Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1. 1
Descartes Erkenntnisziel und Methode 2. 2
2.1. Intuitiv erkannte Axiome 3
2.2. Der methodische Zweifel 5
2.3. Die Hypothese des malin génie 6
2.4. Die Bedeutung des cogito 8
2.5. Die Gottesbeweise 10
3. Kritik und Kartesischer Zirkel 12
Fazit 4. 14
Literaturverzeichnis 5 15
1
1. Einleitung
Mit Rene Descartes verbindet man nicht nur den Satz cogito, ergo sum und den Beginn der neuzeitlichen Philosophie. Im Besonderen gilt er als der Philosoph, der den Fragestellungen der Erkenntnistheorie auf dem als Rationalismus bezeichneten Wege zu einer universellen Antwort verhelfen wollte.
Jene Problematik, die - vereinfacht - die Fragen aufwirft, welches das tatsächliche Verhältnis von Mensch und Welt sei, und welches die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen der Erkenntnis seien 1 , waren für Descartes auch von maßgeblich praktischem Interesse. In vielseitigem Sinne Wissenschaftler und der scholastischen Tradition abgeneigt, war es sein Bestreben, allen Wissenschaften eine rational begründete sichere Basis und Methode zur Erkenntnisgewinnung zu verschaffen.
Auf den ersten Blick erscheint ein solches Unterfangen gegenüber empiristischen Theorien weniger nachvollziehbar. Zwar war die skeptische Auffassung, daß allein die sinnliche Wahrnehmung keine Gewißheit über Natur und Verhältnis von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt ermöglicht, schon seit der Antike begründet vertreten worden. Jedoch hat es erkennbar den außergewöhnlicheren Anschein, wenn der Lösungsversuch die Möglichkeit der sicheren Erkenntnis durch Sinneswahrnehmung nachhaltig verneint und vielmehr auf den Gebrauch der Vernunft als probates Mittel gründet. Es wird sichtbar, daß es Ziel dieser Arbeit sein soll, darzulegen, wie dieser besondere Lösungsversuch bei Descartes aussah, und welche Probleme dieser mit sich führt. Dabei wird vorab knapp auf die Frage einzugehen sein, wie seine Zielvorstellung und seine Auffassung von sicherer Erkenntnis sich auf die von ihm entwickelte Methode zur Gewinnung solcher auswirkte. Diese Methode soll anschließend an Hand der hierfür als zentral erachteten Passagen der cartesianischen Argumentation, namentlich dem ‚methodischen Zweifel‘, der
1 Vgl. Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein, Paderborn u.a. 1993, S. 20ff.; Artikel ‚Erkenntnistheorie‘, in: Metzler
2
‚Hypothese des malin génie‘, dem ‚ersten Prinzip‘ und der ‚Gottesbeweise‘ des Descartes verfolgt und untersucht werden. Denn zentral anhand dieser Argumentation soll gezeigt werden, warum der cartesianische Rationalismus in der Frage, ob eine sichere vernunftbegründete Erkenntnis möglich sei, letztendlich nicht über ein unsicheres Fundament hinaus gekommen ist. Die Tatsache, daß Descartes´ Konzeption unter diesen Gesichtspunkten nur in begrenzten Maße analog der zeitlichen Anfertigung seiner Texte erfaßt werden kann, läßt es hier sinnvoll erscheinen, die Untersuchung nicht strikt an die Chronologie seiner Werke zu binden.
2. Descartes‘ Erkenntnisziel und Methode
Wie angedeutet wollte Descartes ein Programm zu entwerfen, daß zum einen der wissenschaftlichen Praxis die Basis einer rational ermittelten, sicheren Erkenntnis verschafft, und zum anderen auch dafür sorgt, daß eine solche Praxis auch ausschließlich „unerschütterliche und wahre Urteile herausbringt“ 2 . Da dieses Ziel aller wissenschaftlichen Tätigkeit dienen sollte, mußte es sich also um eine elementare Theorie handeln, deren vernunftbegründete Grundlage und Methode vom theoretischen in den praktischen Raum hinein wirken kann.
Folglich sieht Descartes sich gezwungen zu zeigen, daß die Vernunft die Qualifikation zur Gewinnung absolut wahrer Erkenntnis innehat und, daß sie ein Vermögen zur praktischen Umsetzung besitzt. Voraussetzung dafür ist es, daß die Möglichkeit unbedingt wahrer, objektiv gültiger Urteile vorhanden ist. Descartes´ Kriterium für derartige Urteile liegt in der Evidenz, d.h. in der subjektiven
Philosophie Lexikon. Begriffe und Definitionen, hrsg. von P. Prechtl und F.-P. Burkard, 2. Aufl., Stuttgart, Weimar 1999, S. 147-149, S. 147.
