1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen 2
2.1 Definition Aggression 2
2.2 Begriffsbestimmung von Kommunikation 3
2.3 Kommunikationsförderung 4
2.4 Zusammenhänge zwischen Kommunikation und Aggression
5
2.5 Zusammenhänge zwischen Kommunikation und
sozialem Lernen 6
2.6 Kommunikation und Unterricht 7
2.6.1 Methoden der Kommunikationsförderung 7
2.6.2 Das Rollenspiel 8
3. Planung 9
3.1 Lerngruppenbeschreibung 9
3.2 Vorhabenbezogene Lernvoraussetzungen 11
3.3 Richtlinien /KMK- Empfehlungen 13
3.4 Didaktisch- methodische Überlegungen 14
3.4.1 Didaktische und methodische Entscheidungen unter
dem Gesichtspunkt Kommunikation 15
3.4.2 Didaktische und methodische Entscheidungen unter
Ber ücksichtigung der emotionalen und sozialen
Entwicklung der Schüler 17
3.4.3 Didaktische und methodische Entscheidungen nach
motivationalen Aspekten 18
3.5 Lernziele 20
3.6 Erarbeitung der Beobachtungsfragen 20
4. Darstellung einzelner Unterrichtssequenzen 20
4.1 Darstellung einer Wutsituation durch Rollenspiel 21
4.2 Die Schüler spielen unterschiedliche Situation mit
Unterst ützung des Wutzauberspruchs 23
4.3 Die Schüler spielen unterschiedliche Situationen mit
Unterst ützung der
Selbstbehauptung , des Wutzauberspruches und der Wutsätze 25
4.4 Ich kann Sätze unterschiedlich sagen 28
4.5 Zusammenfassung des Lernzuwachses der beobachteten Schüler 32
5. Abschlussreflexion 33
6. Literatur 34
2
1.Einleitung
Die folgende Arbeit dokumentiert die Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zur Förderung der Kommunikationsfähigkeit in einer fünften Förderschulklasse. Dem Entschluss, die Schüler 1 in ihrem Sprachverhalten zu fördern, liegt die Überlegung zu Grunde, Aggression 2 durch Kommunikation vorzubeugen und abzubauen. Als ich der Klasse begegnete, zeigten die Schüler wenig positives Sozialverhalten 3 und der Schulalltag wurde von aggressivem Verhalten bestimmt. Die Schüler waren nur bedingt in der Lage, ohne Konflikte die Pause zu gestalten oder offene Unterrichtssituationen zu bewältigen. Durch die Spracharmut, die fast durchgängig bei den Schülern festzustellen war, erlebte ich Konfliktgespräche als sehr kontraproduktiv. Die Schüler konnten Konflikte auch mit Unterstützung des Lehrers nicht lösen, da sie Schwierigkeiten hatten, auf sprachliche Muster zurückzugreifen und sich verbal zu äußern. Unter den Kindern konnte ich selten kommunikativen Austausch beobachten. Ein hoher Grad an Verunsicherung und Sprechhemmung wurde auch in den unterschiedlichsten
Unterrichtssequenzen deutlich. Die Schwierigkeiten in den Bereichen Syntax und Artikulation sowie in der Intonation erschwerten neben dem sehr geringen Wortschatz Unterrichtsgespräche erheblich. Die Schüler konnten oft auch einfache Fragen aufgrund ihrer
Kommunikationsschwierigkeiten nicht beantworten. Durch diese Defizite wurden Konflikte durch Missverständnisse geschürt. Der Unterrichtsversuch basiert auf der Annahme, dass kommunikative Kompetenz aggressives Verhalten vermindern kann (vgl. Kapitel 2.4).
Das Rollenspiel stellt meiner Überlegung nach eine geeignete Methode dar, Kindern vielfältige Möglichkeiten zu bieten, um kommunikativen Austausch zu erleben, auszuprobieren und zu erfahren. Aus diesen Überlegungen ergibt sich folgende Leitfrage: Kann durch Rollenspiel die Kommunikationsfähigkeit der Schüler gefördert werden?
Die Arbeit wird ihren Schwerpunkt innerhalb des Kommunikationsbegriffes auf die Sprachverwendung legen und damit nur Teilbereiche der Kommunikationsförderung durchleuchten.
