0. . E Ei i n nf f ü üh hr ru un ng g: : D Di ie e G Gl lo o c ck ks s e ee e - -S Sc ch hu ul le e i i m m S S p pe e k kt t r ru um m a al l t te e r rn na at t i iv ve e r r u un nd d
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Als ‚Reform- und Alternativschule’ wurde die Glocksee-Schule Hannover in
den Themenkatalog des gleichnamigen Seminars, das dieser Hausarbeit
zugrunde liegt 1 , integriert. Es stellt sich also postwendend die Frage, was die
Glockseeschule besonderes charakterisiert, dass sie mit diesem Prädikat
ausgezeichnet wird. Was genau verbirgt sich hinter dem dualistisch geprägten
Begriff einer Reform- und/oder Alternativschule? Welche Unterschiede weisen
diese Sonderformen im Gegensatz zu den staatlichen Regelschulen auf? Gibt es
überhaupt diesbezügliche generelle Attributierungen? Auf diese mitunter nicht
simpel zu klärenden Fragen werden in dieser Arbeit im Folgenden anhand des
konkreten Beispiels der eben genannten hannoveranischen ‚Freien
Alternativschule’ klärende Antworten gesucht werden.
Alternativschulen verstehen sich als Raum, in dem Kinder, Eltern und
LehrerInnen miteinander leben und voneinander lernen. Vielerlei
Gesellschaftspartizipanten sind gemeinsam für die Organisation, die
Finanzierung und nicht zuletzt für die zu vermittelnden Inhalte verantwortlich.
Die jeweiligen Konzepte beruhen somit auf einem Geben und Nehmen, auf
einem gleichberechtigten und toleranten Umgang mit- und füreinander. Hier
wird bereits deutlich, dass die soziale und kulturelle Integration eines der
Grundmaxime von Alternativschulen darstellt. Tatsächlich berufen sich diese
immer wieder auf die viel stärker aus geprägtere Akzeptanz gegenüber dem
einzigartigen Ich eines jeden Menschen, im Gegensatz zu den ihrer Meinung
nach von Selektion und Desintegration gekennzeichneten staatlichen Schulen.
Ob die manifestierten Thesen der alternativ gestalteten Glockseeschule
wahrhaftig der Realität entspricht, möchte ich in dieser Arbeit überprüfen. Ein
Problem stellt dahingehend die nur bedingt betriebene empirische Forschung
sowie diesbezügliche Ergebnisse und magere Anzahl an Literaturpublikationen
dar. Trotzdem muss der Versuch unternommen werden, zu analysieren, ob die
Glocksee-Schule dem Statuts einer optimalen integrativen Förderung aller
1 Kock, Dr. Renate: „Reform- und Alternativschulen“. Universität zu Köln, Wintersemester 04/05.
3
Kinder gerecht wird. Daher müssen zunächst einige fundamentale Grundbegriffe geklärt und das grundlegende Konzept von Reform- und Alt ernativschulen, falls es ein solches gibt, dargelegt werden, bevor dann ein Einblick in die Geschichte, in das Profil und in den Schulalltag der Glocksee- Schule verschafft wird. Diese Alltagsbeschreibung erfolgt auf der Basis des Buches „ Die Glocksee-Schule. Geschichte-Praxis-Erfahrungen“ 2 der beiden Erziehungswissenschaftlerinnen und Glocksee-Lehrkräfte Ulrike Köhler und Doris Krammling-Jöhrens.
Was die Sonderrolle der Glocksee-Schule in Bezug auf den viel gebrauchten Begriff der Integration also de facto kennzeichnet, was sie in punkto Erziehung zur Toleranz, Mündigkeit und Stärkung des Selbstbildes, von der Regelschule wohlmöglich unterscheidet, sind die zu hinterfragenden Variablen, die dieser Arbeit zu Grunde liegen.
1. . I In nt te e g gr ra at ti io on n u un nd d A Al lt te e r rn na at ti iv ve e S Sc c h hu ul lp pä äd da ag go og gi ik k: :
1
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1.1 Integration: Ein multiperspektivischer Definitionsversuch
Die Grundschule, wie sie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts definiert wurde, ist nicht auf Selektion, sondern auf Integration hin konzipiert worden. Dies wurde auch in den Richtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen als „Vielfalt als Chance und Herausforderung“
3
manifestiert. Der Begriff Integration an sich ist innerhalb der Gesellschaft also durchaus internalisiert, doch manch einer fragt sich trotz alledem, was sich tatsächlich hinter diesem inflationär gebrauchten Abstraktum verbirgt.
Schlägt man in einem gebräuchlichen Nachschlagewerk nach, so findet man unterschiedliche Definitionen. Einerseits sei nach dem ‚Meyers Taschenlexikon’ unter Integration eine „Wiederherstellung einer Einheit,
2
Köhler, U./Krammling-Jöhrens, D.: Die Glocksee-Schule. Geschichte-Praxis-Erfahrungen. Bad Heilbrunn 2000.
3 Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung. Düsseldorf 2003, S. 14 ff.
