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Inhaltsverzeichnis
1. Die Epoche des Mittelalters
2. Bedingungen des mittelalterlichen Alltagslebens
2.1 Lebensführung und gesellschaftliche Normen
2.2 Zeitgefühl
2.3 Klimatische Bedingungen, Krankheiten und Seuchen
2.4 Ernährungsgewohnheiten
2.5 Kleidung
2.6 Die Sprache des Hochmittelalters
2.7 Redensarten aus dem Mittelalter
3. Das Rittertum
3.1 Die Entstehung des Rittertums
3.2 Ideal und Wirklichkeit des Rittertums
3.3 Die Ausbildung zum Ritter
3.4 Schwertleite und Ritterschlag
3.5 Die Ritterrüstung
3.6 Der Ritterhelm
3.7 Das Wappen
4. Das Leben der Bauern
4.1 Die bäuerliche Familie
4.2 Bäuerliche Arbeit und Wirtschaft
4.3 Mittelalterliche Bauernhäuser
5. Burgen
5.1 Turmhügelburg und Turmburg
5.2 Die Bestandteile einer Burg
5.2.1 Die Wehrformen
5.2.1.1 Ringmauer und Haupttor
5.2.1.2 Bergfried
5.2.2 Die Wohngebäude
5.2.2.1 Turmhaus
5.2.2.2 Palas und Kemenate
5.2.3 Die Neben- und Wirtschaftsgebäude
5.3 Die Burgbewohner
5.4 Die Wohnverhältnisse auf einer Burg
5.4.1 Feuchtigkeit, Kälte und Dunkelheit
5.4.2 Wasserversorgung und Körperpflege
5.5 Die Belagerung und Verteidigung einer Burg
5.6 Burgen in der Pfalz
5.6.1 Die Burgengruppe „Dahner Burgen“
5.6.2 Burg Drachenfels
5.7 Bedeutungsverlust der mittelalterlichen Burg
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6. Feste, Unterhaltung und Freizeitbeschäftigungen
6.1 Festbankette
6.2 Mittelalterliche Musikinstrumente 6.3 Die Jagd 6.4 Das Turnier 6.5 Die Minne
7. Wandel und Niedergang des Rittertums
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1. Die Epoche des Mittelalters
Unter der Epoche des Mittelalters (lat. Medium aevum) versteht man den Zeitraum von etwa 500 bis 1500 nach Christus, die Zeit zwischen dem Altertum und der Neuzeit. Gewöhnlich setzt man den Beginn mit der Völkerwanderung (ca. 375 bis 568) bzw. dem Untergang des Römischen Reiches (476) gleich. Das Ende des Mittelalters wird durch mehrere epochale Ereignisse gekennzeichnet, die mit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert einsetzen. 1
2. Bedingungen des mittelalterlichen Alltagslebens
2.1 Lebensführung, Lebensräume und gesellschaftliche Normen
Der mittelalterliche Mensch war abhängig von natürlichen Bedingungen, gesellschaftlichen Normen und dem religiös geprägten Weltbild des Mittelalters. Der soziale Stand der Menschen, ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft und ihre Besitzverhältnisse beeinflussten die Lebenseinstellung, so dass innerhalb einer bestimmten Gruppierung relative Gleichförmigkeit herrschte. Durch die mittela lterliche Feudalherrscha ft war meist auch der Lebensraum vorbestimmt und durch eine bestimmte Gruppe von Menschen charakterisiert. Standesunterschiede wurden gewahrt und die Gesellschaft ließ nur wenig Freiraum zur individuellen Selbstverwirklichung und Individualität zu. Durch die Standeszugehörigkeit war man an einen mehr oder weniger festgelegten Lebensstil gebunden, der durch bestimmte Verhaltensweisen und Normen geprägt wurde. 2
2.2 Zeitgefühl
Die Lebensweise der Menschen im Mittelalter wurde weitgehend von der Natur bestimmt, die auch das Zeitgefühl stark beeinflusste. Der einfache Bauer orientierte sich nicht an Jahreszahlen und wusste nur selten, wann er geboren war. Den Jahreszeiten und dem Wechsel von Tag und Nacht sprach man dagegen eine weitaus größere Bedeutung zu. In der agrarisch strukturierten Gesellschaft nahm man den Jahreskreis ganz bewusst wahr: Das Bauernjahr orientierte sich dabei an Aussaat und Ernte und das Kirchenjahr an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und weiteren hohen Feiertagen. Der Winter stellte wohl die schwerste Jahrzeit dar, so dass der Frühling immer wieder ein elementares, befreiendes Erlebnis gewesen sein muss. Im Sommer wurde die Ernte eingebracht und
1 Vgl. Lexikographisches Institut: Lexikon der Büchergilde in 20 Bänden. Markt-Nativ. München: Büchergilde Gutenberg 1975, S.4054.
