Inhaltsverzeichnis
Seite :
1 Satellitenkommunikation für die mobile Informationsgesellschaft 2
1.1 Ziele dieser Arbeit 2
2 Eine Idee zu einer bestimmten Zeit 3
2.1 Die soziokulturelle Situation zur Entstehungszeit von Iridium 3
2.2 Eine Vision zur Jahrtausendwende 5
3 Technische und wirtschaftliche Grundlagen 6
3.1 Die Satelliten und ihre Umlaufbahnen 6
3.2 Zeitverzögerungen 8
3.3 Konstellationen 9
3.3.1 Die besondere Konstellation der Iridium-Satelliten 9
3.4 Der mobile Telefonapparat zum Iridium-Netz 11
3.4.1 Erwerbs- und Betriebskosten 12
3.5 Wirtschaftliche Organisation 12
3.5.1 Die Konkurrenzsituation um 1996 13
3.5.2 Wirtschaftliche Ziele 14
4 Der Markt und die Marktforschung 14
4.1 Vor- und Nachteile der Satellitentelekommunikation für den Kunden 14
4.2 Marktforschung und Zielgruppe 17
5 Der Misserfolg wäre vorhersehbar gewesen 17
5.1 Iridium: Weder markt- noch konkurrenzfähig 18
6 Ein Wunsch der Gesellschaft oder nur der Industrie? 20
7 Die Projekt-Geschichte: 21
Eine Zusammenfassung von der Entstehung
bis zum Niedergang des Iridium-Projekts
8 Unterschiedliche Aussichten 32
f ür die weltweite Satellitenmobiltelekommunikation
9 Arbeitsweise, Recherche 33
Literaturverzeichnis
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1 Satellitenkommunikation für die mobile Informationsgesellschaft
Der Grundgedanke der Mobiltelekommunikation war von Anfang an, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, mit seiner Umwelt in Kontakt zu bleiben, währenddem er auf dem Land, über Wasser oder in der Luft unterwegs ist. In der Gesellschaft der Jahrtausendwende ist diese Idee zu einem allgegenwärtigen Wunsch geworden. Immer häufiger reist man umher, und geht trotzdem gerne den Alltagsaufgaben nach.
Mobilität und Kommunikation sind zu den eigentlichen Merkmalen der westlichen Gesellschaft um die Jahrtausendwende geworden. Mit Iridium entstand inmitten der achziger Jahre ein Projekt, welches mit einem weltumspannenden Satellitennetz die Kommunikationsprobleme der Weltgemeinschaft lösen sollte. Für ein paar wenige Jahre wurde dieses Konzept zur Realität, bis Iridium 1999 finanziell scheiterte, und der Service später weltweit eingestellt werden musste. 66 Satelliten im Wert von 17 Milliarden US-Dollar mussten abgeschaltet werden - die Schulden betrugen 4,4 Milliarden US-Dollar. Iridium gilt seither als das grösste wirtschaftliche Fiasko der Telekommunikationsindustrie und eine der teuersten Pleiten der Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Auch viele Mitkonkurrenten sind inzwischen gescheitert, oder haben ihre Visionen nur zu einem Bruchteil verwirklichen können.
Auch nach der Jahrtausendwende fehlt eine einheitliche konsumtaugliche Lösung, welche die gesamte Welt telekommunikativ verbindet. Vielleicht ist eine solche globale Lösung aber gar nicht gewünscht und vielleicht reichen die unzähligen lokalen Systeme auch für die Zukunft problemlos aus.
Dennoch ist klar, dass ohne die revolutionären - und wahrscheinlich verfrühten - Innovationen vom Iridium-Projekt, die Welt von vielen telekommunikationstechnischen Zielen noch viel weiter entfernt wäre (Richaria 432).
1.1 Ziele dieser Arbeit
Folgende Arbeit soll auf die noch junge Geschichte des Iridium-Projekts eingehen. Neben detaillierten technischen Erläuterungen und ökonomischen Fragestellungen kann m an das Projekt auch als Phänomen einer bestimmten Zeit betrachten - denn neben grossen ökonomischen Interessen zeigen sich am Iridium-Projekt auch viele idealistische Weltvisionen auf, die die gesellschaftliche Situation - insbesondere in der westlichen Weltwiederspiegelt. Gerade jene idealistischen Visionen mögen zu jener Zeit der Projektleitung die Augen vor der wirtschaftlichen Realität verdeckt haben.
