Leserzahlen von Tageszeitungen und der Notwendigkeit finanzieller
7 Karmasin, Matthias: Das Oligopol der Wahrheit. Medienunternehmen zwischen Ökonomie und Ethik. Böhlau, 1993, S. 314
8 ebenda, S. 314
9 ebenda, S. 314
10 ebenda, S. 315
11 ebenda, S. 316
12 Diekel, Claus: Pressesubventionen und Pressekonzentration. Oldenburg, 1999, S. 58.
13 Weber, S. 17
- 3 -Investitionen „im Hinblick auf die Konkurrenz durch die elektronischen Medien und im Zusammenhang mit neuen Druckzentren“ 14 genannt. So lassen sich zum Beispiel TV-Supplements in Tageszeitungen oder Eigenproduktionen im Film- und Fernsehbereich durch Kooperationen oder eigene Druckereien weitaus günstiger produzieren. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Bertelsmann Konzern zu nennen, der über 18 Druckereien, eine Papierfabrik und den Deutschen Supplement Verlag sein Eigen nennt. Letzterer stellt unter anderem die bekannte „rtv-Fernsehbeilage“ her, die in vielen Tageszeitungen zu finden ist. 15
Doch diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits in den 60er Jahren sah sich die Bundesregierung genötigt, der zunehmenden Zeitungskonzentration, die in den 70ern ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen sollte, mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzusteuern. Dafür setze sie zwei Untersuchungskommissionen ein: „Die Günther-Kommission wurde beauftragt, die Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz von Presseunternehmen und die Folgen der Konzentration für die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland zu untersuchen.“ 16 Sie kam 1967 zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Pressekonzentration eine Folge der technischen Umwälzung im Verlagswesen war. Investitionskosten 17 , die gerade für viele kleinere Verlage nicht zu tragen waren und die deshalb zu einer Fusionswelle führten. „Diese die Pressefreiheit gefährdende Entwicklung könne nur durch gesetzliche Maßnahmen aufgehalten werden“ 18 so deshalb das einstweilige Fazit. Die Kommission, die übrigens unter dem Vorsitz des Präsidenten des Bundeskartellamtes, Dr. Günther, stand, schlug deshalb vor, kleinere Verlage durch steuerliche und andere Hilfen zu unterstützen, um das Zeitungssterben aufzuhalten. Auch legte sie Grenzwerte für Marktanteile fest, ab denen die Meinungsfreiheit als gefährdet (20%) oder beeinträchtigt (40%) anzusehen ist. 19 Das sollte einem zu denken geben, wenn man bedenkt, dass allein der Axel Springer Verlag 1991
14 ebenda, S. 17
15 Vgl. Hachmeister, Lutz / Günther Rager: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt. München, 1997, Seite 29
16 ebenda, S. 67
17 später z. B. auch Umstellung von Blei- auf Photosatz
18 ebenda, S. 68
19 vgl. ebenda, S. 68
Arbeit zitieren:
Andreas Hempfling, 2001, Pressekonzentration: Deutung eines publizistischen und ökonomischen Phänomens, München, GRIN Verlag GmbH
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