2 Descartes, Rene: Regulae ad directionem ingenii/Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft, lat.-dt., in: ders.: Philosophische Schriften in einem Band, Hamburg 1996 (zukünftig zitiert: Reg.), Reg. I.
3
Unbezweifelbarkeit und unmittelbaren Einsicht in den beurteilten Sachverhalt. 3
2.1. Intuitiv erkannte Axiome
An dieser Stelle stellt sich zunächst einmal die Frage, wie eine solche Evidenz erreicht werden und auf welche Sachverhalte sie sich beziehen kann. Bereits in den Regulae macht Descartes deutlich, daß er den Methoden und Objekten der Geometrie und Arithmetik weit mehr Zutrauen als empirischen entgegenbringt, „weil nämlich sie allein mit einem so reinen und einfachen Objekt umgehen, daß sie gar nichts voraussetzen, was die Erfahrung unsicher machen wird, sondern ganz auf vernünftigen Deduktionen von Folgerungen
beruhen“ 4 .
Es wird deutlich, daß Descartes darauf abzielt, daß jegliches sicher Erkennbare - zumindest zunächst - nur an sehr einfachen Objekten erkannt kann. In der dritten Regel wird dies deutlicher, denn Gegenstand soll nur sein, „was wir in klarer und evidenter Intuition sehen oder zuverlässig deduzieren können“ 5 . Dabei gebürt der Intuition nach seinem Verständnis der Vorzug, denn sie ist „ein so müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes [...] und das, weil einfacher, deshalb
zuverlässiger ist als selbst die Deduktion“ 6 . Intuitiv erkannt werden können so z.B. die geometrische Beschaffenheit eines Dreiecks oder einer Kugel. 7 Solche intuitiven Einsichten oder Axiome sind grundsätzlich voraussetzungslos. Somit schafft die Intuition sowohl die Einsicht in das, was grundlegend ist, als auch die Erkenntnis, weshalb diese Einsicht grundlegend ist. 8
3 Vgl. Röd, Wolfgang: Descartes. Die Genese des Cartesianischen Rationalismus, 3. erg. Aufl., München 1995 (zukünftig zitiert: Röd: Descartes), S. 46.
4 Reg. II, 5.
5 Reg. III.
6 Reg. III, 5.
7 Vgl. Reg. III, 5.
8 Vgl. Prechtl, Peter: Descartes zur Einführung, Hamburg 2000 (zukünftig zitiert: Prechtl: Descartes), S. 40.
Arbeit zitieren:
Lars Plantholt, 2002, Die rationalistische Erkenntnistheorie des Rene Descartes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der methodische Zweifel René Descartes
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 15 Seiten
Rene Descartes - Die Methode und der Wert des Zweifelns
Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Hausarbeit, 15 Seiten
Kausale versus teleologische Erklärungen - Über den Ansatz von Georg H...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Erkenntnistheorie - Vergleich der Konzeptionen Humes und Kants
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 13 Seiten
Die Folgen des Rechtsbruches für das endliche Vernunftwesen in Fichtes...
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Ist der Schulsport geeignet, das nachschulische Sporttreiben vorzubere...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Seminararbeit, 19 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit, 12 Seiten
Erklären und Verstehen in den Sozialwissenschaften
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Gerhard Richters "18. Oktober 1977" und vom Umgang anderer K...
Hausarbeit (Hauptseminar), 45 Seiten
Donald Davidson - Können Gründe Ursachen von Handlungen sein?
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Zur Ikonographie der Geburt Christi in Dijon von Robert Campin
Seminararbeit, 16 Seiten
Anomaler Monismus als Lösung für das Leib-Seele-Problem?
Hausarbeit, 18 Seiten
Sinnliche Wahrnehmung (Aisthesis) und Denken (Noesis) - Abgrenzung ihr...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 24 Seiten
Die Entwicklung des Generalkapitels der Zisterzienserklöster
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Zu: John Locke "Über den menschlichen Verstand, II, Kapitel XXI: ...
Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Rene Descartes' Meditations on First Philosophy in Focus
Rene Descartes, S. Tweyman, Stanley Tweyman
Rene Descartes' Meditations on First Philosophy in Focus
Rene Descartes, S. Tweyman, Stanley Tweyman
0 Kommentare