Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 8
2 Carl Rogers Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der zwischen-
menschlichen Beziehungen. 9
2.1 Die Entwicklung der Rogers-Theorie. 9
2.2 Aktualisierungstendenz 13
2.3 Die Bedeutung der Therapeuten-Klienten-Beziehung. 14
2.3.1 Kongruenz. 15
2.3.2 Bedingungslose Wertschätzung. 16
2.3.3 Empathie. 17
2.4 Psychotherapieforschung. 17
2.4.1 Gesprächspsychotherapieforschung. 17
2.4.2 Allgemeine Psychotherapieforschung. 19
3 Coaching. 22
3.1 Grundlagen des Coaching. 22
3.2 Coaching-Ansätze. 26
3.3 Qualität von Coaching 27
3.3.1 Coach-Klienten-Beziehung. 30
3.4 Aktueller Stand der Coachingforschung. 32
3.5 Coaching und Psychotherapie 34
3.5.1 Differenz und Konvergenz. 34
3.5.2 Personzentriertes Coaching 37
4 Arbeitszufriedenheit. 40
4.1 Die Motivationstheorie von Maslow. 41
4.2 Die Herzberg-Theorie. 41
4.3 Das Modell von Bruggemann. 41
5 Fragestellungen und Arbeitshypothesen. 43
5.1 Fragestellungen der Arbeit 43
5.2 Arbeitshypothesen. 45
6 Methodische Beschreibung der Untersuchung. 46
6.1 Verwendete Tests. 46
6.1.1 Inventar für Beziehungsverhalten (IBV) 46
6.1.2 Skala zur Messung von Arbeitszufriedenheit (SAZ) 48
6.2 Untersuchungsdesign. 49
6.2.1 Vorbereitung der Online-Befragung. 50
6.3 Untersuchungsfeld. 52
6.4 Auswertungsmethoden. 53
2
6.4.1 Skalenniveau der verwendeten Fragebögen. 54
6.4.2 Analyse fehlender Werte. 54
6.4.3 Verteilung des Zahlenmaterials. 55
6.4.4 Test zur Prüfung der Veränderungshypothese bezüglich der Arbeitszufrie-
denheit. 57
6.4.5 Test zur Prüfung der Korrelation zwischen Arbeitszufriedenheits-
veränderungen und Dimensionen des Beziehungsverhaltens 58
6.4.6 Festlegung des Signifikanzniveaus α. 59
7 Ergebnisse 60
7.1 Analyse der Bewertung des Beziehungsverhaltens beim Coaching 60
7.1.1 Beschreibung der verschiedenen Dimensionen des Beziehungsverhaltens
60
7.1.2 Geschlechtsunterschiede bei der Bewertung des Beziehungsverhaltens. 63
7.1.3 Zusammenhang zwischen Prozessdauer und Beziehungsverhalten. 64
7.2 Prüfung der Veränderungshypothese der Arbeitszufriedenheit vor und nach dem
Coaching. 64
7.3 Prüfung der Korrelation zwischen Arbeitszufriedenheitsveränderungen und
Dimensionen des Beziehungsverhaltens 68
7.3.1 Bivariate Analyse des Einflusses des Beziehungsverhaltens auf die Arbeits-
zufriedenheit. 68
7.3.2 Bivariate Analyse des Einflusses des Beziehungsverhaltens auf die „Ent-
faltung und Anwendung eigener Fähigkeiten“ 69
7.3.3 Einfluss der statusdiagnostischen Beziehungsverhaltensvariablen auf die
Arbeitszufriedenheitsver änderung. 70
7.3.4 Einfluss der statusdiagnostischen Beziehungsverhaltensvariablen auf die
Veränderung der „Entfaltung und Anwendung eigener Fähigkeiten“ 75
7.3.5 Einfluss der prozessdiagnostischen Beziehungsverhaltensvariablen auf die
Arbeitszufriedenheitsver änderung. 79
7.3.6 Einfluss der prozessdiagnostischen Beziehungsverhaltensvariablen auf die
Veränderung der „Entfaltung und Anwendung eigener Fähigkeiten“ 83
7.3.7 Berücksichtigung weiterer Einflüsse auf Veränderungen der Arbeitszufrie-
denheit 86
8 Diskussion der Ergebnisse 89
8.1 Kritische Betrachtung der Methoden. 89
8.2 Einordnung der Ergebnisse. 95
8.2.1 Das Beziehungsverhalten der Coaches aus der Sicht ihrer Klienten. 95
8.2.2 Bewertung der Arbeitszufriedenheit vor und nach dem Coaching. 96
3
8.2.3 Tendenzielle Auswirkungen von personzentriertem Beziehungsverhalten auf
die Veränderung der Arbeitszufriedenheit. 98
9 Fazit und Ausblick. 99
Literaturverzeichnis. 102
Anhang. 111
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Generic Model of Psychotherapy, nach Orlinsky Howard 1987.
Abbildung 2 Wirkfaktoren nach Asay Lambert, 2001, S. 49.
Abbildung 3 Systematisierung der unterschiedlichen Coaching-Varianten,
nach Heß Roth, 2001, S. 16.
Abbildung 4 Systemischer Coaching-Ansatz, nach Giglio, Diamante Urban,
1998, S. 97.
Abbildung 5 Elemente des Coaching, aus Riedel, 2003, S. 25.
Abbildung 6 Formen der Arbeitszufriedenheit, nach Bruggemann,
Grosskurth Ulich, 1975 vgl. Ulich, 2001, S. 138.
Abbildung 7 Fragestellung dieser Studie.
Abbildung 8 Normalverteilung SAZ-vor-dem-Coaching.
Abbildung 9 Normalverteilung SAZ-nach-dem-Coaching.
Abbildung 10 Normalverteilung Subskala-vor-dem-Coaching.
Abbildung 11 Normalverteilung Subskala-nach-dem-Coaching.
Abbildung 12 Normalverteilung Wertschätzung.
Abbildung 13 Normalverteilung Empathie.
Abbildung 14 Normalverteilung Selbstkongruenz.
Abbildung 15 Normalverteilung Akzeptationsbreite.
Abbildung 16 Normalverteilung Therapeut. Basisverhalten.
Abbildung 17 Normalverteilung Stabilität der Beziehung.
Abbildung 18 Mittelwerte Beziehungsverhaltensvariablen.
Abbildung 19 Box-Plots Beziehungsverhaltensvariablen.
Abbildung 20 Histogramm Wertschätzung.
Abbildung 21 Histogramm Empathie.
Abbildung 22 Histogramm Selbstkongruenz.
Abbildung 23 Histogramm Akzeptationsbreite.
Abbildung 24 Histogramm Therapeut. Basisverhalten.
Abbildung 25 Histogramm Stabilität der Beziehung.
Abbildung 26 Histogramm Beziehungsverhalten - Summe.
Abbildung 27 Box-Plots Gesamtarbeitszufriedenheit.
Abbildung 28 Box-Plots „Entfaltung und Anwendung eigener Fähigkeiten"
Abbildung 29 Prozentwerte SAZ und Subskala - jeweils vor und nach dem Coaching.
Abbildung 30 t-Test auf positive Veränderung SAZ und Subskala - jeweils vor und
nach dem Coaching.
Abbildung 31 Streudiagramm Beziehungsverhalten-Summe und
Veränderung SAZ.
Abbildung 32 Streudiagramm Beziehungsverhalten und Veränderung der Subskala.
5
Abbildung 33 Streudiagramm-Matrix aller Variablen Regressionsmodell 1a.
Abbildung 34 Regressionskoeffizienten Modell 1a.
Abbildung 35 Partielle Korrelation Veränderung SAZ - Wertschätzung.
Abbildung 36 Partielle Korrelation Veränderung SAZ - Empathie.
Abbildung 37 Partielle Korrelation Veränderung SAZ-Selbstkongruenz.
Abbildung 38 Partielle Korrelation Veränderung SAZ-Akzeptationsbreite.
Abbildung 39 Streudiagramm y-Werte und Residuen.
Abbildung 40 Normalverteilung Residuen.
Abbildung 41 Streudiagramm-Matrix aller Variablen Regressionsmodell 2a.
Abbildung 42 Regressionskoeffizienten Modell 2a.
Abbildung 43 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Wertschätzung.
Abbildung 44 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Empathie.
Abbildung 45 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Selbstkongruenz.
Abbildung 46 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Akzeptationsbreite.
Abbildung 47 Streudiagramm y-Werte und Residuen
Abbildung 48 Normalverteilung Residuen.
Abbildung 49Streudiagramm-Matrix aller Variablen Regressionsmodell 3a.
Abbildung 50 Regressionskoeffizienten Modell 3a.
Abbildung 51 Partielle Korrelation Veränderung SAZ - Therapeut. Basisverhalten.
Abbildung 52 Partielle Korrelation Veränderung SAZ - Stabilität der Beziehung.
Abbildung 53 Streudiagramm y-Werte und Residuen 3a.
Abbildung 54 Normalverteilung Residuen 3a.
Abbildung 55 Streudiagramm-Matrix aller Variablen Regressionsmodell 4a.
Abbildung 56 Regressionskoeffizienten Modell 4a.
Abbildung 57 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Therapeut.
Basisverhalten.
Abbildung 58 Partielle Korrelation Veränderung Subskala - Stabilität der Beziehung.
Abbildung 59 Streudiagramm y-Werte und Residuen 4a.
Abbildung 60 Normalverteilung Residuen 4a.
Abbildung 61 Korrelationen SAZ-, Subskalenveränderung mit weiteren Faktoren.
Abbildung 62 Tests auf Normalverteilung.
Abbildung 63 Univariate Statistiken SAZ und SAZ-Subskala.
Abbildung 64 Univariate Statistiken IBV.
Abbildung 65 t-Test Geschlechtsunterschiede Klienten IBV.
Abbildung 66 t-Test Geschlechtsunterschiede Coaches IBV.
