Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 5
Teil I.
RAINALDS ANFÄNGE (1120-1156)
1. Rainalds Ausbildung
1.1. Jugend und Erziehung Seite 8
1.2. Rainalds geistliche Stellung in Hildesheim Seite 10
1.3. Rainalds erste politische Erfahrungen Seite 11
1.4. Charakterisierung Seite 14
2. Rainalds Tätigkeiten von 1156-1167
2.1. Rainalds Erhebung zum Reichskanzler Seite 17
2.2. Rainalds Wahl zum Erzbischof von Köln 1159 Seite 19
2.3. Das Erzbistum Köln Seite 20
2.4. Erzkanzler für Italien Seite 21
2.5. Die Arnsberger Fehde im Jahre 1164 Seite 22
2.6. Rainalds Verdienste für Köln
2.6.1. Die Überführung der Hll. Drei Könige nach Köln 1164 Seite 24
2.6.2. Die Kanonisation der Hll. Drei Könige
und ihre Auswirkungen für Köln Seite 27
2.6.3. Die Heiligsprechung Karls des Großen 1165 Seite 28
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Einleitung
Als Rainald von Dassel 1167 im Alter von ca. 47 Jahren bei Rom einer Seuche erlag, hatte er in den 11 Jahren, die er in den Diensten des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa stand, die Reichs- und Kirchenpolitik maßgeblich geprägt. Seit seiner Ernennung zum Reichskanzler im Jahre 1156 1 bemühte er sich, bemühte er sich mit unerschöpflichem Ehrgeiz und großem diplomatischen Geschick die honor und gloria des Heiligen Reiches wiederaufzubauen und weiter zu erhöhen. Die intensive Beschäftigung mit kirchenpolitischen Problemen und die zeitaufwendigen Reisen im Dienste des Kaisers führten dazu, daß der seit 1159 ernannten Erzbischof von Köln nicht viel Gelegenheit hatte, sich um die Belange seines Erzstiftes zu kümmern. So hielt er sich während seiner achtjährigen Amtszeit insgesamt nur knapp eineinhalb Jahre in seinem Diözesanbereich auf.
Daß er insgesamt gesehen seine Pflichten als Metropolit nichtsdestotrotz zuverlässig und zufriedenstellend erfüllte und dafür das uneingeschränkte Lob seines Nachfolgers Philipp von Heinsberg 2 erhielt, wirft zwar ein strahlendes Licht auf sein erstaunliches Organisationstalent und seine bischöfliche Auffassung, doch auf der anderen Seite ändert es nichts daran, daß sein gesamtes Denken und Handeln hauptsächlich von den politischen Aufgaben seines Kaisers und des Reiches in Anspruch genommen wurde. Durch seinen Kanzler und späteren Erzkanzler Rainald von Dassel wurde Friedrichs Kampf mit dem imperialen Papsttum und das Bestreben, die Herrschaft über Italien zurückzugewinnen, die Hauptaufgabe der staufischen Politik. So ist Rainalds Lebensgeschichte untrennbar mit den Ereignissen der staufischen Kirchen- und Italienpolitik verknüpft. Trotz seiner Rolle als leitender Staatsmann, hielt er sich von der Ostpolitik fern und beschäftigte sich nur insofern mit der deutschen Innenpolitik, wie sie auch das Erzbistum Köln betraf.
1 Erste von Rainald als Kanzler rekognoszierte Urkunde. In: Friderici I. Diplomata (1152-1190): Ed. H. Appelt (MHG DDFI.) Hannover 1975-1990. Nr. 138. vom 10. Mai 1156.
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Da mit der Italien- und Papstpolitik auch die politischen Beziehungen zu den Westmächten, England und Frankreich, eng verbunden waren, spricht es für Rainalds überlegte politische Taktik, daß er diesen wichtigen außenpolitischen Mächten während seiner Amtszeit die größte Aufmerksamkeit zuwandte und ständig danach strebte, sie von der Rechtmäßigkeit der staufischen Politik zu überzeugen.
Da das Mittelalter keine bekannte „Vita Rainaldi“ hervorgebracht hatte, findet sich die einzig ausführliche und zusammenhängende Beschreibung seines Lebens und seiner Taten in der, von Otto von Freising begonnenen und von Rahewin fortgesetzten „Gesta Friderici 3 “. Da die Gesta Friderici jedoch für ihren prostaufische Standpunkt bekannt ist, ist es auch wichtig, die andere Seite zu beachten. Ein interessantes Beispiel hierfür ist die umfangreiche Briefsammlung Johannes von Salisburys 4 .
Als Grundlage für diese Arbeit dienten die beiden einzigen Monographien über das Leben Rainalds von Dassel von Julius Ficker 5 und Rainer Maria Herkenrath 6 . Ein großer Nachteil ist jedoch, daß Ficker sich in seinen Ausführungen sehr beschränkt, während bei Herkenrath die päpstliche Seite etwas stiefmütterlich behandelt wurde.
2 Lacomblet, Theodor Josef: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band 1. Düsseldorf 1840. Nr. 531.
3 Ottonis et Rahewini: Gesta Friderici I. imperatoris. Ed. Georg Waitz. In: MGH SS 20. Hannover/ Leipzig 1912.
4 The Letters of John of Salisbury: Edd .W.J. Millor und C.N.L. Brooke. Vol I. The early letters (1153-1161). Edinburgh 1955. und Vol II. The later letters (1163-1180). Oxford 1979.
5 Ficker, Julius: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln 1156-1167. Aalen 1966 (Neudruck der Ausgabe Köln 1850).
6 Herkenrath, Rainer Maria: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. Dissertation. (Maschinenschrift). Graz 1962.
