Inhalt
Einleitung 1
1. Kurzer historischer Überblick über die Entwicklung nichtehelicher
Lebensgemeinschaften 2
2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Deutschland 3
2.1 Lebensformen der 30 bis 34 jährigen Frauen in Deutschland
im Jahr 2000 4
2.2 Einstellungen zu Familie und Eheschließung in Deutschland 5
2.3 Familie und subjektives Wohlbefinden 6
3. Ausprägungsformen nichtehelicher Lebensgemeinschaften und mögliche
Gründe diese einzugehen 7
3.1 Drei Typen nichtehelicher Lebensgemeinschaften 7
3.2 Sechs mögliche Gründe für das Eingehen nichtehelicher Lebens
gemeinschaften 9
4. Ziehen Partner aus einem gemeinsamen Haushalt wirtschaftliche
Vorteile? 10
4.1 Können Paare von einem gemeinsamen Haushalt finanziell profi
tieren - einige theoretische Vorüberlegungen 11
4.2 Können Paare von einem gemeinsamen Haushalt finanziell profi
tieren - einige empirische Anhaltspunkte 12
4.3 Sind nichteheliche Lebensgemeinschaften ein Ersatz für Ehen oder
eine Vorstufe davon? 14
5. Nichteheliche Lebensgemeinschaften und der Diffusionsprozess 15
5.1 Was bedeutet Diffusion? 16
5.2 Die Diffusion nichtehelicher Lebensgemeinschaften in Westdeutschland,
Ostdeutschland und Italien 19
5.2.1 Die Besonderheiten des Diffusionsprozesses 19
5.2.2 Die zentralen Hypothesen 20
5.2.3 Die Ergebnisse 23
6. Fazit 25
Literatur 27
Quellen 28
Presseerzeugnisse 28
Einleitung
Unter der Überschrift: “Demographen stellen das stabile Ehepaar vor”, konnte man am
01. Oktober 2004 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen, welche Vorbedingungen zu besonders stabilen Ehen führen (F.A.Z., 1.10.04). So waren die Demographen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zu dem Schluss gekommen, dass fo lgende Voraussetzungen erfüllt sein sollten: Demnach sollte die Ehepartner eine starke Emotionalität und Sexualität miteinander verbinden. Sie sollten regelmäßig miteinander kommunizieren, über einen positiven Kommunikationsstil verfügen, treu sein, sich gegenseitig unterstützen, gemeinsame Kinder, Freunde und Wohnungseigentum sowie noch keine Scheidung miterlebt haben, ähnlich gebildet und ungefähr gleichaltrig sein, über gemeinsame Interessen und Lebensentwürfe verfügen, religiös gebunden oder traditionell orientiert sein, nicht in Großstädten leben, nicht zu früh geheiratet und vor der Eheschließung bereits eine längere Zeit zusammengelebt haben. Von besonderen Interesse ist an dieser Stelle der letztgenannte Punkt. Noch vor fünfzig Jahren war es i n Deutschland gesetzlich verboten, dass unverheiratete Paare zusammenwohnten. Nach § 180 StGB, dem berühmten “Kuppelparagraphen”, machte sich sogar strafbar, wer Unverheiratete bei sich, z.B. in der Mietwohnung, gemeinsam wohnen lies. Dass eine Meldung wie die obige heute in einer eher konservativen Tageszeitung erscheint, bzw. von einem Bundesinstitut herausgegeben wird, zeigt, dass sich in der Zwischenzeit viel verändert hat. Das Zusammenleben ohne Trauschein, sogenannte nichteheliche Lebensgemeinschaften, ist heute gesellschaftlich Akzeptiert und auch der § 180 StGB wurde “entschärft”. Von den 38,1 Millionen Haushalten die es 2000 in Deutschland gab, be-standen insgesamt fünf Prozent aus nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Rund vier Prozent ohne Kinder und rund ein Prozent mit Kindern (BiB 2004, S.69). Das zeigt, dass sich diese Lebensform, wenn auch bezogen auf die Gesamtzahl aller Haushalte auf einem relativ niedrigen Niveau, in Deutschland etabliert hat. Im Verlauf dieser Arbeit werde ich nun der Frage nachgehen, was nichteheliche Lebensgemeinschaften so besonders macht, wer sie warum wählt, welche Vorteile sie bieten und ob sie als “Ehe auf Probe” gewertet werden können. Weiterhin werde ich exe mplarisch den Diffusionsprozess nichtehelicher Lebensgeme inschaften in Westdeutsch-land, Ostdeutschland und Italien anhand einer Studie von Tiziana Nazio und Hans-Peter Blossfeld darstellen.
