Inhaltsverzeichnis:
1. Vorwort
2. Entwicklung der Selbstständigkeit in Deutschland
nach 1945
3. Wege in die Selbstständigkeit
4. „Paragraphendschungel“ Deutschland
5. Die „Ich-AG“ als neue Form der Selbstständigkeit
6. Aktuelle Tendenzen
7. Fazit / Schlusswort
8. Literatur
2
1.) Vorwort
Es ist der Traum eines jeden Arbeitnehmers, eines Tages sein „eigener“ Chef zu sein. Viele Möglichkeiten, diesen Traum zu verwirklichen, gibt es in einem industriell und wirtschaftlich sehr gut entwickelten Land wie Deutschland. Sei es nun die Gründung eines eigenen kleinen Betriebes im handwerklichen oder kaufmännischen Bereich oder die Übernahme eines sogenannten Franchise-Unternehmens, wie es beispielsweise der Fast-Food Riese McDonald`s in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland praktiziert hat. 1
Selbstständig zu sein bedeutet für viele Arbeiter gleichzeitig das Gefühl von Freiheit und Eigenständigkeit. Sie können ihr Gehalt variabel gestalten, ihre Arbeits- und natürlich auch Urlaubszeiten variabel bestimmen sowie entscheiden, welche und wie viele Mitarbeiter sie beschäftigen möchten. Natürlich birgt eine Selbstständigkeit in Deutschland auch immer ein Risiko, sowohl finanziell als auch in gesellschaftlicher Sicht. Sehr häufig kommt es vor, dass einst sehr erfolgreiche Unternehmer nach einem Konkurs gesellschaftlich nicht mehr anerkannt sind und ihren einst so angesehenen Status verloren haben.
Diese vorliegende Arbeit soll zunächst einen Überblick über die Entwicklung der selbstständigen Betriebe in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg geben und anschließend auf sehr anschauliche Weise darstellen, welche Möglichkeiten es in Deutschland gibt, sich selbstständig zu machen. Parallel und kritisch dazu sollen aber auch im Kapitel 4 („Paragraphendschungel Deutschland“) die vielen im Vorfeld bereits zu erledigenden Formalien erläutert werden, die bei vielen potentiellen Unternehmern abschreckend wirken. Im Anschluss daran soll eine neue Form der Selbstständigkeit in Deutschland vorgestellt werden, nämlich die „Ich-AG“. Aktuelle Tendenzen und ein Fazit sollen diese Arbeit abrunden.
1 Vgl. Homepage des Unternehmens: www.mcdonalds.de
3
2.) Die Entwicklung der Selbständigkeit in Deutschland
nach 1945
Der zweite Weltkrieg brachte dem Deutschen Volk sehr viel Unheil und Zerstörung. Viele zuvor mühsam aufgebaute Ladenlokale, Geschäfte oder Dienstleistungsbetriebe, wie die beispielsweise im Dritten Reich sehr beliebten Sattler, wurden in den Kriegsjahren komplett ruiniert. „Im Mai 1945 gab es in Deutschland keinen einzigen Selbstständigen mehr“ 2 schrieb der bekannte Historiker und ZDF-Dokumentarfilmer Guido Knopp in einem seiner vielen Geschichtsbüchern, und er hatte mit dieser Aussage sämtliche statistische Werte aus dieser Zeit zusammengefasst. Nach dem zweiten Weltkrieg fehlte es in Deutschland nicht an potentiellen Existenzgründern, sondern am Kapital. Der Aufbau eines eigenen Geschäfts oder einer eigenen Dienstleistungsfirma benötigte damals wie heute sehr viel Kapital, welches allerdings in den Nachkriegsjahren bei allen Menschen sehr knapp war. So ist es auch relativ einfach zu erklären, dass bis zu Beginn der 1950er Jahre kaum Existenzgründungen in Deutschland zu verzeichnen sind. Viele Menschen ließen sich in den von den Besatzungsmächten in das Land gebrachten Großfirmen wie beispielsweise Ford beschäftigen und sparten ihr Gehalt.
Mit dem Beginn des Wirtschaftswunders 1953 stieg auch schlagartig die Zahl der Existenzgründer an. Allein 1954 konnten in Deutschland 1439 neue Existenzgründungen verzeichnet werden, eine für damalige Verhältnisse mehr als überdurchschnittliche Zahl 3 . Der Grund hierfür auf mehrere positive Faktoren zurück zu führen: Während 1953 und 1954 die ersten Nachkriegs-Studierende ihre Abschlüsse von den Hochschulen erhielten und somit sehr gefragte Fachkräfte bei Unternehmensgründungen waren, konnten sich einige Arbeitsnehmer in großen Unternehmen soviel Kapital
2 Knopp, Guido: „Die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges auf die Deutsche Wirtschaft“, Opladen
1999
3 Radebeul, Hubert: „Existenzgründungen in Deutschland“, Basel 1965
4
zusammensparen, dass sie das Risiko eingingen, sich selbstständig zu machen. Mit dem nun wieder vorhandenen Know-how aus den Hochschulen und dem vorhandenen Kapital erfuhr die Selbstständigkeit in Deutschland in den 1950er Jahren ihren ersten großen Boom. Es entstand eine Art positiver Wirtschaftskreislauf: Die vielen neuen Unternehmen spülten kräftig Steuereinnahmen in die Haushaltskassen des Bundes, der diese Einnahmen wiederum in Projekte wie den Ausbau der Autobahnen oder der städtischen Infrastruktur steckte 4 . Das Wirtschaftswunder in Deutschland war im vollen Gange.
Doch die stetig wachsende Zahl an Unternehmen brachte auf dem Deutschen Markt auch viele bis dato unbekannte Probleme. Hubert Radebeul, ein bekannter Historiker und Wirtschaftswissenschaftler aus der Schweiz, schrieb einst in seinem 1969 veröffentlichten Aufsatz „Deutschlands Wirtschaft im Teufelskreis“: „Konkurrenzdenken, so lautet die neue Gefahr für Deutschlands Wirtschaft. War es in den Wirtschaftswunderjahren noch vollkommen gleich, ob es in einer Straße zwei oder fünf Fleischer gab, so kann heutzutage nur noch einer von ihnen überleben.“ 5 Damit erfasste er das aufkommende Problem des Überangebots in Deutschland. Die Existenzgründungen nahmen bis Mitte der 1960er Jahre stetig zu, viele Deutsche erkannten die Möglichkeit, ihr eigener Chef zu sein und eine sichere Einnahmequelle zu schaffen. Doch das Überangebot forderte auch erste Opfer. Nicht nur bedingt durch die Wirtschaftskrise zu Beginn der 1970er Jahre mussten fast 40 Prozent aller Kleinunternehmer, darunter waren vor allen Dingen die sogenannten „Tante Emma Läden“ zu fassen, ihr Geschäft entweder schließen oder an große Konzerne verkaufen. 6
4 Teichmann, Gerhard: „Straßenbau in Deutschland“, Hamburg 1976
5 Radebeul, Hubert: „Deutschlands Wirtschaft im Teufelskreis“, Basel 1969
6 Blotevogel, Hans-Heinrich: „Handels- und Dienstleistungsgeographie“, Duisburg 2001
5
Arbeit zitieren:
Jörn Finger, 2003, Die Entwicklung der betrieblichen Selbstständigkeit in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung der neuen Form der 'Ich-AG', München, GRIN Verlag GmbH
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