Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG 1
1. KOHLBERGS GRUNDANNAH MEN DER MORALERZIEHUNG 2
2. DIE DILEMMADISKUSSION 4
2.1. DIE DILEMMADISKUSSION ALS FÖRDERUNG MORALISCHER URTEILSFÄHIGKEIT
IM UNTERRICHT 5
2.2. UMFRAGE EINER 6., 10. UND 12. KLASSE DES GYMNASIUMS 6
3. FAZIT 9
4. LITERATURVERZEICHNIS 10
5. ANHANG I
5.1. DILEMMA BEISPIEL I
5.2. UMFRAGE-BOGEN II
5.3. MÖGLICHER ABLAUFPLAN III
5.4. DILEMMADISKUSSIONEN IM RELIGIONSUNTERRICHT IV
5.5. ZEITUNGSARTIKEL V
0. Einleitung
In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit der Dilemma-Methode Kohlbergs und ihrer Anwendung in der Praxis beschäftigen. Dabei werde ich versuchen zu klären, ob die Dilemma-Methode im normalen Schulunterricht einsetzbar ist und auf welche Weise sie durchgeführt werden sollte.
Als erstes möchte ich die Grundlagen Kohlbergs Moralerziehung vorstellen, um Hintergründe seiner Ideen zu verdeutlichen. Danach werde ich die Dilemmadiskussion erläutern, mit ihrer Entstehung und Zielsetzung und in einem weiteren Punkt speziell auf die Dilemmadiskussion als Unterrichtsmethode eingehen. Mit eigenen Erfahrungen, die ich in einer Umfrage mit einer 6., 10. und 12. Klasse des Gymnasiums gemacht habe, möchte ich versuchen die Möglichkeiten der Umsetzung in Schule und anderen pädagogischen Handlungsbereichen auszuwerten.
Diese Umfrage auf der Grundlage des „Moral Judgement Interviews“ 1 Kohlbergs, soll in dieser Hausarbeit jedoch nicht dazu dienen, die Urteilsfähigkeit der Schüler zu testen und zu analysieren, sondern sie soll meine Erfahrungen zu der Umsetzung der Dilemma-Methode im Unterricht widerspiegeln.
1 Erläuterungen auf Seite 3.
1
1. Kohlbergs Grundannahmen der Moralerziehung
Der amerikanische Psychologe und Pädagoge Lawrence Kohlberg vertritt den strukturgenetischen Ansatz nach Piaget. Mit dem Hintergrund dieses kognitiven Entwicklungsmodells geht er davon aus, dass der Mensch ein erkennendes und selbstreflektierendes Wesen ist. Das Denken entwickelt sich d emnach in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Hindernisse und Probleme in der Umwelt eines Menschen sind Anregungen, um die geistige Herangehensweise zu ändern und damit das Denken zu fördern.
„Die Hauptaufgabe der Erziehung ist es danach, moralische Erfahrungs- und
Verarbeitungsprozesse zu stimulieren und es dem Kinde zu erleichtern, seine
2 Entwicklung selbst voranzubringen. “
Nach Kohlberg vollzieht sich die Moralentwicklung in 6 Stufen. Die Stufen beschreiben kognitive Strukturen die zunehmend differenzierter und umfassender werden. Vor allem in d er sozialen Perspektive soll sich der Blickwinkel vom Individuum (präkonventionelles Niveau) über die Gruppe (konventionelles Niveau) zur idealen Allgemeinheit (postkonventionelles Niveau) ausweiten. Wie man i n Abbildung 1 sehen kann, befinden sich auf jedem dieser 3 unterschiedlichen Niveaus 2 Stufen, wobei die zweite Stufe jeweils die fortgeschrittenere ist. 3
(Hanold, Marita / Klink, Wolfgang u.a.: Demokratische Erziehung in Unterricht und Schulleben. Heft zum Projekt „Erziehung durch
Demokratie“ des Staatlichen Schulamts Reutlingen 2001. S. 50)
2 Oser, Fritz / Althof, Wolfgang: Moralische Selbstbestimmung: Modelle der Entwicklung und Erziehung
im Wertebereich. Stuttgart 1992. S. 103
3
2
Um seine Stufentheorie überprüfen zu können, entwickelte Kohlberg auf dieser Grundlage das „Moral Judgment Interview“ (MJI) als Untersuchungsinstrument für die moralische Urteilsfähigkeit. In diesem Tiefeninterview werden die Befragten mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Diese Probleme werden in Form eines moralischen Dilemmas vorgestellt. In diesen Dilemmata sollten zwei oder auch mehrere moralische Prinzipien aufeinander treffen, die miteinander unvereinbar sind. 4 Der Befragte wird somit vor eine sehr schwierige Entscheidung gestellt, in der man, egal wie man entscheidet, ein moralisches Prinzip, das man selbst für wichtig hält verletzen muss. 5
Nachfragen des Interviewers sollen dazu dienen, den Befragten die Möglichkeit zu bieten ihre Entscheidungen und Bewertungen genauer und deutlicher zu formulieren und diese erneut zu überdenken. Durch die Konfrontation mit der Aussage, die sich eine Stufe über der Begründung des Befragten befindet, soll der Befragte dazu gebracht werden, seine Entscheidung auch zu „erhöhen“. Dieses Arbeiten unter Berücksichtigung der Stufen wurde vor allem durch seinen Schüler Moshe Blatt (1986) durchgeführt und nennt sich die „Plus-eins-Konvention“. So wurde das „Moral Judgement Interview“ nicht nur als Untersuchungsinstrument verwendet, sondern auch als Förderung der moralischen Urteilsfähigkeit eingesetzt. Kohlberg befasste sich in seiner Theorie der Moralentwicklung vordergründig mit dem Aspekt der Gerechtigkeit. In seinen weiteren Forschungen und Versuchen die Theorie in das Praktische umzusetzen entwickelte er die Idee der „Just Community“, der gerechten Gemeinschaft, die immer mehr der Kern seiner Theorie wurde. Denn moralische Entwicklung k ann seiner Meinung nach am besten durch eigenes moralisches Handeln und Entscheiden gefördert werden und Demokratie durch Praxis der Demokratie erfahren werden.
Unterrichtsgespräche in Form einer Dilemmadiskussion sind nicht das Resultat seiner Forschungen, wie häufig behauptet wird, sondern eigentlich nur ein Nebeneffekt oder besser gesagt eine Behelfslösungen auf dem Weg in die „Just Community“. 6
Die Umsetzung der Theorie in die Praxis fand zu Zeiten Kohlbergs also auf zwei unterschiedlichen Weisen statt. 1. mit der Dilemmadiskussion (als Behelfslösung) und 2. als eigentliche Idee Kohlbergs in der „Just Community School“. 7
4 Siehe auch Dilemma-Beispiel Anhang S. I
5
Moralische Entwicklung. Dilemmata.
LUNG/KohlbergDilemmata.shtml> (09.01.04)
6 Moralische Selbstbestimmung….a.a.O.
7 Kuhmerker, Lisa / Gielen, Uwe / Hayes, Richard L. : Lawrence Kohlberg. Seine Bedeutung für die
pädagogische und ps ychologische Praxis. München 1996. Seite 121.
3
Arbeit zitieren:
Cornelia Tietzsch, 2004, Die Dilemma-Methode Kohlbergs und ihre Anwendung in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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