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1. Kurzer historischer Überblick über die Entwicklung nichtehelicher Lebensgemeinschaften
Wie bereits in der Einleitung angesprochen, werden nichteheliche Lebensgemeinscha ften in Europa noch nicht lange akzeptiert und praktiziert. Noch in den frühen 1960er Jahren war das Zusammenleben ohne Trauschein in den meisten europäischen Ländern eine Randerscheinung und sogar in Schweden selten, wo nichteheliche Lebensgemeinschaften eine lange Tradition haben (Nazio und Blossfeld 2003, S.48). Ehe und Familie hatten bis zur Mitte der 1960er Jahre einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Heiratsneigung war sehr hoch und noch 1971 heirateten 93 Prozent der Frauen und 87 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben (BiB 2004, S.28). Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom “Golden Age of Marriage”(ebd. S.27). Nichteheliche Lebensgemeinschaften wurden in dieser Zeit in erster Linie von älteren Personen praktiziert, die geschieden oder verwitwet waren und ihre Ansprüche auf Alimente oder Hinterbliebenenrenten nicht verlieren wollten ( Nazio und Blossfeld 2003, S.48). Doch Mitte der 1960er Jahre kam es in vielen Gesellschaften Europas und Amerika zu einem Wandel traditioneller Werte. In Deutschland wurde dieser Wandel besonders getragen von der so genannten 68er-Generation. Die Bedeutung der Ehe als Institution nahm langsam ab, so dass 2002 nur noch 39 Prozent der 18 bis 30 Jähr igen Deutschen in einer Studie die Meinung vertraten, dass dauernd zusammenlebende heiraten sollten (Stat. Bundesamt u.a. 2004, S.542). Da das Zusammenleben eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt, wie z.B. das Zusammenlegen von Ressourcen und den daraus zu verwirkliche nden economies of scale, einer Arbeitsteilung im Haushalt oder das Aufrechterhalten einer relativ sicheren sexuellen Beziehung (vgl. Nazio und Blossfeld 2003, S.57; Light 2004) und nichteheliche Lebensgemeinschaften flexibler als Ehen sind, was in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit von großer Bedeutung ist (Oppenheimer 2003, S.129 u. 131), wird davon ausgehen, dass viele Ehen durch nichteheliche Lebensgemeinschaften ersetzt werden (Bumbass und Sweet 1989; Oppenheimer 2003, S.128). Dabei sind jedoch, zumindest für Europa, gewisse Unterschiede in der Bedeutung und Ausformung nichtehelicher Lebensgemeinschaften zu berücksichtigen. So sind diese in Südeuropa weiterhin sehr selten und werden von einer nur sehr kleinen, relativ abgeschotteten und städtisch lebenden Gruppe praktiziert (speziell für den Italienischen Fall siehe Nazio und Blossfeld 2003, S.77-78). In vielen zentraleuropäischen Ländern wie den Nieder-landen oder Westdeutschland, können nichteheliche Lebensgemeinschaften als ein Vor-
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stadium zur Bildung einer normalen Ehe angesehen werden, die speziell dann umge-wandelt werden, wenn ein Kind unterwegs ist. In Ländern wie Österreich, Frankreich, Groß Britannien, Finnland, Norwegen oder dem ehemals sozialistischen Ostdeutsch-land, sind nichteheliche Lebensgemeinschaften gesellschaftlich akzeptierte Alternativen zu einer Ehe, mit einer einhergehenden hohen Rate an außerehelichen Geburten. In Dänemark und Schweden haben nichteheliche Lebensgemeinschaften sogar einen mit Ehen vergleichbaren normativen Status erreicht, so dass es eher eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, welche Lebensform gewählt wird (Nazio und Blossfeld 2003, S.48).
