Ehrenw¨ ortliche Erkl¨ arung
Ich versichere hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbstst¨ andig und ohne Benutzung anderer als den angegebenen Hilfsmitteln angefertigt habe. Alle Stellen, die w¨ ortlich oder sinngem¨ aß aus ver¨ offentlichten und nicht ver¨ offentlichten Schriften entnommen sind, sind als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit hat in gleicher oder ¨ ahnlicher Form noch keiner anderen Pr¨ ufungsbeh¨ orde vorgelegen.
Fulda, den
Marcus Feßler
Diplomarbeit ii Matrikelnr.: 151221
Inhaltsverzeichnis
Ehrenw ortliche Erkl arung ii
Inhaltsverzeichnis iii
Abbildungsverzeichnis vi
Tabellenverzeichnis viii
Listings ix
1 Einleitung 1
1.1 Motivation 1
1.2 Problemstellung und Eingrenzung 2
1.3 Ziele der Arbeit 5
2 Grundlagen 6
2.1 Begriffskl arung 7
2.1.1 Zug anglichkeit 7
2.1.2 Benutzbarkeit 7
2.2
Uberpr ufen der Hardwarezug anglichkeit und Benutzbar-
keit 8
2.3 Erstellung und
Uberpr ufen von zug anglichen Informati-
onsangeboten 10
2.3.1 Richtlinienerstellende Autorit at - Web Accessibili-
ty Initiative des W3C 10
2.3.2 WCAG 1.0 Richtlinie zur Gestaltung von zug ang-
lichen Webangeboten 11
2.3.3 Software zur
Uberpr ufung der Einhaltung der
Richtlinien 14
2.4 Multimodale Schnittstellen 16
2.4.1 Begriffsbestimmung und Entwicklungsprozess mul-
timodaler Schnittstellen 16
Diplomarbeit iii Matrikelnr : 151221
Inhaltsverzeichnis
2.4.2 Vorteile multimodaler Schnittstellen 19
2.4.3 Zielgruppe f ur den Einsatz multimodaler Schnitt-
stellen 20
2.4.4 Erweiterung der Modalit at durch spezielle Hard-
und Software 23
2.4.5 Multimodale Software mit Schwerpunkt auf
Spracherkennung Stand der Technik 30
2.5 Das Prinzip der Spracherkennung durch Rechnersysteme 34
3 Entwicklungskonzept einer multimodalen Sprachanwendung 38
3.1 Der Einsatz von sprachgesteuerten Diensten 39
3.2 Verbesserung der Zug anglichkeit von Informationssystemen 40
3.3 Einsatzgebiete von Sprachanwendungen 42
3.4 Integration der sp ateren Nutzer in den Entwicklungspro-
zess von Sprachschnittstellen 44
3.5 Graphische Anwendung kontra Sprachanwendung 47
3.6 Besonderheiten von Sprache als Kommunikationsmedium 50
3.7 Fehler und Fehlerkorrektur der Spracherkennung 54
3.7.1 H aufige Fehlerquellen f ur keine oder falsche
Worterkennung 54
3.7.2 Fehlerhafte Erkennung von Befehlen 55
3.7.3 Techniken zur Fehlerkorrektur durch den Benutzer 55
3.8 Prototypenevaluation mit Hilfe eines Fragebogens 57
3.9
Ubersichtsskizze 58
4 Umsetzung des Konzeptes f ur den Interaktiven Spiegel des
ShopLab Projektes 59
4.1 Vom ShopLab Projekt zum Interaktiven Spiegel 60
4.2 Hardwarezug anglichkeit des Interaktiven Spiegels 64
4.2.1 Untersuchung der Hardware mit Hilfe der IBM
Richtlinie 64
4.2.2 Ergebnisse der Untersuchung nach den IBM Richt-
linien 64
4.2.3 Verbesserungsvorschl age 66
4.3 Ist der Einsatz von Sprachein- oder ausgabe sinnvoll? 67
4.4 Einbeziehung des Nutzers durch eine Natural Dialog Study 68
4.5 Auswahl verschiedener Entwicklungs-
werkzeuge 70
4.6 Umsetzung verschiedener Ans atze zur Spracherkennung 73
4.6.1 Spracherkennung mit Sphinx4 73
iv
Inhaltsverzeichnis
4.6.2 Microsoft Speech SDK 75
4.6.3 Speech for Java 76
4.6.4 Einsatz von Voice Tools for SMAPI 77
4.6.5 Funktionsskizze der untersuchten Entwicklungs-
werkzeuge 78
4.7 Umsetzung der Sprachanwendung mit Voice Tools for
SMAPI 79
4.7.1 Punkteplan zur Programmierung der Sprachan-
wendung 79
4.7.2 Programmierung der Oberfl ache 80
4.7.3 Programmierung der Sprachbefehle 81
4.7.4 Erweiterbarkeit um neue Befehle 81
4.8 Fragebogenevaluation des Prototypen 81
5 Zusammenfassung und Ergebnis 83
5.1 Erreichte Ziele 84
5.2 Ausblick 87
6 Literaturverzeichnis 88
7 Glossar 94
A Anlagen ubersicht 97
B Anhang 98
B.1 Quellcode, Voice Tools for SMAPI 99
B.2 Quellcode, Java for Speech 104
B.3 Evaluationsbogen 105
v
Abbildungsverzeichnis
2.1 Konformit atsstufen zug anglicher Informationsangebote 12
2.2 Alterspyramide f ur 2001 und 2050, 13
2.3 Verbesserung durch den Einsatz multimodaler Schnittstellen 20
2.4 Personen mit Behinderungen in verschiedenen Bereichen
der Wahrnehmung 21
2.5 Internetnutzung nach Alter in Deutschland im Jahr 2003 22
2.6 Transportables Brailleleseger at 23
2.7 Mobile Kompakt Braillezeile 24
2.8 Tastenmaus mit Fingerf uhrungsraster 25
2.9 Tastenmaus mit Anschlussm oglichkeit f ur Tastatur oder
Joystick 25
2.10 Tastenmaus mit integriertem Joystick 26
2.11 Joystick f ur Links- und Rechtsh ander 27
2.12 Angepasste Rollkugel 27
2.13 Mini Trackball 28
2.14 Kopfmaus 28
2.15 Kopfmaus mit USB Anschluss 29
2.16 Gesichtserkennung mit QualityEye 31
2.17 Architektur einer HMM basierten Spracherkennung 34
2.18 Beispiel eines Suchgraphen zur Worterkennung nach dem
HMM Prinzip 35
3.1 Zeile aus dem Posteingang von Outlook Express 6 49
3.2 Beispielaufgabe aus dem Evaluationsbogen der Sprachan-
wendung 57
3.3
Ubersichtsskizze des Entwicklungskonzeptes 58
4.1 ShopLab Kernplattform mit Funktionsmodulen 61
4.2 Funktions ubersicht des Interaktiven Spiegels I 62
4.3 Funktions ubersicht des Interaktiven Spiegels II 63
4.4 Benutzerinterface in Farbe und schwarz / weiß 65
Diplomarbeit vi Matrikelnr : 151221
4.5 Einordung der Sprachschnittstelle (Speech-API) . . . . . . 70 4.6 Funktionsskizze der untersuchten Entwicklungswerkzeuge . 78 4.7 Screenshot, graphische Ober߬ ache der Sprachanwendung zur Steuerung des interaktiven Spiegels . . . . . . . . . . . 80 4.8 Beispielaufgabe aus dem Evaluationsbogen der Sprachanwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