Im Folgenden werde ich theoretische Ausführungen sowie Begriffsbestimmungen zu Aggression, Kommunikation und Kommunikationsförderung sowie deren Zusammenhänge darlegen, um sie in der anschließenden Planung meines Unterrichtsversuches auf die Praxis zu beziehen. Die aus diesem Teil hervorgehenden Beobachtungsschwerpunkte werde ich auf unterschiedliche Unterrichtssequenzen beziehen und versuchen durch detaillierte Beobachtungen und Reflexionen meine Leitfrage im Abschluss zu überprüfen.
1 Zur besseren Lesbarkeit werde ich in dieser Arbeit bei Substantiven, die sowohl in einer männlichen als auch in einer weiblichen Form stehen können, die männliche benutzen, wobei ich mich immer auf beide Geschlechter beziehe.
2 Aggression wird in Kapitel 2.1 näher definiert.
3 Siehe Sozialverhalten der Lerngruppe Kap.3.1
3
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Um die Zusammenhänge von Aggression und Kommunikation deutlicher zu machen, werden sich meine theoretischen Ausführungen sowohl auf Aggression als auch auf Kommunikation beziehen. Grundannahme dieser Arbeit ist, dass durch eine steigende kommunikative Kompetenz 4 aggressives Verhalten vermindert werden kann. Um diese Grundannahme zu verifizieren, wird im Folgenden Aggression und Kommunikation definiert, auf Aspekte der Kommunikationsförderung eingegangen, um schließlich einen begründeten Zusammenhang zwischen Aggression und Kommunikation aufzuzeigen.
2.1 DEFINITION AGGRESSION
Das Wort ‚Aggression’ (lat. aggredi) bedeutet soviel wie Angriff. Man bezeichnet denjenigen als aggressiv, der einem anderen Menschen direkt (durch Körperverletzung: beißen, schlagen, treten etc.) oder indirekt (durch seelische Kränkung: beleidigen, herabsetzen, entwerten) schädigen möchte.
Eine einheitliche Definition für Aggression ist in der Literatur nicht zu finden, da es grundsätzlich nicht möglich ist „zu sagen, welche Verhaltensweisen aggressiv sind, sondern nur, welche wir aggressiv nennen“ (Nolting 1993, 22).
Es wird allgemein von zwei Definitionssträngen ausgegangen (vgl. Krech 1992, Bd. 7; 4). Nach der ersten verhaltensbezogenen Definition ist Aggression jedes Verhalten, das anderen schadet. Nach der zweiten Definition, die von der Absicht ausgeht, ist Aggression jede Handlung, die der Absicht dient, anderen zu schaden. Die erstgenannte Fassung von Aggression benennt ein beobachtbares Verhalten, während die zweite intrapersonelle Faktoren anspricht. In der Literatur wird die Sozialisation des Menschen als ausschlaggebend für den Umgang mit Aggressionen verstanden. Um Konflikte zu verhindern müssen Menschen lernen mit Aggression adäquat umzugehen.
„Ein Großteil der Konflikte unter Kindern und Jugendlichen basiert auf ihrer allgemeinen Gereiztheit bzw. ihrer Unfähigkeit, Spannungen auszuhalten, ohne unmittelbar (aggressiv) darauf zu reagieren.“ (Walker 1991,10)
Hans-Peter Nolting beschreibt deutlich, dass Aggression in der Definition nicht trennbar von Emotion ist:
„Wie selbstverständlich scheinen (innere) aggressive Empfindungen und (äußeres) aggressives Verhalten so eng zusammenzugehören, dass man beides in demselben Wort vereinigt und es oft kaum zu erkennen ist, ob jemand ein Verhalten oder eine Emotion oder beides meint.“ (Nolting 1993, 26)
Aggression und aggressives Verhalten wird in der Literatur getrennt beschrieben. „Aggression will heißen Angriffsverhalten, Angriffshandlung, während Aggressivität eher die Angriffsbereitschaft, das Angriffsbedürfnis, die Angriffslust bezeichnet.“ (Battegay 1979, 9) In meiner schriftlichen Darstellung gehe ich von der Begriffsbestimmung im personellen Bereich aus. Um Aggressives Verhalten zu erkennen und evtl. Veränderungen zu beobachten, kann ich mich nur auf sichtbare d.h. verhaltensbezogene Aspekte beziehen. Unter Aggression verstehe ich in diesem Bezug Verhalten, welches anderen schadet. Der Absichtsaspekt wird in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden können.
4 Begriffbestimmung von kommunikativer Kompetenz siehe Kapitel 2.5
4
2.2 BEGRIFFSBESTIMMUNG VON KOMMUNIKATION
Kommunikation [lateinisch communicare, (mit-)teilen] bedeutet die Übermittlung und das Empfangen von Gedanken, Informationen und Nachrichten.