Zentral ist die Behauptung, dass der Projektzusammenbruch hätte vorhersehbar sein sollen.
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Dies ist im Rückblick natürlich einfach darzustellen, doch scheinen die vielen Warnsignale in den 90er-Jahren überdeutlich gewesen zu sein.
Die Idee zum 'eingeschobenen Anhang' ist erst während der Erarbeitung entstanden, da bei der Literaturrecherche klar wurde, d ass scheinbar noch keine wirtschaftsgeschichtliche Zusammenfassung zum Iridium-Projekt besteht. Gerade aber der chronologoische und detaillierte Ablauf des Projekts scheint mir für die Behauptung und das Verständnis zur Argumentation als essentiell. Dafür wurde eine Aufzeichnung erstellt, wofür Informationen aus diversen Quellen bezogen, verglichen und teils angepasst wurden. Diese beginnt im Abschnitt 7 und behandelt die Jahre 1985 bis 2001. Es empfiehlt sich eine wechselseitige Leseweise, da einem diese D aten immer wieder zur Einordnung der technischen und wirtschaftlichen Fakten im geschichtlichen Ablauf verhelfen mögen.
2 Eine Idee zu einer bestimmten Zeit
Damit eine Idee für ein solches Projekt überhaupt entstehen und danach heranreifen konnte, braucht es grundlegende zeitbezogene Voraussetzungen. Nur schon, dass der Wunsch bei einem Motorola-Mitarbeiter auf den Bahamas (siehe Abschnitt 7) im Jahre 1985 aufkommen konnte, und dass er auch von der Geschäftsleitung als zukunftsweisend erachtet wurde, bedurfte es Voraussetzungen technischer aber auch gesellschaftlich zeitbezogener Art. Einerseits wird sicherlich die Zeit der technischen Forschung und Weiterentwicklung dafür reif gewesen sein.
Dass aber 1985 eine Idee entsteht, und einem Unternehmen zu einem Pioniers-Projekt verhilft, bedarf es Voraussetzungen, die mindestens teilweise im Zusammenhang mit dem Gesellschaftscharakter der 80er und 90er-Jahre zu sehen sind.
2.1 Die soziokulturelle Situation zur Entstehungszeit von Iridium
Die 80er-Jahre gaben die Voraussetzungen für die Idee. Aber erst die 90er-Jahre liessen das Projekt in solch grossen Dimensionen heranwachsen. Besonders der Fall des Eisernen Vorhangs, die immer grösser werdende Bedeutung der Kommunikation (Informations- und Kommunikationsgesellschaft) und der offensichtlich gewordene Trend zur Globalisierung in den 90er-Jahren müssen dem Projekt und der Motorola-Geschäftsleitung den nötigen Antrieb gegeben haben.
Bestimmt ist an der Behauptung etwas Wahres, dass die Satellitentelekommunikatio ninsbesondere das Satellitenfernsehen - einen kleinen Einfluss zum Fall des Eisernen Vorhangs gehabt hat. Schon vor 1989 war es den Menschen in der DDR möglich, mit Satellitenempfang
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verführerische Einblicke in die bisher verschlossene westliche Welt zu erhalten. Dasselbe wiederholt sich nun mit dem Internet, welches beispielsweise für die Chinesischen Staatssicherheitsdienste immer wieder erhebliche Schwierigkeiten verursacht. Als mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 die Zeit des Kalten Krieges vorüber war, entstanden im Westen viele idealistische Gedankenbilder, die Welt zu einer Einheit zusammenführen zu wollen. Nicht nur in Deutschland entstand ein neues Kommunikationsbedürfnis, welches sich über alle Grenzen hinweg setzen sollte. Gerade mit der Satellitentechnologie verbundene Menschen sahen sich sehrwahrscheinlich noch gestärkt, mit weiteren Innovationen bekannt zu werden, der Weltgemeinschaft gleichzeitig aber auch Gutes zu tun. Neben wirtschaftlichen Zielen haben sicherlich viel Idealismus der Projektleitung zum Antrieb verholfen - diese aber in vielen Hinsichten auch blind gemacht. Die im Abschnitt 2.3 zitierte Aussage von Robert A. Nelson aus dem Jahre 1998 ist wohl eine späte Aussage seiner schon jahrzehntelang gehegten Vision, die sich zukünftig mit Iridium verwirklichen sollte.
