Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Hitlerjugend. 4
2.1 Hitlerjugend als Staatsjugend 4
2.2 Hitlerjugend und die Wirklichkeit 7
3 Oppositionelle Jugend im Nationalsozialismus 9
3.1 Die Jugend der politischen Linken 9
3.2 Von Bündischer Jugend zu „bündischen Umtrieben“ 10
3.3 Jugendcliquen im Dritten Reich 13
4 Schlussbetrachtung 17
5 Literaturverzeichnis 18
1 Einleitung
Hitlerjugend und oppositionelle Jugend - war es wirklich Widerstand? Der Literatur ist zu diesem Thema zu entnehmen, dass es in der Vergangenheit bisher nur vereinzelte historisch-soziologische Untersuchungen zur politischen Organisierung der Jugend und zum jugendlichen Oppositionspotenzial unter dem Nationalsozialismus ge geben hat. 1 Entsprechend ist es Ziel dieser Arbeit, eine Annäherung unter der o.g. Fragestellung zu versuchen. Das Thema soll dabei unter politischen und pädagogischen Aspekten erarbeitet werden - schließlich handelt es sich hier um Fragen nach der Erziehung und dem Heranreifen junger Menschen.
Daher wird im Folgenden zunächst die Hitlerjugend an sich untersucht. Ihre Forderung, Staatsjugend zu sein, der daraus resultierende Totalitätsanspruch und ihr scheinbar hoher Attraktivitätsgrad sollen im Verhältnis zur Realität und der Reaktion der Jugend im Dritten Reich betrachtet werden. Es ist Ziel, damit deutlich zu machen, welche Ursachen für die Arbeit und Entstehung jugendlicher Opposition vorliegen. Im Weiteren werden die zunächst noch organisierten Jugendverbände der politischen und Bündischen Jugend, ihre Auflösung und die daraus folgenden Reaktionen dargestellt. Einerseits soll damit bereits eine Ant-wort auf die Frage nach Widerstand vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gefunden werden. Andererseits ist zu erörtern, inwiefern diese organisierten Verbände die später aufkeimenden Jugendcliquen prägten, wenn nicht sogar beeinflussten. Es ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, die konfessionelle Jugend näher zu betrachten. Abschließend wird dann einzelnen Jugendgruppen Aufmerksamkeit gewidmet, um die Untersuchung, ob es Widerstand gab, bis zum Jahr 1945 abzu-runden.
2 Hitlerjugend
2.1 Hitlerjugend als Staatsjugend
Am 30.Januar 1933 kam es in Deutschland zur Machtergreifung der NSDAP. Mit ihr erhielt auch die Hitlerjugend (HJ) eine zentrale Bedeutung im Staat. Innerhalb der Partei spielte sie aber schon seit ihrer Gründung 1922 eine
1 vgl. Klönne, Arno: Jugend im Nationalsozialismus - Ansätze und Probleme der Aufarbeitung. In:
Keim, Wolfgang (Hrsg.): Pädagogen und Pädagogik im Nationalsozialismus - Ein unerledigtes
Problem der Erziehungswissenschaft. 2., durchgesehene Auflage. Frankfurt am Main u.a. 1990.
S.83.
entscheidende Rolle. Für die Nationalsozialisten galt die HJ während ihrer Herrschaftsausübung als „Garant der Zukunft“ 2 . Davon kann sicher auch schon vor 1933 die Rede sein, da die HJ zum einen der Sturmabteilung (SA) unterstellt war, zum anderen aber maßgeblich für die NS-Propaganda zuständig war. „Garant der Zukunft“ blieb die HJ auch nach der Machtergreifung. Jedoch wurden ihr von nun an andere Ziele zugedacht. Sie sollte als Staatsjugend die Macht der Nazis sichern, aber auch alleiniger Erziehungsträger neben Elternhaus und Schule sein. Daraus resultierten ein Totalitätsanspruch der HJ und die Ausschaltung anderer Jugendverbände. Das „Monopol“ der HJ wurde durch das „Gesetz über die HJ“ Ende 1936 rechtlich verankert. Endgültig verpflichtend wurde die Mitgliedschaft in der HJ aber erst 1939, als die sog. Durchführungsverordnungen verabschiedet wurden.
Die zentrale Aufgabe der Jugendarbeit der HJ war der Sport bzw. die Le ibeserziehung. Mit ihr verbanden sich zahlreiche Reichsberufs- und Reichssportwettkämpfe. Damit lässt sich ein wesentlicher Aspekt erkennen, der die Attraktivität der HJ begründet. Der Reichsberufswettkampf war nach Baldur von Schirach, dem Jugendführer des Deutschen Re iches, das Symbol der HJ. 3 Entsprechend war das Begehren der Jugendlichen auch groß, sich gegenüber Gleichaltrigen durchzusetzen.