4
Vervollständigung“ 4 zu verstehen, gleichzeitig sei sie allerdings auch ein „Zusammenschluss von Teilen zu einem Ganzen“ 5 . Dieser, nicht primär auf die Erziehungswissenschaft und Schuldidaktik hin konzipierte B egriff, scheint zwar zunächst äußerst abstrakt, im Kern ist allerdings mitunter exakt das ausgedrückt, was Integration auch in der Institution Schule charakterisiert. Dazu muss an dieser Stelle jedoch auf die pädagogisch und didaktische Genese dieses Begr iffes eingegangen werden.
Das Schlagwort Integration wurde und wird immer wieder speziell mit der Koedukation behinderter und nichtbehinderter Kinder assoziiert. Jene Vorstellungen tauchten bereits in diversen Schriften Comenius’ und Pestalozzis auf, die „das Voneinanderlernen von Kindern unterschiedlicher Coleur“ hervorhoben. Speziell wird die Reformpädagogin Maria Montessori mit dem effektiven und produktiven Miteinanderlernen in heterogenen Gruppen in Verbindung gebracht. Alle jene Vorstellungen strebten nach einem Ideal von Schule, das sich von jeglicher Separierung loslösen, die Unterschiedlichkeit als natürlichen Fakt wahrnehmen und in die heterogenen Lerngruppen integriert sollte. ‚Heterogene Lerngruppen’ – genau dies ist das Schlagwort, das die „Schule der Vielfalt“ 6 kennzeichnet. Denn bei dem Akte des Integrierens geht es nicht ausschließlich um das Miteinbeziehen geistig oder körperlich behinderter Kinder in den ‚Regelunterricht’. Primär geht es bei dieser Diskussion um das Pro und Kontra eines gemeinsamen Lernens und gemeinschaftlichen Zusammenlebens allgemein. „Ziel integrativen Lernens ist daher die lebendige Konfrontation mit dieser Vielfalt, durch die Toleranz, Akzeptanz, Solidarität, Teamgeist, Verantwortung und selbsttätiges Handeln in der gleichzeitigen Auseinandersetzung mit Bildungsinhalten geübt und gelernt werden kann“ 7 . Heutzutage, dies wird durch dieses Zitat offensichtlich, geht es um die Integration aller Kinder, samt ihrer Besonderheiten, Stärken, Schwächen,
4
Meyers Taschenlexikon A-Z. Leipzig, Mannheim 2002, S. 320.
5 Vgl. Meyers Taschenlexikon A-Z, S. 320.
6 Faust-Siehl, Gabriele u.a. (Hrsg.): Die Zukunft beginnt in der Grundschule. Empfehlungen zur Neugestaltung der Primarstufe. Reinbek bei Hamburg 1996, S. 29 ff.
7 Jaumann-Graumann, O.: Integration behinderter Kinder in der Grundschule. In: Einsiedler, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik. Bad Heilbrunn 2001, S. 79.
5
Neigungen und vor allem samt ihrer soziokulturellen Biographien. Jede Schülerin und jeder Schüler unterscheidet sich durch spezielle Charaktereigenschaften von den MitschülerInnen und bedarf deshalb auf sie speziell abgestimmten Förderungsmaßnahmen. Es wird sich zeigen, inwiefern das Konzept der Glockseeschulen dem Tenor gerecht wird, dass eine „im umfassenden Sinn integrative Schule (...) die Besonderheit einzelner“ 8 anerkennt.
1.1.1 Essentielle Lehrerkompetenzen für eine integrative Förderung
Es ist gleich, ob die Lehrkraft an einer Regel-, Sonder- oder Alternativschule unterrichtet. Da eines der in den Richtlinien aufgeführte Grundintention eben in der integrativen Förderung liegt, ist es fundamental, dass die Lehrkräfte ihr Handeln nach speziellen Grundsätzen richtet, die sich in der langen Geschichte der Schulpädagogik entwickelt und bewährt haben. Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung der Kinder dienen diese als fundamentale Orientierungshilfen.
Zweifelsfrei bedarf es einer gut entwickelten und ausgebildeten Empathiefähigkeit, um möglichst rasch die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft jedes Schülers und jeder Schülerin des Klassenverbandes objektiv einschätzen und, daran anknüpfend, ziel- und kindorientierte Förderungsmaßnahmen einleiten zu können. In diesem Zusammenhang muss das Kind in seiner Ganzheit analysiert, also psychische, emotionale, soziale oder physisch- motorische Persönlichkeitsmerkmale sowie die Einzelinteressen, bedacht werden. In jene Analyse müssen soziokulturelle Voraussetzungen involviert werden. Psychologisch gesehen ist eine völlige Persönlichkeitsgenese lediglich in einem harmonischen Lebensumfeld realisierbar. In diesem Kontext sind auch die Berücksichtigung der sozialen und emotionalen Bedürfnisse jedes Kindes zu nennen. An die Analyse anknüpfende Reflexionen über mögliche Förderungsmaßnahmen sind daher obligatorisch. Dies erweist sich dann als äußerst fruchtbar, wenn dies in Kooperation mit den das Kind umgebenden Personen geschieht.
8
Vgl. Faust-Siehl, G. Reinbek 1996, S. 29 ff.
6
Arbeit zitieren:
Berit Schmaul, 2005, Die Glocksee-Schule Hannover im Spektrum integrativer Schulpädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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