Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG. 3
1 KÖRPERLICHE LEISTUNGSFÄHIGKEIT. 5
1.1 Definition. 5
1.2 Komponenten 6
1.2.1 Konditionelle Grundfähigkeiten. 6
1.2.2 Koordinative Grundfähigkeiten 10
1.3 Einflussfaktoren und Auswirkungen 17
1.4 Zusammenfassende Übersicht: Körperliche Leistungsfähigkeit 20
2 ALLGEMEINE AEROBE AUSDAUER 22
2.1 Definition. 22
2.2 Physiologisch relevante Prozesse der Energiebereitstellung bei
Ausdauerbelastung. 24
2.2.1 Energiebereitstellung im Muskel. 24
2.2.2 Sauerstoffgewinnung und -transport im kardio-pulmonalen System. 34
2.2.3 Regeneration nach der Ausdauerbelastung 39
2.3 Adaptationserscheinungen im Organismus 41
2.3.1 Energiebereitstellung im Muskel. 41
2.3.2 Herz-Kreislauf-System. 43
2.4 Zusammenfassende Übersicht: Aerobe Ausdauer 48
1
3 FÖRDERUNG DER AEROBEN AUSDAUER IN DER GRUNDSCHULE. 52
3.1 Gründe für eine Förderung. 52
3.1.1 Voraussetzungen der Kinder 52
3.1.2 Auftrag der Schule 54
3.1.3 Auswirkungen auf die Psyche. 55
3.1.4 Auswirkungen auf das Lernen 57
3.2 Förderung im Sportunterricht des 1. und 2. Schuljahres 58
3.2.1 Grundsätzliche Prinzipien der Unterrichtsgestaltung 58
3.2.2 Wahl der Belastungsmethode 62
3.2.3 Testverfahren zur Überprüfung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit. 66
3.2.4 Motivationsanreize. 70
3.2.5 Vorschläge zur Förderung der aeroben Ausdauer im Verlauf eines Schuljahres
73
3.3 Möglichkeiten der Förderung außerhalb des Sportunterrichts. 88
3.4 Zusammenfassende Übersicht: Förderung der aeroben Ausdauer
in der Grundschule 94
4. FAZIT 98
LITERATURVERZEICHNIS 99
ANHANG I-XXXIV
2
Die Möglichkeiten zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch aerobes Ausdauertraining sind für mich aus verschiedenen Gründen als Thema meiner Prüfungsarbeit interessant.
Zum einen betreibe ich in meiner Freizeit selbst Ausdauersport und kann dessen wohltuende Effekte auf Körper und Geist immer wieder neu erfahren. Vor allem nach langem Sitzen am Schreibtisch lockert Ausdauerbelastung die verspannte Muskulatur und befreit das Gehirn von Denkblockaden. Neben den gesundheitlichen Vorteilen, die durch Ausdauertraining hervorgerufen werden, finde ich diese beiden Aspekte besonders wichtig. Auch Kinder im Grundschulalter sollten davon profitieren können. Daher ist es meiner Meinung nach von großer Bedeutung, ihnen die Grundlagen des Trainings zu vermitteln und sie so zu einem bewegten Leben zu ermutigen.
Als Übungsleiterin des Kinderturnens in unserem Sportverein weiß ich aber auch, dass die Kinder für Ausdauerbelastungen trotz der positiven Auswirkungen nicht sehr zu begeistern sind, wenn es dabei um Dauerläufe geht. Das Finden von Möglichkeiten für ein kindgerechtes Ausdauertraining ist deshalb von besonderem Interesse für mich, nicht zuletzt weil ich sie in der Praxis direkt umsetzen kann.
Die vorliegende Arbeit dient der näheren Betrachtung und Untersuchung der aeroben Ausdauer als einem Aspekt zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit von Kindern im Grundschulalter. Sie beschäftigt sich eingehend mit der Frage, wie das Training der aeroben
Ausdauerleistungsfähigkeit für Kinder der ersten beiden Schuljahre interessant und effektiv gestaltet werden kann, um die jungen Sportler in der Schule wie auch außerhalb zum gesundheitsfördernden Sporttreiben zu motivieren.
Die aerobe Ausdauer als wichtiger Bestandteil sportlicher Betätigung steht bereits sehr lange im Fokus der sportwissenschaftlichen Forschung und wird von den verschiedenen Disziplinen der Sportwissenschaft, vor allem der Sportmedizin und Trainingswissenschaft, untersucht. Entsprechend vielfältig ist Literatur zu diesem Thema vorhanden. Das Ausdauertraining mit Kindern wird darin jedoch meist unter leistungssportlichen Aspekten betrachtet.
Die vorliegende Arbeit hingegen setzt sich mit schulischer, das heißt breitensportlicher Ausdauerförderung auseinander.
Im ersten Kapitel wird zunächst die körperliche Leistungsfähigkeit definiert, anschließend werden ihre Komponenten sowie deren Bedeutung für die Grundschule beschrieben und durch Trainingsbeispiele im Anhang ergänzt. Den Abschluss bildet ein Überblick über die Faktoren, welche die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen und wie sich dies auf den Menschen auswirkt.