vii
Tabellenverzeichnis
3.1 Entscheidungsmatrix; Wann ist Spracheingabe sinnvoll? . . 42 3.2 Entscheidungsmatrix; Wann ist Sprachausgabe sinnvoll? . 43
4.1 Durch die “Natural Dialog Study“ gewonnenen Sprachbefehle 69 4.2 ¨ Ubersicht der programmierbaren Schnittstellen und Spracherkennungsengine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
A.1 Anlagen¨ ubersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
Diplomarbeit viii Matrikelnr.: 151221
Listings
4.1 XML Kommando zum Drehen des Avatars . . . . . . . . . 79 B.1 Visual Basic: Auszug aus Form1.vb, Vorbereiten der Sprachengine unter Verwendung des VoiceTools for SMAPI . . 99 B.2 Visual Basic: Auszug aus Form1.vb, Definition der Sprachbefehle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 B.3 Visual Basic: Auszug aus Form1.vb, Behandlung eines erkannten Sprachbefehls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 B.4 Visual Basic: Auszug aus Socket connection.vb, Daten uber einen Socket Verbindung senden. . . . . . . . . . . . 103 ¨
B.5 Visual Basic: Auszug aus Form1.vb, Behandlung eines erkannten Sprachbefehls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
Diplomarbeit ix Matrikelnr.: 151221
1 Einleitung
1.1 Motivation
Durch meine Arbeit im ShopLab Projekt, einem 3j¨ ahrigen, europ¨ aischen Forschungsprojekt unter der Leitung der Fachhochschule Fulda gewann ich meine ersten Erfahrungen im Bereich der nutzerfreundlichen Hard-und Software.
Die Projektpartner entwickeln technische Installationen zur Unterst¨ utzung des Einkaufsprozesses, f¨ ur den Einsatz direkt im Einzelhandelsgesch¨ aft. Bei einem der entwickelten Prototypen handelt es sich um einen “Interaktiven Spiegel“ der das virtuelle Zusammenstellen und Betrachten von Maßhemden erm¨ oglicht.
Eine genaue Beschreibung der Funktionsweise des Spiegels ist auf der beigelegten CD in Form eines Videos und in Kapitel 4.1 auf Seite 60 zu finden.
Bei den entwickelten Prototypen liegt ein Schwerpunkt auf der Be-nutzerfreundlichkeit. Die st¨ andig wechselnden Kunden im Gesch¨ aft ben¨ otigen ein intuitiv bedienbares Ger¨ at mit einer sehr kurzen Lernphase. Um Benutzerfreundlichkeit zu gew¨ ahrleisten ist eine Einbeziehung der Zielgruppen in den Entwicklungsprozess notwendig, dies geschah durch Vorstellung des Prototypen, Nutztertests und Diskussionen. Vorgestellt und getestet wurde der Spiegel:
• Mai 2003
Testbetrieb des Spiegels beim Projektpartner “Campe & Ohff“ in einem Gesch¨ aft f¨ ur Maßhemden in Berlin f¨ ur vier Wochen
• Juni 2003
Vorstellung des Spiegels vor einer Gruppe von Rollstuhlfahrern in Frankfurt
• Mai 2004
Vorstellung des Spiegels auf der CeBit 2004
• Mai 2004
Diplomarbeit 1 Matrikelnr.: 151221
Betrieb und Nutzertest in der Filiale von “Campe & Ohff“ f¨ ur vier Wochen
• Juli 2004
Nutzertests und Diskussion des Spiegels mit einer Gruppe von Rollstuhlfahrern in Frankfurt
• Juli 2004
Umfangreiche Fragebogenevaluation nach dem in Kapitel 3.8, Seite 57 beschriebenen Vorgehen
Das Ergebnis dieser Studien und Diskussionen, an denen ich teilgenommen habe, ist wie folgt zu bewerten.
F¨ ur k¨ orperlich Benachteiligte, ¨ altere Menschen sowie Menschen mit geringen technischen Kenntnissen w¨ are es hilfreich, wenn zu Maus, Tastatur und Bildschirm alternative Ein- und Ausgabemethoden zur Verf¨ ugung stehen w¨ urden.
Dies begr¨ undet sich vor allem in der schlechten Bedienbarkeit und Zug¨ anglichkeit von Touch Screen und dem Navigationselement des Spiegels f¨ ur Rollstuhlfahrer und Menschen mit Schw¨ achen in der Feinmotorik.
Benutzerfreundlichkeit ist ein Muss f¨ ur die Entwicklung k¨ unftiger Systeme, mit Blick auf die immer komplexer werdenden Funktionsangebote neuer Anwendungen.
1.2 Problemstellung und Eingrenzung
”As applications become more complex, a single modality alone does not permit diverse users to interact efficetively across different tasks and usage environments. However, a flexible multimodal interface offers people the choice to use a combination of modalities, or to switch to a better-suited modality.” 1
Dieses Zitat spiegelt ein Problem der Informationsgesellschaft wieder. Durch stetig steigenden Wert und Umfang der verf¨ ugbaren Informationen werden die Anwendungen zum Zugriff auf diese Informationen immer komplexer.
Anwendungen, die Informationszugriff erm¨ oglichen, sind meist jedoch nur ¨ uber eine Art und Weise zu bedienen, sie sind unimodal.
1 S.Oviatt, Multimodal, 2003, S.1
2
Ein Beispiel hierf¨ ur ist ein Browser, das Werkzeug zum Sichten von In-formationen aus dem Internet. Er kann nur ¨ uber Maus oder Tastatur
bedient werden und bietet als Ausgabemedium nur den Bildschirm. Menschen sind von Natur aus allerdings multimodal, was sich bereits an der nat¨ urlichen Kommunikation zeigt. Beispielsweise wird jede Kommunikation, bei der sich Menschen gegen¨ uber stehen, immer auch durch Gesten und Mimik begleitet.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Abbau von Barrieren in der Informationsgesellschaft ¨ uber den Weg, die Technik besser an den
Menschen anzupassen. Denn durch die eingesetzte Hard- und Software entstehen immer mehr Barrieren die es zu ¨ uberwinden gilt.