6
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 „Persönliche und soziale Kompetenzen des Coaches" nach Heß und Roth,
2001, S. 5..........................................................................................................................28 Tabelle 2 „Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Coaching und
Psychotherapie", nach Rauen, 2003a..............................................................................36 Tabelle 3 Parameter Beziehungsverhaltensvariablen..........................................................60 Tabelle 4 Parameter SAZ und Subskala „Entfaltung und Anwendung eigener
Fähigkeiten".......................................................................................................................64 Tabelle 5 Vergleich aller 8 Regressionsmodelle..................................................................88
7
1 Einleitung
Die heutige Zeit ist gekennzeichnet durch Schnelllebigkeit und ständigen Wechsel der Umweltbedingungen, gerade auch im wirtschaftlichen Bereich. Wenn man sich darin zurechtfinden und behaupten möchte, ist man gezwungen, sich ständig an neue Anforderungen anzupassen. Dafür ist ein fortwährendes Lernen von Nöten. Das gilt nicht weniger für Führungskräfte und Manager, die hohe Verantwortung in ihren Unternehmen tragen und die ständig Entscheidungen zu treffen haben, die auch viele andere Personen um sie herum betreffen. Tusch unterstreicht die Bedeutsamkeit des sozialen Lernens, das mitunter wichtiger sein kann als reines Bücherwissen. Vor allem für Führungskräfte hält er ein „Lernen im Rahmen von sozialen Beziehungen“ für besonders bedeutend, da der Umgang mit Menschen einen Großteil ihres Zeitbudgets ausmacht. Für ihn weisen Manager erst dann Führungskompetenz auf, wenn sie ihr eigenes Verhalten kennen und ihre Wirkung auf andere richtig einschätzen können. (1991, S. 17) Um solch eine Führungskompetenz zu entwickeln, fehlt ihnen jemand, der ihnen ein ehrliches Feedback gibt. Denn sowohl von ihren Vorgesetzten als auch von ihren Untergebenen können sie nicht damit rechnen, eine verlässliche, unvoreingenomme Meinung - ohne irgendwelche Absichten - zu hören.
Eine weitere Veränderung, der Führungskräfte heute ausgesetzt sind, macht sich in selbst-bewussteren und kritischeren Mitarbeitern bemerkbar. Sie kann man nicht mehr mit veralteten Strukturen führen, in denen Disziplin und Unterordnung eine große Rolle spielen. Die Führungskraft hat heute neue Aufgaben zu erfüllen, so z.B. als Promotor von Ideen, als Berater, Coach oder Mentor von Mitarbeitern, als Rollenmodell für das Umfeld, Konfliktmanager und als Inspi-rator. (Tusch, 1991, S. 16)
Kein wissenschaftliches Hochschulstudium vermittelt die Fähigkeiten, um künftige Manager in dieser Beziehung auf ihre Arbeit vorzubereiten, obwohl solche Begabungen offenbar in der realen Arbeitswelt immer wichtiger werden.
Hinzu kommt die Einsamkeit vieler Manager, vor allem in Top-Positionen. Ihnen fehlt es an Menschen um sie herum, denen sie vertrauen können, mit denen sie wichtige Belange bespre-chen können. (Hall, Otazo & Hollenbeck, 1999, S. 41)
Um diesen Bedürfnissen von Führungskräften nachzukommen, hat sich in den letzten Jahren Coaching, eine Form der Einzelberatung für Führungskräfte, immer weiter verbreitet. Seit einiger Zeit bemüht man sich Coaching transparenter zu machen, indem man es besser erforscht und indem man versucht, Qualitätsstandards zu bestimmen und festzulegen. Dabei wurden auch immer wieder Stimmen laut, die sich an die Ergebnisse der Psychotherapie-forschung erinnerten, nach der die Beziehung zwischen Therapeut und Klient der wohl bedeutendste Wirkfaktor für Therapieerfolg darstellt, und die ungeprüft diese Forschungsergebnisse von der Psychotherapie auf Coaching übertragen haben.
Eine Prüfung der Gültigkeit dieser Annahme steht bis heute aus, so dass mit dieser Arbeit ein kleiner Beitrag zum Füllen dieser Lücke versucht werden soll.
Da Carl Rogers der erste war, der die Bedeutung der Beziehung zwischen einem Berater und einem Klienten hervorhob und der seine Forschungsergebnisse in einer Theorie zusammengefasst hat, soll diese Theorie, der personzentrierte Ansatz von Rogers, die grundlegende Theorie dieser Arbeit darstellen. Es soll auf dieser Theorie aufbauend gezeigt werden, ob person-
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zentriertes Beziehungsverhalten, wie es später erläutert wird, den Coachingprozess so positiv beeinflusst, wie es die Ergebnisse der Psychotherapieforschung nahelegen. Da ein Ziel und Ergebnisqualitätsmerkmal von Coaching die Verbesserung der Arbeitszufriedenheit darstellt, soll gezeigt werden, ob durch personzentriertes Beziehungsverhalten beim Coaching die Arbeitszufriedenheit verbessert werden kann.
Zuerst wird die personzentrierte Theorie von Rogers vorgestellt, wobei vor allem auf die herausragende Stellung einer Beraterbeziehung eingegangen und aufgezeigt wird, welche Merkmale zu einer personzentrierten Beziehung gehören.
Im Anschluß an die wichtigsten Forschungsergebnisse der personzentrierten und allgemeinen Psychotherapieforschung wird Coaching dargestellt.
Dabei wird vor allem auf die Anforderungen eingegangen, die für die Qualität von Coaching relevant sind. Die Coachingforschung birgt noch viele offene Fragen, von denen die für diese Arbeit wesentlichen aufgezeigt werden.
Im Anschluß werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Psychotherapie und Coaching aufgezeigt und beleuchtet, wie vor allem der personzentrierte Psychotherapieansatz auf Coaching übertragen werden kann.
Den kurzen Ausführungen über Arbeitszufriedenheit folgen die konkreten Fragestellungen und Hypothesen der Arbeit, in denen es um den Einfluss des wahrgenommenen personzentrierten Beziehungsverhaltens auf die Arbeitszufriedenheit der Klienten geht. Sodann werden die verwendeten Methoden, Tests und das Untersuchungsdesign vorgestellt und die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt und diskutiert. Bei der Studie handelt es sich um eine Online-Befragung unter Coachingklienten vor und nach ihrem Coachingprozess zu ihrer Wahrnehmung des Beziehungsverhaltens ihres Coaches und zu ihrer Arbeitszufriedenheit.
2 Carl Rogers Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der
zwischenmenschlichen Beziehungen
Carl Rogers (1902-1987) hat in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts aus praktischen Erfahrungen im beraterischen Umfeld heraus eine neue Psychotherapieform entwickelt, die einen Gegenpol zur damals sonst weit verbreiteten Psychoanalyse und dem Behaviorismus darstellen sollte. Rogers war damit einer der ersten großen Vertreter der humanistischen Psychologie, die auch mit der Pädagogik verbunden war. (Groddeck, 2002, S. 91)
Seine Lehre und Theorie der Psychotherapie entwickelte sich im Laufe der Jahre mit seinen eigenen Erfahrungen und seinen persönlichen Ansichten weiter. Diese Entwicklung und die bedeutenden Grundlagen seiner Theorie sollen hier dargestellt werden, weil Rogers' Theorie für diese Untersuchung die Grundlage bildet.
2.1 Die Entwicklung der Rogers-Theorie
Nachdem Rogers einige Jahre Erfahrungen mit der Beratung und Therapie von Erwachsenen und Kindern gemacht hatte, begann er seine Einsichten in die Wirkungsweise von Psycho-therapie und Beratung publik zu machen; zuerst 1940 in einem Vortrag mit dem Titel: „Neue Konzep-
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te in der Psychotherapie“ vor einem akademischen Kollegenpublikum an der Universität Minnesota, 1942 dann mit seinem Buch „Counseling and Psychotherapy: Newer Concepts in Practice“ (auf deutsch: „Die nicht-direktive Beratung“: Rogers, 1989) Auffallend war hier zuerst einmal, dass Rogers Beratung und Psychotherapie als denselben Prozess ansah. Er sah einen Unterschied zwischen Beratung und Psychotherapie nur graduell aber nicht grundsätzlich. (Groddeck, 2002, S. 82)
Mit dem nicht-direktiven Ansatz wollte Rogers klar gegen die traditionellen direktiven Therapie-formen wie die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse, wie sie Rogers verstand, sprechen. Er kritisierte scharf jedes direktive Vorgehen, so z.B. einige der häufigsten direktiven Ge-sprächsvorgänge: Ratschläge erteilen, Drängen, Moralisieren, Diagnostizieren, Interpretieren, Generalisieren, Dramatisieren und Suggerieren. Schmid (1989, S. 72) betont dabei aber, „daß das Entscheidende dabei nie die Formulierungen, sondern immer die mit den Worten zum Ausdruck gebrachte emotionale Ebene ist.“
Ein bedeutender Unterschied zwischen direktivem Vorgehen und nicht-direktivem Vorgehen liegt darin, dass direktives Vorgehen problemzentriert ist, d.h. der Berater geht sofort auf das Problem ein, und zwar so, wie er es aus seiner eigenen Perspektive sieht. Dagegen wendet sich ein nicht-direktiver Berater nicht direkt dem Problem sondern dem Hilfesuchenden zu und geht dann aus dessen Sicht und mit ihm gemeinsam an das Problem heran. (Schmid, 1989, S. 45) Dabei geht es in erster Linie nicht darum, das Problem zu lösen, sondern dem Menschen zu helfen, so in seiner Persönlichkeit zu wachsen, dass derjenige seine Probleme selbständig bewältigen kann.