Klippert unterscheidet zwei grundlegende Elemente von Kommunikation: Verbale Kommunikation und nonverbale Kommunikation. Diese Elemente haben eine gleichrangige Bedeutung (vgl. Klippert 2001, 19). Verbale und nonverbale Ausdrucksformen, gleich ob sie mit oder ohne Stimme realisiert werden, stehen gleichberechtigt nebeneinander. „Gesprächs- und Redefähigkeit lässt sich nur im Zusammenspiel aller Kommunikationsanteile verbessern.“ (Klippert 2001, 19) Die nonverbalen Gesichtspunkte der Kommunikation wie Mimik und Gestik sind Botenträger von Sprache. „Nicht zuletzt ist Sprache immer mit dem Aussenden körpersprachlicher Signale verbunden.“ (Trautmann 2000, 12)
Redeanteile können durch Gestiken sowie Mimiken gelenkt und verdeutlicht werden und sind somit wesentliche Aspekte der Kommunikation. Dieser wichtige und tragende Bereich lässt sich dennoch nur zweitrangig in der Schule behandeln, da den Schülern vorrangig die Angst und Hemmung des freien Sprechens genommen werden muss. Die nonverbalen Kriterien von Kommunikationsfähigkeit schließen sich daran an. 5
Pavel Watzlawick (1969) entwickelte Regeln, die Kommunikation erklären und verstehen lassen. Die Hauptaussage ist die Feststellung, dass Kommunikation nicht linear sondern kreisförmig verläuft. Es gibt kein Anfang und kein Ende: „Damit werden die üblichen Fragen nach Ursache-Wirkung, Gegenwart - Vergangenheit, oder bewusst - unbewusst von nachrangiger Bedeutung.“ (Wellhöfer 2001, 37)
Die Grundannahme von Watzlawicks Kommunikationstheorie lautet deshalb: Menschliche Kommunikationsprozesse sind regelhaft uns können als Kreissysteme aufgefasst werden.
Nach Watzlawick gelten folgende Axiome: 1. Man kann nicht nicht kommunizieren.
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. 3. Jedes Kommunikationsverhalten ist gleichzeitig Reiz und Reaktion.
4. Wir verwenden entweder digitale oder analoge Kommunikation (entweder klare Fakten/Daten oder Bilder/Analogien) 6
Schulz von Thun (1989) konkretisiert seine Überlegungen in Bezug auf Kommunikation und nennt diese Konkretisierung ‚Anatomie der Nachricht’ (vgl. Schulz von Thun 1998). Die Anatomie der Nachricht kann man durch eine graphische Darstellung 7 verdeutlichen.
5 Wenn Kommunikation das Austauschen von Informationen bedeutet, müssen auch schriftliche Formen der Kommunikation erwähnt werden. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich von Kommunikation sprechen, damit jedoch nur mündliche Kommunikation meinen.
6 Vergleiche Schuster, 1992, 53
7 Vgl. Wellhöfer 2001
5
Die Botschaft auf der Inhaltsebene entspricht der sachlichen Mitteilung, die vorwiegend verbal gesendet wird. Auf der Beziehungsebene verlaufen die Prozesse auf ‚sprachfreie’ Weise: Durch Betonung, Gestik, Mimik und damit auch durch unsere ‚Körpersprache’ 8 signalisieren wir dem Empfänger, wie die Inhalte zu verstehen sind. Wir teilen ihm aber auch gleichzeitig mit, wie wir die Beziehung zu ihm sehen (vgl. Wellhöfer 2001, 23).
2.3 KOMMUNIKATIONSFÖRDERUNG
„Kommunikation muss gelernt werden, kleinschrittig, durch vielfältige Übungen und themenzentrierte Sprechanlässe.“ (Klippert 2001, 17)
Die sprachlichen Kompetenzen ‚Begriffsbildung’, ‚Syntax’ und ‚Morphologie’ stellen Teilbereiche der kommunikativen Kompetenz 9 dar. Diesen Bereichen übergeordnet ist die Sprachverwendung. Das Ziel jeder Sprachförderung ist, Geübtes in Alltagssituationen zu verwenden. Kommunikationsförderung kann sich auf verschiedene Bereiche der Kommunikation beziehen: Bereiche von Kommunikationsförderung: • Wortschatzerweiterung • Artikulation • Mimik/Gestik • Syntax
Ein Hauptaugenmerk von Kommunikationsförderung ist die Fokussierung auf die Sprachverwendung. Folgende Darstellung verdeutlicht die Grundaspekte der Kommunikationsförderung.
