Inhaltsverzeichnis
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Einleitung S. 1
1. Die Enzwicklung des Macrinus bis zum Partherfeldzug Caracallas. 2
2. Der Partherfeldzug und die Ermordung Caracallas 4
3. Macrinus als Kaiser 5
3.1 Konflikt mit dem Senat 8
3.2 Partherkrieg und Konflikt mit dem Heer 10
4. Der Fall des Macrinus. 13
5. Fazit 16
6. Literaturverzeichnis 17
6.1 Quellen 17
6.2 Sekundärliteratur 17
6.3 Websites 18
II
Einleitung
Die Herrschaft des Marcus Opellius Macrinus fällt in die Zeit der Severer, einer Dynastie, welche durch die Kaiserproklamation des Septimius Severus im Jahre 193 n. Chr. begründet wurde und mit dem Sturz des Alexander Severus 235 n. Chr. endete. Diese von den Jahren her relativ überschaubare Epoche war dennoch eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. So wurde das Heer zu einer tragenden Säule der kaiserlichen Macht. Der Princeps begab sich damit in Abhängigkeit von seinen Soldaten, eine Entwicklung, die so weit reichte, dass am Ende der Severerzeit mit Maximinius Thrax erstmals ein Soldat selbst auf dem Thron saß. 1 Der Stand der Senatoren verlor zunehmend an Einfluss zugunsten des Ritterstandes. Dieser Umstand belastete auch die Herrschaft des Macrinus in erheblichem Maße. Mit der constitutio antoniana des Caracalla wurde allen freien Bewohnern des Reiches das Bürgerrecht verliehen. Dies aber weniger aus Nächstenliebe, sondern um die maroden Staatsfinanzen durch erhöhte Steuereinnahmen zu sanieren, denn diese waren durch massive Solderhöhung für die Soldaten, vor allem aber durch einen aufgeblähten Verwaltungsapparat und rückläufige Einnahmen aus den Provinzen, ruiniert worden. So geriet das römische Imperium wirtschaftlich in eine Krise. Durch den Mangel an Arbeitskräften sank die Produktion, gleichzeitig kam es zu einer Teuerung bei den Lebensmittelpreisen und zu Aufständen der verarmten Bevölkerung. Mit der Einführung des Antonian, eines Doppeldenares mit dem Silbergehalt von lediglich 1,5 Denaren, versuchte Caracalla der steigenden Staatsausgaben Herr zu werden, leistete aber somit der steigenden Inflation Vorschub. Außenpolitisch geriet das römische Imperium zunehmend in Bedrängnis. Zusätzlich zu den Germanenstämmen im Norden sahen sich die Römer im Osten durch die Parther mit einem Gegner konfrontiert, welcher ihnen militärisch immer stärker zusetzte. Dies ist die Situation in der Macrinus im Jahre 217 n.Chr. zum Kaiser erhoben worden ist. Seine Regentschaft dauerte allerdings nur 14 Monate und daher kann sie hauptsächlich anhand seiner außenpolitischen Leistungen bewertet werden, denn so wie Macrinus der Herrschaft Caracallas ein gewaltsames Ende bereitet hatte, ereilte auch ihn ein ähnliches Schicksal. Die vorliegende Arbeit beschreibt die Herrschaft des Macrinus und zeigt die Gründe für dessen Scheitern auf. Dabei soll auch die Frage eine Rolle spielen, ob Macrinus letztendlich Opfer der äußeren Umstände geworden ist, oder ob ihn zumindest eine Teilschuld an seinem Untergang trifft.
1 Zwar gab es auch schon vorher Kaiser, welche Soldaten waren, wie zum Beispiel Pertinax (126-193 n.Chr.),
jedoch waren diese im Gegensatz zu Maximius Thrax senatorischen Standes.