„Die gemeinsamen Faktoren der neueren Konzepte hob er wie folgt hervor: 1. Der nicht-direktive Ansatz betone die Bedeutung der Gefühle und Emotionen in der Beratungssituation. Der Berater solle nicht nur auf die kognitive Aspekte des Problems achten.
2. Der Fokus der Behandlung liege auf der Gegenwart des Klienten, statt auf einer langwierigen Suche nach den Ursachen des Problems in der Vergangenheit. 3. Die therapeutische Beziehung werde von dem Klienten als wichtiges Elemente [sic] zur Förderung des Wachstums erlebt und erfahren." (Groddeck, 2002, S. 81) Rogers betonte immer wieder, dass der Betroffene selbst immer am besten den richtigen Weg zur Lösung seiner Schwierigkeiten kennt und gehen kann und dass man vermeiden muss, eine Abhängigkeit vom Berater aufzurichten. (vgl. Schmid, 1989, S. 26; Rogers, 1989, S. 36) Rogers verbreitete dann auch u.a. eine kleine Praxisbroschüre, in der er konkrete praxisnahe Ratschläge für eine nicht-direktive Gesprächstechnik erläuterte. Allerdings wurde damit seine nicht-direktive Beratungsmethode oft als „simples Technik-Training“ missverstanden, was so von ihm nicht intendiert war. (Groddeck, 2002, S. 87-88) Später kritisierte Rogers auch die oberflächliche Behandlung seiner Ansätze: „Doch da die klientenzentrierten Grundsätze unterschiedslos auf alle möglichen Arten von zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Gesellschaft angewendet wurden - und das ist an sich eine gesunde Tendenz -, ist die Theorie entsprechend oft oberflächlich vermittelt und ebenso oberflächlich verstanden worden. Und das ist es, wogegen ich etwas einzuwenden habe." (Rogers, 2002, S. 132)
Rogers hat sehr früh begonnen, Therapieverläufe zu protokollieren und empirisch zu unter-su-
10
chen und war damit ein Vorreiter der Psychotherapieforschung, die er bis an sein Lebensende unterstützte. Durch seine weiteren Erfahrungen und empirische Ergebnisse entwickelte er seinen Ansatz weiter, den er in seinem dritten Buch 1951 „Client-Centered Therapy“ - oder auf deutsch „Die klient-bezogene Gesprächstherapie“ (Rogers, 1973) - nannte, was „nun nicht mehr nur negativ zum Ausdruck bringt, was der Ansatz nicht ist, sondern vielmehr positiv, worauf er bezogen ist: Es geht um die 'Zentrierung' (Orientierung, Bezogenheit) des Geschehens auf den Klienten hin - einem, wie Rogers meinte, möglichst neutralen, nicht etikettierenden Ausdruck für den hilfe-suchenden Gesprächspartner." (Schmid, 1989, S. 90-91) Rogers betonte, dass die klienten-zentrierte Orientierung „eine sich ständig weiterentwickelnde Form der zwischenmenschlichen Beziehung [ist], die Wachstum und Veränderung fördert. Sie geht von folgender Grundhypothese aus: Jedem Menschen ist ein Wachstumspotential zu eigen, das in der Beziehung zu einer Einzelperson (etwa einem Therapeuten) freigesetzt werden kann.“ (Rogers, 2002, S. 17) Rogers geht also davon aus, dass in jedem Menschen diese „Aktualisierungstendenz“ (siehe 2.2.) vorhanden ist, die jedem Menschen eine konstruktive Persönlichkeitsveränderung erlaubt, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind: 1. „Zwei Personen befinden sich in Kontakt.
2. Die erste Person, die wir Klient nennen, befindet sich in einem Zustand der Inkongruenz; sie ist verletzlich oder voller Angst.
3. Die zweite Person, die wir den Therapeuten nennen, ist kongruent in der Beziehung. 4. Der Therapeut empfindet bedingungslose positive Beachtung gegenüber dem Klienten.
5. Der Therapeut erfährt empathisch den inneren Bezugsrahmen des Klienten. Der Klient nimmt zumindest in geringerem Ausmaße die Bedingungen 4 und 5 wahr, nämlich die bedingungslose positive Beachtung des Therapeuten ihm gegenüber und das empathische Verstehen des Therapeuten.“ (Rogers, 1991a, S. 40) (siehe dazu auch 2.3) Es sollte hier betont werden, dass diese Theorie nach Rogers nicht nur für eine psycho-therapeutische oder beraterische Beziehung gilt, sondern auf jede zwischenmenschliche Beziehung angewendet werden kann, also auch z.B. auf Coaching. Zudem ist sie nicht auf einen Kliententyp oder eine bestimmte Psychotherapieschule begrenzt, sondern gilt nach Rogers in jedem Falle. (Rogers & Schmid, 1991, S. 179)
Wenn man ein Beratungsgespräch, wie eine Psychotherapie betrachtet, dann fällt bei Rogers' Ansatz auf, dass er jede Diagnose zu Beginn der Therapie ablehnt, da er mit einer Diagnose auch eine Bewertung des Klienten durch den Therapeuten verbindet. Diese vom Klienten wahrgenommene Bewertung führt zu geringerem Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sich selbst zu kennen, was sich negativ auf den Therapieerfolg auswirkt. (Rogers, 1973, S. 209) Dieser Therapieerfolg macht sich in folgenden Lernerfahrungen und Veränderungen der Klienten bemerkbar:
„Der Mensch kommt dazu, sich anders zu sehen.
Er akzeptiert in stärkerem Maße sich und seine Gefühle. Er wird selbstbewußter und selbstbestimmender. Er wird mehr der Mensch, der er sein möchte. Er wird in seinen Wahrnehmungen flexibler, weniger rigide. Er setzt sich realistischere Ziele. Sein Verhalten ist reifer. Er ändert unangepaßte Verhaltensweisen, auch solche fest etablierten
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Verhaltensweisen wie chronischen Alkoholismus. Er wird gegenüber anderen akzeptierungsbereiter. Er wird offener für die Bedeutung dessen, was sich außerhalb wie innerhalb seiner selbst abspielt. Er verändert sich auf konstruktive Art und Weise in seinen grundlegenden Persönlichkeits-eigenschaften.
Das genügt wohl, um zu zeigen, daß es sich hierbei um Lernerfahrungen handelt, die signifikant sind, die tatsächlich etwas ändern." (Rogers, 1979, S. 274) In den 1960er-Jahren brachte Rogers durch eine Umbenennung seines Ansatzes von „klientenzentriert“ auf „personzentriert“ eine Weiterentwicklung zum Ausdruck. Beeinflusst durch die Arbeit mit Encountergruppen, wo er seine therapeutischen Prinzipien auf dynamische Gruppenprozesse übertrug, durch die Therapieerfahrungen mit unmotivierten Schizophrenen und durch den Einfluss durch Martin Buber und existenzanalytisch orientierte Therapeuten, hatte sein Ansatz die wichtige dritte Entwicklungsstufe erreicht: Sowohl der Therapeut als auch der Klient werden als Person wahrgenommen. Für den Therapeuten wird der Aspekt der Echtheit noch bedeutender, und sein Gesprächspartner wird nicht mehr als Klient etikettiert sondern noch tiefer als Person betrachtet. Damit öffnet sich nun entgültig die Grenze der Anwendung im psychotherapeutischen Bereich: Der personzentrierte Ansatz (PCA) findet tatsächlich Anwen-dung auf alle zwischenmenschlichen Bereiche, so dass Rogers dann auch u.a. Bücher über Encountergruppen, über Partnerschaften und zur Pädagogik schreibt. (Schmid, 1989, S. 91; Rogers, 2002, S. 11; Groddeck, 2002, S.204) „Heute werden die Bezeichnungen 'person(en)zentriert' und 'klientenzentriert' verwendet. Sie werden entweder synonym gebraucht, wobei 'klientenzentriert' dann nur dort gebräuchlich ist, wo der Partner üblicherweise als Klient bezeichnet wird, also in Therapie, Beratung und Sozialarbeit. (So war auch Rogers' letzte Position.)" (Schmid, 1989, S. 91-92)
In Deutschland wurden die Ideen von Rogers erst viel später übernommen. Erst 1972 - also längst in personzentrierten Zeiten - wurde erstmals Rogers' erstes einschlägiges Buch von 1942 übersetzt und dann etwa im Halbjahresabstand die weiteren Bücher. Schmid sieht in dem fehlenden 30-jährigen Entwicklungsprozess den Grund, dass in Deutschland die „Rogers-Therapie“ stark vereinfacht aufgefasst und weitergegeben wurde. (Schmid, 1989, S. 96) Rogers war auch nie glücklich, dass in Deutschland aus der „client-centered Therapy“ in der Übersetzung eine „Gesprächspsychotherapie“ (engl.: Talk -Therapy) geworden war. (Groddeck, 2002, S. 185; Schmid, 1989, S. 92) Dieser deutsche Ausdruck wird aber auch heute noch weitgehend verwendet, wenn man eine Psychotherapie nach der Theorie von Rogers meint. Hinter diesem Ansatz steckt aber noch viel mehr als einfach miteinander zu sprechen - das wird auch in allen anderen therapeutischen Richtungen getan. Rogers betonte immer wieder, dass seine Art der Psychotherapie, wie auch immer man sie nennen mag, ob nicht-direktiv, klientenzentriert oder personzentriert, am ehesten eine Seinsweise - „a way of being“ (Schmid, 1989, S. 119) -oder eine Charakterhaltung ist und es nicht einfach eine Technik darstellt, die man jemandem aufsetzen kann, der diese Haltung gar nicht teilt. Dahinter steckt auch ein ganz bestimmtes optimistisches Menschenbild, das in jedem Menschen „Die Kraft des Guten“ (Rogers, 1978) antizipiert. Schmid (1989, S. 19) stellt auch fest, dass ein Hilfesuchender nicht perfekte Methoden sucht, sondern „hilfreiche Personen“, die keiner aufgesetzten Techniken, sondern einer entsprechenden Einstellung bedürfen; und diese können die Helfenden nur durch Mühe und Zeit und
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durch die Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit erlangen.
