Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Vorgehensweise 1
2. Komplexität - das Kennzeichen vieler Problemstellungen
2.1 Begriffsbestimmung Komplexität 2
2.2 Merkmale komplexer Handlungssituationen 3
2.3 Anforderungen komplexer Problemstellungen an den
Problemlöser 4
3. Die Stationen des Planens und Handelns bei der Problemlösung
3.1 Allgemein 5
3.2 Zielbestimmung und -ausarbeitung 6
3.3 Informationssammlung, Modellbildung und Extrapolation 7
3.4 Planung, Entscheidung und Effektkontrolle 9
4. Hintergründe für Erfolg und Misserfolg beim Problemlösen
4.1 Computersimulierte Handlungssituationen 10
4.2 Der Unterschied zwischen guten und schlechten Problemlösern 11
4.3 Typische Probleme und Fehler beim Umgang mit komplexen
Systemen 12
4.4 Ursachen für misslungene Problemlösungen 14
5. Schlussbemerkung 15
Literaturverzeichnis I - III
Abbildungen IV-VII
1
1. Fragestellung und Vorgehensweise
Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen in und zwischen den unterschiedlichen Lebensbereichen sind im Verlauf der letzten Jahrzehnte zunehmend komplexer geworden. In welchen Realitätsbereich man auch immer blickt, sei es in den privaten, beruflichen oder politischen, die thematischen und organisatorischen Z usammenhänge sind auf jedem Gebiet überdimensional angestiegen. In früheren Zeiten konnten Handlungen noch weitgehend ad hoc ausgeführt werden, ohne dass man sich Gedanken über weitreichende Auswirkungen auf andere Realitätsbereiche machen musste, da die unterschiedlichen Lebensbereiche damals noch mehr voneinander getrennt waren. In diesem komplexen System der Vernetzungen gilt es täglich für jedes Individuum, möglichst adäquate, der jeweiligen Situation angemessene Entscheidungen zu treffen. Diese Vernetzungen zu überblicken ist vielen Individuen oftmals kaum möglich, und viele fühlen sich mit einer Situation überfordert, sobald es gilt, komplexe Problemstellungen zu bewältigen. „Die Fähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung von Komplexität gewinnt daher (...) immer mehr an Bedeutung“ (Pankratz 1999, S. 4).
Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit der Thematik, warum die meisten Menschen den Vernetzungen der einzelnen Realitätsbereiche bei der Entscheidungsfindung nicht gewachsen sind und warum Entscheidungen dadurch allzu häufig durch Misserfolg gekennzeichnet sind. Des weiteren wird der Frage nachgegangen, ob ein Misslingen bei der Bearbeitung vielschichtiger Problemstellungen tatsächlich aufgrund von Komplexität des jeweiligen Systems vorprogrammiert ist .
Als Grundlage dieser Arbeit dient hauptsächlich das gleichnamige Werk von Dietrich Dörner „Die Logik des Misslingens“ aus dem Jahr 1989. In seinen Ausführungen stellt Dörner die beiden Versuche „Tanaland“ und „Lohhausen“ vor, während derer er aufzeigen konnte, dass und wo bei Entscheidungspersonen die Defizite in komplexen Handlungssituationen liegen. Diese Arbeit zielt zwar darauf, genau diese Schwierigkeiten aufzuzeigen und zu diskutieren, jedoch werden im Folgenden einzelne Fehlentscheidungen der Versuchspersonen nicht explizit vorgestellt, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
2
In Kapitel 2.1 wird der Begriff der Komplexität definiert, da dies das zentrale Element bei vielschichtigen Problemlösungen darstellt und im Punkt 2.2 werden die Merkmale komplexer Handlungssituationen erläutert. Anschließend (Kap. 2.3) wird dargestellt, welche Anforderungen ein Individuum erfüllen muss, um mit einer solchen Situation angemessen umgehen zu können.
Die einzelnen Schritte des Planens und Handelns mit den sich jeweils ergebenden Schwierigkeiten werden in Kapitel 3 vorgestellt.
Kapitel 4 verdeutlicht die Probleme von Individuen, angemessen mit komplexen Situation umzugehen, um aufzuzeigen, an welchen Stellen der Problemlösung ein Misslingen verhindert werden könnte. Hierzu werden zunächst die beiden Untersuchungen „Tanaland“ und „Lohhausen“ von Dietrich Dörner in ihren Grundzügen vorgestellt (Kap. 4.1). Es werden jedoch keine konkreten Fehlentscheidungen behandelt, sondern hauptsächlich die Verha ltenstendenzen aufgezeigt, die Personen bei der Handhabung komplexer Systeme zeigen (Kap. 4.2). In Kapitel 4.3 wird dargestellt, was einen guten von einem schlechten Problemlöser unterscheidet. Anschließend werden Ursachen beschrieben, warum die Maßnahmenp lanung und -durchführung so vieler Individuen durch Misserfolg bestraft wird (Kapitel 4.4).
