Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziales Handeln
2.1 Handlungssysteme
2.2 Systemfunktionen (AGIL - Schema)
2.3 Genealogischer Baum
3. Sozialisation als Internalisierungs -und Integrationsprozess
3.1 Sozialisationsbegriff
3.2 Rollensystem der Kernfamilie nach Parsons
3.3 Wertorientierungen
3.4 Der Begriff des Über-Ichs
4. Phasen des Sozialisationsprozesses
4.1 Die Phase der oralen Abhängigkeit von der Mutter (1. Jahr)
4.2 Die Phase der Liebesabhängigkeit von der Mutter (1.-3. Jahr)
4.3 Die ödipale Phase (ca. 2.-6. Lebensjahr)
4.4 Die Latenzphase (5.-13. Lebensjahr)
4.5 Die Adoleszenzphase (14.-18. Lebensjahr)
5. Zusammenfassung
6. Literatur
(LQOHLWXQJ
In dieser Arbeit beschäftigen wir uns mit dem eingeschränkten Stellenwert des Aufbaus von Identität im Sozialisationsprozess in der Sicht strukturellfunktionalistischer Sozialisationstheorie. Diese Theorie wurde von Talcott Parsons aufgestellt: 3DUVRQV 7DOFRWW (1902-1979), bedeutendster amerikanischer Soziologe der Nachkriegszeit. Er wurde am 13. Dezember 1902 bei Colorado Springs (Colorado) geboren. Als Anhänger des Funktionalismus hielt Parsons die Gesellschaft tendenziell für einen sich selbst regulierenden, autonomen Organismus mit bestimmten Mechanismen, die die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung regulieren. Nach der strukturell-funktionalen Theorie Parsons erscheint die Gesellschaft als ein Organismus, in dem jedes Glied einen bestimmten Zweck erfüllt und alles Tun auf ein Ziel hin ausgerichtet ist. Trotz dieser systemtheoretischen Sichtweise von Gesellschaft hielt Parsons an der Entscheidungsfreiheit des Individuums fest. Diese Entscheidungen müssten zwischen unterschiedlichen gesellschaftlich vorgegebenen Normen getroffen werden und richteten sich auf alternative Handlungsmöglichkeiten. Sein wichtigstes Ziel sah Parsons darin, eine allgemein gültige Theorie gesellschaftlichen Handelns zu erarbeiten. In seinem ersten Hauptwerk 7KH 6WUXFWXUH RI 6RFLDO $FWLRQ (1937, 'LH 6WUXNWXU VR]LDOHQ +DQGHOQV) versuchte er, mit Hilfe voluntaristischen
Gedankenguts eine solche Theorie zu entwerfen. In 6RFLDO VWUXFWXUH DQG SHUVRQDOLW\ (1964; 6R]LDOVWUXNWXU XQG 3HUV|QOLFKNHLW) beschäftigt sich Parsons mit dem Zusammenhang zwischen Sozialisation und der Herausbildung von Individualität. Da es in dieser Arbeit um diese Individualität geht, eine kleine Erläuterung dazu:
,QGLYLGXDOLWlW (von lateinisch LQGLYLGXXV unzertrennlich, unteilbar), Bezeichnung für die Einzigartigkeit eines Wesens. Das Individuum erhält seine Individualität durch die mit ihm untrennbar verbundenen (psychischen und physischen) Eigenschaften, die es von anderen Individuen unterscheidet und die zusammen seine Persönlichkeit formen.
Wie es zu dieser Persönlichkeitsformung kommt und wie dadurch die Identität des Individuums entwickelt wird, zeigen uns die verschiedenen Prozesse, die durchlaufen werden müssen.
6R]LDOHV+DQGHOQ
+DQGOXQJVV\VWHPH
Da in Parsons strukturell-funktionaler Systemtheorie das soziale Handeln die elementarste Kategorie ist, durch die sich menschliches Verhalten beschreiben lässt, beginnen wir auch damit. In diesem Medium geschieht die Übernahme und Verinnerlichung der gesellschaftlichen Normen und Werte. Soziales Handeln von Menschen tritt nicht vereinzelt auf, sondern in Konstellationen, die Parsons ,,Systeme" nennt: „Handlungen sind empirisch nicht vereinzelt, sondern treten in Konstellationen auf, die wir Systeme nennen“ (T. Parsons/E.A.Shils 1951, S. 54). Systembildung bei Parsons ist ein genereller Problemlösungsmechanismus. „Menschliches Handeln führt zum Aufbau empirischer Handlungssysteme; diese müssen mittels theoretischer Systeme rekonstruierbar sein" (Jensen 1976, S 28). Diese Handlungssysteme sind nicht konkret, sondern nur empirisch feststellbar. Das zielgerichtete, menschliche Handeln versteht Parsons als eine Spezialform des Verhaltens. Dabei bildet ein verinnerlichtes Außenweltmodell die „Brille", durch die ein Mensch eine Handlungssituation wahrnimmt. In der Handlungssituation wird, durch die reflexive Betrachtung, dem Menschen seine eigene Identität bewusst.
Die drei Handlungssysteme, sie sind Subsysteme vom sozialen Handeln, sind folgende: das kulturelle System (cultural system), das soziale System (social system) und das Persönlichkeitssystem (personality system), welches sich in folgende Bereiche analytisch trennen lässt: das organische System und das psychische System (wobei Parsons das organische System später als eigenes Handlungssystem auffasst):
Das kulturelle System steht an der Spitze der Kontroll, -und Steuerungshierarchie. Folgend kontrolliert es das soziale und das psychische System. Das kulturelle System besteht aus alledem, was die Kultur in inhaltlicher Hinsicht ausmacht. Das
menschliche Handeln ist immer kulturbezogen, denn ein Sinn in Handlungen entsteht erst durch spezifische, kulturelle Eigenheiten, z.B. das symbolische System der Sprache oder ein Kopfnicken, das in anderen Kulturen als „Nein" gedeutet wird (vgl. Parsons, 1976, S. 121).