So war auch Rogers stets darauf bedacht, seine eigene Persönlichkeit und ebenso seine Theorie weiterzuentwickeln. Dabei zeichnete sich seine Theorie dadurch aus, „1., daß sie nicht am Schreibtisch oder im Labor konzipiert wurde, sondern sich aus der fortgesetzten Beschäf-tigung mit einem wachsenden Kreis von Klienten heraus entwickelt hat und 2., daß sie sich flexibel und wandlungsfähig gezeigt hat und die immer umfassenderen Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit neuen Kategorien von Klienten berücksichtigt hat.“ (Rogers, 2002, S. 40) Er betonte mehrmals, dass es sich bei seiner Theorie um Hypothesen handle, die einen Anfang und nicht das letzte Wort darstellen. So hielt er es für möglich, dass es außer seinen aufge-führten noch andere wesentliche Bedingungen gäbe. (Rogers, 2002, S. 221) Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass er in seinen späteren Jahren die Vermutung eines weiteren Merkmals für eine entwicklungsfördernde Beziehung äußert: Der Therapeut sollte seinem inneren, intuitiven Selbst ganz nahe sein. Im Gegensatz zu den expliziten Bedingungen seiner Theorie ist dieses Merkmal jedoch empirisch nicht belegt. (Rogers & Schmid, 1991, S. 242) Rogers hatte schließlich die Vision, „daß sich mit der Erweiterung unseres Wissens über den therapeutischen Prozeß die sogenannten psychotherapeutischen Schulen auflösen und verschmelzen werden zu einer einheitlichen Methode des Heilens." (Rogers, 2002, S. 134)
2.2 Aktualisierungstendenz
Die Aktualisierungstendenz, die bei der Beschreibung des klientenzentrierten Ansatzes erwähnt wurde, wird von Rogers als einziges Axiom seines theoretischen Systems betrachtet. (Rogers, 1991a, S. 22) Sie besagt, dass der Mensch wie alle anderen Organismen „eine inhärente Tendenz zur Entfaltung aller Kräfte besitzt, die der Erhaltung oder dem Wachstum des Organismus dienen. Wenn diese Tendenz nicht behindert wird, bewirkt sie verlässlich beim Individuum Wachstum, Reife und eine Bereicherung des Lebens.“ (Rogers, 2002, S. 41) Hier kommt wieder besonders deutlich das positive Menschenbild zur Geltung, das ein Grundvertrauen in die Person zur Grundlage hat. Darin sehen Rogers und Schmid den größten Unterschied zu gesellschaftlichen Institutionen der Erziehung, der Psychotherapie und anderen, die gegenüber der Person Misstrauen aufbauen. Der klienten- bzw. personzentrierte Ansatz dagegen vertraut darauf, dass der Mensch „vertrauenswürdig, konstruktiv, schöpferisch, sozial und auf Reife hin ausgerichtet ist.“ (Schmid, 1989, S. 100; Rogers & Schmid, 1991, S. 241) Nach Rogers ist im Grunde das Endziel jedes Menschen herauszufinden, wer man in Wirklichkeit - unterhalb des oberflächlichen eigenen Verhaltens - ist. Der Mensch möchte sich selbst finden und er selbst werden. (Rogers, 1979, S. 115) Der Mensch hat die Tendenz zur Selbstverwirklichung. (Rogers, 1991a, S. 69)
Für Biermann-Ratjen, Eckert und Schwartz (2003, S. 15) ist die eigentliche Entdeckung von Rogers „nicht in der Abstraktion von operational definierbaren ‚Therapeutenvariablen’ zu sehen. Vielmehr ist es die Entdeckung, dass Menschen, wenn sie in einer Psychotherapie ihren eigenen Weg gehen dürfen, das Ziel verfolgen, das Selbst zu werden, das sie in Wahrheit sind. Unter der Bedingung von unbedingt positiver empathischer Beachtung entwickeln sie ihr Selbstkonzept, ihre Identität, werden mit sich selbst identisch ...“. Die Motivation zum Lernen und Verändern entspringt der Tendenz des Menschen, sich zum Besten hin zu entwickeln. Wenn er das
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verwirklichen möchte, braucht er eine geeignete Umgebung. Diese kann mit Hilfe von den sechs Bedingungen, wie sie oben erwähnt wurden, verwirklicht werden. (Rogers, 1979, S. 278-279) (siehe auch 2.3) Dabei ist die Rolle des Beraters als die eines Gärtners oder einer Hebamme zu sehen, die dabei helfen, das Schöne einer Pflanze oder eines Menschen hervorzubringen, ohne dass sie selbst eine neue Pflanze oder Person formen. Sie helfen nur bei der „selbständigen Entstehung und Ausprägung neuer, bisher nicht zutage getretener Seiten der Person“. Die Person ist also nach wie vor selbst für ihre Entwicklung zuständig. Der Berater möchte nur - ohne ein Abhängigkeitsverhältnis aufzubauen - der Person ein wenig dabei unter die Arme greifen. (Schmid, 1989, S. 102-103)
Weinberger (2004) erklärt, dass die Aktualisierungstendenz Erfahrungen danach bewertet, ob sie für den gesamten Organismus förderlich sind. Im Laufe des Lebens entwickelt sich - unter großem Einfluss der umgebenden zwischenmenschlichen Beziehungen - ein Selbstkonzept; und die Selbstaktualisierungstendenz, als Teil der Aktualisierungstendenz, bewertet nun Erfahrungen danach, ob sie für den gesamten Organismus und ob sie für das Selbstkonzept förderlich sind. „Im Idealfall fallen Aktualisierungstendenz und Selbstaktualisierungstendenz zusammen, d.h. der Mensch kann das, was gut für seinen Organismus ist, auch in sein Selbstkonzept integrieren. Das ist dann die 'fully functioning person', damit ist eine Person gemeint, die alle Erfahrungen - positive wie negative - vollständig wahr- und annehmen kann." (Weinberger, 2004, S. 26) Wenn aber diese beiden Tendenzen nicht vereinbar sind, also wenn die Person Erfahrungen macht, die nicht zum eigenen Selbstkonzept passen, spricht man von Inkongruenz, und die Person wird diese Spannungen zu lösen versuchen, indem sie ihre Erfahrungen verzerrt wahrnimmt oder verleugnet. So entstehen Ängste, Spannungen und Verteidigungshaltungen, die eine Person ändern kann, indem sie lernt, das Selbstkonzept flexibler zu betrachten, so dass sie in der Lage ist, mehr verschiedene Erfahrungen in ihr Selbstkonzept einzubauen. Dafür ist wiederum eine Beziehung in ihrer Umgebung notwendig, in der sie sich als Person akzeptiert fühlt. Dieser Veränderungsprozess einer sehr rigiden Persönlichkeit, die ihre Gefühle und Probleme nicht wahrnimmt bis zu einer Person, die alle Erfahrungen in ihr Selbstkonzept einbinden kann, wird von Rogers in einer siebenstufigen Prozessskala beschrieben. (vgl. Rogers, 2002, S. 33f.; Weinberger, 2004, S. 24-28)
2.3 Die Bedeutung der Therapeuten-Klienten-Beziehung
Wie schon erwähnt, ist für die Entfaltung der Persönlichkeit nach der Aktualisierungstendenz eine geeignete Umgebung in Form einer bestimmten Beziehung notwendig. Wenn eine Person sich in einer Beziehung wiederfindet, in der das Gegenüber kongruent, bedingungslos wertschätzend und empathisch ist, wird sie diese Beziehung zur eigenen Entwicklung nutzen und bestehende Inkongruenzen auflösen können. (Rogers, 1979, S. 47; Rogers, 1991b, S. 57) Dazu ist aber nicht nur das Vorhandensein dieser Einstellungen des Gegenübers von Nöten, sondern diese Einstellungen müssen auch von der Person als solche erfahren werden. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, „werden sich Veränderungen und konstruktive Persönlichkeitsentwicklungen in allen Fällen ereignen - ich schreibe ‚in allen Fällen’ erst nach langer und sorgfältiger Überlegung dazu.“ (Rogers, 1979, S. 48) Und dabei betont Rogers, dass diese positiven Veränderungen umso stärker sind, je mehr diese drei Basisvariablen vom Klienten wahrgenom-
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men werden. (Rogers, 1979, S. 79)
In der Literatur wird sehr oft von den sogenannten drei „therapeutischen Basisvariablen“ gesprochen. Bevor diese im Folgenden ausführlicher dargestellt werden, muss darauf hingewiesen werden, dass eine Reduzierung des klientenzentrierten Ansatzes nach Rogers auf diese drei Basisvariablen nicht gerechtfertigt ist. Denn Rogers hatte nicht drei, sondern sechs Bedingungen für den Therapieerfolg verantwortlich gemacht: zum einen die drei Therapeutenvariablen, aber ebenso wichtig auch drei Klientenvariablen, die für einen Therapieerfolg vorausgesetzt werden:
“1. Der Klient ist kontaktfähig: Der Therapeut bewirkt eine wahrnehmbare Veränderung des Erfahrungsfeldes des Klienten.
2. Der Klient ist inkongruent und spürt das auch in irgendeiner Art und Weise: als mit sich selbst uneins sein, sich nicht verstehen, sich nicht akzeptieren und/oder in der Form von Gespanntheit, die Angst genannt wird.
3. Der Klient nimmt zumindest in Ansätzen wahr, dass ihn der Therapeut in seinem Erleben einfühlend versteht und ohne Bedingungen akzeptiert." (Biermann-Ratjen et al., 2003, S. 15) Da in dieser Studie die Therapeutenvariablen operationalisiert werden, sollen sie hier etwas genauer erklärt werden.
