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Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung Seite 2
2.) Inhaltsangabe und Charakterisierung des Fuchses in Heinrich der
Gl îchezâres „Reinhart Fuchs“ Seite 3
2.1) Intentionen des Autors und Entstehungsgeschichte des
Textes
Seite 5
3.) Kurze Inhaltsangabe von Janoschs „Reineke Fuchs“
Seite 8
3.1) Die Darstellung des Fuchses in Janoschs Werk
Seite 10
3.2) Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Heinrich der
Gl îchezâres „Reinhart Fuchs“ Seite 11
4.) Kurze Inhaltsangabe von Selma Lagerlöfs „Wunderbare Reise des
kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ Seite 12
4.1) Die Darstellung des Fuchses in Selma Lagerlöfs Werk
Seite 13
4.2) Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Heinrich der
Gl îchezâres „Reinhart Fuchs“ Seite 15
5.) Fazit und Bewertung Seite 16
6.) Literaturverzeichnis Seite 18
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1.) Einleitung
Am Ende des 12. Jahrhunderts erschuf Heinrich der Glîchezâre den mittelhochdeutschen „Reinhart Fuchs“. Obwohl diese Fassung bis heute eher zu den unbekannteren Tiergeschichten gehört, so haben sich doch viele namhafte Autoren inspirieren lassen, ebenfalls Tiergeschichten zu schreiben und dort ebenfalls einen Fuchs auftreten zu lassen. Johann Wolfgang von Goethe schuf mit seinem „Reinecke Fuchs“ wohl eine der bekanntesten Tierdichtungen, die über einige Umwege aber ebenfalls wieder auf Heinrich den Glîchezâre zurück zu führen ist.
Die vorliegende Seminararbeit soll untersuchen, inwiefern der Charakter des Fuchses, wie er bei Heinrich dem Glîchezâre dargestellt wird, auch in anderen Tiergeschichten übernommen oder verändert wurde. Dabei bieten sich besonders in der Kinder- und Jugendliteratur viele Beispiele an. Die wohl bekanntesten Tiermärchen, in denen ein Fuchs eine tragende Rolle spielt, ist Janoschs „Reineke Fuchs“ und Selma Lagerlöfs „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“. Diese beiden Geschichten werden in dieser Seminararbeit genauer analysiert und mit dem mittelhochdeutschen „Reinhart Fuchs“ verglichen. Zunächst wird also eine kurze Inhaltsangabe vom mittelhochdeutschen „Reinhart Fuchs“ dargestellt, anschließend wird eine Charakterisierung des Fuchses vorgenommen.
Der gleiche Ablauf erfolgt dann auch bei Janoschs und Selma Lagerlöfs Werk. Zum Abschluss wird dann ein umfassender Vergleich angestrebt, in dem sich herauskristallisieren soll, inwiefern Lagerlöf und Janosch sich von Heinrich dem Glîchezâres Werk haben beeinflussen lassen, oder ob sie evtl. ganz eigene, neue Komponenten hinzugefügt haben.
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2.) Inhaltsangabe und Charakterisierung des Fuchses in Heinrich der Glîchezâres „Reinhart Fuchs“
Heinrich der Glîchezâre schuf im 12. Jahrhundert mit seinem mittelhochdeutschem Reinhart Fuchs eine bis dahin nicht allzu verbreitete Form der Tiergeschichte. Er gab den Tieren menschliche Züge, verlieh somit jedem Tier einen eigenen Charakter. Manche Tiere wurden als klug, manche als dumm, manche als listig und schlau, manche aber einfach auch als naiv dargestellt. Durch diese sehr menschlichen Formen der Tiere gelang dem Zuhörer eine schnelle Identifikation mit Menschen, die zu dieser Zeit bekannt und vielleicht auch verachtet wurden. Allein der Prolog des „Reinhart Fuchs“, in dem es heißt „Got gebezzer vnser vart“ 1 , also „möge uns Gott unsern Weg erleichtern“, lässt darauf schließen, dass hinter diesem Text ein tieferer Sinn steckt.
