Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung in die Thematik 2
2.) Kurzer Lebenslauf Wilhelm Buschs 3
3.) Definition Idylle 4
4.) Idyllenkonzeptionen in „Max und Moritz“ 5
5.) Idyllenkonzeptionen in „Abenteuer eines Junggesellen“ 9
6.) Schlussbemerkungen 15
7.) Literaturverzeichnis 17
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1.) Einleitung in die Thematik
Deutsche Literatur lebt stets von Bildern und von Metaphern, die Autoren und Verfasser zum besseren Textverständnis und Sinnverständnis mit in den Text involvieren. Große Deutsche Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe oder Eduard Mörike arbeiteten in ihren großen Werken mit Bildern und erreichten somit bei ihrem damaligen Publikum eine hohe Anerkennung. Sie bauten eine wunderbare, eben idyllische Welt auf, die dann wiederum sehr selbstparodistisch zerstört oder verworfen wurde.
Heutzutage versteht man unter Idylle eher eine kitschig aufgeladene Welt, in der die Natur und die Freiheit des Menschen im Vordergrund stehen. Jedoch hat es in der Literatur, besonders zur Zeit Bismarcks in Deutschland, immer wieder große Werke gegeben, in denen Idyllen konzipiert wurden, um sie dann wiederum zum Einsturz zu bringen. Kritik am politischen System im damaligen Deutschen Reich oder die Freude der Autoren an dieser Art der Textverfassung sorgten dafür, dass Idyllen sehr häufig falsch interpretiert wurden und die teilweise harsche Kritik in ihnen gar nicht erkannt wurde. Eines der besten Beispiele hierfür sind die Werke von Wilhelm Busch. Besonders in seinen bebilderten Stücken, wie „Max und Moritz“ oder „Die fromme Helene“, übt der Verfasser teilweise sehr harsche Kritik an der damaligen Lebensphilosophie in Deutschland, die aber von den meisten Lesern gar nicht erkannt wurde. Sie amüsierten sich stets beim Genuss der von Busch liebevoll gezeichneten Bildergeschichten, wurden aber auf die eigentlich sehr kritischen Interpretationsmöglichkeiten dieser Stücke so gut wie nie aufmerksam.
Diese Arbeit soll sich stellvertretend mit zwei bebilderten Stücken von Wilhelm Busch befassen, in denen seine zum Teil sehr versteckten Idyllenkonzeptionen aufgezeigt und diskutiert werden sollen. Zuvor wird der Begriff „Idylle“ und das Leben Wilhelm Buschs kurz zu skizzieren sein.
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2.) Kurzer Lebenslauf Wilhelm Busch
Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 in Wiedensahl geboren. Er absolvierte 1851 bis 1854 eine gründliche Ausbildung als Kunstmaler an den Akademien in Düsseldorf, Antwerpen und München, verdiente aber später seinen Lebensunterhalt fast ausschließlich als Zeichner witziger Bildfolgen für Illustrierte wie die Münchner „Fliegenden Blätter“. Deren erste und zugleich populärste war die Lausbubenposse „Max und Moritz“ (1865). Schon dort kommen die typischen Züge seiner Bildergeschichten zum Vorschein: Knappe, pointierte Texte und Bilder von drastischer Komik belegen Buschs kritische Haltung gegenüber den Schwächen und der verlogenen Moral seiner Mitmenschen. Insgesamt spricht trotz aller Komik hieraus eine zutiefst pessimistische Weltsicht, wie sie vielen großen Humoristen eigen ist. Besonders deutlich trat Buschs dunkler, niemals aber schwarzer Humor in „Der heilige Antonius von Padua“ (1870), einer Satire auf den Katholizismus, oder „Die fromme Helene“ („Hier sieht man ihre Trümmer rauchen. Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.”) zu Tage. Eher harmlos-vergnüglich fielen die Erlebnisse von „Plisch und Plum“ (1882), „Fips der Affe“ und „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“ aus. Buschs Werk umfasste auch weniger bekannte Prosatexte wie „Eduards Traum“ (1891) und mehrere Lyrikbände, darunter „Kritik des Herzens“ (1874). Auch dort tritt seine skeptische Weltsicht zutage, die zum Teil auch auf die Lektüre Arthur Schopenhauers zurückging.
Der enorme Erfolg seiner Bildergeschichten konnte Busch zeitlebens nicht darüber hinwegtrösten, dass er als Kunstmaler keine Anerkennung fand. Der Plan einer Ausstellung seiner Aquarelle scheiterte am Widerstand seines Verlegers, und es hat bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts gedauert, bis sie einem größeren Publikum bekannt wurden. Als Satiriker war Busch hingegen fast konkurrenzlos in seiner Epoche und hat stilbildend auf spätere Generationen gewirkt, wovon z. B. die politisch-satirische Wochenschrift „Simplicissimus“ Zeugnis ablegt.
Busch starb am 9. Januar 1908 in Mechtshausen. Ihm zu Ehren wurde in Hannover das Wilhelm-Busch-Museum eingerichtet, und auch sein
1 Geburtshaus in Wiedensahl steht interessierten Besuchern offen.
3.) Definition „Idylle“
Der Begriff der „Idylle“ stammt von seiner Wortbedeutung her aus Griechenland. Auf griechisch bedeutet eidyllon soviel wie Bildchen. In der Literatur steht die Idylle für eine dichterisch-harmonische, das Volks- und Landleben idealisierende Darstellung in Vers oder Prosa, oft auch in geschlossener Form (Genrebild).
Die Idyllendichtung stellt eine Vorform der Dorfgeschichte dar. Die Tradition der abendländischen Idylle nahm in den Werken der griechischen Dichter Bion, Theokrit und Moschus im 3. Jahrhundert v. Chr. ihren Anfang. Die Literatur von Renaissance und Barock projizierte die Idylle in arkardischutopische Bereiche, eine Linie, die sich bis ins 18. Jahrhundert verfolgen lässt (z. B. bei Johann Jakob Bodmer und Johann Christoph Gottsched). Im 19. Jahrhundert schrieben u. a. Johann Wolfgang von Goethe, Eduard Mörike und Christian Friedrich Hebbel, im 20. Jahrhundert Gerhart Hauptmann, Thomas Mann und Hugo von Hofmannsthal teils stark selbstparodistische Idyllen. Allerdings wurde die Idylle in der Moderne nicht
2 mehr populär.
Idyllen wurden seither in jeden literarischen Gesellschaftsformen eingebunden, wie Renate Böschenstein in ihrem Werk feststellt: „Die Thematik der Dichtungen, die sich als Idyllen erklären, [reicht] von der
1 Selbst zusammengefasst aus: Busch, Wilhem: Eine Biographie; erschienen in der großen Brockhaus
Enzyklopädie, Leipzig 1999
2 Selbst zusammengefasst aus: Idylle: Eine Definition; erschienen in der großen Brockhaus
Enzyklopädie, Leipzig 1999
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Arbeit zitieren:
Jörn Finger, 2004, Idyllenkonzeptionen bei Wilhelm Busch in ausgewählten Werken unter besonderer Berücksichtigung seiner bebilderten Geschichten, München, GRIN Verlag GmbH
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