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Es soll nun versucht werden, anhand von neuerschlossenen Quellen 7 , die den beiden Autoren, während ihrer Arbeit nicht zur Verfügung standen, das Leben Rainalds von Dassel erneut zu konstruieren und neue Aspekte darzustellen. Dabei habe ich mich vor allem auf die bezüglich der Themenstellung und des Zeitrahmens relevanten zeitgenössischen Autoren und Werke konzentriert. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf den Auseinandersetzungen zwischen Rainald und der Kirche, der im zweiten Teil behandelt wird. Weiterhin wird auf seine Anfänge und seine Verdienste in der Italienpolitik bis zu seinem Tod 1167 eingegangen.
Mit dieser Magisterarbeit möchte ich meinen Eltern einen großen Dank für die finanzielle Unterstützung, die mir das Studium ermöglicht hat, aussprechen. Auch bei Herrn PD Dr. Detlev Zimpel möchte ich mich bedanken, da er jederzeit bereit war, auf meine Fragen einzugehen.
7 Friderici I. Diplomata (1152-1190): Ed. H. Appelt (MHG DDFI.) Hannover 1975-1990. und Migne, Jacques-Paul: Alexandri III. Romani pontificis opera omnia id es Epistolae et Privilegia. Tomus 200. Belgien 1968.
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Rainald wurde um 1120 als zweiter Sohn des niedersächsischen Grafen Reinold I. von Dassel in Sachsen geboren. Sein genaues Geburtsjahr läßt sich heute jedoch nicht mehr feststellen 8 . Der erste urkundliche Beleg aus dem Jahr 1113 9 beweist, daß das edelfreie Geschlecht der Grafen von Dassel, erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts in den Besitz einer Grafschaft gelangte. Für Rainalds erfolgreiche Zukunft und seinen ruhmreichen Aufstieg, war diese Würde sicher nicht unerheblich.
Wie es für Zweitgeborene in dieser Zeit üblich war, wurde Rainald schon früh für den geistlichen Dienst bestimmt. Da sich der Stammsitz des Grafen in der Diözese Hildesheim befand, lag Nichts näher, als den jungen Grafensohn auf die räumlich nächste Domschule zu schicken. So wird angenommen, daß er etwa um 1130 in das Hildesheimer Domstift eingetreten ist 10 . Die Hildesheimer Domschule, welche damals zu den bedeutendsten Ausbildungsstätten Sachsens gehörte, hatte unter
8 Vgl. Forschungsdiskussion bei: Grebe, Werner: Studien zur geistigen Welt Rainalds von Dassel. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Heft 171. Düsseldorf 1969. S. 5.
9 Regesta Historiae Westfaliae: H. A. Erhard (Hrsg.). Münster 1851. Teil 1. S. 140. Nr. 182.
10 Rainalds erste urkundliche Erwähnung findet man am 7. Februar 1131 in: Janicke, K.: Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe. Teil 1. Leipzig 1896. In: Publikationen aus den Preußischen Staatsarchiven. Band 65. Nr. 192.
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ihrem „magister scholarum“ und späteren Bischof, Bernhard von Hildesheim, einen beachtlichen Ruf erhalten 11 .
Rainald kam in der Domschule sicher in den Genuß einer ausgezeichneten und fundierten Ausbildung und Erziehung. Da man in Hildesheim sehr viel wert auf grammatisch-rhetorische Studien legte, ist anzunehmen, daß er dort auch die Grundlage für seine später rhetorische Begabung erhielt 12 . Doch nicht nur die hohe Kunst der Verhandlungen lernte Rainald im Hildesheimer Domstift. Auf Anraten des Goslaer Kanonikers Adelhog, widmete er seine Aufmerksamkeit auch dem wissenschaftlichen Studium, worin er es bald zu hervorragenden Leistungen brachte 13 .
Rainalds umfangreiche, solide Ausbildung und sein überdurchschnittliches Wissen wird auch noch Jahre später in verschiedenen Annalen bestätigt. So berichten zum Beispiel die Annales Egmundani: „Iste ab adolescentia vir erat strenuissimus tam liberali quam seculari sciencia praedius 14 “, während man in der Chronica Regia Coloniensis eine Bezeichnung als: “vir sapientia et industria mirabilis 15 “ lesen kann.
Ein Studienaufenthalt in Frankreich zwischen 1140 und 1146 16 brachte den Bildungsgang des jungen Klerikers zum Abschluß. In welcher Stadt Rainald genau studiert hat, läßt sich heute nicht mehr nachweisen, dennoch wird sehr oft
11 Föhl, Walther: Studien zu Rainald von Dassel I. (Jugend und Studium). In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 17. Köln 1935. S. 236.
12 Hofmeister, Adolf: Studien über Otto von Freising. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Band 37. Berlin 1912. S. 130.
13 Knipping: Regesten. Reg. 675: „Cum Pater (Reinoldi) peregre abiisset tantoque abfuisset tempore, ut plerique illum existimarent periise, Reinoldus suasu Adelhogi Goslariensis canonici bonis literis navavit operam, in quibus tantum profecit, ut subito eminere summisque honoribus dignus haberi coeperit“.
14 Annales Egmundani: Ed. Georg Heinrich Pertz. In: MGH SS 16. Hannover 1859. S. 464.
15 Chronica Regia Coloniensis: Ed. Georg Waitz. MGH SS. rer. Germ. in usum schol. Hannover 1880. S. 95.
16 Da sich Rainald erst 1146 wieder unter den Zeugen einer Hildesheimer Urkunde findet und die Dauer des Unterrichts an Stiftsschulen in der Regel sechs Jahre betrug, kann er sich nur zwischen 1140 und 1146 im Ausland aufgehalten haben. Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 239. und Föhl: Studien zu Rainald von Dassel I. S. 241.