Das zweite Kapitel besteht aus einer näheren Betrachtung der aeroben Ausdauer. Nach der einleitenden Definition folgt eine Beschreibung der
3
während einer Ausdauerbelastung ablaufenden physiologisch relevanten Prozesse der Energiebereitstellung mit dem Schwerpunkt der Energiebreitstellung im Muskel und des Sauerstofftransports im kardiopulmonalen System. Danach werden die Anpassungen des Organismus an Ausdauerbelastungen mit dem gleichen Schwerpunkt untersucht.
Wie die aerobe Ausdauer in der Grundschule gefördert werden kann, wird im dritten Kapitel abschließend dargestellt. Nach einer Begründung der Eignung des Ausdauertrainings in der Primarstufe - unter Berücksichtigung biologischer, psychischer und bildungspolitischer Faktoren - werden Grundgedanken zur Gestaltung eines solchen Trainings hinsichtlich Unterrichtsprinzipien, Belastungsmethode, Testverfahren und Motivation formuliert und in Vorschlägen zur Integration der Ausdauer innerhalb eines ganzen Schuljahres angewendet. Zum Schluss wird auf Möglichkeiten zur Förderung der Ausdauer außerhalb des Sportunterrichts hingewiesen.
4
In der Literatur finden sich verschiedene Definitionen der körperlichen Leistungsfähigkeit:
BLASER/WALTHER 1 verstehen darunter „eine in der Lerntätigkeit und durch körperliche Entwicklung entstandene zeitweilig habituelle Funktionspotenz“, während HIRTZ 2 sie als einen „funktionellen Zustand des physiologischen und sensomotorischen Systems“ beschreibt, der „an die Leistungsbereitschaft gebunden ist“.
Die Leistungsfähigkeit an sich wird von HAAG/HAAG definiert als „Fähigkeit des Menschen, Leistung zu erbringen“ 3 , wobei mit ‚Leistung’ „meistern einer motorischen Aufgabe“ sowie „Prozess und erreichbares Ergebnis sportlicher Aktivitäten“ 4 gemeint ist.
Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt sich demnach zusammenfassend definieren als einen durch Lerntätigkeit und Entwicklung beeinflussten funktionellen Zustand des physiologischen und sensomotorischen Systems, der an die Leistungsbereitschaft gebunden ist und angibt, inwieweit ein Mensch in der Lage ist, motorische Aufgaben zu meistern.
1 Zitiert in KOPELMANN, P. (2000) S. 23
2 Zitiert in KOPELMANN, P. (2000) S. 24
3 HAAG / HAAG (2003) S. 359
4 HAAG / HAAG (2003) S. 358
5
Die Basis der körperlichen Leistungsfähigkeit sind die motorischen Grundfähigkeiten Kondition und Koordination 5 . Eine der Hauptaufgaben des Schulsports ist es, diese Komponenten zu fördern und damit die körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder zu erhalten und zu verbessern 6 .
Im Folgenden werden die einzelnen Grundfähigkeiten beschrieben, Trainingsbeispiele dazu befinden sich in Anhang I und II.
1.2.1 Konditionelle Grundfähigkeiten
1.2.1.1 Ausdauer
Ausdauer ist „charakterisiert durch die Fähigkeit, eine gegebene Leistung über einen möglichst langen Zeitraum durchhalten zu können. Somit ist die Ausdauer identisch mit Ermüdungswiderstandsfähigkeit“ 7 . Sie wird unterteilt in lokale und allgemeine Ausdauer, wobei unter lokaler Muskelausdauer eine Belastung verstanden wird, die weniger als 1/7 bis 1/6 und unter allgemeiner Ausdauer eine Belastung, die mehr als 1/7 bis 1/6 der gesamten Skelettmuskulatur beansprucht. Wie in Abb.1 zu sehen ist, gibt es weitere Unterteilungen.
„Aerob“ bedeutet dabei, dass genügend Sauerstoff für die arbeitende Muskulatur bereitgestellt werden kann, bei anaerober Belastung reicht die Sauerstoffproduktion nicht aus und die Energie muss vermehrt auf anderem Wege bereitgestellt werden 8 (siehe 3.3.1). Statische Ausdauer wird bei isometrischer Arbeit der Muskulatur benötigt, dynamische bei kon- oder
5 vgl. KOPELMANN, P. (2000) S. 24
6 vgl. KULTUSMINISTERIUM RHEINLAND-PFALZ (1984) S. 5,7
7 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 303
8 vgl. HAAG / HAAG (2003) S. 167
6
exzentrischer Muskelarbeit 9 . Die dynamische Form tritt wesentlich häufiger auf.
Abb1: Schema der verschiedenen Formen der Ausdauerleistungsfähigkeit
(Hollmann / Hettinger, 1976, 304)
Schülerinnen und Schüler - im Folgenden schließt der Begriff Schüler bzw. Lehrer sowohl die männliche als auch die weibliche Form ein - im Grundschulalter sollten Ausdauerbelastungen nur im aeroben Bereich ausgesetzt werden. Anaerobe Belastungen sind weniger
gesundheitsfördernd, da Kinder das bei anaerober Belastung vermehrt anfallende Laktat wesentlich schlechter verarbeiten können als Erwachsene.
