Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
1. Die Lernzielorientierte Methode im Philosophieunterricht 3
1.1 Historische Entwicklung und Vertreter 3
1.2 Merkmale und Planung 3
1.3 Fallbeispiel: Unterrichtseinheit „Kants Erkenntnistheorie“ 5
1.4 Chancen und Probleme 7
2. Die Handlungsorientierte Methode im Philosophieunterricht 8
2.1 Historische Entwicklung und Vertreter 8
2.2 Merkmale und Planung 8
2.3 Fallbeispiel: Unterrichtseinheit „Wege zur Philosophie“ 10
2.4 Chancen und Probleme 14
3. Fazit und Ausblick 17
4. Literaturverzeichnis 18
X. Anhang
a) Tafelbild zur Erkenntnistheorie Immanuel Kants
b) Liedtext „Woraus besteht unsere Welt?“
c) Manuskript „Das Philosophische Gericht: Der Fall Marx und Engels“
d) Collage „Glück in Alltag und Philosophie“
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0. Einleitung
Sag es mir
Und ich werde es vergessen. Zeige es mir Und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich Und ich werde es verstehen. Lao Tse
Im September 2003 habe ich ein Praktikum am Liceo „G. e. Q. Sella“ absolviert, einem staatlichen, allgemeinbildenden Gymnasium in Italien. Einen Monat lang durfte ich im Philosophieunterricht der Oberstufe dieser Schule hospitieren sowie eigene Stunden gestalten und durchführen. Bei der Hospitation fiel mir auf, dass die italienischen Philosophielehrer im Allgemeinen den Lernzielorientierten Unterricht, eine eher lehrerzentrierte, zweckrationale Methode, dem Handlungsorientierten Unterricht, einer eher schülerzentrierten, offenen Methode, vorzogen. Im Folgenden sollen die beiden Methoden theoretisch anhand ihrer jeweiligen historischen Entwicklung und Vertreter sowie ihrer Merkmale und Planung dargestellt werden. Berücksichtigt werden dabei vor allem Forschungsbeiträge aus der allgemeinen Didaktik, wie von Herbert Gudjons, Werner Jank, Hilbert Meyer, Ingbert Martial, aber auch aus der Philosophiedidaktik, wie von Wulff D. Rehfus und Ekkehard Martens. Zur Veranschaulichung der Methoden werden zwei Beispiele aus der Praxis des Liceo herangezogen, und zwar eine konventionelle Philosophiestunde zur Erkenntnistheorie Immanuel Kants und ein von mir selbst durchgeführtes Unterrichtsprojekt zu verschiedenen Herangehensweisen an die Philosophie. Am Ende sollen die Chancen und Probleme des Lernzielorientierten und Handlungsorientierten Unterrichts in Theorie und Praxis aufgezeigt und ein nicht nur auf das italienische Schulsystem bezogener Ausblick gegeben werden.
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1. Die Lernzielorientierte Methode im Philosophieunterricht
1.1 Historischer Hintergrund und Vertreter
Lernzielorientierter Unterricht bezeichnet ein Konzept, bei dem durch eine möglichst transparente und präzise Festlegung der im Unterricht anzustrebenden Ziele und durch die empirisch kontrollierte Zuordnung von Mitteln (= Inhalte, Methoden, Medien) die zweckrationale Steuerung der Unterrichtsabläufe verbessert werden soll. (Jank/ Meyer 5 2002, 299)
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Ära der Industrialisierung, gewann der Lernzielorientierte Unterricht besonders in Form des Frontalunterrichts Bedeutung als Instrument zur „Bildung der Massen“ (ebd., 186), vor allem der Arbeiterklasse. Ziele dieser Unterrichtsmethode waren die Kulturtechniken einzuüben, das Sprachvermögen zu schulen, Realienkenntnisse zu vermitteln, aber auch Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Fleiß und Gehorsam zu trainieren sowie zur Disziplin und Einordnung im Obrigkeitsstaat zu erziehen (cf. ebd., 186). Theoretisch wurde das Modell des Lernzielorientierten Unterrichts von dem deutschen Philosophen und Pädagogen Johann Friedrich Herbart begründet. Herbart plädierte für das Lehrziel der sittlichen Erziehung und vertrat den Standpunkt, sittliches Verhalten werde durch Einsicht, diese wiederum durch systematische pädagogische
Anleitung im Unterricht erreicht (cf. Gudjons 7 2002, 96). Seine Beschreibung der Erkenntnisstufen des „Aufnehmen(s), Denken(s), Verarbeiten(s) bis zum Anwenden“ (ebd., 97) wurde später von dessen Schülern Tuiskon Ziller und Wilhelm Rein zu einem rigiden Unterrichtsmodell weiterentwickelt (siehe 1.2). Obwohl der Lernzielorientierte Unterricht heute nicht mehr als politisches Repressionsinstrument dient, findet er in der Praxis noch häufig Anwendung.