2.3.1 Kongruenz
Rogers hält die Kongruenz des Therapeuten für die wichtigste und grundlegendste Bedingung einer hilfreichen Beziehung, was er aber noch nicht empirisch nachweisen konnte. So gibt es darüber auch andere Ansichten, wie z.B. des Co-Autors John Wood, der das bedingungsfreie Akzeptieren als die wichtigste therapeutische Einstellung ansieht. (Rogers, 2002, S. 23, 162-163) Andere Begriffe für Kongruenz sind „Echtheit“ oder auch „Authentizität“. Man versteht darunter, dass der Therapeut in der Beziehung zu seinem Klienten er selbst ist, sich nicht hinter einer professionellen Maske versteckt und sich seiner eigenen Gefühle und Einstellungen bewusst ist, so dass er sie dem Klienten mitteilen kann, wenn das angemessen scheint. Er ist somit für den Klienten offen und durchschaubar und er verwendet keine zweideutige Sprache oder leere Phrasen. Was er zum Klienten sagt, widerspricht nicht seinen Gefühlen ihm gegen-über, so dass es ihm dadurch gelingt, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Diese Ein-stellung, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist und sich dem anderen so mitzuteilen, ist nicht leicht und man kann sie kaum vollkommen erreichen, aber es ist wichtig zu erkennen, dass „man sich selbst entfalten muß, wenn man die persönliche Entfaltung anderer innerhalb einer Beziehung zu sich fördern will, diese Erfahrung ist oft genug schmerzlich, aber auch bereichernd.“ (Rogers, 1979, S. 65-66; Rogers, 2002, S. 30-31, 151) Besonders schwierig wird es, wenn man dem Klienten gegenüber negative Gefühle entdeckt. Dabei rät Rogers, auch solche negativen Gefühle mitzuteilen, vor allem, wenn sie innerhalb der Beziehung immer wieder auftauchen. Dabei soll aber erkennbar sein, dass der Therapeut über seine eigenen Gefühle spricht und keine Sachaussage oder Bewertung über den Klienten macht. Auf diese Art wird auch sichtbar, dass es sich um eine „echte personale Beziehung zwischen zwei unvollkommenen Menschen“ handelt, die im weiteren offenen Gespräch noch verbessert werden kann. (Rogers, 2002, S. 30-32, 155-156, 214-216) Wenn der Therapeut sich um absolute Echtheit in der Beziehung bemüht, ist das
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die Voraussetzung, dass die anderen Therapeutenvariablen Wertschätzung und Empathie wirken können, denn z.B. die Wertschätzung kann nur dann therapeutisch wirken, wenn sie nicht vorgespielt wird, sondern den wahren Gefühlen des Therapeuten entspricht. (Biermann-Ratjen et al., 2003, S. 30) Somit sind die drei Einstellungen miteinander funktional verflochten. Man kann eigentlich keine der Eigenschaften alleine betrachten oder verwirklichen. Und sie „bleiben sinnlos, solange sie nicht mit einer hohen Achtung vor dem Menschen überhaupt und seiner in ihm schlummernden Möglichkeit verbunden werden. Allein wenn der Wert des Einzelmenschen für den Therapeuten an erster Stelle steht, nur dann ist er fähig, wirkliche Anteilnahme zu spüren, sowie das Bedürfnis, den Klienten zu verstehen und wohl auch den Grad von Selbstachtung, wessen es zur Echtheit bedarf." (Rogers, 2002, S. 222-223)
2.3.2 Bedingungslose Wertschätzung
Die zweite Einstellung, die ein erfolgreicher Therapeut entwickeln muss, besagt, dass man eine Person als solche schätzt, auch wenn man ihr Verhalten nicht unbedingt positiv bewertet. Dabei erkennt man in der Person ihre vielen Möglichkeiten zur fortschrittlichen Entwicklung und empfindet ihr gegenüber eine echte und tiefe Zuwendung, die frei ist von jeglichen Bewertungen, Etikettierungen und ohne jede Besitzergreifung - genauso wie Eltern ihre Kinder bedingungslos schätzen und akzeptieren, auch wenn sie deren augenblickliches Verhalten nicht in jeder Weise gutheißen können. Dabei ist eine positive Bewertung genauso unangebracht wie eine negative Bewertung, weil man damit zum Ausdruck bringt, dass man das Recht hat, den anderen zu beurteilen; doch sollte jeder Klient erkennen, dass nur er selbst die Verantwortung hat, sich selbst einzuschätzen und kein anderer. (Rogers, 1991b, S. 35; Rogers, 2002, S. 27, 218; Rogers, 1979, S. 69) Man betrachtet jeden Menschen als wertvoll und entwicklungsfähig, worin wieder das oben beschriebene Menschenbild zum Vorschein kommt. Rogers hat die Erfahrung gemacht, dass es Menschen mit einer solchen Grundeinstellung zum Menschen leicht fällt „klientbezogene Techniken“ zu erlernen. Um andere akzeptieren zu können ist es aber auch nötig, dass man sich selbst respektiert und akzeptiert. (Rogers, 1973, S. 35-36) Rogers (2002, S. 219) hatte noch die unsichere Hypothese aufgestellt, dass eine Beziehung um so erfolgreicher bzw. wirkungsvoller ist, je bedingungsfreier die positive Zuwendung ist. Aber Biermann-Ratjen et al. (2003, S. 25) betonen, dass die entgegengebrachte Wertschätzung auch mit dem erlebten Selbstbild übereinstimmen sollte. So wird ein Therapeut wenig Erfolg haben, wenn er einem Klienten positive Wertschätzung entgegenbringt, der sich selbst nicht mag. Stattdessen muss er auch diese Gefühle verstehen und akzeptieren können. Hierin kommt der Zusammenhang zwischen Wertschätzung und Empathie zum Tragen, was auch in der Aussage von Biermann-Ratjen et al. (2003, S. 33) zum Ausdruck kommt: „Das Versprechen des Gesprächspsychotherapeuten an seinen Klienten lässt sich durch den Satz charakterisieren: Ich will von dir und für dich nichts, als dir mitzuteilen, dass ich dich verstehe als eine Person, die Erfahrung macht, und dass ich dich darin unbedingt wertschätze. Ich helfe dir bei Deinen Bemühungen um dich selbst. Darüber hinaus verspreche ich dir nichts.“
2.3.3 Empathie
Empathie ist nach Rogers „die innere Welt des Klienten mit ihren ganz persönlichen Bedeu-
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tungen so zu verspüren, als wäre sie die eigene (doch ohne die Qualität des „als ob“ zu verlieren)“ (Rogers, 2002, S. 216). Hummitzsch (2002, S. 130) weist darauf hin, dass man dabei dem Klienten genügend nah sein, aber gleichzeitig auch genügend distanziert sein muss, damit man seine eigene Identität nicht verliert, was mit der vorausgesetzten Kongruenz zu tun hat. Wenn man die Welt des Klienten verstehen will, geht es nicht nur darum, den Sinn seiner Worte zu verstehen, sondern es geht auch darum, dass man versteht, was der Klient zwischen den Zeilen durch seinen Tonfall und seine Gesten ausdrückt, und zwar auch in Zonen, die dem Klienten vielleicht selbst gar nicht bewusst sind. Dafür braucht man größtes Feingefühl, damit der Klient nicht das Gefühl bekommt, dass man sich anmaßt, mehr als er selbst über ihn zu wissen, was dann auch als Bewertung und Urteil empfunden würde. (Rogers, 2002, S. 158-159) Auch wenn sich dieses Verstehen nach Biermann-Ratjen et al. (2003, S. 20) durch „Verba-lisierung der emotionalen Erlebnisinhalte des Klienten“ zeigt und Empathie nicht mit einer Haltung des „Verständnisvoll-Seins“ verwechselt werden darf, kritisiert Rogers vehement, dass in der Ausbildung klientenzentrierter Berater das Einfühlungsvermögen als „hölzerne Technik des Pseudoverstehens“ missverstanden wurde, bei der ein Berater nur wiedergibt, was sein Klient kurz vorher gesagt hat. (Rogers, 2002, S. 218) Rogers betont, dass sich das Erlebnis eines Klienten, sich von jemandem verstanden zu fühlen, entwicklungsfördernd auswirkt, sogar, wenn der Therapeut nur die bloße Absicht hat, den Klienten zu verstehen. (Rogers, 2002, S. 24) Rogers war zwar in den 1950er Jahren noch davon ausgegangen, dass seine sechs Bedingungen für eine Persönlichkeitsentwicklung notwendig und hinreichend seien, aber er betonte immer wieder, dass sich seine Theorie auf Hypothesen gründete und später wies er ausdrücklich auf mögliche andere Bedingungen hin. Diese Hypothese ist bis heute sehr um-stritten. So gibt es bis heute Puristen, die darauf bestehen, dass seine Theorie die notwendigen und hinreichenden Bedingungen sind, aber wohl noch mehr Wissenschaftler und Psycho-therapeuten, die davon ausgehen, dass eine Beziehung, wie sie von Rogers beschrieben wurde, nur ein therapeutisches Basisverhalten und eine Voraussetzung für eine weitere therapeutische Arbeit durch Techniken und Methoden darstellt. (Groddeck, 2002, S. 111; Dilthey, 1979, S. 234-235; Tscheulin 1992) Lang (2003, S. XI) folgert in der Einleitung zu seinem Sammelband aus verschiedenen Forschungsergebnissen, „daß die therapeutische Beziehung einmal ein Faktor per se ist, und zum anderen, daß sie die Basis dafür bildet, daß therapeutische ‚Techniken’ ...dann wirken, wenn sie in eine gute Arbeitsbeziehung eingebettet sind.“ Rogers selbst hat sich auch dafür ausgesprochen, dass ein personzentrierter Berater „über ein zusammenhängendes und ständig sich weiterentwickelndes, tief in seiner Persönlichkeitsstruktur verwurzeltes Sortiment von Einstellungen verfügt, ein System von Einstellungen, das von Techniken und Methoden, die mit diesem System übereinstimmen, ergänzt wird.“ (Rogers, 1973, S. 34)
2.4 Psychotherapieforschung
2.4.1 Gesprächspsychotherapieforschung
Wie bereits erwähnt wurde, legte Rogers von Anbeginn großen Wert darauf, seine Theorie durch empirische Forschung weiterzuentwickeln. Bereits 1940 ließ er für diesen Zweck Ton-bandaufzeichnungen machen und wird daher z.B. von Hockel (1999, S. 13-14) und Eckert (1996, S. 127) als einer der Begründer der empirischen Psychotherapieforschung angesehen.