2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Deutschland
Von den 38,1 Millionen Privathaushalten, die 2000 in Deutschland bestanden, waren 36,1 Prozent Einpersonenhaushalte. Diese setzten sich zusammen, aus Einpersone nhaushalten von Frauen (20,9 Prozent) und Einpersonenhaushalten von Männern (15,2 Prozent). Der größere Anteil allein lebender Frauen hängt vor allem mit ihrer längeren Lebenserwartung und den Kriegsopfern bei den Männern zusammen, die zu unterschiedlichen Geschlechterproportionen in den Altersjahrgängen ab dem 59 Lebensjahr führen. Neben den älteren Menschen bilden besonders auch junge Menschen die noch nicht in den Familienbildungsprozess eingetreten sind, Einpersonenhaushalte. Der zweitgrößte Haushaltstyp bilden die Ehepaare mit Kindern (25,2 Prozent), gefolgt von den Ehepaaren ohne Kinder (24,8 Prozent), deren Anteil vor allem deshalb so hoch ist, da hier auch die Ehepaare gezählt werden, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Zusammen bilden die Ehepaare also 50 Prozent aller privaten Haushalte, was relativ deutlich zeigt, dass die Institution Ehe, allen Unkenrufen zum Trotz, nach wie vor von großer Bedeutung ist. An vierter Stelle kommen die Alleinerziehenden mit 5,8 Prozent und bereits an fünfter Stelle die nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit insgesamt 5 Prozent, also mit den Alleinerziehenden fast gleich auf. Die nichtehelichen Lebensgemeinschaften wiederum splitten sich auf in solche ohne Kinder (3,9 Prozent) und solche mit Kindern (1,1 Prozent). Es folgen noch sonstige Haushalte ohne Kinder (1,4 Prozent), Familien mit nicht mehr ledigen Kindern (0,9 Prozent) und Haushalten mit drei und mehr Generationen (0,8 Prozent)(alle Zahlen BiB 2004, S.69). Diese Zahlen zeigen, dass nichteheliche Lebensgemeinschaften mittlerweile ein fester Bestandteil der Haushaltstypen in Deutschland sind und öfter vorkommen, als Familien, in denen drei Gene-
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rationen unter einem Dach leben. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass nichteheliche Lebensgemeinschaften in bestimmten Altersklassen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Lebensform gewählt zu werden, als in anderen. Besonders in der Zeit des Übergangs von der Jugend zum Erwachsensein treten nichteheliche Lebensgemeinschaften auf und hier speziell dann, wenn die Schule beendet wird und ein Studium oder eine Arbeit aufgenommen wird (Nazio und Blossfeld 2003, S.50; Sassler 2004; Bumpass und Sweet 1989; Xie u.a. 2003; Oppenheimer 2003).
2.1 Lebensformen der 30- bis 34-jährigen Frauen in Deutschland im Jahr 2000 Eine Altersgruppe, die zwar bereits in die Familienbildungsphase eingetreten ist, aber aufgrund der heutigen längeren Ausbildungszeiten dennoch als relative “Familienanfä nger” betrachtet werden kann, bilden die 30- bis 34-jährigen Frauen. In Westdeutschland waren 2000 51,2 Prozent von Ihnen verheiratet und hatten Kinder, 11,7 Prozent waren verheiratet und hatten keine Kinder, zusammen also 62,9 Prozent verheiratete. 14 Prozent lebten allein und bereits 10,7 Prozent lebten in nichtehelichen Lebensgemeinscha ften, die sich wiederum aufspalteten in solche mit Kindern (3,2 Prozent) und solche ohne Kinder (7,5 Prozent). Dann folgten die Alleinerziehenden mit 7,4 Prozent, jene, die noch bei den Eltern lebten mit 3,7 Prozent und die sonstigen Lebensformen mit 1,3 Prozent. Es zeigt sich also, dass, zumindest in Westdeutschland, die nichtehelichen L ebensgemeinschaften in dieser relativ wichtigen Altersgruppe die dritt- bzw. vierthä ufigste Lebensform darstellen, noch vor den Alleinerziehenden, von denen es zu einem so frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht viele geben kann. Es zeigt sich aber auch, dass bereits in dieser Altersgruppe die meisten Frauen