In der Philosophiedidaktik findet sich insbesondere das Prinzip der kognitiven Lernzielorientierung im bildungstheoretischen Ansatz von Wulff D. Rehfus wieder. Nach diesem soll sich der Philosophielehrplan und -unterricht an den inhaltlichen und methodischen Grundproblemen der akademischen Philosophie orientieren, das heißt es wird eine Wissensvermittlung auf der Grundlage der philosophischen Tradition angestrebt und deren Methodik durch den Bereich der Logik abgedeckt. Wichtige methodische Verfahren sind hierbei die Arbeit mit Texten der philosophischen Tradition, der Nachvollzug klassischer philosophischer Gedanken und Argumentationen, die Beschäftigung mit der Metaphysik sowie die Einübung in den methodischen Zweifel (cf. Rehfus 1986, 99ff.).
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1.2 Merkmale und Planung
Folgende Merkmale sind für den Lernzielorientierten Unterricht wesentlich:
• Ziel des Lernzielorientierten Unterrichts ist die Vermittlung beziehungsweise Aneig-
nung von Verhaltensweisen und Lerninhalten. Dabei wird unterschieden zwischen den fachlichen Lernzielen (Fachwissen) und den allgemeinen Lernzielen folgender Dimensionen (cf. Martial 2002, 236ff.):
- der kognitiven Lernziele, die sich auf den „Erwerb intellektueller Fähigkeiten“ beziehen (nach Bloom),
- der affektiven Lernziele, die sich auf „Veränderungen im Bereich der Gefühle, Werte, Einstellungen und Verhaltenorientierungen“ erstrecken (nach Krathwohl), - der psychomotorischen Lernziele, die „die Handhabung von Gegenständen und die Ausübung körperlicher Aktivitäten“ zum Gegenstand haben (nach Dave) sowie - der sozialen Lernziele, die den Umgang mit anderen in der Gemeinschaft betreffen.
• „Die Wirklichkeit, die durch das methodische Handeln von Lehrern und Schülern im
Unterrichtsprozess hergestellt wird, ist überwiegend sprachlich (und abstrakt; S.G.)“
(Meyer 7 1994, 182), das heißt sie steht kaum im Zusammenhang mit der alltäglichen Erfahrungswelt.
• Eine häufig gewählte Sozialform ist der Frontalunterricht, da der Lehrer hier den Un-
terrichtsablauf genauer planen und kontrollieren kann. Er „übernimmt wesentliche Steuerungs-, Kontroll- und Bewertungsaufgaben (und) [...] die Kommunikation zwischen (...) (ihm; S.G.) und den Schülern steht im Vordergrund“ (ebd., 182).
• „Typische Medien sind Tafel, Schulbuch, Arbeitshefte, Polylux, Anschauungsstafeln
usw.“ (ebd., 182).
Die zweckrationale Steuerung zeigt sich besonders in der Unterrichtsplanung/ -vorbereitung, die vor allem der Lehrer übernimmt und dessen Aufgaben darin bestehen (cf. Martial 2002, 242):
die Unterrichtsziele festzulegen (Intentionalität), - denInhalt festzulegen (Thematik), - dieMethode/ Sozialform zu wählen, - dieLehrmittel zu wählen (Medien) sowie - die Lehrer-Schüler-Interaktion und Schüler-Schüler-Interaktion zubeachten. -
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Arbeit zitieren:
Sophia Gerber, 2004, Methoden des Philosophieunterrichts - Lernziel- und Handlungsorientierter Philosophieunterricht in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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