Der Ausdruck 'Globalisierung' - inzwischen ein abgenutzter und polarisierender Ausdruck, heute immer noch ein idealistischer Mythos aber auch ein Schimpfwort - war erst gerade in Mode gekommen. Globales Denken setzte schon ab den frühen 80er -Jahren ein, und erlebte nach dem Fall der Mauer bis Mitte der Neunziger Jahre weiteren Aufschwung. In folgender adaptierter Brockhaus-Definition lässt sich das Iridium-Projekt ideal einbetten: Globalisierung kann als Bezeichnung für die Entstehung weltweiter Märkte gesehen werden. Darunter versteht man die zunehmende Internationalisierung des Handels, der Finanz-, Waren- und Dienstleistungsmärkte (hierzu zählt sich auch Iridium), sowie die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften. Der Globalisierungsprozess wird vor allem durch neue Technologien im Kommunikations-, Informations- und Transportwesen, neue Organisationsformen der betrieblichen Produktionsprozesse sowie Liberalisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen in vielen Ländern vorangetrieben. Hauptakteure sind natürlich die multinationalen Unternehmen. (www.brockhaus.de)
Ein bedeutendes Symbol der Globalisierungskraft ist das WEF. Dieses wurde 1987 als 'European Management Symposium' in 'World Economic Forum' umbenannt. Oberstes Ziel dieses Forums war es damals, eine globale Gemeinschaft zu bilden, und die weltweite Vernetzung zwischen den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien voranzutreiben. (www.weforum.org)
Das Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende ist geprägt von einer ständigen Steigerung des Informationsangebotes und der Informationsnachfrage. Häufig wird von einer eigentlichen Informations- oder Kommunikationsgesellschaft gesprochen. Nahezu jeder Haushalt ist mit
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mindestens einem Telefonanschluss ausgestattet. Die Einführung von TV - Videotextseiten, der enorme Wirtschaftszweig der mobilen Telekommunikation, und nicht zuletzt der allgegenwärtige Zugang zum Internet sind Zeichen für den wachsenden Markt der Informationen. Gerade wegen d iesen damals noch unvorhersehbar boomenden Kommunikationsbranchen ist Iridium später unter Druck gekommen.
2.2 Eine Vision zur Jahrtausendwende
Die Entwickler des Iridium-Satellitenmobilfunksystems hatten sicher in erster Linie wirtschaftliche Interessen. Gleichzeitig nährte aber auch eine zeitgenössische Globalisierungs-Ideologie in Verbindung mit technischem Ehrgeiz die Antriebskraft, um ein solches Projekt zu verwirklichen:
Millionen von Menschen auf der Welt waren (und sind) noch nicht durch die Systeme der terrestrischen Kommunikation erreicht worden. Durch die Satellitensysteme sollte es möglich werden, zu haltbaren Kosten und auch bei nicht so gut ausgebildeter Infrastruktur, alle Länder auch in den entlegensten Gebieten der Erde zu bedienen.
Dr. Robert A. Nelson, Präsident der 'Satellite Engeneering Research Corporation' beschrieb in der amerikanischen Fachzeitschrift 'Via Satellite' den Start von Iridium folgendermassen. Für die heutigen Kritiker der Globalisierung in einer viel zu begeisterten Haltung:
"As consumers sign up for satellite mobile telephony service, the utility and competitive advantage will become apparent. Information will flow more freely, the world will grow still smaller, and economies around the world will be stimulated. There will also be a profound effect on geopolitics and
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culture. Just as satellite television helped bring down the Berlin Wall by the flow of pictures and information across international boundaries, the dawning age of global personal communication among individuals will bring the world together as a single family (Nelson 1998)."