Der kulturelle Rahmen bildet einen Selektionsmechanismus, der unsere Wahrnehmung wie ein Filter steuert und zu spezifischem, zielorientiertem Verhalten führt (evaluative Orientierung). Parsons hat zur Verdeutlichung dieses Mechanismus eine Anzahl von binären Wahlmöglichkeiten, eine Art Schablone aus jeweils entgegengesetzten Möglichkeiten (pattern variables (wird später näher erörtert)), herausgearbeitet (vgl. Jensen 1976, S. 35).
Das kulturelle System ist auch der Ort der Normen und Werte. Normen sind hier primär von sozial regulativer Bedeutung, z. B. Rechtssystem, während Werte das Mustergültige darstellen.
Dem kulturellen System kommt es auch zu, die Wertebildung gegenüber der letzten Wirklichkeit zu strukturieren (Religion) (vgl. Parsons 1976, S. 140). Zunächst scheint es klar zu sein, dass nur kulturelle Symbolsysteme verinnerlicht werden können. Ein Objekt kann besetzt, wahrgenommen und bewertet werden, aber es kann nicht als solches in die Persönlichkeit einbezogen werden. Das Letztere zeigt nur die Tatsache auf, dass die gemeinsame Kultur auf jeden Fall ein Teil der Persönlichkeit des Objekts ist, allerdings ist sie nur ein Gesichtspunkt, nicht das Ganze (vgl. Parsons 1977, S. 38).
Das soziale System ist die nächst niedere Schicht in der Regelungs- und Steuerungshierarchie der Systeme, gekennzeichnet durch das Handeln von Individuen, also durch Interaktion. Die Gesamtheit aller Interaktionen konstituieren das Sozialsystem (vgl. Parsons 1976, S. 123f). Gebildet wird dies durch die verschiedenen Beziehungen der Personen in ihrer Eigenschaft als Träger bestimmter Rollen. Das Kind verinnerlicht die Verhaltensweisen seiner Bezugspersonen und somit auch seine eigenen. Der wechselseitige Interaktionszusammenhang zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen ist also entscheidend für das psychische System (vgl. Brandenburg 1971, S. 79). Das besondere Problem dieses Systems ist es, dass die Individuen, also Elemente, Akteur und Objekt, jeweils wieder Subsysteme anderer, primärer Handlungssysteme sind. So ist eine Person mit einem spezifischen Persönlichkeitssystem und einem Organismussystem, mit einem kulturellen Hintergrund, Element dieses sozialen Systems.
Ein Subsystem ist die Gesellschaft. „Gesellschaft ist die Klasse von Sozialsystemen, die den höchsten Grad an Autarkie (self-sufficiency) als System im Verhältnis zu ihrer Umwelt erreichen" (Parsons 1976, S. 126). Um in der Gesellschaft ein Gemeinschaftsgefühl, eine Identität aufkommen zu lassen, muss zumindest über eine Basis einheitlicher, kultureller Orientierung Übereinstimmung herrschen. Außerdem ist ein hinreichender Grad von Integration und Solidarität sowie ein klares Statussystem nötig. Schließlich muss die Gesellschaft für ihre Mitglieder genügend Rollenmöglichkeiten zur Verfügung stellen, um alle Gesellschaftsmitglieder zufriedenzustellen. Strukturkategorien der Gesellschaft sind hier Werte, Normen, Kollektive und Rollen, die nach Parsons (1976, S. 138, 139) nach dem „AGIL-Schema" funktionieren, wird im folgenden näher erläutert, und nur gemeinsam auftreten. Die Normen und Werte des kulturellen Systems sind die Verbindung zum sozialen System.
Persönlichkeitssystem
Im Regelkreis unter dem Sozialsystem kommt nun das Persönlichkeitssystem. Es ist der Ort alles Psychischen und der Ort, wo Sozialisation greift.
Die Verbindungen zum sozialen System sind vielfältig. 'DV SV\FKLVFKH 6\VWHP umfasst vor allem die %HGUIQLVGLVSRVLWLRQHQ. Aus den primären Bedürfnissen werden durch soziale Kontakte weitere Bedürfnisse hervorgerufen. Dies sind die sekundären Bedürfnisdispositionen (vgl. Mühlbauer 1980, S.68f). Das Kind muss somit durch Lernprozesse die adäquate Motivation entwickeln, um im sozialen Kontext von anderen Interaktionspartnern sozial bewertet und gesellschaftlich kontrolliert werden zu können.
In einem Komplex aus Prozessen wird der Status eines Mitgliedes des gesellschaftlichen Gemeinwesens erworben (Sozialisation). Die Gesellschaft verlangt im Sozialisationsprozess vom Persönlichkeitssystem jedes Individuums eine hinreichende Motivation und die Bereitschaft, Normen zu befolgen. Weiter muss das Individuum zentrale Wertemuster internalisieren, die Notwendigkeit von sozialen Interaktionen und Intimbeziehungen einsehen und außerdem Leistung und Aktivität zeigen. Diese drei Hauptaufgaben sind auch die Orte des „ES", „ICH" und „ÜBER- ICH" im Sozialisationsprozess, gemäß Freud.
Arbeit zitieren:
Azadeh Weinrich, 2002, Zum (eingeschränkten) Stellenwert des Aufbaus von Identität im Sozialisationsprozess in der Sicht struktur-funktionalistischer Sozialisationstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Strukturwandel von Familie und Ehe
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 27 Seiten
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Seminararbeit, 26 Seiten
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Seminararbeit, 14 Seiten
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