1
Die Geburtsdaten des Macrinus oder Imperator Caesar Marcus Opellius Severus Macrinus Augustus, wie er mit ausführlicher Herrschertitulatur bezeichnet wurde, sind nicht genau bekannt. In der Literatur finden sich verschiedene Angaben zum Geburtsjahr. Wahrscheinlich wurde er 164 n. Chr. in Ceasarea, dem heutigen Cherchell/Algerien (etwa 90 km westlich von Algier) geboren. 2 Wie Septimius Severus war also auch Macrinus afrikanischer Herkunft, wobei er im Gegensatz zu Severus keine verwandtschaftliche n Beziehungen nach Italien besaß. Während die Severii der regionalen Aristokratie angehörten, stammte die Familie des Macrinus aus der unteren Schicht der Provinzbevölkerung. 3 In der Tat war außer Pertinax, welcher seine „Laufbahn“ als Freigelassener begann, kein Kaiser solch einfacher Herkunft gewesen. „Dies ist vielleicht der merklichste Einschnitt in der soziologischen Entwicklung des Prinzipats“, so Lothar Wickert in seinem RE-Artikel über den „Princeps“. 4 Über das Aussehen des Macrinus ist uns nicht sehr viel bekannt. Nach „mauretanischer Eigenart“ soll er sich laut CASSIUS DIO sein Ohrläppchen durchstochen haben. 5 Allerdings wird man dieses Detail auf Büsten und Skulpturen wohl kaum ausfindig machen können, zumal Herodian in seiner „Geschichte des Kaisertums nach Marc Aurel“ behauptet, Macrinus habe versucht, seine niedere Herkunft zu verbergen. 6 Durchstochen Ohrläppchen müssen als Zeichen niederer Herkunft angesehen werden. Herodian behauptet weiterhin, Macrinus habe mit seiner Art, den Bart zu tragen, versucht, Marc Aurel zu kopieren. 7 Auf Münzbildern differiert die Bartlänge aber erheblich. Trägt Macrinus auf stadtrömischen Münzen einen eher kurzen Bart, ist er auf Münzen aus Antiochia mit langem Bart zu sehen. Da Macrinus während seiner gesamten Regierungszeit nicht ein einziges Mal in Rom gewesen war, und er bei Antiochia sein Hauptquartier hatte, muss man wohl davon ausgehen, dass die Münzen aus Antiochia ein genaueres Bild des Herrschers wiedergeben. 8
Über Macrinus Jugend erfahren wir in der Historia Augusta, dass er sich als Gladiator und Jäger betätigt haben soll. 9 Dies ist, betrachtet man seine niedere Herkunft, durchaus möglich,
2 WEGNER, MAX: Macrinus. In: Das römische Herrscherbild. Abt. III. Bd. 1. Berlin, 1971. S. 131.
3 JOHNE, KLAUS-PETER: Gesellschaft und Wirtschaft des Römischen Reichs im 3. Jahrhundert. Berlin, 1993.
S.202.
4 WICKERT , LOTHAR: Princeps. In: RE XXII.2. Stuttgart, 1954. Sp. 2191.
5 DIO 79,11,1.
6 HEROD. V 2.
7 HEROD. V 2, 3-4.
8 WEGNER, MAX: Macrinus (wie Anm. 2). S. 133.
9 HA, Macr. IV,5-7.
2
allerdings gehört die Vita des Macrinus zu den späten Viten der Historia Augusta, bei denen sich historische Tatsachen mit fiktiven Elementen vermischen. Da die Historia Augusta ein überaus negatives Bild von Macrinus zeichnet und ganze Passagen einfach nicht der Wahrheit entsprechen, muss diese Quelle sehr kritisch betrachtet werden.
Unter Septimius Severus wurde Macrinus schon bald Anwalt des Prätorianerpräfekten Fulvius Plautianus. Er war für ihn als Procurator tätig. Ihm verdankte der spätere Kaiser auch den Aufstieg in den Ritterstand und die Aufnahme in den Staatsdienst. Dank der Intervention des Gouverneurs Lucius Fabius Cilo überstand Macrinus den Sturz Plautianus schadlos. 10 Unter Septimius Severus und Caracalla bekleidete er verschiedene Ämter. So wurde er zum praefectus vehiculorum entlang der via flamina ernannt und war damit Leiter des cursus publicus, der Staatspost. 11 Im Jahre 208 n.Chr. wurde er dann zum Inspekteur der kaiserlichen Purpurgewänder erhoben.
Noch im selben Jahr, am 14. September 208 n.Chr. wurde Marcus Opellius Diadumenianus, der Sohn des Macrinus, geboren. Über die Mutter ist nicht viel in Erfa hrung zu bringen. In seinem Buch über das Privatleben der römischen Kaiser erwähnt DEMANDT wenigstens den Namen von Macrinus’ Frau: Nonia Celsa. 12 Ob sie die Mutter des Diadumenianus war, ist dort aber nicht explizit vermerkt.