3 Technische und wirtschaftliche Grundlagen
Im Abschnitt 3 werden die nötigen technischen und ab 3.6 auch die ökonomischen Grundlagen erklärt, welche für das Gesamtverständnis vorausgesetzt werden müssen: Im folgenden Zusammenhang dient ein Satellit als Übertragungsmedium zur Telekommunikation. Ein Satellit kann ein Signal von einer Sendestation auf der Erdoberfläche empfangen, dieses verstärken und es dann an alle Stationen auf der Erde weiterleiten, die auf den Satelliten ausgerichtet sind und seine gesendeten Daten empfangen können. In diesem Sinn ist der Satellit nichts anderes als eine Art Relais, als Zwischenstation zur Verteilung und Weiterleitung von Signalen (Duden 5 1990: 672). Mehr als 20 Jahre sind vergangen, seit die Techniker der amerikanischen Firma Bell Labs gezeigt haben, dass die Mobilfunktechnologie auch dazu genutzt werden kann, den Service der Mobilfunkkommunikation einer breiten Masse nützlich zu machen. Im Jahre 1962 wurde das erste Telefongespräch mit einem Satelliten über den Atlantik getragen. Heute im 21. Jahrhundert, expandiert die Telekommunikationsindustrie in immer höherem Masse. Das durchschnittliche Durchgangsvermögen beträgt etwa 120'000 Verbindungen gleichzeitig. (Lexikon: 812) Aufgrund des hohen Potentials der Satellitentelekommunikation begann sich die Aufmerksamkeit verschiedener Telefonanbieter in den neunziger Jahren verstärkt auf sie zu richten. Bereits 1994 waren 108 Satelliten für die Telekommunikation rund um den Erdball im Einsatz (www.gsmbox.de). Die Satellitentelefonsysteme bieten sich als Netz zur globalen Kommunikation an, um unabhängig vom Standpunkt des Nutzers und der zur Verfügung stehenden traditionellen Netze digitale Dienstleistungen wie Daten, Fax, Paging etc. zu liefern.
3.1 Die Satelliten und ihre Umlaufbahnen
Sogenannte 'GEO-Satelliten' mit geostationärer Bahn (Geosynchronous Earth Orbit) sind in einem Abstand von rund 36.000 km von der Erde an einer festen Position über der Äquatorlinie positioniert. Der Sender und Empfänger auf der Erde kann mit Parabolantennen dauerhaft auf den Satelliten ausgerichtet werden. Geostationäre Satelliten sind aber anfällig auf Pannen und kosten entsprechend viel.
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Die Raumfahrttechnologie hat darum Satelliten entwickelt, die näher an der Erdoberfläche kreisen. Diese sind weniger anfällig, gestatten den Gebrauch von sogenannten Handheld-Terminals und reduzieren die Kosten, die anfallen, wenn man einen Satelliten in die Umlaufbahn bringt. Diese Arten von tiefen Satelliten-Umlaufbahnen werden LEO, MEO oder HEO genannt.
Die LEO-Satelliten (Low Earth Orbit) umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 500 bis 2000 Kilometern über der Erdoberfläche und umrunden die Erde in etwa 100 Minuten. Mit einem einzelnen dieser Satellitenart ist die Kommunikation von der Erdoberfläche aus nur für etwa zehn Minuten möglich. Nach dieser Zeitspanne muss ein nächster Satellit die Verbindung übernehmen. Um die vollständige und durchgehende Abdeckung der gesamten Erdoberfläche zu gewährleisten, ist es nötig, Konstellationen von 25 bis 75 Satelliten zu installieren.
LEO-Satelliten werden in 'Big- LEO's und 'Little-LEO's kategorisiert, je nach der Frequenz, die sie zu verarbeiten vermögen. Big LEO's arbeiten mit Frequenzen unter und über 1 GHz. Little LEO's kommunizieren nur mit Frequenzbereichen unter 1 GHz (Iida 23). Zur Art der 'Big LEO'-Satelliten gehören auch die Iridium-Satelliten, welche in einer Höhe von 780 Kilometern einen schwebenden Mantel um die Erde bilden. Diese haben ein Gewicht von 689 Kilo, sind 4.6 Meter hoch und generieren mit ihren Solarzellen eine Stromleistung von 1'200 Watt (Iida 1997: 26).
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Arbeit zitieren:
Alec Wohlgroth, 2002, IRIDIUM Satelliten-Mobiltelekommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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