Ethische Probleme empirischer Forschung
Inhalt
1. Problemstellung 1
2. Der empirische Forschungsprozess
2.1. Einführung 2
2.2. Instrumente der empirischen Forschung
2.2.1. Überblick 3
2.2.2. Das Experiment 5
2.2.3. Die Befragung 5
2.2.4. Die Beobachtung 6
3. Die empirische Forschung unter ethischen Gesichtspunkten
3.1. Grundlagen der Ethik 7
3.2. Das Dilemma zwischen Ethik und Fortschritt in der empirischen Forschung
3.2.1. Ethische Probleme der empirischen Forschung im Überblick 8
3.2.2. Täuschung 9
3.2.3. Manipulation, Stress und Zwang 11
3.2.4. Missachtung der Privatsphäre und mangelnde Vertraulichkeit
von Daten 12
3.2.5. Folgen und Konsequenzen aus dem ethischen Dilemma 13
3.3. Auswege aus dem ethischen Dilemma
3.3.1. Der Stand aktueller ethischer Standards in der deutschen Forschung 14
3.3.2. Zwischen alternativen Forschungsformen und gesetzliche n
Regelungen 15
4. Ausblick 17
Literaturverzeichnis 18
Ethische Probleme empirischer Forschung
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1. Problemstellung
In der heutigen modernen Gesellschaft werden für unzählige Frage stellungen systematische Informationen über gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge des menschlichen Handelns benötigt. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorgänge werden zunehmend messbar gemacht und gegeneinander abgewogen. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen. Fast alle Waren, für die man sich beim Einkaufen entscheidet, werden mittels Werbung (gestützt auf Marktforschung) an die Gesellschaft herangetragen. Es gibt kaum noch Bereiche des täglichen Lebens, welche noch nicht eingehend erforscht wurden. Hierzu bedient sich die Wissenschaft - vor allem in den letzten Jahrzehnten - zunehmend der Methoden der empirischen Forschung. Die Anwendung dieser Methoden ist jedoch gerade im Hinblick auf die beiden, der Problemstellung vorangestellten, Zitate aus dem Grundgesetz nicht immer gänzlich unproblematisch. Infolge des Wunsches nach möglichst zahlreichen und vor allem aussagekräftigen und objektiven Daten, kommen häufig Verfahren der Datenermittlung zur Anwendung, deren Handhabung - bei näherer Betrachtung möglicher gesellschaftlicher oder individueller Konsequenzen - in ethischer Hinsicht als verwerflich bezeichnet werden kann.
Gerade im Hinblick auf aktuelle Diskussionen wird klar, dass sich die ethischen Probleme empirischer Forschung, v.a. wenn es sich um Forschungsfelder handelt, bei denen Menschen involviert sind, nicht mehr verleugnen oder leicht beiseite schieben lassen. Aufgrund von Diskussionen über den ständig gefährdeten Schutz der Privatsphäre, die Manipulation von Verbrauchern oder auch ständig ansteigenden Stellenabbau in den Betrieben, sind die Menschen aufmerksamer und hellhöriger geworden, wenn es um die Wahrung persönlicher Interessen und die Achtung ihrer individuellen Freiheit und Privatsphäre geht.
Oftmals ergeben sich hieraus Situationen, in denen der Konflikt zwischen Schutz des Individuums und dem Wunsch nach erfolgreicher Forschung weder zu übersehen oder zu leugnen, noch eindeutig zu Gunsten beider Seiten zu lösen ist. Mit genau dieser Problematik, dem Wertekonflikt zwischen den persönlichen und schutzbedürftigen Interessen des Individuums auf der einen und dem Bedarf nach empirischer Forschung zur Weiterentwicklung der Wirt-
1 http://www.datenschutz-berlin.de/recht/de/gg/gg1_de.htm#art1
2 http://www.datenschutz-berlin.de/recht/de/gg/gg1_de.htm#art5
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Ethische Probleme empirischer Forschung
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schaft und der Gesellschaft auf der anderen Seite, beschäftigen sich die folgenden Ausführungen.
Zunächst erfolgt im zweiten Kapitel dieser Arbeit - nach einer Einführung in die Grundbegriffe des empirischen Forschungsprozesses in Abschnitt 2.1 - die Vorstellung der hier näher beleuchteten empirischen Forschungsmethoden bzw. Methoden der Datengewinnung (Kap. 2.2). Hierbei wurde eine bewusste Auswahl hinsichtlich der Instrumente Experiment, Beobachtung und Befragung getroffen, wobei gerade in der empirischen Forschung der Wirtschaftswissenschaften die Befragung und Beobachtung vorwiegend zur Anwendung kommen. Anhand dieser Instrumente - stellvertretend für die Vielzahl an vorhandenen empirischen Methodenwird im Anschluss an das zweite Kapitel die ethische Problematik der empir ischen Forschung aufgezeigt und verdeutlicht. Unter 3.1 werden zunächst ethische Grundlagen hinsichtlich der empirischen Forschung dargestellt. Im daran anknüpfenden Abschnitt 3.2 werden nach Darstellung des ethischen und wissenschaftlichen Wertekonflikts in der empirischen Forschung deren konkrete Gefahren unter ethischen Aspekten ausführlich vo rgestellt. Mögliche Folgen hieraus, die sich für die Untersuchungsteilnehmer ergeben können sowie erwartbare Konsequenzen für die empirische Forschung werden unter 3.2.5 erläutert. In Ab schnitt 3.3 erfolgt zunächst ein Überblick über bereits bestehende (berufs-)ethische Standards und deren Auswirkungen auf die empirische Forschung (3.3.1). In 3.3.2 wird versucht der Frage näher zu kommen, ob es überhaupt Auswege aus dem Dilemma zwischen empirischer Forschung und ethischen Gesic htspunkten gibt und welche Lösungsansätze bereits existieren. Den Abschluss dieser Arbeit bildet der Ausblick in Kapitel 4, in dem die Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst und erwartbare zukünftige Entwicklungen hinsichtlich ethischer Handlungsweisen in der empirischen Forschung dargestellt werden.