8 Unsere Wortsprache dient uns vor allem dazu, Informationen auszutauschen. Nebenbei teilen wir dem anderem auch Gefühle mit. Bei der Körpersprache ist es genau umgekehrt. Es ist ihre Hauptaufgabe, unsere Stimmungen und Gefühle mitzuteilen.
9 Der Terminus wird in zweierlei Hinsicht verwendet. Einmal bedeutet er das Vermögen, ein Kommunikationssystem zu verstehen, zum anderen wird damit auch die Fähigkeit zum aktiven Gebrauch - die Handlungskompetenz bezeichnet. Ich beziehe mich in dieser Arbeit auf die zweite Bezeichnung.
6
Der vorliegende Unterrichtsversuch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder in ihren kommunikativen Kompetenzen zu fördern, wobei auch hier der Fokus auf der Sprachverwendung liegen soll. Die Bereiche ‚Syntax’ und ‚Morphologie’ sind meinem Ziel, die Schüler in ihren kommunikativen und somit sozialen Kompetenzen zu fördern, untergeordnet. Durch die folgende Darstellung wird deutlich, wie sehr Kommunikationsförderung mit dem Ausbau der Identität und mit sozialen Faktoren zusammenhängt.
Hans Joachim Grünwaldt vergleicht Sprachunterricht mit Kommunikationstraining und formuliert die wesentlichen Unterschiede:
„Trotzdem ist Kommunikationstraining auch faktisch etwas wesentlich anderes als Sprachunterricht. Erstens spielt bei ihm die Vermittlung theoretischer Kenntnisse eine geringere Rolle. Theoretische Kenntnisse (wie beispielsweise Grammatik-Theoreme) haben bei kommunikativen Übungen nicht wie im Sprachunterricht einen Wert an sich. Sie haben funktionale Bedeutung, werden nur vermittelt, wenn dadurch sich die kommunikative Kompetenz der Schüler erweitert.“ (Grünwaldt 1984, 5)
2.4 ZUSAMMENHÄNGE VON KOMMUNIKATION UND AGGRESSION
Kommunikation, also das Austauschen von Informationen zwischen Menschen, erfolgt auf verschiedenen Ebenen (nonverbale und verbale Aspekte) 10 . Kommt es durch ungenügende sprachliche Fähigkeiten beim Austausch von Informationen zu Missverständnissen oder Fehlinformationen kann sich aggressives Verhalten entwickeln. Informationen sind die Boten, die uns verstehen lassen und Reaktionen hervorrufen. „Wer kommuniziert teilt etwas mit, er vermittelt einen Inhalt, eine „Botschaft“. (Kliebisch 1995, 21)
Untersuchungen (vgl. Neumann 2002, 74). haben ergeben, dass verbale und nonverbale Aggression an der Spitze der Gewaltskala stehen. Die Hemmschwelle, tatsächlich Gewalt auszuüben, setzt sich bei häufigem Gebrauch verbaler und nonverbaler Kraftausdrücke herab. Wenn Auseinandersetzungen verbal nicht handelbar sind, wird nicht selten auf Handgreiflichkeiten ausgewichen.
Um Schüler in Konfliktsituationen stark zu machen und somit die Gewaltbereitschaft zu senken, müssen Kommunikationsstrategien entwickelt und eingeübt werden. Aggressionen können abgebaut werden, wenn Kommunikationsfähigkeiten Konfliktsituationen entschärfen können und zum konstruktiven Umgang miteinander befähigen.
„[…] Ziele eines Kommunikationstrainings könnten sein: Sprachlosigkeit überwinden, Schlagfertigkeit üben, hilfreiche Erwiderungen auf Beleidigungen und Provokationen finden, eigene Stabilität und Sicherheit erlangen.“ (Neumann 2002, 75)
Selbstdarstellung durch Sprache und Sensibilität für andere sind wichtige Vorraussetzungen für die Bildung einer starken, stabilen Ich-Identität, für Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl (vgl. Harnisch 1983, 39).