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Rogers berichtet als Argument für seine Hypothesen in seinen zahlreichen Büchern von eigenen Untersuchungen, die z.B. klärten, ob signifikante Veränderungen stattgefunden haben und wenn dem so war, ob sie der Therapie und nicht einem anderen Faktor zuzuschreiben waren. ( Rogers, 1979, S. 226-229) Er schreibt auch von Studien anderer Forscher, so z.B. der Studie von Barrett-Lennard von 1959, in der die Qualität der therapeutischen Beziehung und der Behand-lungsfortschritt untersucht wurden. (Rogers, 1979, S. 259-262) Und außerdem referiert er eine Reihe von Studien, in denen die Beziehung zwischen den Einstellungen des Therapeuten und der Wirksamkeit der Therapie untersucht wurde, nämlich die Forschungsarbeiten von Halkides von 1958, Van der Veen von 1970 sowie Truax und Mitchell von 1971. Nach den Ergebnissen all dieser Arbeiten sind diese Therapeuteneinstellungen, die vom Klienten wahrgenommen werden, „die entscheidenden Voraussetzungen für einen therapeutischen Fortschritt und konstruktive Persönlichkeitsveränderungen.“ (Rogers, 2002, S. 150-151) Rogers berichtet u.a. von einer Untersuchung, die hier besonders erwähnt werden soll, da sie große Ähnlichkeit zu dieser Coaching-Studie zeigt. In dieser Studie wurden verschiedene Messverfahren verwendet, darunter ein Beziehungs-Fragebogen mit einer sechsstufigen Skala, der vom Klienten (und in einer angepassten Version auch vom Therapeuten) zu verschiedenen Zeitpunkten ausgefüllt wurde und sehr ähnliche Items wie der hier benutzte IBV-Fragebogen enthielt. So z.B. die Items: „Im großen und ganzen spürt oder bemerkt er, wie ich mich fühle.“ oder „Er verhält sich in unserer Beziehung genauso, wie es seiner Person entspricht.“. Um das Ausmaß der konstruktiven Veränderung einzuschätzen, wurden verschiedene Skalen und Tests verwendet, wie z.B. das „Minnesota Multiphasic Personality Inventory“. Es stellte sich heraus, dass der Berater einen größeren Einfluss auf die Beziehung hat als der Klient und dass diejenigen Klienten die größten positiven Veränderungen zu verzeichnen hatten, die eine Beziehung mit einem hohen Maß an Echtheit, einfühlendem Verstehen und bedingungsfreier, positiver Zuwendung verzeichneten. (Rogers, 2002, S. 223-230)
In Laufe der Jahre wurden eine Vielzahl solcher Untersuchungen durchgeführt, die zum Teil 1994 von Grawe, Donati und Bernauer in einer therapievergleichenden Meta-Analyse zusammengefasst wurden. Sie attestierten der Gesprächspsychotherapie eine überzeugende Wirksamkeit, wobei diese jedoch als weniger wirksam als die Verhaltentherapie eingestuft wurde. Bei der Untersuchung der drei Therapeutenvariablen stellte man fest, dass Empathie und Wertschätzung einen deutlichen Einfluss auf den Therapieerfolg haben, nicht aber die Therapeutenvariable Echtheit. Damit war nur ein Teil der Rogers-Theorie bestätigt. Des weiteren stellten sie fest, dass die Therapiebeziehung nicht nur eine bedeutende Rolle in der Gesprächspsychotherapie sondern ebenso in allen Therapieformen einnimmt, da sie sich für einen Therapieerfolg im allgemeinen als wichtig herausgestellt hat. Trotz aller Kritik und Einschränkungen, die Grawe et al. gegenüber der Gesprächspsychotherapie gefunden haben, sehen sie die Wirksamkeit der Gesprächspsychotherapie als sehr gut bestätigt und deren Wissenschaftlichkeit als sicher an. (Grawe et al., 1994, S. 134-140, 741) Diese Einschätzung genügt einigen Vertretern der Rogers-Theorie allerdings nicht. Sie kritisieren gemeinsam mit Vertretern anderer Schulen an der Arbeit von Grawe et al. methodische Fehler. Insbesondere betonen sie, dass in der Praxis die Be-handlungsdauer deutlich länger ist (etwa 70 Sitzungen) als in den berücksichtigten Untersuchungen (ca. 20), dass man bei einer Therapie, die normalerweise viel länger dauert, eine
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deutlich größere Wirksamkeit erwarten kann als bei entsprechenden Kurzzeittherapien und dass bei der Gesprächspsychotherapie als einer „nicht-symptomzentrierten“ Psychotherapie eine deutliche Langzeitwirkung empirisch nachgewiesen wurde, was in den verwendeten Post-Untersuchungen nicht berücksichtigt wurde. (Biermann-Ratjen et al., 2003, S. 63-66; Eckert, 1995, S. 185-191; Fäh & Fischer 1998) Biermann-Ratjen et al. kritisieren an der Psychotherapieforschung auch den allgemein verwendeten „Variablenansatz“ bei abhängigen und unabhängigen Therapeuten- oder Klientenvariablen. Sie betonen die starke Verzahnung der Prozesse innerhalb einer Beziehung, in der man nicht von linear-kausal wirksamen Variablen ausgehen kann. Sie sollten deswegen nicht einzeln betrachtet werden, sondern nur als ganzes Gefüge. In diesem Zusammenhang weisen sie auch auf die verschiedenen Abstraktionsebenen des klientenzentrierten Ansatzes hin, die bei empirischen Untersuchungen auseinander zu halten sind. Sie gehen von der ersten Ebene als der „therapeutischen Beziehung“ zur 2. Ebene der „zusammenfassenden Merkmale der klientenzentrierten therapeutischen Beziehung“ (Empathie usw.) über die Ebene der „zusammenfassenden Klassifikation von einzelnen Verhaltensweisen“ (z.B. Ansprechen von Gefühlen des Klienten durch den Therapeuten) bis zur 4. Ebene der konkreten Verhaltensweisen von Therapeut und Klient in einem bestimmten Gespräch. (2003, S. 54-62)
Eine Verzahnung der drei Therapeutenvariablen konnten auch Figge und Schwab (1997) empirisch bestätigen. Sie untersuchten klientenzentrierte Psychotherapie in Gruppen, wobei sie sowohl objektive Therapieerfolgsmaße, subjektive Erfolgseinschätzung und Fragen zur therapeutischen Beziehung aus der Sicht der Klienten erhoben. Sie stellten fest, dass die wahrgenommene Kongruenz den größten - und auch frühzeitigsten - Einfluss auf die objektiven Therapieerfolge und auch auf die subjektiven Erfolgseinschätzungen hatte. Erst nach längerer Therapiedauer konnte man auch Auswirkungen vor allem der Empathie, aber auch der Wertschätzung, feststellen. Man folgerte daraus, dass die Echtheit die zentrale Voraussetzung für die Wirksamkeit der anderen beiden Therapeutenvariablen darstellt. (Figge & SCHWAB, 1997, S. 30-34) Somit konnten sie auch die frühen Annahmen von Rogers bestätigen, wie sie oben vorgestellt wurden.
2.4.2 Allgemeine Psychotherapieforschung
Neben den Ergebnissen aus der Erforschung des klientenzentrierten Ansatzes bestätigen auch die Ergebnisse der allgemeinen Psychotherapieforschung eine therapeutische Beziehung mit den „Rogers-Variablen“ als für den Therapieerfolg wirksam. So hat Strupp (1996, S. 85) durch Studien zeigen können, dass nicht die therapeutischen Techniken, sondern die Qualität der Patient-Therapeuten-Beziehung für den Therapieerfolg ausschlaggebend sind, wobei er betont, dass es in jeder Patient-Therapeut-Dyade etwas Einzigartiges gibt, das noch wichtiger ist als die sonst untersuchten Therapeutenvariablen. Jedenfalls bezeichnet er Empathie als „das vielleicht grundlegendste Prinzip aller Formen von Psychotherapie für Kliniker ganz unterschiedlicher Ausrichtung“. (1996, S. 86)
Orlinsky (1994) betont die allgemeine Wirksamkeit von Psychotherapie, ohne dass eine Richtung einer anderen überlegen sei. Er beruft sich auf Befunde von 1100 vergleichenden Effek-tivitätsforschungs- und Prozessergebnisuntersuchungen, nach denen keine deutlichen Unter-
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schiede zwischen verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren belegt werden konnten und nach denen es „unspezifische“ oder „generische“ Prozessfaktoren gibt, die für das Therapieergebnis bedeutend sind. Daher setzt er sich für eine wissenschaftliche Integration psychotherapeutischer Behandlungsmodelle ein, wofür er gemeinsam mit Howard (vgl. Orlinsky, 1989, Orlinsky & Howard, 1987) das „Generic Model of Psychotherapy“ als ein wissenschaftlich begründetes Psychotherapiemodell entwickelt hat.