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Paris angenommen 17 . Wie gut er seine erworbenen Sprachkenntnisse beherrschte, geht daraus hervor, daß er seine Ausführungen auf der Synode in St. Jean de-Losne im September 1162 nicht nur in Deutsch, sondern auch in lateinischer und in französischer Sprache hielt 18 .
Rainald studierte nach 1140 jedoch nicht mehr nur als Domherr, sondern finanzierte sich seine Studien und den Lebensunterhalt bereits mir den Einkünften eines Propstes 19 .
1.2. Rainald geistliche Stellung in Hildesheim
Es ist sicher Rainalds vielgerühmte Klugheit und seine „sagacitas 20 “ zu verdanken, daß er seine Karriere schon im Jahre 1140 als Dompropst in Hildesheim begann. Da das Kapitel ab dem Jahre 1143 jedoch über zwei Pröpste verfügte 21 , sah man sich gezwungen, den Zustand der Doppelbesetzung zu beenden. Eine Lösung ergab sich, mit der Beendigung des Studiums, da Rainald seit dem Jahre 1146 mit dem Rang eines Subdiakons in Hildesheim erwähnt wird 22 .
Zunächst reihte er sich noch in die Reihe der einfachen Kanoniker ein, doch bereits im Jahre 1146 steht er als „cellerarius“, wieder an der Spitze der
17 Ex Saxonis Gesta Danorum. Lib. XIV.: Ed. Georg Waitz. In: MGH SS 29. Hannover 1892. S. 114: „(...) nunc Latialiter, nunc Gallica Germanicque fando tornis acuonem vocibus iteraret.“
18 Knipping: Regesten. Reg. 750.
19 In einer Urkunde aus dem Jahre 1140 wird er bereits als „praepositus“ bezeichnet. Vgl. Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 222.
20 Acerbus et Ottonis Morena: Ed. Philipp Jaffé. In: MGH SS 18. Hannover 1863. S. 168.
21 Da sich Rainald wegen seiner Studien lange Zeit nicht in Hildesheim aufhielt und somit bei einem Besuch König Konrads III. im Jahre 1143 abwesend war, setze dieser, gegen den Willen des Kapitels, seinen Stiefbruder Konrad von Babenberg als neuen Propst ein. Vgl. Annales Palidenses: Auctore Theodor Monacho. In: MGH SS 16. Hannover 1859. S. 81. „Conradus rex Hildesheim venit, ubi frater eius Conradus annitentibus amicis maiorem preposituram suscepit.“
22 11. März 1146. In: Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 239. Föhl geht davon aus, daß sich Rainald den geistlichen Rang des Subdiakons bereits in Frankreich erworben hat. Föhl: Studien zu Rainald von Dassel I. S. 243.
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Subdiakone 23 . Nach der Erhebung Konrads von Babenberg zum Bischof von Passau im Jahre 1147 ergaben sich für Rainald wieder neue Perspektiven. So erhielt er nur ein Jahr später seine alte Stellung als Propst zurück 24 .
Als Dompropst unterstand ihm die Verwaltung der Güter und des Haushaltes. Sicher begnügte sich Rainald nicht damit, die Einkünfte seiner Pfründe einzuziehen, ohne sich um die Klostergüter zu kümmern. Dabei ergab sich, bedingt durch die regelmäßige Visitation, eine rege Reisetätigkeit des Dompropstes.
Da er als Propst die weltlichen Angelegenheiten des Stiftes besorgte, eignete sich seine Stellung ausgezeichnet, um sich als angehenden „Staatsmann“, die nötige Gewandtheit in der Führung der Geschäfte anzueignen.
1.3. Rainalds erste politische Erfahrungen
Auf einem am 21. März 1148 in Reims geladenen Konzil, zu dem sich geistliche Würdenträger aus Deutschland, Spanien und Frankreich eingefunden hatten, betrat Rainald erstmals das politische Parkett 25 .
Von den Verhandlungen sind zwar eine Reihe „canones“ erhalten, die öffentlich verlesen wurden, doch im Zusammenhang mit Rainald von Dassel ist nur ein Dekret von Interesse. Darin geht es um den Gebrauch von „varium pellium“, die als zu weltliche Mode bei allen Bischöfen und Klerikern verboten werden sollte 26 .
23 3. August 1146. In: Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 241.
24 Zu Rainalds Tätigkeiten als Dompropst vgl. ausführlich: Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 33ff. und Schambach, Karl: Forschungen zur Geschichte Rainalds von Dassel als Domherr von Hildesheim. Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 78. Hannover 1913. Seite 343-361.
25 Historia pontificalis a 1148-1152: Ed. Wilhelm Arndt. In: MGH SS 20. Hannover 1868. S. 519.
26 Vgl. alle Kanones in: Mansi, Johannes Dominicus: Sacrorum conciliorum nova et amplissima collectio. XXI. Graz 1961. S. 714 §2: „Praecipimus etiam, quod tam episcopi, quam clerici, neque in superfluitate, seu inhonesta varietate colorum, aut scissura vestium, neque in tonsura, intuentium, quorum forma et exemplum esse debent, ostendant aspectum, (...).“
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Von französischen und deutschen ritterlichen Kreisen war die beliebte Sitte im Laufe der Zeit für die Kleidung der höheren Geistlichkeit übernommen worden. Besonders von Seiten der eifrigen Reformer unter Bernhard von Clairvaux, die eine einfachere und strengere Lebensführung der Geistlichen forderten, wurde das Verbot unterstützt 27 .