2 Vgl. Goetz, Hans-Werner: Leben im Mittelalter vom 7. bis 13. Jahrhundert. München: Verlag C.H. Beck, 1986, S.240ff.
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der Handel blühte auf, da die unbefestigten Straßen nun wieder befahrbar waren. Im Herbst mussten die Bauern ihre Abgaben leisten und auch Kriege wurden meist zu dieser Jahreszeit geführt. 3
2.3 Klimatische Bedingungen, Krankheiten und Seuchen
Auch die klimatischen Verhältnisse beeinflussten das Leben der Menschen im Mittelalter maßgeblich. Das Klima entschied über Ernten und somit über Hungersnöte, die weit verbreitet waren und Seuchen und Mangelerscheinungen verursachten. Da die Krankenpflege wenig entwickelt war und nur von Mönchen praktiziert wurde, konnte man Krankheiten meist nur mit Hilfe von Kräutern oder dem Aderlass heilen. Menschen, die an Lepra, Typhus, Pocken oder Cholera litten, wurden aus Angst vor einer Ansteckung oft aus der Gesellschaft ausgesondert. Krankheiten stellten oft auch die Folge mangelnder Hygiene dar, die Lebenserwartung war deshalb entsprechend niedrig und lag bei Männern im Durchschnitt bei 47 Jahren, während Frauen durchschnittlich ein Alter von etwa 44 Jahren erreichten. 4
2.4 Ernährungsgewohnheiten
Insbesondere in den Ernährungsgewohnheiten zeigten sich die sozialen Unterschiede der mittelalterlichen Gesellschaft. Die Essgewohnheiten der Bauern und Burgbewohner unterschieden sich in der Qualität und Menge der Nahrungsmittel. Auf der Burg bevorzugte man Schweine- und Rinderfleisch, das meist gekocht wurde, um seinen Nährwert zu nutzen. Die Bauern aßen ebenfalls Fleisch, das jedoch von alten Zugtieren stammte und deshalb sehr zäh schmeckte. Im Herbst schlachtete man das Vieh, um es im Winter nicht durchfüttern zu müssen, und das Fleisch wurde gepökelt oder gesalzen, um es haltbar zu machen.
Wichtigster Bestandteile des Essens war jedoch das Getreide, das in Form von Brot, Grütze, Brei, Bier, Fladen, Kuchen oder Semmeln verzehrt wurde. Der Burgherr bevorzugte Weißbrot, während sich die Bauern überwiegend von Schwarzbrot ernährten. In den Burggärten wurden Obst und Gemüse angebaut: Äpfel und Birnen wurden gekocht, Weintrauben zu Wein, Essig oder Branntwein verarbeitet, Obst zu Gelee, Konfitüre oder Sirup. Beeren, Hagebutten, Holunder, Bucheckern, Eicheln, Esskastanien und Nüsse aus dem Wald standen auch dem Bauern zu.