Das Werk von Heinrich dem Glîchezâre ist insgesamt in vier Teile unterteilt. Zum einen der Prolog, dann die Vorgeschichte, gefolgt vom ersten Hauptteil und zum Schluss der zweite Hauptteil. In jedem dieser Abschnitte, mit Ausnahme des Prologs, werden die einzelnen Charaktereigenschaften Reinharts deutlicher und besser herausgestellt. Eine kurze inhaltliche Ausführung soll dieses verdeutlichen:
In der Vorgeschichte, die man grob den Versen 11 bis 384 zuordnen kann, gibt es noch einmal die Unterteilung in vier Episoden. Die erste der vier Episoden beginnt auf dem Hühnerhof. Reinhart versucht Scantecler als Beute zu bekommen und lockt diesen mit einer List von seinem sicheren Ast. Hier wird zum ersten Mal deutlich, dass Reinhart als klug und listig gilt. Allerdings wird im folgenden Abschnitt dieser Eindruck sofort wieder getrübt, als es Scantecler gelingt, sich mit einem ziemlich einfachen Trick zu befreien. Er fragt Reinhart, ob er sich die Beschimpfungen des Bauers gefallen lassen möchte, und als Reinhart auf diesen Vorwurf reagiert, gelingt es Scantecler zu fliehen.
In der folgenden Episode, als Reinhart über den Weg der Treue und Pflege eines Verwandtschaftsverhältnis versucht die Meise als Beute zu bekommen, wird er mit einem ziemlich einfachen Trick durchschaut. Der Aufforderung Reinharts zur Meise „dv solt pflegen treuwen“ 2 kommt diese nicht nach und stellt Reinhart, indem sie ihm Dreck in sein Maul wirft, bloß.
1 Heinrich der Glîchezâre: „Reinhart Fuchs“, herausgegeben, übersetzt und erläutert von Karl -Heinz Göttert, Reclam-Verlag, Stuttgart 2001, hier Vers 2
2 Heinrich der Glîchezâre: „Reinhart Fuchs“, a.a.O., Vers 182
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Auch in der dritten Episode der Vorgeschichte wird Reinhart dumm und naiv dargestellt. Zwar gelingt es ihm wiederum durch eine List dem Raben seinen Käse zu stibitzen, allerdings ist Reinhart dann zu unbeherrscht und möchte auch noch den Raben als Beute. Obwohl dem Fuchs die Beute quasi vor der Nase sitzt, gelingt es ihm nicht, den Raben zu fangen. Zusätzlich wird Reinhart dann noch durch die Jäger gejagt und von den Hunden gebissen. Die Idee, wiederum über das Motiv der „triuwe“ zur Beute zu gelangen, geht in dieser Episode zum dritten Mal schief.
In der letzten Episode der Vorgeschichte trifft es Reinhart noch härter. Er fordert den Kater auf, seine Schnelligkeit zu beweisen, wodurch sich Reinhart erhofft, dass der Kater in eine Falle tappt. Doch Diepreht durchschaut diesen Trick und lotst durch einen Gegentrick Reinhart in die Falle. Durch Glück und „kundigkeit“ gelingt es Reinhart, zu entkommen.
Man kann also festhalten, dass in der Vorgeschichte Reinharts Charakter als durchaus klug, allerdings als manchmal zu ungestüm und unüberlegt dargestellt wird. Reinhart ist in manchen Situationen einfach zu naiv, denn sonst wäre ihm nicht soviel Leid widerfahren. Im ersten Hauptteil, in dem Reinhart mit Ysengrin ein Bündnis eingeht, kommt das Motiv der Gesellschaft zum tragen. „Wolt ir mich zv gesellen han?“ 3 fragt Reinhart den Wolf, und führt anschließend seine Vorteile auf: „ich bin listic, starc sit ir, ir mochtet gyten trost han zv mir. vor ewere kraft vnde von minen listen konde sich niht gevristen, ich konde eine bvrc wol zerbrechen“ 4 . An dieser Stelle bezeichnet der Fuchs erstmals sich selbst als listig und klug und versucht durch das Bündnis mit dem Wolf, den er als stark bezeichnet, seine eigenen Vorteile zu sichern. Schnell wird in diesem ersten Hauptteil allerdings klar, dass der Fuchs nur an seine eigenen Vorteile denkt und dem Wolf schwer zusetzt, indem er ihm zunächst durch den Esel entmannen lässt und dann ihm auch noch den Schwanz kostet, den Ysengrim durch Reinharts List im gefrorenen Eis verliert.