Ein Mittel hierf¨ ur ist die Erweiterung der vorhandenen Ein- und Ausgabemodalit¨ aten durch die Steuerung von technischen Systemen durch nat¨ urliche Sprache.
Zu Beginn der Arbeit werden Grundlagen in der Erstellung von zug¨ anglichen Informationsangeboten geschaffen. Hierzu werden bestehende Zug¨ anglichkeitsrichtlinien vorgestellt, im Besonderen wird auf die “WCAG 1.0 Guideline“ des W3 Konsortiums (W3C) eingegangen. Eine Definition des Begriffes “Zug¨ anglichkeit“ in diesem Zusammenhang ist in Kapitel 2.1.1 auf Seite 7 zu finden. Die Richtlinie des W3C wurde vom Bundesministerium des Inneren als “Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ vom 17.Juli 2002 2 als eine verpflichtende Richtlinie f¨ ur ¨ offentliche Informationsangebote in Deutschland verabschiedet.
Die Einhaltung diese Richtlinie ist zum Dezember 2004 in Form eines Gesetzes gefordert. Zur Evaluierung der Hardware des “Interaktiven Spiegels“ auf Benutzbarkeit wird die “IBM Hardware peripherals accessibility Checklist“ 3 von IBM verwendet.
In einem zweiten Schritt werden multimodale Schnittstellen untersucht. Dabei handelt es sich um Schnittstellen, die mehrere Arten der Ein- und Ausgabe verarbeiten. Hier kann unter anderem die Sprache ein weiterer Modus sein.
Der theoretische Teil kann als ein Konzept zur Entwicklung von Sprachanwendungen verstanden werden. Das Konzept f¨ uhrt von Ent-
2 Siehe:http://www.behindertenbeauftragter.de/gesetzgebung/behindertengleichstellungsgesetz (Stand 27.02.2004)
3 Siehe: http://www-306.ibm.com/able/guidelines/peripherals/accessperipherals.html (Stand 20.02.2004)
3
scheidungshilfen zum Einsatz von Sprache ¨ uber die Besonderheiten von
Sprache, auch im Vergleich zu bildschirmbasierten Ein- und Ausgaben bis hin zur Einbeziehung der sp¨ ateren Nutzer. Am Ende steht die Behandlung von Spracherkennungsfehlern und eine abschließende, umfangreiche Fragebogenevaluation der Sprachanwendung.
Im praktischen Teil wird ein Prototyp einer sprachgesteuerten Software implementiert. Hierzu werden zahlreiche Entwicklungswerkzeuge n¨ aher untersucht. Die entwickelte Sprachanwendung steuert den “Interaktiven Spiegel“ des ShopLab Projektes.
4
1.3 Ziele der Arbeit
Theoretische Ziele dieser Arbeit sind einerseits die Schaffung von Grundlagen in den folgenden Bereichen:
• Hardwarezug¨ anglichkeit
• zug¨ angliche Informationsangebote
• multimodale Benutzerschnittstellen
• Prinzipien der Spracherkennung
Andererseits soll ein Konzept zur Entwicklung von Sprachanwendungen erstellt werden, mit Augenmerk auf:
• Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Sprache als Ein- und Ausgabemedium
• Integration der sp¨ ateren Nutzer in die Entwicklung
• Besonderheiten von Sprache im Vergleich zu anderen Medien
• Fehlerbehandlung bei Sprachanwendungen
• Fragebogenevaluation eines Prototypen
Das praktische Ziel ist die Entwicklung eines Prototypen zur Sprachsteuerung des “Interaktiven Spiegels“ durch:
• die Integration der Nutzer anhand von Sprachstudien
• den Vergleich der Entwicklungstechnologien f¨ ur
Sprachanwendungen
• das Erstellen eines Fragebogens zur Prototypenevaluation
5
2 Grundlagen
Diplomarbeit 6 Matrikelnr.: 151221
2.1 Begriffskl¨ arung
2.1.1 Zug¨ anglichkeit
Den Begriff Zug¨ anglichkeit kann man im Zusammenhang mit Information wie folgt definieren:
Zug¨ anglich sind Informationen, wenn sie f¨ ur Menschen jeglichen Alters, Bildungsstandes und k¨ orperlichen Zustandes abrufbar sind. Dies ist nur m¨ oglich, wenn die Beschaffenheit der Information durch Meta-Informationen beschrieben wird.
Diese Meta-Informationen werden durch Braille- oder Sprachausgabe ausgewertet und machen die Kerninformation erst nutzbar. Einfachstes Beispiel hierf¨ ur w¨ are die alternative Beschreibung eines Bildes durch einen Text 1 .
2.1.2 Benutzbarkeit
Bei dem Begriff “Benutzbarkeit“, im Englischen “Usability“, handelt es sich nicht um einen frei definierbaren Begriff. Im Kern der Benutzerfreundlichkeit stehen die Begriffe “Effizienz, Effektivit¨ at und Zufriedenheit“, dies ist in den Normen DIN EN ISO 9241 2 festgeschrieben.
Effektivit¨ at meint hierbei, dass der Benutzer eines Produktes, ei- Effektivit¨ at ner Software oder Website seine Ziele erreichen kann. M¨ ochte er beispielsweise auf einer Website eine Ware bestellen, ist der Vorgang effektiv, wenn es ihm gelingt.
Das Kriterium Effizienz betrifft den Aufwand, der zur Erreichung des Effizienz Ziels n¨ otig ist. Liegen die Kundendaten, etwa bei einem Bestellprozess schon vor, weil der Kunde sich ¨ uber eine Kundennummer identifiziert hat,
ist es nicht effizient, wenn alle Adressdaten erneut aufgenommen werden m¨ ussen.
Das Kriterium Zufriedenheit schließlich umfasst die subjektive Kom- Zufriedenheit ponente. Hier wird miteinbezogen, ob der Benutzer ein Produkt mag und sich damit wohlf¨ uhlt.
Wenn die drei Kriterien Effektivit¨ at, Effizienz und Zufriedenheit f¨ ur ein Produkt erf¨ ullt sind, ist es ein benutzerfreundliches Produkt.
1 Vgl.: Chrisholm W., Web Content Usability Guidelines, 1999, Kapitel 2.1
2 Siehe: http://www.fnerg.din.de (Stand 02.06.2004)
7
Je nach Interessen und Zielen werden die einzelnen Kriterien, die die Benutzbarkeit beschreiben, verschieden gewichtet 3 .
Benutzbarkeit von Hardware kann anhand einer Richtlinie von IBM evaluiert werden.
