*OLHGHUXQJ
1. Einleitung
2. Sozialisation
2.1. Begriff 2.2. Die Rolle des Geschlechts als Teil der Persönlichkeit
3. Die Geschichte der Erziehungsratschläge von damals bis heute
4. Typisch männlich, typisch weiblich
4.1. Überblick über die Ergebnisse der empirischen Forschung 4.1.1. 6R]LDOYHUKDOWHQ .RJQLWLYH)lKLJNHLWHQ 6SH]LILVFKH(LJHQVFKDIWHQGHU*HVFKOHFKWHU )D]LW
4.2. Die Rolle der Erziehung 'HU(LQIOXVVYRQ6R]LDOLVDWLRQVLQVWDQ]HQ 'LH)DPLOLH gIIHQWOLFKH(LQULFKWXQJHQ
5. Geschlechtsspezifische Erziehung in verschiedenen Entwicklungsphasen 1HXJHERUHQHQVWDGLXP 6lXJOLQJVDOWHU .OHLQNLQGDOWHU 9RUVFKXODOWHU
6. Zusammenfassung und Resümee
7. Literaturverzeichnis
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In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der Diskussion um Unterschiede zwischen Mann und Frau, bzw. Mädchen und Jungen auseinander setzen. Leider geht diese Diskussion meistens einher mit der Abwertung des weiblichen und der Aufwertung des männlichen Geschlechts. Mich interessiert hier ganz besonders die Frage, was ein Mädchen zu einer „weiblichen“ Frau macht und was einen Jungen dazu bringt, sich „wie ein richtiger Mann“ zu benehmen oder auch nicht. Erziehen wir es unseren Kindern an? Ist das alles eine Frage des biologischen Geschlechts? Oder doch eine Mischung aus beiden Faktoren? Im Folgenden möchte ich mich mit diesen Fragen beschäftigen.
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Zu Beginn scheint es mir sinnvoll, Sozialisation als solches darzustellen. Helga Bilden gibt in ihrem Text folgende Definition:
6R]LDOLVDWLRQRGHU(QWZLFNOXQJYHUVWHKHLFKDOVGHQ3UR]HVVLQGHPDXVHLQHP 1HXJHERUHQHQ HLQ LQ VHLQHU *HVHOOVFKDIW KDQGOXQJVIlKLJHV 6XEMHNW ZLUG XQG EOHLEW 6LH ILQGHW VWDWW LQGHP GDV VLFK ELOGHQGH ,QGLYLGXXP ]XQHKPHQG DNWLY WHLOKDWDQGHQVR]LDOHQ3UDNWLNHQLQGHQHQVLFKGLH*HVHOOVFKDIWSURGX]LHUWXQG YHUlQGHUWYJO%LOGHQLQ+XUUHOPDQQ8OULFK6
Die Microsoft Encarta 2001 als universelles Nachschlagewerk gibt unter dem Stichwort „Sozialisation“ folgende Erklärung:
6R]LDOLVDWLRQ DXFK 6R]LDOLVLHUXQJ RGHU 9HUJHVHOOVFKDIWXQJ %H]HLFKQXQJ IU GHQ3UR]HVVGHU(LQJOLHGHUXQJHLQHV0HQVFKHQLQHLQHVR]LDOH*UXSSHE]ZLQ GLH*HVHOOVFKDIW,QGLHVHP6R]LDOLVDWLRQVSUR]HVVZHUGHQGLH9HUKDOWHQVZHLVHQ
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HUOHUQW GLH GDV ,QGLYLGXXP ]XU (UIOOXQJ VR]LDOHU 5ROOHQ XQG ]XP (UZHUE VHLQHU NXOWXUHOOHQ ,GHQWLWlW EHQ|WLJW ,Q GHU DXFK DOV SULPlUH 6R]LDOLVDWLRQ EH]HLFKQHWHQ IUKNLQGOLFKHQ 6R]LDOLVDWLRQ ZHUGHQ EHUHLWV XQEHZXVVW
JUXQGOHJHQGH 9HUKDOWHQVZHLVHQ IU GLH (QWZLFNOXQJ GHV 0HQVFKHQ ]X HLQHU VR]LRNXOWXUHOOHQ 3HUV|QOLFKNHLW HUOHUQW $OV EHZXVVW HU]LHKHQGH 6R]LDOLVDWLRQV LQVWDQ]HQ JHOWHQ )DPLOLH 6FKXOH %HWULHE XQG DQGHUH JHVHOOVFKDIWOLFKH ,QVWLWXWLRQHQ
Beide Definitionen sagen also, dass es für das Individuum darum geht, eine Persönlichkeit zu entwickeln. Als allgemein psychologischer Begriff meint Persönlichkeit die Summe der Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster einer Person, also das, was die einzelne Person ausmacht, sie von anderen Menschen unterscheidet. (vgl. Microsoft Encarta 2001, Stichwort „Persönlichkeit“) Dies möchte ich als Grundlage für meine weiteren Darstellungen nehmen.