Während nun die meisten Prälaten, die über die Geltung dieses Verbotes befragt wurden, zustimmten, erhob sich Rainald und erklärte, daß ein Verbot in Wirklichkeit weder den Zeitgenossen und Anwesenden, noch den Nachkommen gefallen würde 28 . Von seinem mutigen und entschlossenen Vorgehen beeindruckt, traten auch andere Deutsche in Opposition 29 . Daß das Verbot durch Rainalds Äußerung, jedoch nicht zu Fall gebracht wurde 30 , läßt sich anhand der Historia pontificalis bestätigen. Im Gegensatz zu Föhls Aussage, der den Vorgang fehlinterpretiert hatte, wurde das Dekret, trotz Rainalds Einspruch, nicht abgelehnt 31 . In der Histroia pontificalis heißt es nämlich: „et assensu publico roborata, uno tamen excepto 32 “, womit nur gesagt ist, daß eines der Dekrete nicht den allgemeinen Beifall gefunden hatte, aber trotz des Einspruches der deutschen Partei, angenommen wurde 33 .
Für Rainald war es das erste Mal, daß er sich offen gegen die Ziele der Kurie richtete. Auch wenn es sich bei diesem Dekret nur um eine zweitrangiges Problem handelte, ist es doch überraschend, daß er trotzdem das Risiko einer möglichen Auseinandersetzung mit Papst Eugen III. einging.
27 Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 28.
28 Historia Pontificalis. MGH SS 20. S. 519. „Decreta deinde promulgata sunt cum interpretationibus et causis suis et assensu publico roborata, uno tamen excepto. Nam cum usus variarum pellium clericis interdiceretur, et plurimi interrogati sibi complacere responderent, Raginoldus de Hildenesham et alii Teutones reclamaverunt decretum hoc nec placere presentibus, nec posteris placiturum.“
29 Föhl: Studien I. S. 246.
30 Föhl: Studien I. S. 246.
31 Siehe dazu Forschungsdiskussion bei: Spörl, Johannes: Rainald von Dassel auf dem Konzil von Reims 1148 und sein Verhältnis zu Johannes von Salisbury. In: Historisches Jahrbuch im Auftrag der Görres-Gesellschaft. Hrsg. von Johannes Spörl. Band 60. Köln 1940. S. 252f.
32 Historia Pontificalis. MGH SS 20. S. 519.
33 Mansi: Sacrorum conciliorum... XXI. S. 714ff.
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Anhand dieser ungewöhnlichen Meinungsverschiedenheit läßt sich jedoch gut nachvollziehen, daß Rainald schon zu Beginn seiner Karriere ein so ausgeprägtes Selbstbewußtsein besaß, daß er sich nicht scheute, seine Meinung in der Kurie offen zu vertreten.
Im Juli 1150 erscheint Rainald als Abgesandter auf dem Hoftag Konrads III. in Würzburg 34 . Dabei kam er - soweit bekannt ist - daß erste Mal mit dem Hof in persönlichen Kontakt. Nicht ganz unwichtig war auch das erste Zusammentreffen mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem zukünftigen König. Auch der damalige Kanzler, Arnold von Wied, hielt sich dort auf 35 . So ist anzunehmen, daß der Dompropst dabei mit dem übrigen Kanzleipersonal zusammentraf, und im Hinblick auf die Geschäfte der Reichskanzlei mit ihnen ins Gespräch kam.
Das nächste nachweisbare Zusammentreffen zwischen Friedrich und seinem zukünftigen Kanzler findet man zwei Jahre später in der zweiten Urkunde des neugewählten Königs 36 . Nach Konrads III. Tod 1152, war der Schwabenherzog Friedrich als Nachfolger gewählt und am 9. März 1152 in Aachen durch Erzbischof Arnold II. von Köln zum König gekrönt worden.
Neben den höchsten Würdenträgern findet sich in der Zeugenreihe dieses Diploms, neben Wibald von Stablo, auch der Dompropst Rainald von Dassel. Daß dieser nicht bereit war, in der Zukunft ein nur rein geistliches Leben zu führen, und sich von der weltlichen Politik fernzuhalten, wird angesichts der Räte, die den jungen König umgaben und der Ehre, die damit verbunden war, deutlich. Sein zukünftiger Wirkungsbereich sollte sich nicht nur auf seine Stelle als Propst beschränken, sondern ihn zu einer ruhmreicheren und anspruchsvolleren Aufgabe führen.
34 Am 30. Juli 1150. In: Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 264. Über die genauen Vorgänge vgl. Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 44f.
35 Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 264.
36 Vom 9 Mai. 1152. In: DFI. Nr.10.
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Von ausschlaggebender Bedeutung für Rainalds Zukunft wurde daher seine Reise nach Rom zwischen 1152/53 37 . Dort sollte er, im Auftrag Bischof Bernhards von Hildesheim, die Ehescheidung Friedrich Barbarossas von Adelheid von Vohburg unterstützen 38 .
Da Bernhard Rainald damit beauftragte, liegt die Vermutung nahe, daß der Dompropst auf Friedrichs Betreiben hin, mit dieser Aufgabe betraut wurde, da er bereits in Reims seine Haltung zur Kurie bewiesen hatte, worüber der König sicher Kenntnis besaß. Damit bekam der Propst die Gelegenheit, die Verhältnisse und die Stimmung in der römischen Kurie kennenzulernen.