2.2 ¨ Uberpr¨ ufen der Hardwarezug¨ anglichkeit
und Benutzbarkeit
Zur ¨ Uberpr¨ ufung der Benutzbarkeit von Hardwareinstallationen und Peripherieger¨ aten wird die “Hardware peripherals accessibility Checklist“ von IBM verwendet, verf¨ ugbar ist diese in der Version 3.5 vom Mai 2003. Entwickelt wurde diese Pr¨ ufliste f¨ ur Drucker, Faxger¨ ate, Kopierer und ¨ ahnliche Produkte, an denen der Benutzer keine Hilfstechnologien installieren kann.
Beispielsweise kann ein solches Produkt auch ein Terminal in einer Videothek sein, das es erm¨ oglicht Filmausschnitte anzusehen. Hier hat der Benutzer keine M¨ oglichkeit Hilfstechnologie, wie eine alternative Tastatur zu installieren.
Die Richtlinie untersucht f¨ unf Hauptgesichtspunkte:
- Steuerelemente
- Tasten und Tastaturen
- Farbe und Kontrast
- Audio
- Zeitverhalten 4
Es folgt eine genaue Erl¨ auterung der genannten Pr¨ ufpunkte.
Kontrollen und Bedienelemente
Diese sollen leicht erreichbar und mit wenig Kraft und Geschicklichkeit zu bedienen sein. Werden biometrische Methoden zur Erkennung des Benutzers eingesetzt, sollten auch Alternativen angeboten werden, beispielsweise Fingerabdruck- oder Iriserkennung. Bei der Verwendung von ber¨ uhrungsintensiven Eingabefeldern, wie dem Touchscreen, sollten Alternativen wie etwa ein Tastenfeld zur
3 Vgl.: Heinsen S., Usability praktisch einsetzen, 2003, S.3
4 Vgl.: IBM, Hardware peripherals accessibility, 2003, S.1
8
Verf¨ ugung stehen. Im Allgemeinen soll das System so ausger¨ ustet sein, dass keine zus¨ atzlichen Hilfstechnologien f¨ ur k¨ orperlich Benachteiligte notwendig sind.
Tasten und Tastaturen
Der Zustand aller feststellbaren Tasten sollte visuell oder akustisch erkennbar sein.
Alle Tasten sollten taktil erkennbar sein, ohne dass sie aktiviert werden m¨ ussen. Ein blinder Nutzer kann nur so die Funktion erkennen. Sollte es m¨ oglich sein, bei einem dauerhaften Tastendruck eine fortlaufende Anzahl von Zeichen auszugeben, ist es notwendig, dass die Zeit bis zur Mehrfachausgabe von Zeichen mindestens bis auf zwei Sekunden regelbar ist. Ist dies nicht m¨ oglich, kann es passieren, dass ein Nutzer mit motorischen Defekten keine korrekten Eingaben machen kann, da er seine Finger nicht schnell genug von den Tasten entfernen kann.
Farbe und Kontrast
Farbe sollte nicht die einzige M¨ oglichkeit sein, Bedien- und Anzeigeelementen Funktionen zuzuordnen, wie beispielsweise bei einer mehrfarbigen Signallampe.
Manche Nutzer reagieren empfindlich auf helle Farben und k¨ onnten Buchstaben nur erkennen, wenn der Farbkontrast zwischen Vorder- und Hintergrund auf ihre Bedingungen einstellbar ist.
Audio
Besitzt das Ger¨ at eine M¨ oglichkeit zur Audioausgabe, sollte diese leicht regelbar sein und eine R¨ uckstellm¨ oglichkeit auf die Standardeinstellung zur Verf¨ ugung stellen. Das Ger¨ at sollte ebenfalls einen Ausgang f¨ ur einen Standardkopfh¨ orer haben. Eine steuerbare Ausgabe, Vor- und R¨ ucklauf sowie eine Stopfunktion w¨ aren sinnvoll.
Zeitverhalten
Manche Nutzer haben Schwierigkeiten innerhalb kurzer Zeit Informationen aufzunehmen oder auf Ereignisse zu reagieren. Sollte die Antwortzeit abgelaufen sein, dann ist es notwendig, dies zu signalisieren, so dass der Nutzer die M¨ oglichkeit hat dem System mitzuteilen, dass er mehr Zeit ben¨ otigt.
Ein Flackern zwischen 2 und 55 Hz muss vermieden werden, da diese Frequenzen bei Epileptikern Anf¨ alle hervorrufen k¨ onnen.
9
Durch den Einsatz dieser Richtlinie kann bei technischen Installationen eine wesentlich h¨ ohere Benutzbarkeit erreicht werden, im Besonderen werden k¨ orperlich Benachteiligte und ¨ altere Menschen erreicht, die einen nicht unerheblichen Teil unserer Bev¨ olkerung ausmachen. In der Richtlinie finden sich neben den Pr¨ ufpunkten ebenso Hinweise auf m¨ ogliche Techniken, wie diese erf¨ ullt werden k¨ onnen. Die “IBM Hardware peripherals accessibility Checklist“ ist unter der Internetadresse:
http://www-306.ibm.com/able/guidelines/peripherals/accessperipherals.html (Stand 20.06.2004) abrufbar.
Zug¨ angliche und benutzbare Hardware ist der erste Schritt, diesem folgt das Erstellen von zug¨ anglichen Informationsangeboten.
2.3 Erstellung und ¨ Uberpr¨ ufen von
zug¨ anglichen Informationsangeboten
2.3.1 Richtlinienerstellende Autorit¨ at - Web
Accessibility Initiative des W3C
Zug¨ anglichkeitsrichtlinien werden von der “Web Accessibility Initiative“ 5 des W3C Konsortiums ausgearbeitet.
”Das W3C wurde im Oktober 1994 gegr¨ undet, um das World Wide W3C Web zu seiner vollen Entfaltung zu f¨ uhren. Dazu werden einheitliche Protokolle entwickelt, die den Fortschritt des Webs f¨ ordern und die Interoperabilit¨ at sicherstellen sollen. Heute hat das W3C ¨ uber 420 Mit-
glieder und ann¨ ahernd 60 Vollzeitkr¨ afte weltweit besch¨ aftigt, die Beitr¨ age zur Entwicklung von W3C Spezifikationen und Software leisten.” 6
Die Web Accessibility Initiative (WAI) hat drei Richtlinien in Bezug auf zug¨ angliche Informationsangebote entwickelt:
• Web Content Accessibility Guidelines 1.0, um Internetangebote zug¨ anglich gegen¨ uber k¨ orperlich Benachteiligten zu machen
5 Siehe: http://www.w3.org/WAI/about.html (Stand 28.02.2004)
6 Vgl.: Fischer H., Das World Wide Web Consortium (W3C), 2003, S.2
10
• User Agent Accessibility Guidelines 1.0, zur Erstellung von Browsern, multimedia Playern und unterst¨ utzenden Technologien
• Authoring Tool Accessibility Guidelines 1.0, zur Erstellung von au-thoring Werkzeugen, mit denen man zug¨ angliche Informationsangebote erstellen kann 7 .
