[...] Im folgenden soll kurz darüber informiert werden wodurch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist gekennzeichnet ist, ein theoretischer Erklärungsansatz zur anhaltend hohen Arbeitslosigkeit soll näher beleuchtet werden. Zunächst wird die Entwicklung der Arbeitslosigkeit betrachtet und es wird erörtert worin die keynesianischen und neoklassichen Erklärungsdefizite liegen, danach wird beschrieben was Hysteresis am Arbeitsmarkt bedeutet und wie man sie ökonomisch erklären kann. Schließlich werden ökonomische Erklärungsansätze der Hysteresis- Arbeitslosigkeit gegeben und deren empirische Evidenz dargestellt. Es wird hier jedoch nur die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland analysiert, damit vermieden wird, dass einige Argumente mit dem Hinweiß auf die besonderen Umstände in den neuen Bundesländern angezweifelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus
2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit
2.1 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten
2.2 Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot.
2.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit
3. Hysteresis- Phänomen
3.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze
3.2 Herkunft und Interpretation des Hysteresis- Begriffs
3.3 Ökonomische Analogien
4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Hysteresis am Arbeitsmarkt
4.1 Kapitalmangel und Kapitalstockanpassung
4.2 Humankapitalentwertung (duration theory) und Dauer der Arbeitslosigkeit
4.3 Insider- Outsider- Theorie
5. Nachweis der Hysteresis- Theorie
5.1 Phillipskurvengleichung
5.2 Beveridge Kurve
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland unter dem Gesichtspunkt des Hysteresis-Phänomens. Ziel ist es, zu analysieren, ob Arbeitslosigkeit selbst ein Treiber für weitere Arbeitslosigkeit ist und ob das ökonomische System nach negativen Schocks zu seinem ursprünglichen Gleichgewicht zurückkehrt.
- Analyse der historischen Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland
- Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Hysteresis
- Evaluation mikroökonomischer Erklärungsansätze (Kapitalmangel, Humankapitalentwertung, Insider-Outsider-Theorie)
- Empirische Überprüfung mittels Phillipskurve und Beveridge-Kurve
Auszug aus dem Buch
3.2 Herkunft und Interpretation des Hysteresis- Begriffs
Das Wort „Hysteresis“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „zurückbleiben“. Wie viele wirtschaftswissenschaftliche Begriffe ist er aus den Naturwissenschaften übernommen worden, wo er beispielsweise im Bereich der Physik im Rahmen von Untersuchungen zur magnetischen Felsstärke eine wichtige Rolle spielt.16
Dieser Begriff bezeichnet das Phänomen, dass in bestimmten Fällen eine beeinflussende Größe auch nach ihrem Wegfallen verzögerte Dauerwirkung hinterlässt. Gemäß Cross/Allan kennzeichnet der Begriff Hysteresis allgemein die Persistenz eines zurückliegenden Zustands bzw. das Phänomen der langanhaltenden Wirkung von Schocks. In diesem Sinne besitzt das ökonomische System bei Vorliegen von Hysteresis ein „unendliches Gedächtnis“17.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus: Einführung in das Problem der persistierenden Arbeitslosigkeit in Deutschland und Definition der Hysteresis.
2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit: Statistische Betrachtung der Arbeitsmarktentwicklung, der Angebots- und Nachfrageseite sowie der Sockelarbeitslosigkeit.
3. Hysteresis- Phänomen: Diskussion der Grenzen klassischer Ansätze sowie Herleitung und ökonomische Analogie des Hysteresis-Begriffs.
4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Hysteresis am Arbeitsmarkt: Detaillierte Betrachtung von Kapitalmangel, Humankapitalentwertung und der Insider-Outsider-Theorie als Erklärungsmechanismen.
5. Nachweis der Hysteresis- Theorie: Anwendung ökonometrischer Verfahren zur empirischen Überprüfung mittels Phillipskurven und Beveridge-Kurven.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Hysteresis-Theorie als Alternative zum Modell der natürlichen Arbeitslosenquote.
Schlüsselwörter
Hysteresis, Arbeitslosigkeit, Deutschland, Arbeitsmarkt, Humankapital, Insider-Outsider-Theorie, Phillipskurve, Beveridge-Kurve, Sockelarbeitslosigkeit, Dauer der Arbeitslosigkeit, ökonomisches Gleichgewicht, Konjunktur, Arbeitsnachfrage, Arbeitsangebot, Beschäftigungslücke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen der seit den 1970er Jahren persistent hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland unter Anwendung des Hysteresis-Ansatzes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen, die theoretische Fundierung von Hysteresis sowie mikroökonomische Erklärungsansätze für Arbeitsmarktstarrheiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Arbeitslosigkeit in Deutschland als ein Hysteresis-Phänomen zu werten ist, bei dem Schocks dauerhafte Auswirkungen auf das Gleichgewicht am Arbeitsmarkt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung sowie eine Analyse empirischer Evidenz mittels ökonometrischer Hilfsmittel wie der Phillips- und der Beveridge-Kurve.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Konzepte wie Kapitalstockanpassung, Humankapitalentwertung (Duration-Theorie) und die Insider-Outsider-Theorie detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hysteresis, Arbeitslosigkeit, Humankapitalentwertung, Insider-Outsider-Theorie, Phillipskurve und Sockelarbeitslosigkeit.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Insidern und Outsidern für die Arbeitslosigkeit relevant?
Die Insider-Outsider-Theorie erklärt, warum Beschäftigte ihre Lohnmacht nutzen können, um Löhne hoch zu halten, was die Wiedereinstellung von Arbeitslosen (Outsidern) erschwert und zur Verfestigung von Arbeitslosigkeit führt.
Welche Rolle spielt das Humankapital bei der Hysteresis?
Die Entwertung von Humankapital durch längere Arbeitslosigkeit („Duration-Theorie“) mindert die Produktivität und die Vermittlungschancen, was dazu führt, dass Arbeitslosigkeit selbst zur Ursache weiterer Arbeitslosigkeit wird.
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- Katharina Korff (Author), 2002, Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36623