1.4. Charakterisierung Rainalds
Nach den verschiedenen Schilderungen seiner Zeitgenossen 39 , war Rainald von Dassel von mittlerer Größe, wohlgebaut, aber nicht zu dick. Acerbus Morena schildert ihn folgendermaßen:
„Raynaldus electus archiepiscopos Colonie, qui canzellarius primum vocabatur, sed postea fuit archiecancellarius Ytalie, erat mediocriter lungus et spissus, venustam et coloratam faciem habens, membris bene compositis et extensis, capillis mollibus et quasi flavis 40 .“
Neben glänzender Beredsamkeit und einer umfassenden wissenschaftlichen Bildung, verfügte er auch über eine unermüdliche Ausdauer und einen unerschütterlichen Eifer in der Leitung der Staatsgeschäfte. Es ist daher verständlich, daß ein Staatsmann wie Friedrich Barbarossa, Rainald als Ratgeber und Legaten überaus zu schätzen wußte.
37 Privileg Papst Eugens III. vom 3. Januar 1153. Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 281.
38 Föhl: Studien I. S. 255ff.
39 Vgl. z.B. Acerbus et Ottonis Morena, Radevicus und den Archipoet. Im folgenden ausführlich erwähnt in Julius Ficker: Reinald von Dassel. S. 11-13.
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Die theologischen und kirchenrechtlichen Lehren, wie er sie mit Sicherheit in Frankreich gehört hatte, beeinflußten sein Denken und Handeln jedoch wenig. Auch der bernhardinischen Auffassung vom Verhältnis zwischen Kirchen und Staat stand er sicher ebenfalls gleichgültig gegenüber. Seine Interessen lagen in der Kulturwelt der Antike und in ihren staatsrechtlichen Theorien 41 . Hier sieht Stelzmann den Grund für Rainalds Überzeugung von der Allmacht des Reiches und die Grundlage für seinen konsequent geführten Kampf gegen die Herrschaftsansprüche der Kurie gegenüber der weltlichen Macht 42 . Die Feder wußte er ebenso zu gebrauchen, wie das Schwert, wie er auf seinen Italienzügen mehrmals unter Beweis stellte. So unerbittlich sich seine Härte gegen Besiegte und verletzter Stolz gegen Gleichgestellte richtete (Mailand), so mild und freigiebig konnte er die Aufmerksamkeit der Untergebenen gewinnen. Die Hauptleidenschaft, die ihn bestimmte, war sein unermüdlicher Ehrgeiz, dessen höchste Befriedigung er in der Verwirklichung seiner Ziele suchte. So rastlos und ehrgeizig er auch als Dompropst in Hildesheim oder später in der ihm anvertrauten Verwaltung des Erzbistums Köln war, so intensiv kümmerte er sich auch um die Belange des Reiches.
Die folgenden Kapitel werden zeigen, daß sein starker und unbeugsamer Wille ihn vor keiner Konsequenz seiner Taten zurückschrecken ließ. Hatte er einmal ein Ziel vor Augen, versuchte er es bis zum Ende durchzusetzen, auch wenn eine Lösung nur durch einen offenen Kampf zu erreichen war. Bei aller Weltzugewandtheit und Prachtliebe (vgl. das Konzil in Reims) ist Rainalds Lebensführung bescheiden und sein sittliches Leben makellos geblieben 43 . Hierin unterschied er sich sehr von anderen Erzbischöfen seiner Zeit. Rainald war jedoch auch der weltlicher Freude und Kunst durchaus zugetan. Wie so mancher geistliche Fürst des Mittelalters war auch er ein begeisterter Bauherr
40 Acerbus et Ottonis Morena: Ed. Philipp Jaffé. In: MGH SS 18. Hannover 1863. S. 640. Vgl. auch Beschreibung bei: Ottonis et Rahewini: Gesta Friderici I. imperatoris. Cap. III. 19.
41 Stelzmann, Arnold: Rainald von Dassel und seine Reichspolitik. Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 25. Köln 1950. S. 60-82. S. 66.
42 Vgl. hierzu Stelzmann: Rainald von Dassel. S. 66f.
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und Freund der Poesie. So baute er als Kölner Erzbischof nicht nur einen neuen erzbischöflichen Palast mit mehreren Kapellen, sondern ließ am Dom auch zwei neue Türme errichten 44 . Auch als Mäzen des berühmten Archipoeten machte er sich in der Vagantenpoesie einen Namen. Seine knappen Verse und gereimten Lieder, die zwischen hohem Ernst und Frivolen schwanken, gehören heute zur Hochblüte der Vagantendichtung. So findet man den Erzpoeten etwa seit 1160 in der engeren Umgebung Rainalds 45 .
43 Grebe: Studien zur geistigen Welt. S. 18.
44 Grebe, Werner: Rainald von Dassel als Reichskanzler Friedrich Barbarossas. Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 49. Köln 1978. S. 53f.
45 Siehe hierzu: Watenphul, H. und Krefeld, H.: Die Gedichte des Archipoeta. Heidelberg 1958. S. 60.
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Nach Arnold von Selenhofen und Zeizolf war Rainald von Dassel der dritte Kanzler Friedrich Barbarossas. Nach einer kurzen Vakanz des Kanzleramtes 46 wurde der Dompropst zu Hildesheim und Münster und Inhaber zweier weiterer Propsteien zu Hildesheim und Goslar, im Jahre 1156 mit der Leitung der Reichskanzlei betraut. Der genaue Zeitpunkt der Berufung zum Kanzler Friedrichs I. steht nicht genau fest. Die früheste von Rainald rekognoszierte Urkunde ist jedoch auf den 10. Mai 1156 datiert 47 . Der übliche Weg in die Reichskanzlei ging meist über die Zugehörigkeit zur Hofkapelle 48 . Es ist jedoch nie der Beweis erbracht worden, daß Rainald vorher der Hofkapelle angehörte. Mag er auch schon vorher in enger Verbindung zu den Mitgliedern dieses Kreises gestanden haben, so trat er im Jahre 1156- ohne je capellarius, notarius oder pronotarius genannt worden zu sein- plötzlich an die Spitze der Kanzlei 49 .