10 vgl. Kapitel 2.2.1
7
Grünwaldt beschreibt deutlich, wie wichtig Sprache für die Wahrnehmung von Emotionen ist (vgl. Grünwaldt 1984). Ausschlaggebend ist, dass eigene Gefühle sprachlich benannt und unterstützt werden können. Durch diese Fähigkeit können Fremdemotionen leichter verstanden und behandelt werden. Wenn Empfinden formuliert wird, kann ein Gegenüber reagieren und evtl. darauf eingehen. Hierdurch werden Grundsteine des Verstehens untereinander gelegt. In diesem Kontext müssen Ich- und Du-Botschaften 11 erläutert werden, da diese auf Empfindungen abzielen und deutliche Informationen weiterreichen.
„Solche Kommunikation muss zum einen präzise und deutlich sein, und Ich-Botschaften sind dies, weil sie die entscheidende Realität, die das eigene Erleben und Verhalten bestimmt, nicht vertuschen, sondern deutlich mitteilen - eben die eigenen Empfindungen.“ (Nolting 1993, 244) Du-Botschaften werden vom Gegenüber oft kritisierend und provokant verstanden. „Du-Angriffe sind konfliktträchtig, weil sie häufig als Kritik und Heransetzung erlebt werden.“ (Wellhöfer 2001, 36) Die Botschaft an eine Person sollte, um Gegenaggression so wenig wie möglich zu provozieren, die Haltung gegenüber dem Gesprächspartner nicht mit senden. Gerade im Kontext ‚Gewalt und Aggression’ wird deutlich wie hoch der Bedarf einer Förderung des ‚Verstehens’ untereinander - also die Kommunikation - ist.
Dass Kommunikation eine Alternative zur handgreiflichen Auseinandersetzung darstellt, steht wohl außer Frage. Eine naive Formel wie ‚Reden statt schlagen’ trifft die Sache jedoch schon deswegen nicht, weil verbale Gewalt das Ausmaß und die Intensität physischer Gewalt weit übertreffen kann. Es stellen sich aber auch andere Schwierigkeiten bei der Konfliktlösung durch Kommunikation. Die Kommunikationstheoretiker Watzlawick, Beavin und Jackson stellten 1967 die bis heute umstrittene These auf, dass alles Verhalten Kommunikation sei (vgl. Wellhöfer 2001, 38). Unter dieser Prämisse liegt es nahe, bei Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen auch eine Störung der Kommunikation anzunehmen. Dementsprechend kann Kommunikation hier nicht bedingungslos als die alles lösende Alternative angesehen werden. Wenn Kinder und Jugendliche lernen sollen, kommunikativ mit Konflikten umzugehen, müssen sie mit dem nötigen ‚Handwerkszeug’ ausgerüstet werden. Sie müssen wissen, worum es bei der Kommunikation geht, auf welchen Ebenen Störungen auftreten können, wie daraus u. U. eben auch Konflikte entstehen. Sie müssen auch lernen, Konflikte positiv zu betrachten, und gleichzeitig die Gefahren unbewältigter Konflikte erkennen. Es müssen Wege und Mittel aufgezeigt werden, wie sie trotz aller Schwierigkeiten gelöst werden können, ohne Gewalt oder Isolierung. Und nicht zuletzt müssen die Schüler lernen, dieses Wissen in die Tat umzusetzen:
„Ziel der Bemühungen muss es deshalb sein, dem Schüler Verhaltensalternativen aufzuzeigen. Dies macht erforderlich, zusätzlich zu den kognitiven Vorraussetzungen solche Fertigkeiten zu trainieren, die ein sozial kompetentes Verhalten auszeichnen und bei denen verhaltensauffällige, insbesondere aggressive Kinder, Mängel aufweisen.“ ( Petermann 1997, 39)
2.5 ZUSAMMENHÄNGE VON KOMMUNIKATION UND SOZIALEM LERNEN Soziales Lernen:
„Soziales Lernen lässt sich als die Aneignung und Verarbeitung sozialer Wirklichkeit begreifen“ (Balz 2004, 151). Soziales Lernen ist ein Prozess der sich vorwiegend in Interaktion mit anderen Menschen, also in Situationen verbaler und nonverbaler Verständigung vollzieht. In diesem
11 Ich-Botschaften machen Aussagen über das eigene Empfinden und die eigenen Wünsche sowie Motive. Du-Botschaften hingegen machen Aussagen über andere Personen, vornehmlich über ihre Eigenschaften oder ihre Motive.
8
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Tina Steidten, 2005, Kommunikationsförderung durch Rollenspiel - ein Unterrichtsversuch zum Thema Wut, München, GRIN Verlag GmbH
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