Mehr über die aerobe Ausdauer und ihre Trainingsmöglichkeiten wird in den Kapiteln 3 und 4 dieser Arbeit geschrieben.
1.2.1.2 Kraft
Physikalisch wird die Kraft als das Produkt aus Masse und Beschleunigung definiert, was vor allem in der Biomechanik des Sports eine Rolle spielt 10 . Für den Schulsport ist jedoch die biologische Definition von größerer Bedeutung: Danach bezeichnet man mit Kraft die „Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse mit Muskelkontraktionen … Widerstände zu überwinden, ihnen nachzugeben oder sie zu halten“. 11
9 vgl. HAAG / HAAG (2003) S. 163, 506
10 vgl. GROSSER/ZINTL (1994) S. 33
11 GROSSER/ZINTL (1994) S. 33
7
Mit ‚überwinden’ ist dabei die konzentrische Beanspruchung gemeint, bei der der Muskel verkürzt wird 12 . Einem Widerstand ‚nachgeben’ heißt, den Muskel exzentrisch zu belasten 13 . Dies geschieht vor allem beim Abbremsen von Bewegungen. Das ‚Halten’ von Widerständen beschreibt statische Beanspruchungen, die Muskellänge bleibt hier unverändert 14 .
In der Sportwissenschaft werden drei Arten von Kraft unterschieden: Die Maximalkraft ist die von einem Menschen höchste aufzubringende Kraft, Schnellkraft ist die Fähigkeit, Widerstände mit hoher Kontraktionsgeschwindigkeit zu überwinden und die Kraftausdauer ermöglicht es, eine Kraft über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. 15 . Kraft ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für sportliche Bewegungen 16 .
In der Grundschule spielen vor allem Kraftausdauer und Schnellkraft eine Rolle, die Maximalkraft wird nicht gezielt beansprucht. Die Schnellkraft wird vor allem in der Leichathletik und bei zahlreichen Spielen benötigt.
Kraftausdauernd muss besonders die für die Körperhaltung verantwortliche Muskulatur arbeiten. Sie sollte in der Grundschule zwecks Erhaltung oder Wiederherstellung der aufrechten Haltung sowie als Grundlage zur besseren Ausführung sportlicher Bewegungselemente trainiert werden. Eine Zunahme der Kraft erfolgt im Grundschulalter über die Verbesserung der inter- und intramuskulären Koordination, nicht jedoch durch eine Vergrößerung des Muskelquerschnitts.
1.2.1.3 Schnelligkeit
Schnelligkeit wird im physikalischen Sinne mit dem Begriff Geschwindigkeit als ‚zurückgelegte Strecke pro Zeit’ definiert 17 und ist das Ergebnis einer
12 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 177
13 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 177
14 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 177
15 vgl. GRAF/ROST (2001) S. 43
16 vgl. GROSSER/ZINTL (1994) S. 33
8
Krafteinwirkung auf eine Masse 18 . In der Sportpraxis wird mit Schnelligkeit die „Fähigkeit, höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten zu erzielen“ 19 beschrieben.
Schnelligkeit tritt dabei sowohl als Reaktionszeit oder Geschwindigkeit einer Einzelbewegung als auch als Bewegungsfrequenz, Fortbewegungsgeschwindigkeit oder als Kombination dieser Aspekte auf 20 . Bei azyklischen Bewegungen entspricht die Schnelligkeit in etwa der Schnellkraft. Bei zyklischen Bewegungen setzt sie sich zusammen aus der Grundschnelligkeit - d.h. der maximal erreichbaren Bewegungsgeschwindigkeit - und der Schnelligkeitsausdauer, welche die Fähigkeit darstellt, trotz großer Sauerstoffschuld die Bewegungsgeschwindigkeit beizubehalten 21 .
Die Art der Muskelfasern bestimmt, wie gut die Schnelligkeit eines Menschen ausgeprägt ist und ist weitgehend genetisch bedingt 22 . Daher kann die Schnelligkeit auch nur in geringem Maße trainiert werden.
In der Grundschule wird Schnelligkeit häufig bei leichtathletischen Disziplinen gefordert, aber auch bei diversen Lauf- und Fangspielen.
1.2.1.4 Beweglichkeit (Flexibilität)
Unter Beweglichkeit oder Flexibilität versteht der Sportler die „Fähigkeit, willkürliche Bewegungen mit einer große Schwingungsweite in bestimmten Gelenken auszuführen“ 23 , welche sich aus der Gelenkigkeit des passiven und der Dehnfähigkeit des aktiven Bewegungsapparats zusammensetzt 24 . Man unterscheidet dynamische und statische Flexibilität:
17 vgl. GROSSER/ZINTL (1994) S. 90
18 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 272
19 GROSSER/ZINTL (1994) S. 89
20 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 273
21 vgl. GRAF/ROST (2001) S. 45
22 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 272
23 GROSSER/ZINTL (1994) S. 107
24 vgl. GROSSER/ZINTL (1994) S. 107
9
Die statische Flexibilität beschreibt die Bewegungsweite, die statisch eingenommen werden kann 25 , beispielsweise wie weit ein Bein im Stand nach hinten gestreckt werden kann. Die dynamische Flexibilität beschreibt die Bewegungsweite, die dynamisch 26 , in unserem Beispiel durch Schwingen des Beines nach hinten, möglich ist. Die dynamische Beweglichkeit ist in jedem Fall größer als die statische 27 .