Im Folgenden wird n¨ aher auf die Web Content Accessibility Guidelines eingegangen und Software vorgestellt, welche die Einhaltung dieser Richtlinie ¨ uberpr¨ ufen kann.
2.3.2 WCAG 1.0 Richtlinie zur Gestaltung von
zug¨ anglichen Webangeboten
Diese Richtlinie ist eine W3C-Empfehlung vom 5. Mai 1999 und erl¨ au- WCAG 1.0 tert, wie Informationsangebote f¨ ur k¨ orperlich Benachteiligte zug¨ anglich gemacht werden k¨ onnen. Umsetzer dieser Richtlinie sind somit die Entwickler von Informationsangeboten, in erster Linie die Entwickler von Internetseiten.
Die “Web Content Accessibility Guidelines 1.0“ stellen ein Referenzdokument dar, das Zug¨ anglichkeitsgrunds¨ atze und Designideen beschreibt. Ebenso enth¨ alt es eine Checkliste zur ¨ Uberpr¨ ufung der
Zug¨ anglichkeitskriterien 8 , geordnet nach Thema und Priorit¨ at. Um die Erf¨ ullung dieser Pr¨ ufpunkte zu erleichtern, ist das Dokument ”Techniques for Web Accessibility Guidelines 1.0” 9 den Richtlinien angef¨ ugt. Es enth¨ alt technische Vorschl¨ age f¨ ur die Erf¨ ullung der einzelnen Punkte der Checklist mit Hilfe von HTML und Style Sheet Programmierung. Die Checkliste f¨ uhrt drei verschiedene Priorit¨ atsstufen auf, abh¨ angig vom jeweiligen Einfluss auf die Zug¨ anglichkeit des Angebotes.
Priorit¨ at 1, Punkte dieser Stufe m¨ ussen erf¨ ullt werden, anderen- Priorit¨ atsstufen falls wird es f¨ ur manche Gruppen von Nutzern unm¨ oglich sein, auf die Informationen zuzugreifen. Hierunter fallen Punkte wie:
• Bereitstellen von ¨ aquivalenten Informationen zu h¨ orbaren oder bildhaften Inhalten wie etwa zur Nutzung von Blindenschrift-Displays
7 Vgl.: Brewer J., WAI Technical Activity Statement, 2004, S.2
8 Siehe: http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/checkliste.html (Stand 17.03.2004)
9 Siehe: http://www.w3.org/TR/WAI-WEBCONTENT/TECHS (Stand 17.03.2004)
11
• ¨ Aquivalente f¨ ur dynamischen Inhalt m¨ ussen aktualisiert werden, wenn sich dieser ¨ andert
Priorit¨ at 2, Punkte dieser Stufe sollen erf¨ ullt werden. Werden sie nicht erf¨ ullt, kann es f¨ ur manche Nutzer schwierig werden, auf bestimmte In-formationen zuzugreifen. Hierunter fallen Punkte wie:
• Das Ziel eines Links muss klar identifiziert werden
• Navigationsmechanismen sind in konsistenter Weise zu verwenden
Priorit¨ at 3, Punkte dieser Stufe k¨ onnen erf¨ ullt werden. Werden sie nicht erf¨ ullt, kann es f¨ ur manche Nutzer etwas schwierig werden auf bestimmte Informationen zuzugreifen.
• Die vorherrschende Sprache des Dokuments ist deutlich zu machen
• Vermeiden Sie Bewegung in Seiten, bis Benutzeragenten das Einfrieren von Bewegung erm¨ oglichen
Es ist zu beachten, dass diese Punkte nur einen Auszug aus der Checklist darstellen, die gesamte Checkliste befindet sich in den Anlagen auf der CD 10 oder unter
http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/checkliste.html (Stand 02.06.2004) hierbei handelt es sich um die offizielle deutsche ¨ Ubersetzung.
Es werden durch das W3C drei Stufen der Konformit¨ at definiert: Konformit¨ ats-
Abbildung 2.1: Konformit¨ atsstufen zug¨ anglicher Informationsangebote Quelle: http://www.w3.org/WAI/WCAG1-Conformance.html (Stand 09.07.2004)
Konformit¨ at Stufe “A“ - alle Punkte der Stufe 1 sind erf¨ ullt. Konformit¨ at Stufe “Double-A“ - alle Punkte der Stufen 1 und 2 sind erf¨ ullt.
Konformit¨ at Stufe “Triple-A“ - alle Punkte der Stufen 1, 2 und 3 sind erf¨ ullt 11 .
10 Dateiname: WAI checkliste.pdf
11 Vgl.: Hartmann R., Zug¨ anglichkeitsrichtlinien f¨ ur Webinhalte, 2002, Kapitel 5
12
Wird eine Konformit¨ atsstufe erreicht, ist es erlaubt eines der entsprechenden Logos, wie es in Abbildung 2.1 auf der Vorseite zu sehen ist, im Informationsangebot zu platzieren; weiteres zur Nutzung der Logos ist unter http://www.w3.org/WAI/WCAG1-Conformance.html.en (Stand 06.06.2004) zu finden.
Der Schwerpunkt der Richtlinie liegt auf der Erstellung von zug¨ anglichen Schwerpunkt der Web - Angeboten. Sie l¨ asst sich aber auch auf die generelle Erstellung Richtlinie von Informationsangeboten anwenden, da viele ausgereifte Gedanken zur Verbesserung der Zug¨ anglichkeit von Informationsangeboten enthalten sind.
Zug¨ angliche Inhalte sind nicht nur f¨ ur k¨ orperlich Benachteiligte, sondern f¨ ur alle Nutzer ein Gewinn. Nicht zu vergessen sind hier besonders ¨ altere Menschen, die einen immer gr¨ oßer werdenden Teil der Bev¨ olkerung ausmachen, wie in Abbildung 2.2 zu sehen ist. Alterspyramide
Abbildung 2.2: Alterspyramide f¨ ur 2001 und 2050,
Quelle: Statistisches Bundesamt, Alterspyramiden, 2004
Speziell in der Gruppe der 50 bis 59j¨ ahrigen nutzen um die 50 Prozent das Internet, 25 Millionen sind noch keine Nutzer 12
Es wird zum jetzigen Zeitpunkt eine zweite Stufe der WCAG 1.0 WCAG entwickelt, die WCAG 2.0 13 . Diese erweiterte Version befasst sich mit 2.0
der generellen Erstellung von zug¨ anglichen Informationsangeboten, entfernt sich also von der Darstellung von Informationen im Browser.