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Das biologische Geschlecht ist im Normalfall für das ganze Leben festgelegt. Das macht es zu einem wichtigen Teil der Persönlichkeit. Diese Wichtigkeit ist ein Grund dafür, dass sich die Sozialisationsforschung schon seit langer Zeit damit beschäftigt, wie es zum Erwerb von Geschlechtsrollen und geschlechtstypischem Verhalten kommt. (vgl. Tillmann, S. 41)
Die englische Sprache sieht eine Trennung vor von „sex“ für das biologische Geschlecht, und „gender“ für das soziale. Auch für die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ gibt es zwei Varianten (male/masculine und female/feminine). Die deutsche Sprache hingegen sieht sowohl für das biologische als auch für das soziale Geschlecht ein und denselben Begriff vor, der leicht zu Verwirrungen führen kann. Auch gibt es keine Differenzierung von „männlich“ bezüglich des biologischen Geschlechts und „männlich“ bezüglich des Sozialverhaltens.
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Schon in der Sprache ist bezüglich der Unterschiede der Geschlechter also eher eine Zuordnung zur Biologie zu vermuten.
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Das Kapitel 9.2 mit dem Titel „Alles im Griff? - Jungen- und Mädchenerziehung in Ratgebern“ in Horstkemper/Zimmermann gibt einen sehr unterhaltsamen Überblick über die empfohlene Art und Weise der Erziehung von Jungen und Mädchen, begonnen am Ende des 18. Jahrhunderts.
In der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts stand die Aufklärung im Vordergrund der Ratgeberliteratur. Die Gleichheit der Geschlechter wurde naturrechtlich begründet und eine Gleichstellung von Jungen und Mädchen hinsichtlich der Bildung wurde denkbar (Lindau-Bank & Zimmermann, S. 137). Ä|IIQHW 0lQQHU 'HU MHW]LJHQ ZHLEOLFKHQ -XJHQGXQVHUH (GXFDWLRQV XQG /HKUDQVWDOWHQ XQG HUODXEW LKU DQ GHU (U]LHKXQJ XQG GHP 8QWHUULFKWH 7KHLO ]X QHKPHQ RKQH DXFK YRQ GHU )XUFKW YRU QDFKWKHLOLJHQ )ROJHQ DEZHQGLJPDFKHQ]XODVVHQ³(v.Hippel, S. 144f).
Damit begann ein Kampf um die Teilnahme der Mädchen an der Bildung, der „traditionelle pädagogische Ansätze brüchig und Mädchenerziehung zum Problem, zum Beratungsproblem werden (...)“ (Lindau-Bank/Zimmermann, S. 137) lies.
Die Idee der möglichen Gleichberechtigung von Mädchen wird bei Prechtl (1804) scheinbar wieder aufgenommen: „...'HU DOOJHPHLQH (U]LHKXQJV]ZHFN LVW IU GHQ 0HQVFKHQ XQG OHLGHW GDKHU GXUFK GLH *HVFKOHFKWHUYHUVFKLHGHQKHLW NHLQH 9HUlQGHUXQJ³ (Prechtl, S.311). Dieser scheinbar gute Ansatz wird jedoch bereits drei Seiten später wieder verworfen. Dort möchte er eine Unterscheidung in der Erziehung von Mädchen und Jungen, die sich aus der gesellschaftlichen Stellung und der biologischen Bestimmung der Frau ergebe.
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Es ginge in der Erziehung der Frau nicht darum, Mädchen hin zu einer Annäherung zur Männlichkeit zu führen, denn darin zeige sich nur die „Hässlichkeit des Weibes“ (vgl. Prechtl, S. 329). Auch wird der weibliche Charakter beschrieben, was Prechtl wieder zurück fallen lässt in altbekannte Denkmuster: Ä'LH 7URFNHQKHLW XQG GHU 7LHIVLQQ ZLVVHQVFKDIWOLFKHU *HJHQVWlQGH NRQWUDVWLUHQ ]X VHKU PLW GHQ VDQIWHQ OHLFKWHQ *UXQG]JHQ GHV ZHLEOLFKHQ .DUDNWHUV DOV GDVV VLH QLFKW DXI GLH ZHLEOLFKH 6FK|QKHLW QDFKWKHLOLJZLUNHQVROOWHQ³(ebenda, S. 325).