Die Flexibilität nimmt mit steigender Körpertemperatur zu und ist bei Kindern in der Regel stärker ausgebildet als bei Erwachsenen 28 . Dehnungsübungen für die Muskulatur steigern neben Mobilisationsübungen für die Gelenke die Beweglichkeit 29 und wirken - vor dem Training ausgeführt - gleichzeitig als Verletzungsprophylaxe 30 .
Für die Grundschule sind Übungen zur Steigerung der Flexibilität vor allem für die Erhaltung der Körpersenkrechten wichtig: zu Verkürzung neigende Muskeln sollten gedehnt und die Wirbelsäule mobilisiert werden.
1.2.2 Koordinative Grundfähigkeiten
In der Literatur findet man unterschiedliche Angaben über die Anzahl der Bereiche, die den koordinativen Fähigkeiten zuzuordnen sind. Einige Autoren gehen von fünf, andere von sieben Schwerpunkten aus. Die folgenden Ausführungen richten sich nach der Einteilung ZIMMERMANNS 31 .
1.2.2.1 Reaktionsfähigkeit
Die Reaktionsfähigkeit wird als „Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger motorischer Aktionen auf mehr oder weniger
25 vgl. GRAF/ROST (2001) S. 44
26 vgl. GRAF/ROST (2001) S. 44
27 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 171
28 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 172
29 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 174
30 vgl. GRAF/ROST (2001) S. 44
31 vlg. ZIMMERMANN (1998) S. 215
10
komplizierte Signale“ verstanden 32 . Es kommt also darauf an, zum richtigen Zeitpunkt mit einer situationsadäquaten und richtig dosierten Handlung zu reagieren.
Die Reaktion erfolgt dabei entweder durch eine vorbestimmte Handlung, wie beim Starten nach einem Kommando, oder durch eine Auswahl aus unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten, zum Beispiel einen Ball bewusst zu fangen statt ihm absichtlich auszuweichen 33 . Die Reaktionsfähigkeit ist von großer Bedeutung für den Alltag, beispielsweise im Straßenverkehr, und hängt von vier Faktoren ab 34 :
• korrekte Wahrnehmung des Reizes
• Geschwindigkeit und Genauigkeit der Reizverarbeitung
• Treffen der richtigen Entscheidung über die Reaktion
• Ausführung der Reaktion zum richtigen Zeitpunkt und in passender Form
In enger Verbindung mit der Reaktionsfähigkeit stehen die Umstellungsfähigkeit und die Bewegungsschnelligkeit sowie psychische und intellektuelle Voraussetzungen 35 .
In der Grundschule kann die Reaktionsfähigkeit durch Spiele und Ähnliches trainiert werden.
1.2.2.2 Gleichgewichtsfähigkeit
Die „Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten beziehungsweise wieder herzustellen“ 36 wird kurz als ‚Gleichgewichtsfähigkeit’ bezeichnet.
32 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 215
33 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 215
34 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 215
35 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 215
36 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 217
11
Dieser Begriff beinhaltet sowohl das statische als auch das dynamische Gleichgewicht: Um ein statisches Gleichgewicht handelt es sich, wenn die Balance in Ruhe oder bei langsamen Bewegungen gehalten wird. Das dynamische Gleichgewicht - die meist schwierigere Variante - ist bei schnellen Änderungen der Körperlage mit großem Umfang zu beobachten 37 . Die Schwierigkeit der letztgenannten Form zeigt sich beispielsweise bei Landungen.
Die Gleichgewichtsfähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für alle Bewegungen und steht daher auch in engem Zusammenhang mit den anderen koordinativen Fähigkeiten 38 . Wie gut sie ausgeprägt ist zeigt sich daran, wie lange jemand das Gleichgewicht halten kann oder wie schnell und gut es ihm gelingt, es wieder herzustellen 39 .
Zum Üben dieser Fähigkeit bieten sich vielfältige Möglichkeiten an, von denen einige im Anhang II aufgeführt werden.
1.2.2.3 Rhythmusfähigkeit
Rhythmusfähigkeit bedeutet, „einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch zu reproduzieren sowie den ‚verinnerlichten’, in der eigenen Vorstellung existierenden Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren“ 40 .
Dabei geht es um die Erfassung akustisch oder visuell dargebotener Rhythmen in allen sportlichen Bewegungen 41 . Die Rhythmusfähigkeit steht in engem Zusammenhang mit der Differenzierungs-, Orientierungs- und Kopplungsfähigkeit sowie mit konditionellen, intellektuellen und musischen Voraussetzungen. Die Ausprägung dieser Fähigkeit zeigt sich darin, wie schnell und genau
37 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 217
38 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 217
39 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 217
40 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
41 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
12
Rhythmen erlernt und mit welcher Qualität diese erfasst und dargestellt werden können 42 .
Möglichkeiten zur Förderung bieten sich beim Überlaufen von Hindernissen ebenso wie beim Einstudieren kleiner Tänze, dem Nachklatschen von Rhythmen und ähnlichem mehr.