Darin werden „Input-Variablen“, wie z.B. Therapeuten- und Patientenmerkmale, „Output-Variablen oder Auswirkungen der Behandlung“ und „Prozess-Variablen“ unterschieden. Der therapeutische Prozess, auf den sich Orlinsky in seiner Abhandlung konzentriert, beinhaltet nach bisherigen Forschungsergebnissen sechs Aspekte, nämlich
Bei der Betrachtung der grafischen Veranschaulichung des Modells fällt auf, dass sich die therapeutische Beziehung im Zentrum befindet und mit einigen anderen Variablen im Zusammenhang steht, wie z.B. dem Therapievertrag, den therapeutischen Maßnahmen und Patienten- und Therapeutenmerkmalen wie z.B. der inneren Selbstbezogenheit. Weiter weist Orlinsky darauf hin, wie wichtig es ist, dass das therapeutische Behandlungsmodell, das Krankheitserleben des Patienten sowie Personenmerkmale auf beiden Seiten zusammen passen müssen, um die besten therapeutischen Resultate zu erzielen. Und schließlich betont er die Verschiedenartigkeit und Komplexität der Menschen, denen man nur durch eine Integration verschiedener Behandlungsmodelle gerecht werden kann. (Orlinsky, 1994, S. 2-8)
So weisen auch Bachelor und Horvath (2001, S. 154) darauf hin, dass Verhaltensweisen und Einstellungen des Therapeuten dann effektiv sind, wenn sie den Klienten angepasst werden, wobei sie sich auf Forschungsergebnisse z.B. von Dolan, Arnkoff und Glass (1993) sowie von Norcross (1993) beziehen. Sie betonen zudem auch den Beitrag, den jeder Klient zu einer effektiven Therapeuten-Klienten-Beziehung leisten muss, indem er sich u.a. am therapeu-tischen Prozess beteiligt und mit dem Therapeuten produktiv an den Therapiezielen arbeitet, was von Horvath und Luborsky (1993) nachgewiesen wurde.
Asay und Lambert (2001) haben zahlreiche empirische Ergebnisse zusammengetragen (z.B. Lambert, 1992; Bergin & Lambert, 1978; Bergin & Suinn, 1975; Lambert & Bergin, 1994; Strupp, 1980; Orlinsky & Howard, 1986; Frank, Gliedman, Imber, Stone & Nash, 1959), die belegen, dass es für alle Psychotherapieschulen gemeinsam vier Wirkfaktoren gibt, die sich nach ihrer erklärten Varianz folgendermaßen aufteilen lassen:
Demnach können 40% der Besserung der Klienten auf Klientenvariablen und extratherapeutische Einflüsse des Klienten zurückgeführt werden. 30% des Therapieerfolges gehen auf die
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therapeutische Beziehung zurück und jeweils 15% des Therapieerfolges können mit Erwartungseffekten des Klienten und mit Methoden des Therapeuten erklärt werden. Mit diesen Prozentangaben fassen sie die Forschung auf diesen Gebieten gemäß ihrer Auffassung zusammen.
Tschuschke und Czogalik (1990, S. 407-408, 411) machen auch darauf aufmerksam, dass in praktisch allen Beiträgen ihres Buches mit den unterschiedlichsten Studien die Ergebnisse anderer Forscher (z.B. die von Strupp sowie von Orlinsky) bestätigt werden, nach denen eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung in ihrer Bedeutung für eine erfolgreiche Therapie nicht zu unterschätzen ist und vorausgesetzt wird.
3 Coaching
3.1 Grundlagen des Coaching
Coaching stammt ursprünglich aus dem Sport, wo man feststellte, dass die Sportler nicht nur Techniken trainieren müssen, sondern auch psychologisch fundierte Beratung für ihren Erfolg nutzen können. Nach Whitmore (1997, S. 13) war Timothy Gallwey (1999) der erste Sportcoach, der erkannte, dass der Gegner im eigenen Kopf schwieriger zu bezwingen sei als der gegnerische Sportler. Nach ihm setzt Coaching „das Potential eines Menschen frei, seine eigene Leistung zu maximieren. Es hilft ihm eher zu lernen, als daß es ihn etwas lehrt.“ (Whitmore, 1997, S. 14) Damit lag Gallwey ganz auf der Linie der humanistischen Psychologie, als deren Mitbegründer Rogers anzusehen ist. Sehr bald wurde die Coaching-Methode von Gallwey und anderen Coaches im Sport auf den wirtschaftlichen Bereich übertragen.
Zuerst wurde mit Coaching im betrieblichen Bereich in den USA „ein entwicklungsorientiertes Führen der Mitarbeiter durch den unmittelbaren Vorgesetzten verstanden“ (Heß & Roth, 2001, S. 14). Als in den 1980er Jahren der Begriff nach Deutschland importiert wurde, änderte sich seine Bedeutung zunächst zu einer Beratungsform für Manager auf den höheren Ebenen durch externe Coaches. Dieses Verständnis von Coaching wurde in die USA zurückimportiert, und mitlerweile wird im englischsprachigen Raum für diese Form des Coachings der Begriff Executive Coaching verwendet. Judge und Cowell (1997, zit. nach Kampa-Kokesch & Anderson, 2001, S. 207) stellen den Beginn des weitverbreiteten Executive Coachings um 1990 fest, wobei es auch davor schon vereinzelt Executive Coaching in den USA gab.
Heute gibt es eine Vielzahl von Bedeutungen und Definitionen für den Begriff des Coachings. Fengler (1997a) hat 15 verschiedene Definitionen für Coaching außerhalb des Sports in der Fachliteratur ausfindig machen können. Wenn man sich nur auf das Coaching im wirtschaft-lichen Bereich, also auf das Business-Coaching, konzentriert, kann man die Systematisierung von Heß und Roth (2001, S. 16) nutzen:
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Demnach kann man Coaching in Einzel- und Gruppencoaching aufteilen. Zum Gruppencoaching gehören auch das Systemcoaching und das Projektcoaching. Das Einzelcoaching kann wiederum in Coaching durch die Führungskraft, durch einen internen Coach und durch einen externen Coach aufgeteilt werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Einzelcoaching durch einen externen Coach, wobei es keinen Grund zur Annahme gibt, dass die Prinzipien, die hierfür als wirksam erkannt werden, nicht auch für die anderen Formen des Coachings gelten. Doch wurde die empirische Studie ausdrücklich nur mit externen Coaches in Einzelberatung vollendet.
Auf die Vor- und Nachteile von internen und externen Coaches soll hier nicht näher eingegangen werden. Hierfür sei auf die Literatur verwiesen. (vgl. z.B. Heß & Roth, S. 16-17) Riedel (2003, S. 12) hat die verschiedenen Dimensionen der Coaching-Definition, die seiner Studie zugrunde lagen, kurz zusammengefasst. Für diese Studie können die gleichen Dimensionen herangezogen werden: 1. Zielgruppe: Führungskräfte in Unternehmen 2. Thema: Führungskräfte als Personen im Arbeitskontext 3. Klienten-Bild: Handlungsfähige Individuen 4. Setting: eine Führungskraft und ein Coach 5. Coach-Rolle: unternehmensextern 6. Interaktionstyp: (Prozess-)Beratung
Auch die Definition von Rauen enthält einige wichtige Aspekte, die nicht vergessern werden sollten, wobei er dennoch betont, dass es „das Coaching“ eigentlich nicht gibt, sondern verschiedene Modelle und Vorgehensweisen unterschieden werden müssen. (Rauen, 2003a, S. 16):
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„Coaching ist
- ein personenzentrierter Beratungs- und Betreuungsprozeß, der berufliche und private Inhalte umfassen kann und zeitlich begrenzt ist, (keine „Rat-Schläge", sondern individuelle Prozeß-Beratung im Sinne einer auch präventiven Hilfe zur Selbsthilfe und zur Selbstver-antwortung)
- der auf der Basis einer tragfähigen und durch gegenseitige Akzeptanz gekennzeichnete Beratungsbeziehung in mehreren freiwilligen und vertraulichen Sitzungen abgehalten wird, ( d.h. der Klient wünscht das Coaching freiwillig von sich aus und der Coach sichert ihm Diskretion zu)
- für eine bestimmte Person ... mit Managementaufgaben,
- durch einen [oder mehrere] Berater mit psychologischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen sowie praktischer Erfahrung bezüglich der thematisierten Problemfelder, (um die Situation des Klienten fundiert einschätzen und ihm qualifiziert helfen zu können)
- der auf der Basis eines ausgearbeiteten Coaching-Konzeptes agiert (um dem Klienten gegenüber sein Vorgehen und die verwendeten Interventionen erklären zu können und somit transparent und bewußtseinsfördernd zu arbeiten) (vgl. Beckermann & Unnerstall, 1990, S. 26).