Die Schlussbemerkung (Kap. 5) soll abschließend einen Ausblick darauf geben, ob das Misslingen des Umgangs mit komplexen Systemen wirklich logisch ist.
2. Komplexität - das Kennzeichen vieler Problemstellungen
2.1 Begriffsbestimmung Komplexität
Komplexität kommt durch Vernetzung verschiedener Realitätsausschnitte zustande, jedoch kann nicht grundsätzlich von der Komplexität gesprochen werden, da dieser Begriff von v erschiedenen Autoren unterschiedlich definiert wird.
In den Ausführungen von Fisch und Wolf wird „die Komplexität eines Problems (...) durch die Anzahl seiner Elemente, (...) durch die Menge der Beziehungen zwischen diesen Elementen (Relationen) und (...) durch die Verschiedenartigkeit dieser Beziehungen“ (Fisch/ Wolf 1990, S. 13) definiert. Des weiteren wird in dieser Definition die Zeitdimension berücksichtigt, während der sich die Elemente und deren Beziehungen zueinander ändern.
3
Eine andere Definition u nterscheidet zwischen objektiver und subjektiver Komplexität, wobei die objektive Komplexität mit der vorigen Begriffsdefinition weitgehend übereinstimmt. Die subjektive Komplexität wird hier als die von Individuen wahrgenommene Komplexität verstanden. Dies bringt zum Ausdruck, dass ein Problem für unterschiedliche Akteure unterschiedlich komplex erscheinen kann, je nach Struktur ihres Vorwissens und deren Problemlösefähigkeiten (vgl. Bronner 1992, S. 1122).
Dörner stimmt zwar damit überein, dass sich „der Grad an Komplexität (...) aus dem Ausmaß ergibt, in dem verschiedene Aspekte eines Realitätsausschnittes und ihre Verbindungen“ (Dörner 1989, S. 60) beachtet werden müssen, um Handlungen zu planen und durchzuführen. Jedoch ist er der Meinung, dass Komplexität keine objektiv messbare, sondern eine lediglich subjektiv wahrnehmbare Größe ist (vgl. ebd., S. 61). Die Bedeutung der Komplexität für den Akteur ergibt sich laut Dörner aus den genannten Komponenten der objektiven Komplexität, sowie dem Zeitdruck, unter welchem er steht und seinen Fähigkeiten, Informationen zu verarbeiten (vgl. Dörner 1983, S. 44).
2.2 Merkmale komplexer Handlungssituationen
Komplexe Handlungssituationen sind, auch wenn sie in den unterschiedlichsten Lebensbereichen vorkommen, jedes Mal durch bestimmte Merkmale gekennzeichnet. Ein Problem erscheint grundsätzlich dann als komplex, sobald „sein Ablauf nicht mehr vorhergesagt, verstanden oder gesteuert werden kann“ (Regnet 1992, S. 110). Dies geschieht, sobald ein Problemlöser mit den im folgenden aufgeführten Merkmalen komplexer Situationen konfrontiert wird (vgl. Dörner 1983, S. 19 ff/ vgl. Espe 2001, S. 15 f):
- Komplexität , welche sich für den Problemlöser grundsätzlich dadurch äußert, dass er mehrere Teilaspekte gleichzeitig beachten mus s.
- Intransparenz, welche sich dadurch äußert, dass der Akteur keinen vollständigen Einblick in alle Details der einzelnen Elemente hat und ihm unter Umständen nicht alle nötigen Informationen frei zur Verfügung stehen, sodass er sich diese erst beschaffen muss,
- Abhängigkeiten zwischen den Variablen sind oft nicht auf einen Blick zu erkennen, sodass zunächst entsprechende Informationen gesammelt und strukturiert werden müssen,
4
- (Eigen-)Dynamik der Handlungssituation bedeutet für den Akteur, dass sich die Realitätsausschnitte auch ohne Eingriffe von Außen weiterentwickeln und daher nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung steht, Informationen zusammenzutragen und gegeneinander abzuwägen, um entsprechende Handlungen zu planen
- Polytelie der Entscheidungssituation bedeutet, dass mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden (müssen), und dass sich einzelne bzw. verschiedene Teilziele widersprechen können und demnach in einem kontradiktorischen Verhältnis zueinander stehen. Das heißt für den Akteur, dass er sich gegebenenfa lls zwischen Teilzielen entscheiden, bzw. einen angemessenen Kompromiss finden muss.