1.2.2.4 Orientierungsfähigkeit
Unter Orientierungsfähigkeit wird die „Fähigkeit zur Bestimmung und zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld (z.B. Spielfeld, Boxring, Turngeräte) und/oder ein sich bewegendes Objekt (z.B.: Ball, Gegner, Partner)“ 43 verstanden. Sie bezieht sich auf die Lageveränderung des gesamten Körpers, nicht einzelner Körperteile 44 . Die Aufnahme und Verarbeitung meist optischer, aber auch staticodynamischer oder kinästhetischer Informationen bilden die Basis der Orientierungsfähigkeit 45 . Diese Fähigkeit steht mit allen übrigen koordinativen Fähigkeiten, besonders aber mit der Differenzierungsfähigkeit in Zusammenhang. Sie wird gemessen an der Schnelligkeit, Richtigkeit, und Genauigkeit der Orientierung sowie an der Exaktheit der Bewegungsausführung 46 .
Trainiert werden kann die Orientierungsfähigkeit zum Beispiel durch Spiele, die sich auf Raum-Lage Beziehungen wie vor, hinter, auf, unter, neben, rechts, links, etc. von Gegenständen oder Menschen beziehen. Mannschaftsspiele, bei denen sich die Kinder Überblick verschaffen müssen
42 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 219
43 ZIMMERMANN (1998) S. 216
44 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 216
45 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 216
46 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 219
13
über die Positionen ihrer Mitspieler und Gegner, tragen ebenfalls zu ihrer Förderung bei.
1.2.2.5 Differenzierungsfähigkeit
Die Differenzierungsfähigkeit ist nötig „zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt“ 47 . Sie ist wichtig für die Perfektion und Stabilisierung sportlicher Bewegungen 48 .
Sie wird beeinflusst von Bewegungserfahrung und Beherrschungsgrad einer Bewegung und von Sportlern oft beschrieben als „ein Gefühl für die Bewegung bekommen“ 49 .
Die Genauigkeit der Ausführung von Bewegungsphasen, Teilkörperbewegungen oder Gesamtbewegungen unter verschiedenen Bedingungen gibt Auskunft über die Qualität der Differenzierungsfähigkeit 50 . Diese Fähigkeit ist demnach eine Voraussetzung für Gleichgewicht und Rhythmisierung anzusehen und korreliert eng mit Kopplungs- und Orientierungsfähigkeit 51
In der Grundschule können Spiele und Übungsformen, bei denen die Schüler Bewegungen unter immer wieder neuen Bedingungen ausführen, zur Förderung der Differenzierung beitragen.
1.2.2.6 Kopplungsfähigkeit
Die „Fähigkeit, Teilkörperbewegungen untereinander und in Beziehung zu der auf ein bestimmtes Handlungsziel gerichteten Gesamtkörperbewegung
47 ZIMMERMANN (1998) S. 212
48 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 213
49 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 213
50 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 214
51 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 214
14
räumlich, zeitlich und dynamisch zweckmäßig aufeinander abzustimmen“ 52 , bezeichnet man als Kopplungsfähigkeit. Sie ist Voraussetzung für alle Bewegungen.
Je schneller und exakter ein Mensch Fertigkeiten erlernen kann, die ein hohes Zusammenspiel der Körperteile erfordern, und je besser diese auch unter veränderten Bedingungen durchgeführt werden können, desto höher ist die Kopplungsfähigkeit ausgebildet 53 .
Sie steht in engem Bezug zur Orientierungs-, Differenzierungs- und Rhythmusfähigkeit 54 .
Durch Übungen, die die gleichzeitige oder zeitlich versetzte Kombination verschiedener Teilbewegungen erfordern, kann die Kopplungsfähigkeit gefördert werden.
1.2.2.7 Umstellungsfähigkeit
Die Umstellungsfähigkeit wird verstanden als „Fähigkeit, während eines Handlungsvollzuges auf der Grundlage wahrgenommener oder
vorauszusehender Situationsveränderungen (u.a. durch Gegner, Mitspieler, Ball, äußere Einflüsse) das Handlungsprogramm den neuen Gegebenheiten anzupassen und motorisch umzusetzen und damit die Handlung auf völlig andere Weise fortzusetzen“ 55
Eine Umstellung kann entweder erwartet, wie beispielsweise beim Übergang von einem Anlauf zum Absprung, oder unerwartet, zum Beispiel bei einem plötzlichen Wechsel zwischen Angriff und Abwehr im Handball, nötig werden. In Abhängigkeit von der Antizipationsfähigkeit sowie Schnelligkeit und Genauigkeit 56 muss der Sportler seine Handlungen der neuen Situation anpassen. Die Umstellungsfähigkeit steht daher in engem Zusammenhang
52 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 214
53 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 214
54 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 214
55 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
56 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
15
mit der Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit und ist vor allem für das Verhalten in Spielen von Bedeutung, in denen viele unerwartete Situationen auftreten können 57 .
Wie gut die Umstellungsfähigkeit eines Menschen ausgeprägt ist, erkennt man an der Schnelligkeit und der Richtigkeit seiner Anpassung an die neuen Gegebenheiten 58 .