12 Siehe: http://www.nonliner-atlas.de (Stand 01.07.2004)
13 Siehe: http://www.w3.org/TR/2003/WD-WCAG20-20030624 (Stand 04.05.2004)
13
Zum jetzigen Zeitpunkt, Juli 2004, handelt es sich jedoch bei den WCAG 2.0 noch um ein unvollst¨ andiges Arbeitsdokument.
2.3.3 Software zur ¨ Uberpr¨ ufung der Einhaltung der
Richtlinien
Um Informationsangebote im Internet auf ihre Zug¨ anglichkeit zu pr¨ ufen, stehen Online- und Offlinetools zur Verf¨ ugung.
Bei der Verwendung der Online-Tools wird die zu pr¨ ufende Inter- Online-Tool netadresse eingegeben, daraufhin wird ein Bericht erstellt und zum Nutzer zur¨ uck gesendet.
Ein Tool zum Online-Test ist “Bobby“. Bobby erlaubt das kostenfreie Testen einzelner Webseiten, jedoch kann nur eine pro Minute getestet werden 14 . Diese Art der ¨ Uberpr¨ ufung eignet sich nur bei einer geringen Anzahl von Seiten, da jede einzeln ¨ ubermittelt werden muss. Bei
einer gr¨ oßeren Seitenzahl bietet sich die Verwendung von Offline Tools an.
Offline Tools werden beim Programmierer auf dem Rechner instal- Offline-Tools liert und sind in der Lage eine beliebige Anzahl von Seiten zu pr¨ ufen. Diese Werkzeuge gibt es als einzelne Programme, aber auch schon in Produkten wie Dreamweaver integriert. Hier einige Beispiele zu Offline Test Tools:
Accessibility Toolbar 0.98
Dieses Browser Plug-in f¨ ur den Internet Explorer von Microsoft erscheint als zus¨ atzliche Men¨ uleiste im Browser. Durch diese Leiste besteht die M¨ oglichkeit Internetseiten in verschiedenen Aufl¨ osungen, Kontrastarten, ohne Javascript und Style Sheets anzusehen.
Des Weiteren enth¨ alt die Men¨ uleiste zahlreiche Hyperlinks zu Ressourcen im Internet 15 . Zu finden ist dieses Plug-in auch in den Anlagen auf der CD im Ordner “Software“.
14 Siehe: http://bobby.watchfire.com/bobby/html/en/index.jsp (Stand 05.05.2004)
15 Siehe: http://www.nils.org.au/ais/web/resources/toolbar (Stand 17.04.2004)
14
Dreamweaver MX 2004
Ab der Version MX 2004 ist es m¨ oglich einen Bericht ¨ uber die gesamte
Webpr¨ asenz zu erstellen. Dieser Bericht pr¨ uft die Seiten nach der WCAG 1.0 und stellt Vorschl¨ age zur Verbesserung der Kritikpunkte bereit 16 .
Watchfire Bobby 5.0
Hierbei handelt es sich um ein kostenpflichtiges Offline-Tool, das die Seiten auf die WCAG 1.0 Konformit¨ at testet, der Preis liegt bei ca. 300 Euro 17 .
Eine weitere Auswahl von Evaluationswerkzeugen ist auf der Webseite des W3 Konsortiums unter dem Hyperlink http://www.w3.org/WAI/ER/existingtools.html/#Evaluation (Stand 25.05.2004) zu finden.
16 Siehe: http://www.macromedia.com/software/dreamweaver/productinfo/features (Stand 15.07.2004)
17 Siehe: http://www.watchfire.com/products/desktop/bobby/default.aspx (Stand 05.052004)
15
2.4 Multimodale Schnittstellen
2.4.1 Begriffsbestimmung und Entwicklungsprozess
multimodaler Schnittstellen
Multi = “als Wortteil viel, Viel“ 18
Modalit¨ at = “Art u. Weise des Geschehens, des Seins od. des Denkens; Ausf¨ uhrungsart; M¨ oglichkeit; Bedingung - modal“ 19
Multimodale Systeme verarbeiten zwei oder mehr Eingabem¨ oglich- Multimodale Eingabekeiten, die je nach Belieben kombiniert werden k¨ onnen. m¨ oglichkeiten Solche Eingabemodi sind:
- Sprache
- Stift
- Ber¨ uhrung
- Gesichtsausdruck (Mimik)
- Augen-, Kopf- und K¨ orperbewegung
- Lippenbewegungen
Die Anf¨ ange multimodaler Schnittstellen gehen zur¨ uck ins Jahr 1978 20 . Entwicklungsgeschichte Die Benutzer des “Media Room“ sitzen vor eine Projektionswand und k¨ onnen durch Sprachbefehle auf dieser Wand 2-dimensionale Objekte erzeugen. Als Befehl steht beispielsweise “Erzeuge hier ein blaues Quadrat“ zur Verf¨ ugung.
Durch Sprechen dieses Befehls und gleichzeitiges Tippen auf ein an der Armlehne des Stuhles befestigtes Touchpad wird die geometrische Figur erzeugt. In diesem Fall war “hier“ das Schl¨ usselwort, das ¨ uber die x- und
y-Koordinaten des Touchinterfaces aufgel¨ ost wurde 21 . Durch die Weiterentwicklung der Spracherkennungstechnologien zwischen 1980 und 1990 entstanden zahlreiche Anwendungen, die Sprache als eine alternative Eingabem¨ oglichkeit nutzen. Viele dieser fr¨ uhen Systeme sind multimodale, multimediale Karten im Bereich Tourismus und Milit¨ ar, die auf Sprache und Gesten reagieren.
18 Baer D., Fremdw¨ orterbuch, 1995, S.289
19 Baer D., Fremdw¨ orterbuch, 1995, S.282
20 Vgl.: Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003, S.287, nach Negroponte N., The Media Room, 1978
21 Vgl.: Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003, S.287
16
Beispiele f¨ ur solche Anwendungen aus den 90er Jahren sind: CURBICON, ein milit¨ arisches System, das Befehle wie “Ist dies (zeigen) eine Milit¨ arbasis?“ versteht und auswertet 22 . Georal, ist ein Tourismus Informations - System, das es erm¨ oglicht Reiserouten zu planen. Hierzu werden Sprache und ein Touchscreen als Eingabemedien genutzt 23 .
Durch Shoptalk bietet sich dem Nutzer die M¨ oglichkeit, Maschinen eines Produktionsablaufes ¨ uber Gesten auszuw¨ ahlen. Es kann folgendes Kommando gegeben werden “Zeige mir alle Ausfallzeiten dieser Maschine“.