In diesem ersten Hauptteil kann der Fuchs als klug und verschlagen bezeichnet werden. Einzig allein die Brunnenszene, als Reinhart zu ungestüm in den Brunnen springt, da er sein Spiegelbild für eine Fuchsdame hielt, trübt diese Gedanken. Allerdings gelingt es schließlich Reinhart auch hier, sich durch eine List zu befreien. Dies beweist auch noch einmal die Vergewaltigung Hersants, der Frau Ysengrins. Obwohl Reinhart ihr körperlich unterlegen ist, gelingt es ihm, sie zum Beischlaf zu zwingen. Die Aussage, dass Kraft gegen List nutzlos ist, wird in diesem Teil sehr schön zum Ausdruck gebracht.
3 Heinrich der Glîchezâre: „Reinhart Fuchs“, a.a.O., Vers 396
4 Heinrich der Glîchezâre: „Reinhart Fuchs“, a.a.O., Verse 397 - 401
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Im zweiten Hauptteil, dem umfangreichsten Part der Erzählung, geht es um die Gerichtsverhandlung. Reinhart werden diverse Delikte angekreidet, doch der Angeklagte erscheint nicht zum Gerichtstag. Mehrere Ti ere, unter ihnen Brun der Bär, Scantecler und Ysengrin, klagen Reinhart an. Doch durch windige Ausreden, beispielsweise eine Pilgerfahrt, gelingt es Reinhart, vom Hoftage fern zu bleiben. Als er dann doch erscheint, gibt sich der Fuchs als Arzt aus und beweist einmal mehr seine List und Tücke. Er schafft es sogar zum Ende der Geschichte, als mehrere Urteile gefällt und viele Tiere, wie das Kamel und der Elefant, betrogen wurden, als Sieger da zu stehen. Allgemein kann gesagt werden, dass Heinrich der Glîchezâre den Fuchs als listiges, kluges, aber auch im richtigen Moment besiegbares Wesen darstellt. Denn die Szene mit der Meise oder mit dem Kater beweisen, dass auch Reinhart nicht unfehlbar ist. Trotz dieser kleineren Schwächen wird Reinhart als schlau, listig und böse dargestellt. Ein Wandel seines Charakters findet in der gesamten Erzählung nicht statt.
2.1) Intentionen des Autors und Entstehungsgeschichte
Beim vorliegenden Text von Heinrich dem Glîchezâre handelt es sich unter allen Umständen um keine Geschichte für Kinder, wie man es vielleicht wie bei den im Folgenden ähnlichen Kinder- und Jugendgeschichten vermuten kann. Der Verfasser spricht mit dieser Geschichte die Lebensumstände in der Gesellschaft, in der er lebt, an. Nicht umsonst beginnt er sein Werk mit den Worten „Ditz buch heizet vuchs Reinhart / Got gebezzer vnser vart“ 5 , also „Dieses Buch ist nach dem Fuchs Reinhart benannt; möge uns Gott unsern Weg erleichtern“. Mit diesem ersten Satz macht der Autor bereits deutlich, dass es sich bei seinem Werk nicht um eine reine Geschichte, sondern um einen durchaus politisch angehauchten Text handeln muss. Im Gegensatz zur Kinder- und Jugendbuchliteratur möchte Heinrich der Glîchezâre mit seinem Werk die Zuhörer auf die Umstände im Staat und in der Gesellschaft aufmerksam machen. Es ist jedenfalls durch mehrere Forschungen bekannt, dass Heinrich der Glîchezâre höchstwahrscheinlich im elsässischem Raum gelebt haben muss und diese Geschichte als eine Auftragsarbeit, vielleicht für Dagsburger Grafen, verfasst hat. Er galt als belesener Mensch mit juristischen Kenntnissen. Dies ist auch deutlich in der
5 Heinrich der Glîchezâre: „Reinhart Fuchs“, a.a.O., Verse 1 - 2
Arbeit zitieren:
Jörn Finger, 2002, Die Rolle des Fuchses in der neueren Kinderliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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