An der unerwarteten Erhebung Rainalds, eines „Außenseiters“ des kaiserlichen Hofes, ist deutlich zu erkennen, daß dessen Wahl zum Reichskanzler sicher nicht unbeabsichtigt geschah. So scheint es, daß seine Ernennung ohne Rücksicht auf
46 Seine Vorgänger Erzbischof Arnold II. von Köln ( 14. Mai 1156) und Friedrich II. ( 15. Dezember 1159) starben beide bei einem Reitunfall.
47 Föhl, Walter: Studien zu Rainald von Dassel II. (Weg in die Reichskanzlei). Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 20. Köln 1938. S. 252. und Urkunde vom 10. Mai 1156 in Boyneburg. In: MGH DFI. Nr. 138.
Über Rainalds Tätigkeiten als Urkundenaussteller und Rekognoszent vgl. ausführlich: Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 66ff. und Herkenrath, Rainer Maria: Rainald von Dassel und die Reichskanzlei von 1156-1167. In: Protokoll des Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Band 131-139. Konstanz 1966. S. 6ff.
48 Zur Kanzlei Friedrich Barbarossas und dem Kanzleiwesen vgl.: Appelt, Heinrich: Die Kanzlei Friedrich Barbarossas. In: Die Zeit der Staufer. Ausstellungkatalog des Württembergischen Landesmuseums. Band IV. Stuttgart 1977. S. 17-34.
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den meist üblichen Ausbildungsweg, einer unmittelbaren Willensäußerung Friedrichs zu verdanken war. Es ist auch anzunehmen, daß sich der Kaiser, im Vergleich zu seinen Vorgängern, nun eine selbständigere Persönlichkeit für die Leitung der Reichskanzlei wünschte und bestrebt war, einen engeren Vertrauten zu gewinnen 50 .
Schon vor seiner Wahl zum deutschen König, war er mit Rainald auf dem Würzburger Reichstag 1150 zusammengetroffen. Für die folgenden Jahren sind zwei weitere persönliche Begegnungen zu belegen 51 . Überdies hatte Rainald seit Jahren guten Kontakt mit Persönlichkeiten der staufischen Partei gepflegt 52 .
Als Rainald die Kanzleigeschäfte übernahm, hatte Friedrich Barbarossa bereits einen Kreis gleichgesinnter Männer und Gefolgsleute um sich versammelt. Es war nun Rainalds Aufgabe, sich nicht nur unter den maßgebenden Fürsten zu behaupten, sondern sich auch einen einflußreichen Platz an der Seite des Kaisers zu erobern, wozu ihm sein Amt, das ihn täglich an den Kaiser band, dienen sollte. Obwohl sich viele dieser Fürsten durch ihren Charakter, sowie ihre Herkunft und Würde auszeichneten, war Rainald seinen Gesinnungsgenossen an Bildung und konsequenter Haltung weit überlegen. Durch diese Eigenschaften wurde er bald zum engsten politischen Berater und zur wichtigsten Persönlichkeit in der Umgebung des Kaisers. Barbarossas bislang erster Ratgeber, der auf Ausgleich bedachte Bischof Eberhard II. von Bamberg, verlor daraufhin schnell seinen Einfluß 53 .
Mit seinem Eintritt vollzog sich in der Kanzlei nicht nur ein personeller Wechsel, sondern auch eine politische Änderung des Kurses in der kaiserlichen Politik. So
49 Vgl. Föhl: Studien II. S. 243.
50 Grebe: Rainald von Dassel als Reichskanzler. S. 50.
51 Am 9. Mai 1152 stellte Friedrich eine Urkunde in Goslar aus. Vgl. Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 279.
Auch auf dem Reichstag zu Goslar 1154, auf dem Heinrich dem Löwen endgültig das Herzogtum Bayern zugesprochen wurde, ist Rainald nachzuweisen. Siehe hierzu: Janicke: Urkundenbuch Hildesheim. Nr. 285. und MGH DFI. Nr. 10.
52 Grebe: Rainald von Dassel als Reichskanzler. S. 49.
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wurde mit dem Tod Erzbischof Arnolds II. von Köln 1156, nicht nur die Hauptstütze der kurialen Partei ausgelöscht. Bereits nach Friedrichs Krönung waren viele Anhänger der früher so mächtigen päpstlichen Partei zu Friedrich I. übergetreten. Rainalds Ehrgeiz war es nun, die Schwäche der Kirche auszunutzen und seine eigenen Ziele zu erfüllen. So machte er es sich zur Lebensaufgabe, zusammen mit dem Kaiser, die honor und gloria des Heiligen Reiches wiederherzustellen und zu erweitern 54 . Und wo fand er einen besseren Ausgangspunkt, wenn nicht an der Quelle der Reichsgeschäfte: Der Kanzlei.
2. 2. Rainalds Wahl zum Erzbischof von Köln 1159
Am 15. Dezember 1158 war Erzbischof Friedrich II. von Köln in Folge eines Sturzes vom Pferd in Italien gestorben 55 . Friedrich Barbarossa teilte den Kölnern den Tod ihres Metropoliten mit und schlug ihnen zugleich seinen Kanzler Rainald als Nachfolger vor 56 . Das Volk und der Klerus der Stadt entsprachen dem Wunsch des Kaisers und wählten einstimmig Rainald von Dassel zum neuen Erzbischof 57 . Mit Freude erteilte er seinem Kanzler die Regalien 58 und bestätigte den Wahlentscheid.