2. Der empirische Forschungsprozess
2.1. Einführung
Der Begriff Empirie stammt von dem griechischen Wort ‚empeiria’ und kann mit ‚Erfahrung’ übersetzt werden, wobei im Zusammenhang mit der hier thematisierten empirische n Forschung von ‚wissenschaftlicher Erfahrung’ gesprochen wird. 3 Erfahrung ist in diesem Sinne als bewusste und größtenteils systematische Aufnahme neuer Erkenntnisse - im Gegensatz zur zufälligen Aufnahme von Informationen, wie es zumeist bei der Alltagserfahrung erfolgt - zu
3 vgl. Müller-Böling (1996), S. 7
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verstehen. 4 Wissenschaftliche Methoden (und wissenschaftliche Erkenntnis ) sollten unabhä ngig von der Person des Wissenschaftlers angewendet werden können (bzw. erfolgen), d.h. im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ist „Subjektunabhängigkeit“ 5 eines der wichtigsten Gebote. Empirische Forschung steht folglich für „bewusste, systematische, möglichst objektive überprüfbare, möglichst standardisierte Einbeziehung der sinnlichen Erfahrung in den Erkenntnisprozess.“ 6
Die empirische Forschung hat in den letzten 30 Jahren für die Wirtschaftswissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Zwar wurde „in der Betriebswirtschaftslehre […] schon immer ein enger Bezug zur empirischen Wirklichkeit gesucht“ 7 , jedoch lag in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Fokus empirischer Forschung vornehmlich auf Fragen der Bestandsaufnahme und der Beschreibung (einzel-)betrieblicher Gegebenhe iten, sowie auf Vergleichen von Praxismodalitäten und der Darstellung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen. 8 Seit den siebziger Jahren steht jedoch vor allem „die systematische Erkundung des betrieblichen Geschehens und sonstiger einzelwirtschaftlich interessanter Phänomene“ 9 im Mittelpunkt der Forschung. Die Zahl der durchgeführten empirischen Studien ist in den letzten Jahren entsprechend dieser Entwicklungen sehr stark angestiegen, wobei sich die Fragestellungen über Themenbereiche hinsichtlich ‚Mitarbeiterverha lten und Personalwesen’ über ‚Innerbetriebliche Entscheidungen und Organisationsstrukturen’ bis hin zu Fragen der Marktforschung nach ‚Konsumentenverhalten und -beeinflussung’ erstrecken. 10
2.2. Instrumente der empirischen Forschung
2.2.1. Überblick
Im Rahmen der empirischen Forschung stehen den Wissenschaftlern zahlreiche Instrumente und Methoden zur Verfügung, um auftretende Forschungsfragen zu untersuchen. Schips bringt es in seinen Ausführungen über die empirische Wirtschaft sforschung auf den Punkt, indem er schreibt, dass „entsprechend den breitgefächerten Fragestellungen […] auch die
4 Laatz (1993), S. 9
5 Hug (2001), S. 20
6 Müller-Böling (1996), S. 7
7 Martin (1987), S. 246
8 vgl. ebd., S. 132-137
9 ebd., S. 137
10 vgl. ebd., S. 391-411
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Spannweite der entwickelten Methoden“ 11 reicht. Je nach Art der Fragestellung ist eine entsprechende Auswahl der einzusetzenden Instrumente zu treffen. Die Zuordnung dieser Instrumente zu den Kategorien Forschungs- und Erhebungsmethoden wird in der Literatur in recht unterschiedlicher Art und Weise vorgenommen. Dieser Diskussion wird sich die vorliegende Arbeit jedoch nicht stellen. Ausgehend von dem Schaubild über die empirischen Methoden von Atteslander 12 , werden im Folgenden die Forschungsinstrumente Experiment, Beobachtung und Befragung dargestellt und in die Problematik dieser Arbeit einbezogen. Ergä nzend hierzu ist jedoch zu beachten, dass ‚Beobachtung’ und ‚Befragung’ nicht als generell getrennt von der Methode ‚Experiment’ gesehen werden können, da diese sowohl bei der Feldforschung als auch bei Labor- und Feldexperiment zum Einsatz kommen.
Des Weiteren wird die Methode der Inhaltsanalyse nicht weiter in den Ausführungen erwähnt, da sich aufgrund der charakteristischen Merkmale dieser Methode die ethischen Probleme der empirischen Forschung nicht darstellen lassen. Das Schaubild wurde dennoch gewählt, um die in dieser Arbeit hauptsächlich behandelten Instrumente zur Verdeutlichung ethischer Probleme im empirischen Forschungsprozess aufzuzeigen.
Zunächst erfolgt die Darstellung der Methoden Beschreibung, Beobachtung und Experiment, um anschließend anhand dieser Instrumente exemplarisch und stellvertretend für die Vielzahl der vorhandenen Forschungsforme n und - methoden die ethischen Probleme der empirischen Forschung darzustellen. Auf die Einbeziehung und Vorstellung weiterer empirischer Forschungsmethoden wird im Folgenden verzichtet, da dies keine neuen oder zusätzlichen Er-
11 Schips(1990), S. 2-3
12 Abb. 1 (Atteslander (2003), S. 59 - ‚Gegenstandsbereiche und Methoden empirischer Sozialforschung’)
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Arbeit zitieren:
Tanja Lorenz, 2004, Ethische Probleme empirischer Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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