verheiratet sind, was auf eine weiterhin relativ hohe Attraktivität dieser Lebensform verweist. Ein etwas anderes Bild zeigt sich auch aufgrund der unterschiedlichen Geschichte in Ostdeutschland. Hier waren 2000 53,1 Prozent der jungen Frauen zwischen 30 und 34 Jahren verheiratet und hatten Kinder, 4,5 Prozent verheiratet und ohne Kinder, zusammen also 57,6 Prozent verheiratete. Damit waren in Ostdeutschland zwar weniger Frauen verheiratet, aber wenn sie geheiratet hatten, hatten sie auch mindestens ein Kind. In nichteheliche n Lebensgemeinschaften lebten insgesamt 17,7 Prozent, 13,2 Prozent mit Kindern und 4,5 Prozent ohne. Hier zeigt sich die bereits in Kapitel 1 angesprochene hohe Akzeptanz nichtehelicher Lebensgemeinschaften gegenüber Ehen in Ostdeutsch-land, die auch dann aufrecht erhalten werden, wenn Kinder geboren werden. Auf diese
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Besonderheit werde ich aber an späterer Stelle noch etwas genauer eingehen. Da nichteheliche Lebensgemeinschaften in aller Regel weniger stabil sind als Ehen (Bumpass und Sweet 1989, S.615 u. 624), verwundert es nicht, dass auch der Anteil Alleinerziehender mit 14,2 Prozent in Ostdeutschland höher war als in Westdeutschland. Nur 7,6 Prozent lebten allein, 2,1 wohnten noch bei ihren Eltern und die sonstigen Lebensformen machten 0,8 Prozent aus (alle Zahlen aus BiB 2004, S.69 u.71).
2.2 Einstellungen zu Familie und Eheschließung in Deutschland
Wie sehen nun die Einstellungen der “Familienanfänger” in Deutschland bezüglich Familie und Partnerschaft aus? Werden Familien noch gewünscht? Sollten Paare, die bereits längere Zeit zusammenwohnen und/oder Kinder haben heiraten? Der Anteil der jungen Erwachsenen bis 30 Jahren, der angibt, dass man eine Familie zum Glück braucht, ist in Westdeutschland seit 1988 von nur 43 Prozent auf 70 Prozent 2002 angestiegen. Dabei war von 1980 bis 1988 ein Abwärtstrend von 55 Prozent auf die besagten 43 Prozent zu beobachten. Trotz eines leichten Rückgangs von 1991 auf 1992 um zwei Prozentpunkte auf 57 Prozent, ist der Anteil dann aber bis 2000 kontinuierlich gestiegen und von 2000 auf 2002 bei 70 Prozent stabil geblieben. In Ostdeutsch-land waren 1991 72 Prozent der befragten jungen Erwachsenen bis 30Jahre der Meinung, dass man eine Familie zum Glück braucht. Dieser Wert ist dann bis 1992 stabil geblieben, 1996 auf 68 Prozent abgesagt, 2000 wieder auf 70 Prozent angestiegen und lag 2002 erneut bei 68 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass in den letzten Jahren relativ stabil ungefähr 70 Prozent der Befragten im Alter bis 30 Jahren in Ost und West einer Familie eher positiv gegenüber standen. Mit Zuwächsen im Westen und einer leichten Abnahme im Osten. Betrachtet man die Zahlen für die Altersklasse der 31- bis 45jährigen so zeigt sich in Westdeutschland 2002 ein Einbruch gegenüber den jüngeren Altersklassen von 70 Prozent auf 63 Prozent und in Ostdeutschland ein leichter Anstieg von 68 Prozent auf 72 Prozent. Doch bereits bei den 46- bis 60-jährigen sind 71 Prozent der westdeutschen und 84 Prozent der ostdeutschen Befragten der Meinung, dass eine Familie zum Glück dazugehört. Die Familie scheint trotz eines relativ starken Einbruchs bei den 31- 45jährigen Westdeutschen, Deutschlandweit eine relativ beliebte und erstrebenwerte Familienform zu sein. Von einem Ende der Familie kann also aus dieser Perspektive nicht die Rede sein. Anders sieht es dann bereits bei der Frage aus, ob dauernd zusammenlebende Paare heiraten sollten. Hier antworteten nur 39 Prozent der westdeut-
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Quote paper:
Manuel Siegert, 2004, Die Entwicklung, Ausformung und Diffusion nichtehelicher Lebensgemeinschaften, Munich, GRIN Publishing GmbH
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