3 Vgl. Goetz, 1986, S.24ff.
4 Vgl. Goetz, 1986, S.24ff.
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Fisch stellte damals die klassische Fastenspeise dar. Fromme Christen fasteten an 70 Fastentagen im Jahr, an jedem Freitag und Samstag. An diesen Tagen war der Genuss von Fleisch, Geflügel und Milchprodukten untersagt und man durfte nur eine Mahlzeit pro Tag einnehmen. 5
Der Hafer- oder Hirsebrei war das wichtigste bäuerliche Nahrungsmittel und wurde aus zerriebenen Getreidekörnern hergestellt, die man mit Wasser oder Milch zubereitete. Aus geröstetem Getreidebrei entstand Fladenbrot. Neben Brei und Brot ernährten sich die Bauern von gekochtem Gemüse und tranken Wasser, Met oder Molken, bei Festveranstaltungen auch Bier, Apfelmost und Wein. Gemüse, Hülsenfrüchte, Hackfrüchte, Grünpflanzen und Obst wurden im eigenen Garten angebaut, Beeren und Nüsse im Wald gesammelt. Milch wurde zur Herstellung von Käse verwendet, der ebenfalls einen wichtigen Bestandteil der bäuerlichen Nahrung bildete. Alle Mitglieder der Bauernfamilie saßen an einem Tisch zusammen und bedienten sich mit der Hand oder einem Holzlöffel aus einer großen Schüssel. Das Geschirr bestand überwiegend aus Holz, Ton und Zinn. 6
2.5 Kleidung
Männer- und Frauengewänder unterschieden sich kaum voneinander. Man trug lange Untergewänder, die bis zu den Knöcheln reichten und darüber einen Überrock. Das Kleid des Mannes war knielang, darunter trug er eine Unterhose aus Leinen, an der die Beinlinge befestigt wurden. Adlige und bäuerliche Kleidung unterschied sich weniger in der Art der Bekleidung als in der Qualität der Stoffe. Ab dem 11. Jahrhundert wurden die Ärmel der Frauengewänder länger und weiter, die Kleidung mit Hilfe von Schnüren und Bändern immer figurbetonter und enger. Das Kleid reichte bis zum Boden, musste zum Gehen gerafft werden und besaß oft eine lange Schleppe. Auch die Ärmel erreichten fast den Boden. Männer bevorzugten nun ebenfalls bunte, mehrfach gemusterte oder gestreifte Gewänder mit langem Unterkleid und Rock, während die praktischen knielangen Kleider nur noch von Knechten und Bauern getragen wurden. Kleiderordnungen richteten sich gegen Bauern und schrieben ihnen vor, nur einfache Kleidung tragen zu dürfen, denn Kleidung besaß Statusfunktion. 7
Die bäuerliche Alltags- und Arbeitskleidung bestand aus einem Leibrock, einer Lendenbekleidung und einem Mantel aus Wolle oder Leinen. Die Männer trugen einen Rock mit langen Ärmeln, eine Hose, einen Kapuzenmantel aus Tierhäuten oder Wolle und Schuhe, die aus einem Stück Leder
5 Vgl. Goetz, 1986, S.29ff.
6 Vgl. Rösener, Werner: Bauern im Mittelalter. München: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1985, S.104ff.
7 Vgl. Goetz, 1986, S.193f.
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oder Holz gefertigt und durch Bänder, Schnüre oder Riemen zusammengehalten wurden. Die Frauen trugen längere Kleider und Faltenröcke, die bis zum Boden reichten. Die bäuerliche Bevö lkerung kleidete sich schlicht und unauffällig, da die geringen Einkünfte keine aufwändigen Ausgaben für Kleidung erlaubten und die Kleidungsstücke deshalb meist in den Bauernfamilien selbst angefertigt wurden. 8
2.6 Die Sprache des Hochmittelalters
Mittelhochdeutsch wurde im deutschen Sprachraum von ca. 1050 bis 1350 gesprochen. Minnesänger wie Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg und Walter von der Vogelweide bedienten sich einer mittelhochdeutschen Dichtersprache und auch das Nibelungenlied wurde in Mittelhochdeutsch verfasst. Es kann deshalb als „ritterlicher Kunstsprache“ 9 bezeichnet werden. Die Schreiber verwendeten unterschiedliche Schreibweisen, so dass mittelhochdeutsche Texte stark voneinander abweichen. Die mittelhochdeutschen Sprachlaute wurden mit Hilfe des lateinischen Alphabets schriftlich wiedergegeben, wobei nicht für jeden Laut ein entsprechender Buchstabe existierte, so dass einige Laute in verschiedenen Handschriften unterschiedlich wiedergeben wurden. Später entwickelte sich die so genannte Normalform des Mittelhochdeutschen, so dass Werke in vereinheitlichter Form entstehen konnten. Während zuvor nur Kleriker geistliche Werke in lateinischer Sprache verfassten, schrieben nun auch höfische Dic hter für ein Laienpublikum in mittelhochdeutscher Sprache. 10
2.7 Redensarten aus dem Mittelalter
Aus dem Mittelalter stammen viele Redensarten, deren Bedeutung sich zwar weitgehend gewandelt hat, die jedoch heute noch täglich benutzt werden, ohne dass wir darüber nachdenken, wie sie entstanden sind. Redewendungen sind meist bildhaft, dürften nicht wörtlich verstanden werden und man kann sie nicht ohne weiteres deuten, selbst wenn die einzelnen sprachlichen Bauteile der Redensart bekannt sind. Redewendungen weisen im Unterschied zu Sprichwörtern nicht die Form eines geschlossenen Satzes auf, sondern beruhen teilweise sogar auf grammatikalischen Verstößen und Wortruinen. Da Sprichwörter ursprünglich dem Bereich der gesprochenen Sprache zugeordnet und Bestandteil der Volk ssprache waren, existieren nur bruchstückhafte Überlieferungen von