Die Verarbeitung von Sprache und Gesten hat sich bis heute dahinge- Entwicklungsrichtung hend weiterentwickelt, dass zwei parallele Eingabestr¨ ome gleichzeitig ausgewertet werden. Somit werden jeweils zwei erkennungsbasierte Technologien in Kombination eingesetzt. Durchgesetzt haben sich die Kombinationen von:
- Sprache und Stift
- Sprache und Gesten
- Sprache und Lippenbewegung
Ein System zur Gesten- und Spracherkennung ist das QuickSet
System, 24 dessen Anwendungsm¨ oglichkeiten von tragbaren Ger¨ aten bis hin zu wandgroßen “Live Boards“ zur Verwendung bei Teambesprechungen reichen.
Ein weiteres Projekt, das sich mit der Entwicklung von Gesten-, Stift- und Spracherkennung befasst, ist das EMBASSI 25 Projekt. Es versucht mit Hilfe des Einsatzes von virtuellen, interaktiven Assistenten, die per Sprache und Gesten bedienbar sind, komplexe Anwendungen bedienerfreundlicher zu machen.
Besondere Einsatzgebiete hierf¨ ur sind der Privathaushalt, das Kraftfahrzeug und Terminalsysteme, wie Bank- und Fahrscheinautomaten. Beim Einsatz im Haushalt wird im EMBASSI Projekt eine Assistenz bei
22 Vgl.: Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003, S.287, nach Neal J.G., Intelligent user interfaces, 1991
23 Vgl.: Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003, S.287, nach Siroux, Cooperative Multimodal Communication 1995
24 Siehe: http://www.cse.ogi.edu/CHCC/QuickSet/mainProj.html (Stand 31.05.2004)
25 Siehe: http://www.embassi.de (Stand 06.07.2004)
17
der ger¨ ateunabh¨ angigen Aufnahme und Speicherung von Medien realisiert. Die ¨ Außerung “Bitte nimm heute Abend den Krimi auf“ resultiert in einer entsprechenden Auswertung der Aussage (wann, was, womit) und ergibt schließlich die Programmierung des Videorekorders f¨ ur die Aufnahme der gew¨ unschten Sendung. Besonderes im Privathaushalt kommen Ger¨ ate wie ein Braille Pad aus Kapitel 2.4.4 auf Seite 23 zum Einsatz 26 .
Bei den kurz beschriebenen Systemen handelt es sich durchgehend aktive und um Systeme mit “aktiver Spracherkennung“. Aktive Systeme verlangen passive nach einem direkten Kommando an den Computer. Diesen Systemen Spracher-steht die “passive Spracherkennung“ gegen¨ uber. kennung Passive Systeme ben¨ otigen keine ausdr¨ ucklichen Befehle, sie ¨ uberwachen alle Eingabestr¨ ome und entscheiden selbstst¨ andig, ob es sich um einen an sie gerichteten Befehl handelt und reagieren dann entsprechend. Passive Systeme spielen bei der Erfassung von Gesichtsausdr¨ ucken und Gesten eine Rolle, werden aber in dieser Arbeit nicht behandelt. Aktuelle Entwicklungsrichtung ist das Mischen dieser beiden Erkennungsarten, aktiv und passiv, wie es bei der Sprach- und Lippenerkennung geschieht 27 .
Weiterf¨ uhrendes zum Thema “Lippenlesen durch den Computer“ ist bei Intel zu finden 28 . Hier steht ein Open Source Paket mit Namen “OpenCV“ zur Verf¨ ugung, das um die 500 Bildbearbeitungsfunktionen enth¨ alt und den Entwickler bei der Programmierung von Gesten- oder Lippenerkennung unterst¨ utzt.
Systeme mit mehreren Eingabemodalit¨ aten m¨ ussen dem Nutzer uber Erfolg und Misserfolg der Eingabe R¨ uckmeldung geben. Im folgen¨
den Kapitel wird n¨ aher auf den entstehenden Mehrwert mulimodaler Schnittstellen eingegangen.
26 Vgl.: Herfet T., Das Leitprojekt EMBASSI, 2001, S. 13
27 Vgl.: Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003,S. 288
28 Siehe: http://www.intel.com/labs/features/sw04034.htm (Stand 16.06.2004)
18
2.4.2 Vorteile multimodaler Schnittstellen
Der Einsatz multimodaler Schnittstellen bringt eine F¨ ulle von neuen M¨ oglichkeiten und Chancen mit sich. Die individuellen Unterschiede und F¨ ahigkeiten des Menschen fordern auch unterschiedliche Interaktionsmodi wie Sprache, Gesten oder Stift.
Als Beispiel k¨ onnte ein Sehgesch¨ adigter, die Spracheingabe bevorzugen. Im Gegensatz dazu kann von einem Nutzer mit H¨ orbeeintr¨ achtigung angenommen werden, dass er wegen seines starken Sprachakzents eine stiftbasierte Eingabe der Spracheingabe vorzieht. Ebenso ist vorstellbar, dass ein Vorschulkind, das noch nicht mit Tastatur und Maus zurechtkommt, Lernprogramme per Sprache oder Stift bedient. In Anbetracht dessen haben multimodale Benutzerschnittstellen das Potential eine breitere Masse von Nutzern anzusprechen als die herk¨ ommlichen unimodalen, graphischen Schnittstellen. Es werden Nutzer angesprochene Nutzer
- mit unterschiedlichem Fachwissen
- mit Defekten in der Sinneswahrnehmung
- mit dauerhaften oder zeitweisen Behinderungen
- jeglichen Alters 29
erreicht. Eine flexible, multimodale Schnittstelle erlaubt auch das Wech- Moduswechsel seln der verschiedenen Eingabearten. Auf diese Art und Weise kann ¨ Uberbeanspruchung oder Ausfall einer Modalit¨ at verhindert werden, im Besonderen in langen Phasen der Computernutzung. Durch die andauernde Tastatureingabe am Computer kann es zu Sehnenentz¨ undungen kommen, ebenso kann Spracheingabe ¨ uber einen langen Zeitraum zu einer Reizung der Stimmb¨ ander f¨ uhren.
Ein multimodale Schnittstelle mit mehr als einer Eingabem¨ oglichkeit erlaubt dem Nutzer seine bevorzugte, am wenigsten erm¨ udende Eingabemethode auszuw¨ ahlen und eigene Muster des Moduswechsels auszubilden 30 .
Multimodale Schnittstellen, die Eingabem¨ oglichkeiten f¨ ur den mobilen Einsatz beinhalten, z.B. Sprache oder Stifteingabe, erlauben es die Grenzen, die durch das “on- and off-the-desktop computing“ entstanden sind, zu durchbrechen 31 .