Den weitaus kleineren Anteil hatte die weltanschauliche Schulung. Sie fand v.a. auf Heimabenden sowie Fahrten bzw. in Lagern statt. Die Jugendlichen sollten weniger zu aktiven Nationalsozialisten, wohl aber zum Staat hin erzogen werden. Dies bedeutete nach KLÖNNE einen Verzicht auf die Entwicklung einer eigenen Meinung sowie die weitgehende politisch- gesellschaftliche als auch ethische Neutralisierung der Jugend. 4 Hauptelement des Unterrichts war die Rassen-kunde. Die Lehre von der arischen Rasse kann den oben benannten Drang der Jugendlichen nach sportlicher Betätigung erklären. Schließlich war es - so sah es zumindest ein HJ-Führer - von nicht zu unterschätzender Attraktivität, im Sport
2 Klönne, Arno: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und
Analysen. Düsseldorf u.a. 1982. S.7.
3 vgl. Hellfeld, Matthias von; Klönne, Arno: Die betrogene Generation. Jugend in Deutschland
unter dem Faschismus. Köln 1985. S.96.
4 vgl. Klönne 1982. S.124.
oder in den Wettkämpfen durch die von der HJ propagierte „rassische Auslese der Besten“ entsprechendes Selbstvertrauen zu erlangen. 5
Zudem bot die HJ ein Programm an, das in der damaligen Zeit als durchaus jugendgemäß bewertet werden konnte. Oft wandte sie Lebensformen aus der bündischen Jugendbewegung, wie z.B. das Fahrten- und Lagerwesen an. Ohne eine solche Übernahme wäre der Aufbau der HJ nach HELLFELD und KLÖNNE kaum so erfolgreich vonstatten gegangen. 6
Außerdem war die HJ eine Organisation, in der sich die Jugendlichen nach SCHUBERT-WELLER ernst genommen fühlen konnten. Die HJ bot den Jugendlichen als Organisation die Chance, sich geschlossen zu präsentieren und so (gegenüber den Erwachsenen) zu entsprechender Geltung zu kommen. 7 Daher ve rwirklichte sich auch das Ziel der NS-Führung, in der HJ den wichtigsten Sozialisationsraum der Jugend zu schaffen. 8
Zuletzt darf das Prinzip „Jugend soll von Jugend geführt werden“ nicht übersehen werden. Die einzelnen Führer der HJ-Gruppen waren oft nur wenig älter als die Mitglieder. Einerseits dürfte dies dazu geführt haben, dass die Jugendlichen das Gefühl bekamen, sich besser mit dem Führer identifizieren zu können. Andererseits bot sich hierin ein entsprechender Ansporn für die Jugendlichen womöglich selbst einmal die Rolle eines HJ-Führers zu übernehmen. KLÖNNE erwähnt zwar, dass sich in dieser hoffnungsvollen Haltung auch entsprechende Konsequenzen in der Persönlichkeitsentwicklung ergaben. 9 Jedoch muss dieser „Reiz“ auch unter den o.g. Aspekten des Strebens nach Selbstbewusstsein und der „rassischen Auslese der Besten“ als entsprechend verlockend betrachtet werden.
Daher lässt sich eine Aussage von BRANDENBURG über den Nationalsozialismus und seine Wirkung im Verhältnis zur Bündischen Jugend sicherlich auch auf den hohen Attraktivitätsgrad der HJ übertragen:
5 vgl. Heußler, Wilhelm: Aufbau und Aufgaben der NS-Jugendbewegung. Würzburg 1940. S.25f.
Zitiert nach: Klönne 1982. S.78.
6 vgl. Hellfeld; Klönne 1985. S.18f.
7 vgl. Schubert-Weller, Christoph: Hitlerjugend. Vom „Jungsturm Adolf Hitler“ zur Staatsjugend
des Dritten Reiches. Weinheim u.a. 1993. S.196.
8 vgl. Klönne 1982. S.55.
9 s.a. Klönne 1982. S.130.
Arbeit zitieren:
Henning Becker, 2004, Hitlerjugend und oppositionelle Jugend - war es wirklich Widerstand?, München, GRIN Verlag GmbH
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Diskussionsanmerkung des Autors.
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am Tuesday, August 15, 2006-