In der Schule kann diese Fähigkeit zum Beispiel durch kleine und große Spiele oder durch Gerätelandschaften mit unterschiedlichen Anforderungen gestärkt werden.
57 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
58 vgl. ZIMMERMANN (1998) S. 218
16
Auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Kindern wirken verschiedene Faktoren, welche zum Teil verändert werden können, um positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit zu nehmen.
Nur bedingt beeinflussbare Größen sind die physischen und psychischen Eigenschaften des Menschen. Endogene Faktoren wie Körperbau und -größe oder etwaige Behinderungen 59 können nicht willentlich verändert beziehungsweise beseitigt werden, während auf das Körpergewicht von den Kindern selbst oder deren Eltern Einfluss genommen werden kann.
Daneben fließen auch exogene Bedingungen, d.h. äußere Umstände, in die Leistungsfähigkeit mit ein, welche zur positiven Unterstützung der körperlichen Leistungsfähigkeit verändert werden können: Eine mit vielen Bewegungsmöglichkeiten und -anregungen versehene Umwelt beispielsweise fördert das körperliche Potenzial der Kinder, während übervorsichtige oder bewegungsfaule Eltern die Entwicklung hemmen können 60 .
Auch die Alltagsgestaltung spielt eine Rolle: Kinder, die viel vor dem Fernseher oder Computer sitzen 61 , sind der Gefahr der Reizüberflutung sowie einseitiger, unausgewogener Belastung ausgesetzt und werden daher in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Diese exogenen Aspekte können zu einem weiteren, die Leistung beschränkenden Faktor führen: Bewegungsmangel. Unter Bewegungsmangel versteht man eine „muskuläre Beanspruchung, die chronisch unterhalb einer Reizschwelle liegt, deren Überschreitung notwendig ist zum Erhalt oder zur Vergrößerung der funktionellen Kapazität“ 62 des Körpers.
59 vgl. ZIMMER / CICURS (1987) S. 16
60 vgl. ZIMMER / CICURS (1987) S. 16
61 vgl. MARÉES (1996) S. 358
62 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 434
17
Diese Reizschwelle liegt bei 30 Prozent der maximalen statischen Kraft beziehungsweise 50 Prozent der maximalen Kreislaufleistungsfähigkeit 63 . Chronischer Bewegungsmangel hat weitreichende Folgen, die allesamt die Leistungsfähigkeit des Organismus beschränken: Es kommt zu Leistungseinbußen im Herz-Kreislauf-System, im Stoffwechsel und bei der Atmung 64 sowie zu Fehlhaltungen und Fehlstellungen am Bewegungsapparat 65 durch Atrophie der wenig beanspruchten Muskulatur und niedrigere Stabilität der Knochen 66 . Im Zusammenspiel mit unausgewogener Ernährung (siehe unten) treten außerdem Übergewicht und dessen Folgeerscheinungen auf 67 .
Die aus dem Bewegungsmangel resultierende geminderte Leistungsfähigkeit führt zu Misserfolgserlebnissen, Gefühlen der Überforderung und oft auch zu mangelnder sozialer Anerkennung, was die Unlust, sich zu bewegen, weiter verstärkt 68 und damit in einen Teufelskreis führt.
Auch die Ernährung beeinflusst die körperliche Leistungsfähigkeit: Kohlenhydratreiche Kost steigert sie, während große und fettreiche Mahlzeiten die nervalen Funktionen und damit die Reaktion und Koordination negativ beeinflussen 69 . Auch Flüssigkeitsmangel mindert das körperliche Potenzial 70 . Wer täglich mehr Energie durch die Ernährung aufnimmt als er durch seine Aktivität verbraucht - auch wenn es nur 100 kcal pro Tag sindwird übergewichtig 71 und schränkt dadurch seine Leistungsfähigkeit weiter ein. Ausreichende Bewegung - wiederum vor allem im Bereich der aeroben Ausdauer - kann dem entgegenwirken.
Ein weiterer die Leistungsfähigkeit beschränkender Faktor ist das Schlafverhalten. Hinreichend Schlaf ist wichtig zur Erholung des Körpers.
63 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 435
64 vgl. MARÉES (1996) S. 359
65 vgl. MARÉES (1996) S. 359
66 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 436, 437
67 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 1
68 vgl. ZIMMER/ CICURS (1987) S. 16
69 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 90, 99
70 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 99
71 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 437
18
Wer zu wenig schläft, riskiert eine Minderung der Reaktionsfähigkeit und Koordination, aber auch der Ausdauer, Beweglichkeit, Schnellkraft und Schnelligkeit 72 . Schlaf beeinflusst die mentale Leistungsfähigkeit positiv, welche für das Lernen und somit für die Schule enorm wichtig ist 73 .
Wer die genannten Einflussfaktoren kennt und sie günstig für sich oder die von ihm zu betreuenden Kinder berücksichtigt, wird von einer guten körperlichen Verfassung profitieren:
Zum einen ist sie Grundvoraussetzung, um den Alltag beschwerdefrei zu meistern 74 . Außerdem trägt eine gute körperliche Verfassung zur Gesundheit bis ins hohe Alter bei. Daneben werden Situationen wie zum Beispiel Krankheit, die die Leistungsfähigkeit schwächen, besser überstanden. Vor allem bei Kindern, die gerne und oft Bewegung in ihre Spiele einbauen, führt eine gute Konstitution zu mehr sozialer Akzeptanz und Erfolgserlebnissen 75 .