Mit seiner Ernennung zum Erzbischof und der damit verbundenen Übertragung des Erzbistums Köln kamen auf Rainald, neben seinem Amt als Kanzler, noch
53 Zu Eberhard II. siehe ausführlich: Föhl, Walther: Bischof Eberhard II. von Bamberg, ein Staatsmann Friedrichs I. als Verfasser von Briefen und Urkunden. MIÖG 50, 1936. S. 73-131.
54 Vgl. auch: Rassow: Honor Imperii.
55 Ottonis et Rahewini: Gesta Friderici. MGH SS 20. Cap. IV. 17.
56 Chronicon montis sereni: Ed. Ernst Ehrenfeuchter. In: MGH SS 23. Hannover 1874. S. 151: „Coloniensi archiepiscopo successit Reinaldus maioris ecclesie Hildesheimensis prepositus et cancellarius.“
Über die weiteren Quellen, die über die Wahl Rainalds berichten, siehe ausführlich: Knipping: Regesten. Nr.675.
57 Chronica regia Coloniensis. S. 101. „Colonienses pari voto et communi electione Reinoldem cancellarium in pontificem sibi elegerunt, qui adhuc in Italia cum imperatore erat.“
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weitere Aufgaben zu. Er war nun als Erzbischof von Köln und Erzkanzler für Italien nach dem Kaiser und dem Erzbischof von Mainz der höchste Würdenträger des Reiches.
Seine vielseitigen und aufwendigen Tätigkeiten im Auftrag von Kaiser und Reich boten ihm zeitlich wenig Gelegenheit, sich intensiv um die Belange seines Erzstiftes zu kümmern. Anhand der Urkunden, die Rainald für Köln in den Jahren 1159-1167 ausgestellt hatte, läßt sich schließen, daß er nur eineinhalb Jahre während seiner achtjährigen Amtszeit als Erzbischof in seinem Diözesanbereich wirkte. Daß er dennoch seine Pflicht als Metropolit ausreichend erfüllte, zeugt zwar von einer erstaunlichen Leistungskraft und bischöflicher Amtsauffassung, ändert aber nichts an der Tatsache, daß sein Handeln und Denken weitgehend vom Wohl für den Kaiser und das Reich beansprucht war.
2.3. Das Erzbistum Köln
Mit seiner Erhebung zu Erzbischof trat Rainald an die Spitze der Kölner Kirche, die nach Mainz als die angesehenste Kirche Deutschlands galt. Die Bischofsstadt Köln war nicht nur die wohlhabendste und größte Stadt des deutschen Reiches, sondern sie besaß auch eine große Zahl berühmter Stifte und Klöster. Als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz reichte Rainalds kirchlicher Einfluß weit über die Diözesangrenzen hinaus. So zählten Lüttich, Utrecht, Münster, Osnabrück und Minden zu den Suffraganbistümern der rheinischen Metropole 59 . Da Aachen zum Bistum Lüttich gehörte, stand dem Kölner Metropoliten außerdem auch die Krönung des deutschen Königs zu.
Wie Cäsarius von Heisterbach berichtet, sorgte Rainald während seiner Amtszeit als Kölner Erzbischof für eine gute Verwaltung der erzbischöflichen Güter, die
58 Chronica regia Coloniensis. S. 101. „Gavisus ergo imperator quod locum honoris deferendi ei invenisset, grato animo Coloniensem episcopatum et quae sui iuris erant tradidit.“
59 Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 153.
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sich vor seinem Antritt in einem scheinbar desolaten Zustand befunden hatten. Um diesen Verhältnissen entgegenzusteuern, nahm er aus den in seinem Erzbistum gelegenen Zisterzienserabteien Kamp und Altenberg loyale Laienbrüder zur Verwaltung der erzbischöflichen Höfe, die dafür sorgten, daß die jährlichen Abgaben auch dem Erzbischof zugeführt wurden 60 .
Trotz seiner häufigen Abwesenheit konnte Rainald seinem Erzbistum und sich einen beachtlichen Ertrag sichern. So gab er seine vier Propsteien, die er als Pfründe besaß, auch nach seiner Wahl zum Erzbischof nicht auf, sondern bezog weiterhin seine Einkünfte daraus 61 . Nach dem damaligen kirchlichen Rechtsgrundsatz, mußte ein Elekt seine bisherigen Pfründe erst nach erfolgter Weihe abgeben 62 . Es ist daher auch verständlich, warum Rainald den Empfang seiner Weihe bis zum Oktober 1164 hinauszögerte 63 .
2.4. Erzkanzler für Italien
Mit Rainalds Wahl zum Erzbischof von Köln im Jahre 1159 war auch das Amt des Erzkanzlers für Italien verbunden 64 . Als maßgeblicher Zeitpunkt für den Antritt des Erzkanzleramtes war jedoch weder die Wahl zum Erzbischof, noch die
60 Cäsarius von Heisterbach: Dialogus miraculorum. Ed. Joseph Strange. Köln, Bonn, Brüssel 1851. S. 230: „Tempore illo, quo Reynaldus factus est Coloniae archiepiscopus, et essent episcopii redditus “obligati, curtesque desolatae, suasum est ei, ut ex diversis domibus ordinis Cisterciensis dioecesis suae conversos fideles atque providos accomodaret, qui et curtibus prae essent et annuos redditus sua industria reformerent. Quo cum consilio tali acquievisset et tam ex Campo quam ex monte domibus religiosis, conversos aliquos collegisset, suasum est ei, ut etiam praedictum conversum (Steinfeldensem) assumeret.“
61 Schambach, Karl: Das Verhalten Rainalds von Dassel zum Empfang der höchsten Weihen. Zeitschrift des Vereins für Niedersachsen 80. Hannover 1915. S. 175ff.