Ziel ist immer die (Wieder-)Herstellung und/oder Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeiten des Klienten, d.h. der Coach soll den Klienten derart beraten bzw. fördern, daß dieser den Coach nicht mehr benötigt." (Rauen, 2003a, S. 64)
Hier fällt das Menschenbild auf, nach dem im Coaching in den meisten Fällen gearbeitet wird, das schon von Whitmore betont wurde. Der Mensch ist selbst fähig, seine Probleme zu lösen. Man muss ihm nur Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Ein „Coach ist kein Problemlöser, Lehrer, Berater, Ausbilder und nicht einmal ein Experte. Er ist ein Resonanzboden, Förderer, Ratgeber, er läßt das Bewußtsein wachsen.“ (Whitmore, 1997, S. 47) Das bedeutet, dass der Klient selbst seine Probleme lösen muss, dass ihm das auch kein Coach abnehmen kann. „Der Coach versucht dabei, Prozesse so zu steuern, dass sie die Ressourcen des Gecoachten bestmöglich entwickeln, damit neue Wahlmöglichkeiten erkannt und genutzt werden können.“ (Rauen, 2002, S. 68) Dieses ist genau das humanistische Menschenbild, nach dem auch Rogers seinen personzentrierten Ansatz entwickelt hat, und er hat sich in genau der gleichen Rolle gesehen. Allerdings ist das Coaching üblicherweise mehr problem- und lösungsorientiert (Böning, 2000, S. 25) als das in der Gesprächspsychotherapie der Fall ist, wo die Person selbst mehr im Mittelpunkt steht als das Problem. Daher wird von einem Coach neben psychologischen Kenntnissen und Fertigkeiten auch meistens Erfahrung und Wissen im betriebswirtschaftlichen Bereich und in Management- und Führungsfragen verlangt. Während die meisten Autoren (z.B. Rauen, 2002; Schreyögg, 2003) solch eine Doppelqualifizierung von einem Coach erwarten, setzt Whit-more (1997, S. 48) ganz auf die psychologischen Fähigkeiten. Für ihn ist ein „Expertenwissen“ in Sachfragen eher hinderlich, weil die meisten Coaches dadurch zu sehr versuchen, ihr eigenes Wissen dem Gecoachten nahe zu legen, was diesem die eigene Verantwortung nimmt. Im systemischen Coachingansatz von Giglio, Diamante und Urban (1998) kann man beide Ansprüche erfüllt sehen. Ihr Coachingprozess durchläuft verschiedene Schritte:
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Obwohl der Coach objektive Informationen anbieten soll - also Expertenwissen zur Verfügung stellt - wird darauf Wert gelegt, dass die Beziehung zwischen Coach und Klient zum Lernen anregt und nicht Lösungen präsentiert werden. Die Lösungen sollen vom Klienten selbst ent-wickelt werden, mit Hilfe der Informationen durch den Coach.
Auch von Jüster (2003, S. 239) wird die Eigenverantwortung des Klienten betont, der auf der gleichen Augenhöhe mit dem Coach steht, durch den er gefördert wird. Als Ziel eines Coachings gibt er an, dass die Arbeitsqualität und Arbeitszufriedenheit verbessert werden soll. (Jüster, 2003, S. 235) Looss und Rauen (2002, S. 116) erklären die Ziele noch etwas detaillierter: Der Klient soll durch den Coach ein Feedback bekommen, das gerade auf höheren Managementetagen oft fehlt. Ihm sollen mehr Wahlmöglichkeiten für sein Verhalten und Erleben gezeigt werden und gleichzeitig Wahrnehmungsverzerrungen und blinde Flecke verringert werden. Die Arbeitsfähigkeit und Leistung des Klienten soll verbessert werden.
Evered und Selman (1989, S. 23) betonen ebenfalls, dass Coaching dem Klienten hilft, Dinge zu sehen, die er auf keine andere Weise sehen könnte, wodurch die Arbeitsergebnisse positiv beeinflusst werden.
Rauen hat im Coaching-Newsletter vom Juni 2004 die Grundwerte im Coaching erläutert. Wenn sich ein Klient für ein Coaching entscheidet, sollen die folgenden Vorasusetzungen erfüllt sein, damit Coaching positive Ergebnisse erbringen kann:
Ein Coaching sollte in jedem Fall freiwillig gesucht und nicht „verordnet“ werden. Denn durch die Erkenntnis der Notwendigkeit für eine Beratung wird ein Klient erst bereit sein, sich beim Coaching auch so zu engagieren, dass eine Veränderung bewirkt werden kann.
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Der Klient braucht ein funktionierendes Selbstmanagement, was bedeutet, dass er nicht psychisch krank sein darf, wofür er dann eine Psychotherapie bräuchte. In so einem Fall muss ein Coaching abgelehnt oder abgebrochen und eine Psychotherapie eingeleitet werden. Der Coach und die Beratungsform „Coaching“ an sich müssen vom Klienten akzeptiert werden. Zwischen beiden muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden können und der Coach muss als gleichwertiger Partner mit Beratungskompetenz wahrgenommen werden. Der Coach muss für eine spannungsfreie Situation sorgen, die zur Offenheit ermutigt. Dafür muss er immer diskret sein und darf den Klienten nicht bewerten. Er soll nicht manipulativ sein, sondern sein Konzept transparent für den Klienten darlegen. Offenheit bedeutet auch, dass man auch unangenehme Fakten benennen kann, ohne den Klienten zu entmutigen. Ein Coaching kann nur wirksam sein, wenn der Klient eine Bereitschaft zur Veränderung mitbringt, auch in mitunter unangenehmen Bereichen.
Die Coachinginhalte müssen absolut vertraulich behandelt werden und dürfen auch nicht an den Arbeitgeber des Klienten weitergegeben werden.
Der Coach ist in seiner Rolle ein bedeutender Feedbackgeber, muss aber neutral bleiben, ohne politische oder ideologische Einflussnahme.
Der Coach muss ständig daran arbeiten, dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und verstärkt wird. Und schließlich ist Coaching ein zweckgebundener Prozess, der von Anfang bis Ende ziel-und leistungsorientiert von Coach und Klient verwirklicht werden muss. (Rauen, 2004a)
3.2 Coaching-Ansätze
Es gibt eine unüberschaubare Zahl verschiedener Coaching-Ansätze, denn fast jeder Coaching-Praktiker entwickelt seinen eigenen Coaching-Ansatz.
Rauen (2003a) hat versucht, die bedeutendsten Coaching-Ansätze vergleichend darzustellen und zu ordnen. Exemplarisch seien hier einige davon herausgegriffen und erwähnt, auf welche Hintergründe und Methoden sie aufbauen.
Brinkmann (2000) beschreibt ein internes Vorgesetzten-Coaching für Mitarbeiter und Teams, bei dem die Systemtheorie und die Systemische Therapie den Hintergrund bilden. Er wendet u.a. das transaktionsanalytische Kommunikationsmodell an.
Hamann und Huber (1991) erläutern ebenfalls ein internes Vorgesetzten-Coaching, in dem sie auf die Transaktionsanalyse aufbauen und transaktionsanalytische und NLP-Methoden verwenden.
Huck (1989) gründet sein externes Einzel- und Team-Coaching hauptsächlich auf kognitivistisch-psychologische Methoden. Und so verwendet er vor allem kognitiv-psychologische Verfahren, wie z.B. die Rational Emotive Verhaltenstherapie nach Ellis. Weiß bezieht sich in seinem Selbst-Coaching-Konzept auf die Neuro-Linguistische Programmierung (NLP) und verwendet dementsprechend NLP-Methoden.
Whitmore (1997) erläutert sein vielfältig einsetzbares Konzept, das für internes und externes Coaching, für Einzel- und Gruppencoaching anwendbar ist. Er wendet gesprächspsychotherapeutische Gespräche und das sogenannte GROW-Modell (Goals - Reality - Options -Will) an, das durch ihn recht weite Verbreitung gefunden hat.
Wie unschwer zu erkennen ist, bauen einige der verbreiteten Coaching-Ansätze auf Menschen-
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bildern oder Methoden von Psychotherapieschulen auf. Man entlehnt erprobte Methoden der verschiedensten Richtungen der Psychotherapie, die teilweise auch von einem philosophischen Hintergrund geprägt sein können, auch für das Coaching.
3.3 Qualität von Coaching
Die Grundwerte im Coaching, die oben von Rauen erläutert wurden, könnte man als Mindest-qualitätsanforderungen für Coaching betrachten.
Qualität hat auch viel mit Qualifikation zu tun. Denn um ein qualitativ hochwertiger Coach zu sein, muss man bestimmte Qualifikationen mitbringen. Heß und Roth (2001, S. 51-59) gehen auf die verschiedenen Qualifikationsaspekte ein, die man von einem Coach erwarten sollte: Zu-vor wurde schon auf die fachliche Doppelqualifikation hingewiesen, die von einem Coach sowohl psychologische als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen verlangt. Hinzu kommt noch die sogenannte Feldkompetenz, die von den unterschiedlichen Coaching-Autoren verschieden stark gefordert wird, worunter Kenntnisse über das Arbeitsfeld des Klienten verstanden werden.
Zur methodischen Qualifikation gehört neben einer methodischen Berater-Kompetenz auch diagnostisches Wissen, sowohl über Auswahl- und Testverfahren als auch über Symtome von z.B. Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen, um den Klienten bei Bedarf an einen Psychotherapeuten weiter zu empfehlen. Rauen betont im Coaching-Newsletter vom September 2004: „Haltung kann nicht durch ein Mehr an methodischer Kompetenz ersetzt werden. Vielmehr ist ein sinnvolles Zusammenwirken nötig: So zeigt die Erfahrung, dass die Beziehungsqualität zwischen Coach und Klient von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg der Beratung ist. Beziehungsgestaltungskompetenz ist aber auch von einer - teilweise kaum noch bewusst wahrgenommenen -Methodenkompetenz abhängig. Es ist also nicht nur die Haltung und nicht nur die Methodik, sondern dass [sic] sinnvolle Zusammenwirken dieser und weiterer Faktoren, die Coaching zu einer erfolgreichen Disziplin der Beratungspraxis machen können.“ (Rauen, 2004b) Es ist also wichtig zu sehen, dass keine der hier genannten Faktoren alleine für sich den Coaching-Erfolg sichern können.
Für ebenso wichtig werden auch persönliche und soziale Kompetenzen erachtet. Heß und Roth (2001, S. 54) fassen diese Kompetenzen zusammen (siehe Tabelle 1, S. 28), wobei sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
Dabei fallen vor allem die ersten drei sozialen Kompetenzen Empathie, Wertschätzung und Authentizität auf, die schon als die sogenannten „Roger-Variablen“ vorgestellt wurden. Auch das „aktive Zuhören“ stammt ursprünglich von Rogers' Theorie ab.
Schließlich wird von Heß und Roth (2001) auf die Bedeutung von Supervision hingewiesen, da ein Coach niemals auslernen kann, sondern immer selbst an sich arbeiten und seine Kompetenzen ausbauen sollte.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Dzierzon, 2004, Personzentriertes Beziehungsverhalten beim Coaching, München, GRIN Verlag GmbH
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