29 Oviatt S., Flexible and robust multimodal interfaces for universal access, 2003, S.92
30 Oviatt S., Multimodal Interfaces, 2003, S.292
31 Oviatt S., Flexible and robust multimodal interfaces for universal access, 2003, S.92
19
Diese Schnittstellen unterst¨ utzen das Wechseln der Eingabemodi und mobiler Einsatz schaffen die Flexibilit¨ at, die beim mobilen Einsatz und dessen wechselnden Bedingungen notwendig sind. Ein Beispiel ist die Kombination von Sprach- und Stiftsteuerung. Eine Person bevorzugt etwa eine Spracheingabe f¨ ur das W¨ ahlen einer Telefonnummer beim Autofahren, wohingegen die Eingabe per Stift f¨ ur das Angeben von privaten Informationen in der ¨ Offentlichkeit genutzt wird 32 .
Eine Auswirkung der mobilen Nutzung kann eine “zeitweise Behinderung“ einer bestimmten Eingabemodalit¨ at sein. Ein Beispiel hierf¨ ur, mit einem Baby auf dem Arm ist es nicht m¨ oglich einen Anruf in einer ¨ offentlichen Telefonzelle auszuf¨ uhren, ein Sprachmodus w¨ urde hier das Problem l¨ osen.
2.4.3 Zielgruppe f¨ ur den Einsatz multimodaler
Schnittstellen
Durch den richtigen Einsatz multimodaler Schnittstellen wird die Be- Mehrwert nutzerfreundlichkeit und die Verf¨ ugbarkeit der Systeme in hohem Maße gesteigert, was f¨ ur jeden Nutzer einen Mehrwert darstellt. Der folgenden Abbildung 2.3, die aus einer Microsoftstudie stammt, ist zu entnehmen, dass die Verwendung von multimodalen Benutzerschnittstellen eine wahrscheinliche Verbesserung in der Benutzbarkeit von Anwendungen f¨ ur 60 % der Nutzer bringen w¨ urde (befragt wurden Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren).
Abbildung 2.3: Verbesserung durch den Einsatz multimodaler Schnittstellen
Quelle: MS Studie, The Wide Range of Abilities and Its Impact on Computer Technology, 2003
32 Oviatt S., Flexible and robust multimodal interfaces for universal access, 2003, S.93
20
Besonders Personen mit Behinderungen profitieren von Multimodalit¨ at, wobei hierzu auch altersbedingte Behinderungen, wie das Nachlassen der Sehst¨ arke z¨ ahlten. Bei Menschen mit Behinderungen handelt es sich keineswegs um eine Randgruppe, wie in der folgenden Abbildung 2.4 zu sehen ist.
Abbildung 2.4: Personen mit Behinderungen in verschiedenen Bereichen
der Wahrnehmung
Quelle: MS Studie, The Wide Range of Abilities and Its Impact on Computer Technology, 2003
20 % aller Befragten im Alter von 18 bis 64 Jahren hatten leichte bis schwere Probleme in den Bereichen der visuellen, kognitiven und auditiven Wahrnehmung sowie im Bereich Feinmotorik und Sprechen. Die Studie aus der die Abbildungen 2.3 und 2.4 stammen, wurde an ca. 15.000 Computernutzern im Alter zwischen 18 und 64 Jahren durchgef¨ uhrt. Die komplette Studie (Microsoft Forrester Studie) ist in den Anlagen zu finden. Weitere Modalit¨ aten zu schaffen ist durch den Einsatz spezieller Hardware m¨ oglich, hierauf wird im Folgenden eingegangen.
Durch die vorangegangenen beiden Abbildungen wird klar, dass es sich bei der Hauptzielgruppe um ¨ altere Menschen ab 50 Jahren handelt. Menschen ab 50 verk¨ orpern eine immer gr¨ oßer werdende Bev¨ olkerungsschicht mit starken finanziellen Mitteln, sie verf¨ ugen ¨ uber 70 % der
Verm¨ ogensbest¨ ande in Deutschland 33 .
33 Vgl.: Dohmann A., High Life 2004, S.41
21
Es sind also nicht nur finanzielle Mittel vorhanden, es herrscht bei dieser Altersgruppe auch starkes Interesse an neuen Technologien, wie z.B. dem Internet, was folgende Abbildung 2.5 verdeutlicht.
Abbildung 2.5: Internetnutzung nach Alter in Deutschland im Jahr 2003 Quelle: (N)ONLINER Atlas 2004 der “Initi@tive D21“
Die Zahl der Internetnutzer ab 50 ist in den Jahren 2001 bis 2004 kontinuierlich von 31 auf 50 % (25 Millionen Menschen 34 ) angewachsen, wobei weitere 8 % Nutzungsplaner sind . Interviewt wurden f¨ ur diese Statistik der “Initi@tive D21“ 30000 Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren.
Die Entwicklung neuer, multimodaler Hard- und Software ist somit nicht nur ein Beitrag zur zug¨ anglichen, benutzerfreundlichen Informationsgesellschaft, sondern richtet sich auch an eine wirtschaftlich starke Zielgruppe. Im Folgenden werden einige Anwendungsbereiche und Einsatzm¨ oglichkeiten multimodaler Anwendungen dargestellt.
34
Vgl.: Statistisches Bundesamt, Bev¨ olkerungsentwicklung nach Altersgruppen, 2004
22
Arbeit zitieren:
Marcus Fessler, 2005, Universal Access in Human Computer Interaction - Multimodaler Informationszugriff als Beitrag für eine barrierefreieInformationsgesellschaft, am Beispiel einer sprachgesteuerten Schnittstelle, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
nisha kumburegama gefällt Universal Access in Human Computer Interaction - Multimodaler Informationszugriff als Beitrag für eine barrierefreieInformationsgesellschaft, am Beispiel einer sprachgesteuerten Schnittstelle
Marcus Fessler hat den Text Universal Access in Human Computer Interaction - Multimodaler Informationszugriff als Beitrag für eine barrierefreieInformationsgesellschaft, am Beispiel einer sprachgesteuerten Schnittstelle veröffentlicht
Marcus Fessler hat einen neuen Text hochgeladen
Universal Access in Human-Computer Interaction
Ambient Interaction, 4th Inter...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction
Coping with Diversity, 4th Int...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction - Addressing Diversity
5th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction - Applications and Serv...
5th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction. Design for All and eIn...
6th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction. Users Diversity
6th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction. Context Diversity
6th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Universal Access in Human-Computer Interaction. Applications and Servi...
6th International Conference, ...
Constantine Stephanidis
Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer ...
Ben Shneiderman, Catherine Plaisant
0 Kommentare