62 Schambach: Das Verhalten Rainalds. S. 188.
63 Chronica regia Coloniensis. S. 116. „Postea vero 6. non. oct. ordinatus est Coloniae in archiepiscopum a Philippo Osenbrucgense episcopo presente imperatore et imperatorice.“
64 Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 154. Anm. 13. Bereits unter Konrad II. erhielt Erzbischof Pilgrim von Köln die Erzkanzlerwürde für Italien. Die Reihe der Kölner Erzbischöfe als Erzkanzler wird jedoch unter Heinrich V. unterbrochen. Erst nach einer fünfzehnjährigen Vakanz, errichtete er wieder eine Kanzlei in Italien.
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Bischofsweihe, sondern die Investitur entscheidend 65 . So wurde diese Regalie mit ihrem Inhaber zwar unmittelbar mit der erzbischöflichen Würde in Verbindung gebracht, durfte von ihm aber erst mit der Investitur in Anspruch genommen werden.
Rainald übernahm sein Amt in der Zeit zwischen dem 30. Juni 1159, an welchem er zum letzten Mal als Kanzler eine Urkunde rekognoszierte 66 , und dem 1. August 1159, an welchem er sich in einer Urkunde erstmals als Erzkanzler bezeichnet 67 . Seine Nachfolge als Kanzler übernahm Ulrich, der das gleiche Diplom beurkundete.
Als Erzkanzler nahm Rainald, im Vergleich zu seinen Vorgängern und Nachfolgern, stärker Einfluß auf die Kanzleigeschäfte, was daran zu erkennen ist, daß er selbst in der Rekognition erscheint und nicht der Kanzler in seiner Vertretung, wie es die Kanzleiregeln vorsahen 68 . So gab er während seiner Anwesenheit am kaiserlichen Hof, seine Kanzleigeschäfte weiterhin nicht aus der Hand, sondern griff selbst in die Beurkundungsgeschäfte ein. So sind heute ungefähr 26 Urkunden bekannt, in denen der Erzkanzler selbst als Rekognoszent auftaucht 69 .
Dennoch behielt er, trotz seiner Erhebung, bei seine Zeitgenossen immer noch die Bezeichnung „cancellarius“ 70 .
65 Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 154.
66 MGH DFI. Nr. 276.
67 MGH DFI. Nr. 278.
68 Vgl. Appelt: Die Kanzlei. S. 19.
69 Siehe hierzu ausführlich: Herkenrath: Reinald von Dassel. Reichskanzler und Erzbischof von Köln. S. 429-434. Exkurs III.
70 Otto Morena nennt ihm in seinen Aufzeichnungen als Beispiel immer „cancellarius“, während Acerbus Morena zwischen den Bezeichnungen Kanzler und Erzkanzler wechselt.
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2.5. Die Arnsberger Fehde im Jahre 1164
Seit der Karolingerzeit unterstand Südwestfalen bis auf das kleine Bistum Paderborn, kirchlich dem Kölner Erzbistum. Politisch zählte es jedoch zum Herzogtum Sachsen. Da sich der sächsische Herzog Heinrich der Löwe nicht gegen den übermächtigen Grafen Friedrich von Arnsberg durchsetzten konnte, ging ihm der Einfluß in diesem Teil seines Besitzes verloren 71 . Auch Rainald von Dassel, dessen väterliche Grafschaft jenseits der Weser an Südwestfalen angrenzte, hatte sicher seit längerem den Wunsch nach einer herrschaftlichen Durchdringung des Raumes zwischen Weser und Bergischem Land 72 . Daher kam ihm auch die Skrupellosigkeit Friedrichs von Arnsberg sehr gelegen. In den Annalen von Paderborn wird dieser Vorfall ausführlich geschildert:
„Archiepiscopus Coloniensis, Paderburnensis, Mindensis et Monasteriensis episcopi et Heinricus dux Saxoniae urbem Arnesberg obsident, ex eo quod Heinricus comes de Arnesberg Heinricum (richtig in den Annales Egmundandi: Frithericum 73 ) fratrem suum iuvenem in vincula coniecerat, et inde mortuus erat 74 .“
Diese Freveltat nutzte der Kölner Erzbischof um sich, gemeinsam mit Heinrich dem Löwen, an der Bestrafung des Grafen wegen Landfriedensbruch zu beteiligen.
„Unde Arnesberg capitur et destruitur ac ipse Heinricus comes cogitur exulare; sed postea, ipso dedente se et omnia sua Coloniensi ecclesiae, per ipsum archiepiscopum suis et patriae est restitutus 75 .“
71 Engels, Odilo: Die Reliquien der Heiligen Drei Könige in der Reichspolitik der Staufer. In: Die Heiligen Drei Könige. Ausstellungskatalog. Köln 1982-1983. S. 35.
72 Engels: Die Reliquien der Heiligen Drei Könige. S. 35.
73 Annales Egmundandi. MGH SS 16. S. 463.
74 Annales Patherbrunnenses: Eine verlorene Quellenschrift des 12. Jahrhunderts aus Bruchstücken wiederzusammengesetzt. Ed. Scheffer-Boichorst, Paul. Innsbruck 1870. S. 171f.
75 Annales Patherbrunnenses. S. 171f.
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Bettina Marietta Recktenwald, 1999, Das Leben und Wirken des Erzbischofs Rainald von Dassel, München, GRIN Verlag GmbH
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