72 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 627
73 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 628
74 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 478
75 vgl. ZIMMER / CICURS (1987) S. 21-23
19
Die Ausdauer im Allgemeinen wurde bereits in Kapitel 1.2.1 definiert. Da für den Schulsport vor allem die allgemeine aerobe dynamische Ausdauer wichtig ist, soll diese hier näher beleuchtet werden.
DE MARÉES beschreibt diese Form der Ausdauer anhand ihrer einzelnen Komponenten: „allgemein“ bedeutet demnach, dass mehr als 1/6 der Skelettmuskulatur, das entspricht etwa der Muskelmasse eines Beines, aktiviert ist 76 . Der Zusatz „aerob“ weist darauf hin, dass die Energiebereitstellung vor allem unter Sauerstoffverbrauch erfolgt, und „dynamisch“ besagt, dass es bei der Ausdauerbelastung zum rhythmischen Wechsel zwischen Kontraktion und Erschlaffung der Muskulatur kommt 77 . Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist nach DE MARÉES an der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO 2 max) abzulesen und hängt ab von der kardiopulmonalen Kapazität, also der Leistungsfähigkeit des Transportsystems Herz-Kreislauf-Lunge, sowie von der Kapazität der aeroben
Energiebereitstellung und der Größe des Glykogenvorrats 78 .
HOLLMANN/HETTINGER treffen im Grunde die gleichen Aussagen, sind jedoch der Meinung, dass die allgemeine Ausdauer bereits bei einer Beanspruchung von mehr als 1/7 bis 1/6 der gesamten Skelettmuskulatur aktiv ist. 79 Außerdem ergänzen sie, dass die „Qualität der bewegungstypischen Koordination“ ebenfalls Einfluss auf die Ausdauerleistungsfähigkeit hat. Sie erwähnen auch, dass die Bedeutung der allgemeinen aeroben statischen
76 vgl. MARÉES (1996) S. 143
77 vgl. MARÉES (1996) S. 143
78 vgl. MARÉES (1996) S. 143ff
79 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 303
22
Ausdauer so gering ist, dass bei der allgemeinen aeroben dynamischen Ausdauer der Begriff „dynamisch“ meist weggelassen wird 80 .
HAAG/HAAG erklären hinzufügend, dass die allgemeine Ausdauer oft als Grundlagenausdauer bezeichnet wird, die sich stark an der aeroben Ausdauer orientiert und Basis allen Trainings ist 81 . Daneben weisen sie darauf hin, dass die aerobe Ausdauer umso wichtiger wird, je länger die Belastung andauert 82 .
Sowohl DE MARÉES 83 als auch HOLLMANN/HETTINGER 84 schlagen folgende Unterteilung der aeroben Ausdauer in Abhängigkeit von der Belastungsdauer vor:
• 3-10 min: allgemeine aerobe Kurzzeitausdauer, z.B 3000m-Lauf
• 10-30 min: allgemeine aerobe Mittelzeitausdauer, z.B. 1500m-Freistil
• über 30 min: allgemeine aerobe Langzeitausdauer, z.B. Marathon
Zusammenfassend lässt sich die allgemeine aerobe Ausdauer folgendermaßen beschreiben:
Unter allgemeiner aerober Ausdauer, oft auch Grundlagenausdauer genannt, versteht man die Fähigkeit, dynamische Beanspruchungen von mehr als 1/7 bis 1/6 der gesamten Skelettmuskulatur möglichst lange ohne Ermüdungserscheinungen durchzuhalten, wobei die Energiebereitstellung vorwiegend unter Sauerstoffverbrauch erfolgt.
80 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 512
81 vgl. HAAG / HAAG 2003 S. 169
82 vgl. HAAG / HAAG 2003 S. 168
83 vgl. MARÉES (1996) S. 144
84 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 347ff
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Eine Ausdauerbelastung stellt für den Organismus eine Phase erhöhter körperlicher Arbeit dar, wodurch der Energiebedarf vor allem in der arbeitenden Muskulatur ansteigt 85 .
Wie die Energiebereitstellung im Muskel und das kardio-pulmonale System als Transportsystem für die benötigten Stoffe bei Ausdauerbelastungen diesem Mehrbedarf nachkommen, wird in diesem Kapitel beschrieben.
