Erklärungsmodelle von Wählerverhalten
Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 2
2. Der soziologische Erklärungsansatz
2.1 Der mikrosoziologische Erklärungsansatz 3
2.2 Der makrosoziologische Erklärungsansatz 5
3. Das Ann Arbor-Modell 6
4. Der Rational-Choice Ansatz 9
5. Grenzen der Erlärungsmodelle 11
6. Fazit 12
Literaturverzeichnis 14
Erklärungsmodelle von Wählerverhalten
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1. Einleitung
Nach jeder Wahl, sei es auf regionaler oder nationaler Ebene, stellt sich die Frage nach den Ursachen, warum die Wähler ein entsprechendes Stimmverhalten gezeigt haben. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich bereits mit der Erforschung der Beweggründe für Wählerverhalten auseinandergesetzt, was nicht zuletzt im Interesse der Parteien liegt, welche hieraus nützliche Informationen gewinnen könnten, um ihre Zielgruppen in zukünftigen Wahlkämpfen (noch) besser zu erreichen.
Im Laufe der Z eit wurden verschiedene, teilweise aufeinander aufbauende Erklärungsansätze entwickelt, welche zwar ähnliche Einflüsse auf das Wählerverhalten untersuchen, jedoch diskutiert und klärt nicht jeder Ansatz die gleichen Phänomene und deren Ursachen, da jeweils unterschiedliche Grundannahmen als Ausgangspunkte zur Erklärung des Wählerverhaltens dienen.
Eine große Schwierigkeit für die Erforschung des Wählerverhaltens birgt die Tatsache, dass die Stimmabgabe als geheime Wahl erfolgt und somit keine direkte Erfassung möglich ist, wer zu welchem Stimmverhalten neigt.
Es stellt sich also die Frage, welches Erklärungsmodell man verwenden sollte, um Wahlergebnisse vernünftig beurteilen zu können und welche Faktoren zu berücksichtigen sind, um künftiges Wählerverhalten sinnvoll einschätzen zu können.
In der folgenden Arbeit werden zunächst die einzelnen Erklärungsansätze mit den entsprechenden, ihnen zugrundeliegenden Annahmen vorgestellt und v.a. die Einflüsse geklärt, die laut den jeweiligen Ansätzen zur Entscheidung des Wählers führen. Anschließend werden die Grenzen der einzelnen Erklärungsmodelle aufgezeigt und eine Gesamtaussage über die Anwendbarkeit und Aussagekraft der Erklärungsmodelle in der heutigen Zeit getroffen.
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Erklärungsmodelle von Wählerverhalten
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2. Der soziologische Erklärungsansatz
2.1 Der mikrosoziologische Erklärungsansatz
Das mikrosoziologische Erklärungsmodell basiert auf einer Studie von Paul F. Lazarsfeld, welche anlässlich des Präsidentschaftswahlkampfes von 1940 im Gebiet von Erie-County im Bundesstaat Ohio durchgeführt wurde.
Grundlage dieser Studie war die mehrfache periodische Befragung von 600 wahlberechtigten Personen während des oben genannten Wahljahres mit dem Ziel, diejenigen Faktoren herauszukristallisieren, welche das Wählerverhalten maßgeblich beeinflussen.
Zur Interpretation der ermittelten Ergebnisse wurde die „Theorie der sozialen Kreise“ von Georg Simmel aus dem Jahr 1890 herangezogen, welche besagt, dass ein Bürger in einem gewissen sozialen Umfeld lebt, von welchem er in seiner Wahlentscheidung beeinflusst wird. Dieses Umfeld wird durch verschiedene institutionalisierte Gruppen wie Familie, Arbeitsplatz, Vereinszugehörigkeit sowie der Konfession unter besonderer Beachtung der Kirchgangshäufigkeit definiert (vgl. Bürklin/Klein, 1998: S 54). Es ist folglich anzunehmen, dass Menschen, die sich in ähnlichen sozialstrukturellen Kreisen bewegen, ähnliche Bedürfnisse und Einstellungen entwickeln. Wurden in obiger Untersuchung zum Beispiel Personen interviewt, die bisher keine feste Wahlabsicht hatten, so äußerten diese annahmegemäß eine Meinung, welche mit der herrschenden Erwartung ihrer sozialen Umgebung identisch war (vgl. Lazarsfeld, 1969: S. 17).
Zur Verdeutlichung des Phänomens der Vorbestimmung des Wählerverhaltens durch soziale Gruppen wurde der Index der politischen Prädispositionen (IPP – index of political predisposition) konstruiert, welcher verdeutlicht, dass Personen entsprechend der herrschenden Meinung ihres Umfeldes wählen bzw. ihre Wahlabsichten in Richtung der in der Gruppe herrschenden Meinung anpassen (Lazarsfeld, 1969: S. 21). Bürklin und Klein zitieren Lazarsfeld 1998 (S. 54): „A person thinks, politically, as he is, socially. Social characteristics determine political preference.” Eine entsprechende
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Erklärungsmodelle von Wählerverhalten
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Übersetzung lautet: „Ein Mensch denkt politisch entsprechend seinem sozialen Sein. Soziale Merkmale bestimmen die politischen Präferenzen.“ (Lazarsfeld, 62).
Innerhalb sozialer Gruppen bildet sich im Laufe der Zeit eine immer stärker werdende Homogenität der Einstellungen heraus. Dies l ässt sich durch gemeinsame Interessen sowie durch den Einfluss von Meinungsführern erklären, welche politisch interessierter und engagierter sind als der Durchschnitt der Gruppe und welche ihre Ansichten in stärkerem Maße kundtun als die anderen Gruppenmitglieder. Diese Meinungsführer beeinflussen ihr soziales Umfeld in starkem Maße, außerdem steht man ihnen deutlich weniger misstrauisch gegenüber als den Massenmedien (vgl. Lazarsfeld, 1969: S. 84f). Man kann demnach festhalten, dass Personen, die sich innerhalb eines homogenen Umfeldes bewegen, sich sehr früh zur Wahl einer bestimmten Partei entschließen, da ihre Beweggründe zur Wahl einer Partei bereits längerfristig determiniert sind.
Schwierig wird die Entscheidung, eine bestimmte Partei zu wählen, laut diesem Modell erst, sobald eine Person entgegengesetzten Einflüssen, sogenannten „cross-pressures“ ausgesetzt ist. Solche gegensinnigen Einflüsse können zum Beispiel auftreten, sobald die traditionelle Einstellung der eigenen Familie im Gegensatz zur herrschenden Meinung am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis steht.
Bürklin und Klein zitieren in ihren Ausführungen das Beispiel „eines strenggläubigen, katholischen, gewerkschaftlich organisierten Arbeiters in der Bundesrepublik der 1960er Jahre“, dessen „Religiosität und insbesondere die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche“ ihn zur CDU drängen, „sein Arbeiterstatus und seine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft aber zur SPD“ (Bürklin/ Klein, 1998: S. 55). Diese cross-pressures bewirken, dass sich die entsprechende Person entweder erst sehr spät zur Wahl einer bestimmten Partei entschließen kann, da die Entscheidung - in der Hoffnung, dass sich der Konflikt von selbst regelt - so weit wie möglich nach hinten verschoben wird oder das Interesse zu Wählen generell verloren geht und sie sich unter Umständen sogar zur Wahlenthaltung entschließt (vgl. Lazarsfeld, 1969: S. S. 97).
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Quote paper:
Tanja Lorenz, 2002, Erklärungsmodelle von Wählerverhalten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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