Von Caracalla erhielt Macrinus einige kurzbefristete Procuraturen, bis er schließlich 212 n. Chr. zum praefectus praetorio, zum Prätorianerpräfekten ernannt wurde. Diesen Posten bekleidete er zusammen mit Oclatinius Adventus, welcher aus dem Soldatendienst aufgestiegen war. 13 Das Amt des Prätorianerpräfekten war das wichtigste, das der Kaiser vergeben konnte, denn der praefectus praetorio war der Kommandant der im Jahre 2 v.Chr. von Augustus eingeführten kaiserlichen Leibwache. Im Laufe der Zeit erhielt dieser immer mehr Befugnisse sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich, vor allem im Bereich der Gerichtsbarkeit, sodass auch Juristen ohne militärische Erfahrung, wie Macrinus, diesen Posten bekleiden konnten. 14 Macrinus gehörte zwar dem Ritterstand an, war aber kein Soldat. Im Jahre 217 erhielt er die ornamenta consularia, welche ihm den Rang eines Konsul verliehen. Da aber nur Senatoren dieses Amt bekleiden konnten, erhielt er zwar den Status, nicht aber das Amt des Konsuls. Ihm und seinem Sohn wurde in der Folge zudem der Titel vir clarissimus verliehen. Mit dieser Anrede wurden sonst nur Senatoren tituliert. Offiziell hatte
10 FRANKE, THOMAS: Macrinus. In: DNP. Bd. 7. Stuttgart, 1999. Sp. 626.
11 Ebenda, siehe auch: BACKHAUS, RALPH: Grundkurs Rechtsgeschichte WS 2004-2005 - Wichtige Begriffe.
http://www.jura.uni-marburg.de/zivilr/backhaus/info/ws0405/Stichworte.doc, 18.02.2005.
12 DEMANDT , ALEXANDER: Das Privatleben der römischen Kaiser. München, 1997. S. 254.
13 GRANT, MICHAEL: Die römischen Kaiser. Bergisch Gladbach, 1989. S. 163.
14 JOHNE, KLAUS-PETER: Gesellschaft und Wirtschaft. (wie Anm. 3). S. 202 f.
3
Macrinus jedoch nie das Senatorenamt inne, denn dieses konnte in der Regel nur vererbt werden. 15
2. Der Partherfeldzug und die Ermordung Caracallas
Schon im Jahre 216 n.Chr. zog Kaiser Caracalla gegen die Parther. Macrinus war im Hauptquartier in Antiochia als Prätorianerpräfekt bei ihm. Dort hatte er allerdings alles andere als eine sorgenfreie Zeit. Macrinus musste um sein Leben fürchten. Der Kaiser hatte nämlich begonnen, seine Gefolgsleute unter Vorwänden beseitigen zu lassen, und auch Macrinus selbst geriet in das Visier Caracallas. So fiel ihm durch Zufall ein an Caracalla adressierter Brief entweder des Kommandanten der Truppen in Rom Flavius Maternianus oder eines Astrologen des Kaisers in die Hände, in dem er als Verschwörer tituliert wurde. Nur glücklichen Umständen war es zu verdanken, dass Caracalla jenen Brief nicht rechtzeitig zugestellt bekam. Erschwerend kam die Prophezeiung eines Sehers hinzu, laut der Macrinus einmal Kaiser werden würde. 16
So gesehen handelte Macrinus in einem Akt der Notwehr, wie es CHRIST in seiner „Geschichte der Römischen Kaiserzeit“ beschreibt, als er eine Verschwörung zur Beseitigung Caracallas anzettelte. 17 Als Attentäter bestimmte er Julius Martialis. Jener hegte laut DIO einen persönlichen Groll gegen den Kaiser, weil dieser ihm die Position eines centurio verweigert hatte. 18
Am 8. April 217 befand sich Caracalla mit seinem Gefolge auf dem Weg von Edessa nach Carrhae. Glaubt man HERODIAN, so verrichtete der Kaiser gerade seine Notdurft am Wegesrand, als ihn der Dolch des Martialis in den Rücken traf. Doch der Attentäter sollte sein Opfer nicht lang überleben. Ein gezielter Speerwurf der kaiserlichen Leibwächter holte ihn aus dem Sattel, als er versuchte auf seinem Pferd zu flüchten. 19
So waren sowohl Opfer und Täter beseitigt, und Macrinus konnte seinerseits ungehindert tiefe Trauer ob des Todes seines Kaisers vortäuschen und somit seine Beteiligung am Attentat verschleiern.
15 FRANKE, THOMAS: Macrinus. (wie Anm. 10). Sp. 626. Siehe auch: LICHTENBERGER, PETER: Der
Senatorenstand. http://imperiumromanum.com/staat/senat/senat_10.htm, 18.02.2005.
16 DIO 79,4,1-3;5,1-2.
17 CHRIST , KARL: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. München, 1992. S. 625.
18 DIO 79,5,1-2.
19 HEROD. V,13,4-6. Siehe auch DIO 79,5,3-5: dort wird der „Skythe“, welcher den Martialis tötete, sofort von
Tribunen - in der Absicht dem Kaiser zu helfen - umgebracht.
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Martin Schröder, 2005, Herrschaft und Fall des Marcus Opellius Macrinus, München, GRIN Verlag GmbH
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