8 Vgl. Rösener, 1985, S.96ff.
9 Vg l. Schmidt, Wilhelm (Hrsg.): Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 6. Auflage. Stuttgart / Leipzig: Wissenschaftliche Verlagsbuchhandlung, 1993, S.222.
10 Vgl. Schmidt, 1993, S.222ff.
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schriftlich dokume ntierten Redensarten, so dass man annehmen kann, das einige dieser Redensarten weitaus älter sind als ihre erstmalige schriftliche Fixierung. 11
auf dem hohen Ross sitzen
Diese Redensart meint, sehr eingebildet zu sein, und geht auf die ursprüngliche Unterscheidung zwischen Kampf-, Streit-, Kriegs-, Zug- und Frauenpfe rd im Mittelalter zurück. Der Begriff Ross implizierte, dass es sich um das Pferd eines hochrangigen Besitzers handelte. 12
etwas ausbaden müssen
Diese Redensart meint, die Folgen für etwas zu tragen, das man selbst oder ein anderer verschuldet hat. Im Mittelalter war es üblich, Badehäuser zu besuchen und sich mit mehreren Personen das Badewasser zu teilen, da warmes Wasser kostbar war. Der letzte Badegast musste den Bottich sozusagen „ausbaden“. 13
jemanden in Harnisch bringen
Diese Redensart bezieht sich darauf, jemanden sehr zornig zu machen. Der Be griff Harnisch bezeichnet im Mittelalter die militärische Ausrüstung eines Reiters. Im Mittelalter bedeutet die Redewendung deshalb, jemanden dazu zu bringen, sich zum Kampf zu rüsten bzw. einen Gegner dazu zu veranlassen zum Kampf anzutreten. 14
sich (für jemanden / etwas) ins Zeug legen
Diese Redensart meint, sich für jemanden / etwas einzusetzen. Im Mittelalter spannte man Ochsen und Pferden das Geschirr an, damit diese die schwere Last fortbewegen konnten. Die Redensart kann deshalb auf die Anstrengung der Zugtiere zurückgeführt werden, sich jedoch auch auf die gesamte Ausrüstung eines Re iters beziehen. 15
sich die Sporen verdienen
Diese Redensart meint, Anerkennung zu erringen und Erfolg zu haben. Im Mittelalter bezeichnete der Begriff Sporn das Fußeisen, das gegen den Körper des Pferdes gedrückt wurde, um es anzutreiben. Auch ein Ritter konnte ein Paar goldene Sporen erhalten, wenn er sie sich durch eine mutige Tat verdient hatte. 16
11 Vgl. Müller, Klaus (Hrsg.): Lexikon der Redensarten. München: Bertelsmann Verlag, 1994, S.6f.
12 Vgl. Müller, 1994, S.492.
13 Vgl. Müller, 1994, S.39.
14 Vgl. Müller, 1994, S.229.
15 Vgl. Müller, 1994, S.701.
16 Vgl. Müller, 1994, S.567.
Arbeit zitieren:
Kathrin Morawietz, 2005, Die Epoche des Mittelalters, München, GRIN Verlag GmbH
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