2.2.1 Energiebereitstellung im Muskel
Der erste Energiebedarf kann durch die in der Muskelzelle befindlichen Energiespeicher gedeckt werden 86 : Dies ist zum einen das Adenosintriphosphat, kurz ATP, die wichtigste Energie liefernde Substanz und einziger direkt anzapfbarer Energiespeicher 87 . ATP kommt in allen lebenden Zellen, vor allem den Muskelzellen, vor und ermöglicht überhaupt erst körperliche Bewegung 88 . Jedoch ist die Menge des im Muskel gespeicherten Adenosintriphosphates mit 5 mmol ATP pro Gramm Muskelfeuchtmasse sehr gering und reicht nur für wenige
Muskelkontraktionen aus 89 . Es können nur drei bis 4 maximale Muskelkontraktionen mit einer Dauer von insgesamt 1-2 Sekunden mit dieser ATP-Menge erfolgen 90 . Um längere Muskelarbeit zu ermöglichen, muss
85 vgl. MARÉES (1996) S. 399
86 vgl. MARÉES (1996) S. 400
87 vgl MARÉES (1996) S. 397, 400
88 vgl. MARÉES (1996) S. 401
89 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 60
90 vgl. PLATEN (2001/2) S. 26
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daher ständig neues Adenosintriphosphat gebildet (resynthetisiert) werden 91 . Dies kann auf verschiedenen Wegen vonstatten gehen:
• anaerob-alaktazid durch Myokinase- oder Lohmann-Reaktion
• anaerob-lakatzid durch biologische Glukose-Oxidation
• aerob durch biologische Glukose- oder Fettsäure-Oxidation Auf die Energiegewinnung durch Verwertung von Aminosäuren wird in dieser Arbeit nicht näher eingegangen, da sie nur eine untergeordnete Rolle spielt 92 und den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
2.2.1.1 Anaerob-alaktazide Energiegewinnung
Die Energiegewinnung auf anaerob-alaktazidem Weg erfolgt ohne Verwendung von Sauerstoff und ohne Anfallen von Laktat im Sarkoplasma der Muskelzelle 93
Bei der Myokinase-Reaktion, auch Adenylat-Kinase-Reaktion genannt 94 wird von einem im Muskel befindlichen Adenosindiphosphat, kurz ADP, ein Phosphatrest abgespalten und an ein anderes ADP-Molekül angehängt, so dass ein Molekül Adenosintriphosphat (ATP) und ein Molekül Adenosinmonophosphat (AMP) entstehen 95 . ADP + ADP ATP + AMP
Das ATP-Molekül kann nun im Energiestoffwechsel verwendet werden, während das AMP entweder die Phosphofruktokinase, ein Enzym der Glykolyse (siehe 2.2.1.2) aktiviert oder in Ammoniak verwandelt und anschließend in der Leber zu Harnstoff abgebaut wird 96 .
Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, auf anaerob-alaktazidem Weg Adenosintriphosphat zu gewinnen: Dazu werden die Kreatinphosphat-Speicher des Muskels angezapft, welche etwa 3-4mal so groß sind wie die
91 vgl. PLATEN (2001/2) S. 26
92 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 62
93 vgl. PLATEN (2001/2) S. 28, MARÉES (1996) S. 402
94 vgl. HORN ET AL. (2003) S. 550
95 vgl. PLATEN (2001/2) S. 28
96 vgl. HORN ET AL. (2003) S. 550
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ATP-Speicher 97 . In der so genannten Lohmann-Reaktion gibt dabei ein Kreatinphosphatmolekül unter Einwirkung des Enzyms Kreatinkinase sein energiereiches Phosphat an ein Adenosindiphosphat ab, wodurch Kreatin und ATP 98 entstehen und die ATP-Speicher so wieder gefüllt werden können 99 . KP + ADP Kreatin + ATP
Da die anaerob-alaktazide Energiegewinnung jedoch nur für die ersten 30 Sekunden der Ausdauerbelastung ausreicht, übernimmt der anaeroblaktazide Energiestoffwechsel nach etwa 10 Sekunden die Hauptversorgung der arbeitenden Muskeln (vgl. S.31 Abb.2).
2.2.1.2 Anaerob-laktazide Energiegewinnung
Die Energiebereitstellung auf anaerob-laktazidem Weg erfolgt ohne Verwendung von Sauerstoff, allerdings unter Anfallen von Laktat, über die biologische Oxidation von Glukose 100 im Sarkoplasma der Muskelzelle. Unter Oxidation versteht man die Abgabe von Elektronen (e - ) 101 . Diese Art der Energiegewinnung läuft langsamer ab als die unter 2.2.1.1 genannten Vorgänge, jedoch kann so eine größere Gesamtmenge an ATP gewonnen werden.
Für die biologische Oxidation wird Glukose-6-Phosphat benötigt, welches entweder unter Verbrauch von einem Molekül ATP aus der im Blut gelösten Glukose oder aus dem Muskelglykogenspeicher entnommen wird 102 . Dieses wird in der nächsten Stufe, der Glykolyse, zu Pyruvat, dem Salz der Brenztraubensäure 103 , abgebaut. Dazu wird Glukose-6-Phosphat zu Fruktose-6-Phosphat, an das ein Phosphatrest aus einem
97 vgl. HOLLMANN/HETTINGER (1976) S. 60
98 vgl. PLATEN (2001/2) S. 28
99 vgl. MARÉES (1996) S. 402
100 vgl. MARÉES (1996) S. 398
101 MARÉES (1996) S. 398
102 vgl. PLATEN (2001/2) S. 29, MARÉES (1996) S. 404
103 MARÉES (1996), S. 399
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Arbeit zitieren:
Andrea Lenz, 2005, Möglichkeiten zur Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit in der Schule, dargestellt am Beispiel der aeroben Ausdauer 6-8jähriger Schüler, München, GRIN Verlag GmbH
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