- Offenheit bzw. Unbestimmtheit bedeutet, dass sich der Akteur seine Ziele mehr oder weniger selbst konkretisieren muss, da ihm keine eindeutigen Zielvorgaben genannt werden.
Diese Merkmale beeinflussen den Problemlöser generell bei der Auseinandersetzung mit komplexen Problemen, sodass dieser gewisse Anforderungen erfüllen muss, um in der jeweiligen Handlungssituation zu einer angemessenen Problemlösung zu finden (vgl. Abb. 1 und 2).
2.3 Anforderungen komplexer Probleme an den Problemlöser
Ein Problem stellt für einen Akteur diejenige Situation dar, die er zwar nicht für erstrebenswert hält, „aber im Moment nicht über die Mittel verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zielzustand zu überführen“ (Dörner 1976, S. 10).
Neben gewissen Barrieren, welche dem Individuum die Lösung eines Problems erschweren, ergibt sich meist ein Mangel in dessen Fähigkeiten, Neben- und Fernwirkungen einer Maßnahme vorherzusehen und bei der Planung zu berücksichtigen, gemäß dem Motto „Menschen bemühen sich um die Beseitigung derjenigen Mißstände, die sie haben und kümmern sich nicht um diejenigen Mißstände, die sie nicht haben.“ (Dörner 1983, S. 24). Dieser Ausspruch bewahrheitet sich leider allzu oft bei der Behandlung von Problemen, deren Komplexität den jeweiligen Akteuren über den Kopf hinauswächst. Schwierigkeiten, die richtige Handlungswahl zu treffen, haben
Quote paper:
Tanja Lorenz, 2003, Die Logik des Misslingens, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Fünf Zeit- und Grundfragen der Pädagogik zu den Themen: Erziehungsbild...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholary Paper (Seminar), 35 Pages
Strategisches Management komplexer Systeme: Ideen, Methoden und Grenze...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 43 Pages
Komplexes Problemlösen und Intelligenz
Business economics - Didactics, Economic Pedagogy
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Gerechte Grundversorgung im Gesundheitswesen
Das Grundversorgungsmodell nac...
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Belastungen im Lehrerberuf und Aspekte der Bewältigung
Pedagogy - The Teacher, Educational Leadership
Examination Thesis, 79 Pages
Vergleich der Ansätze Piagets und Kohlbergs zur Moralentwicklung
Psychology - Developmental Psychology
Scholary Paper (Seminar), 22 Pages
Die Politik des "New Deal" - ein erfolgreiches Modell?
Presentation (Elaboration), 16 Pages
Die Umweltprämie und ihre Auswirkung auf den Automobilhandel
Business economics - Trade and Distribution
Scholarly Research Paper, 41 Pages
Beiträge der Systemtheorie zur Organisationsberatung
Business economics - Personnel and Organisation
Termpaper, 17 Pages
Experiment „New Deal“ - Wirtschafts- und Sozialpolitik der USA unter F...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Professionelle Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen - Eine th...
Business economics - Didactics, Economic Pedagogy
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Fami...
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Emotionen als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
Termpaper, 23 Pages
Aspekte der Unternehmensnachfolge in mittelständischen Unternehmen
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 43 Pages
Konstruktivistische Anthropologie und das pädagogische Problem der Ver...
Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Diploma Thesis, 114 Pages
Tanja Lorenz has published the text Die Logik des Misslingens
Tanja Lorenz has uploaded a new text
Proceedings of the Summer School in Logik, Leeds, 1967
N.A.T.O. Advanced Study Instit...
Martin H. Löb
Die ökonomische Logik lässt sich nicht ausschalten
Ausgewählte Kommentare zur Wir...
Michael Hüther
Rosemarie Rheinwald: Logik, Kausalität, Freiheit
Ausgewählte Aufsätze
Oliver R. Scholz, Jan G. Michel
Misslingen des Anderen im Asperger-Syndrom
Psychoanalytische Näherungen
Peter Müller, Achim Perner, Joachim Heilmann, Reinhold Wolf, Olaf Schmidt, Isabelle Deguilly, Michael Kaschek, Annemarie Hamad, Gotfried Barth, Martin Feuling, Bettina Noddings, Michael Günter, Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit Rottenburg und Tübingen
Logik Und Allgemeine Wissenschaftstheorie: Vorlesungen 1917/18, Mit Er...
Edmund Husserl, U. Panzer
0 comments