Diese traditionellen Werte, wie sie hier von Prechtl und von Hippel vertreten werden, haben Bestand bis weit in die sechziger Jahre hinein. Im Werk von 1962 von Schlisske heisst es, es sei eben so „..., dass bei Frauen das Gefühl und bei Männern der Verstand stärker ist“ (Lindau-Bank/Zimmermann, S.138). Die Rollenaufteilung, nach welcher die Kinder in den späten Sechzigern noch erzogen wurden, macht Ginott deutlich, indem er schreibt, was passiert, wenn die Rollen vertauscht würden:
Ä.LQGHU DXV VROFKHQ +lXVHUQ ZDFKVHQ PLW ZHQLJ $FKWXQJ XQG %HZXQGHUXQJ IU 0lQQHU DXI -XQJHQ ZLH 0lGFKHQ VHKHQ EHLGH GHQ 9DWHU GXUFKGLH$XJHQ GHU 0XWWHU HLQHQ VHQ QXU KDOEGXUFKEDFNHQHQ -XQJHQ HLQHQ JXWPWLJHQ 7|OSHO HLQH .DULNDWXU YRQ HLQHP 0DQQ 6|KQH XQG 7|FKWHU ZHUGHQ EHLGH XQJHVXQG EHHLQIOXW YRQ GHP 9RUELOG HLQHV VFKZDFKHQ 9DWHUV XQG HLQHU KHUUVFKHQGHQ0XWWHU³(Ginott, S. 104).
Doch bereits kurz nach erscheinen des Ratgebers von Ginott zeigt sich eine Veränderung. Ruth Dirx schreibt 1970, mit Puppen spielende Jungen sollten dahingehend betrachtet werden, dass aus solchen Jungen einmal Väter werden würden, die ihre Kinder umsichtig und liebevoll betreuen (vgl. Dirx, S. 147). Ach die Mädchen, die sich gern mit technischen Dingen beschäftigen, sollen daran nicht gehindert werden (ebenda). Allerdings geht diese Veränderung in eine andere Richtung als vermutet. Mit ihrem Grundsatz: „Erzieht die Jungen wie Mädchen, und die Kriminalität wird merklich absinken“ (ebenda, S. 147). Ihre Zielsetzung ist also nicht eine Veränderung in der Erziehung von Mädchen und Jungen, sondern lediglich eine Angleichung, die Jungen zu einer Sanftheit
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führen soll und den Anteil der Jungen und Männer an der Kriminalität senken soll.
Bezüglich der Identitätsfindung machen es sich die Autoren der End-Sechziger relativ leicht. In Angelegenheiten der Jungenerziehung brauche der Vater nur zu akzeptieren, dass sein Sohn Neigungen verspüre, ihn nachzuahmen (vgl. Ginott 1969). Wenn die Söhne ÄPLWLKUHP9DWHUDP$UEHLWVSODW]ZHLOHQXQG LKQ EHL VHLQHU $UEHLW RGHU SROLWLVFKHQ 7lWLJNHLW EHREDFKWHQ GUIHQ VR IKOHQ VLH GHQ 6WRO] XQG GDV ,QWHUHVVH GLH HLQ 0DQQ VHLQHU $UEHLW XQG GHU *HVHOOVFKDIWHQWJHJHQEULQJW³ (ebenda, S.103).
Bei der Erziehung der Töchter reiche aber eine blosse Nachahmung nicht aus, sie sollen zielgerichtet erzogen werden, d.h. angeleitet werden, zu nähen, zu stricken und den Haushalt zu führen. Ä'LHV LVW 0XWWHUV JROGHQH =HLW LKUH 7RFKWHU DQ GHU JURVVHQ%HIULHGLJXQJWHLOQHKPHQ ]XODVVHQGLHGDULQOLHJWHLQ 0lGFKHQHLQH)UDXHLQH0XWWHU]XVHLQ³ (ebenda).
Abschliessend für die siebziger Jahre soll hier Ginotts Warnung vor den Veränderungen innerhalb der traditionellen Rollenbilder stehen. Ä,Q GHU PRGHUQHQ )DPLOLH VLQG GLH 5ROOHQ YRQ 9DWHU XQG 0XWWHU QLFKW PHKU VR DXVJHSUlJW 9LHOH )UDXHQ DUEHLWHQ LQ GHU :HOW GHU 0lQQHU XQG YLHOH0lQQHUEHVRUJHQPWWHUOLFKH%HVFKlIWLJXQJHQZLH)WWHUQ7URFNHQOHJHQ XQG %DGHQ GHV 6lXJOLQJV 0|JHQ PDQFKH 0lQQHU GLHVH QHXHQ 0|JOLFKNHLWHQ ]XHLQHPHQJHUHQ.RQWDNWPLWLKUHQNOHLQHQ.LQGHUQEHJUHQHVEHVWHKWHEHQ GRFKGLH*HIDKUGDVVGDV%DE\VFKOLHOLFK]ZHL0WWHUEHNRPPWDQVWDWWHLQHQ 9DWHUXQGHLQH0XWWHU³(ebenda, S. 100).
Die Versorgung des Säuglings ist demnach weiterhin eine typisch weibliche Tätigkeit. Männer, die dieser Tätigkeit nachgehen, verändern demnach nicht das Vorbild für die heranwachsenden Jungen, sondern werden zu Müttern.
In den 80er und 90er Jahren kann man einen Abschied von den bisherigen Rollenbildern verzeichnen. So schreibt Peter Struck 1993: Ä0RGHUQH(U]LHKXQJVROOWHGLH5ROOHQYLHOIDOWLQGHU3HUV|QOLFKNHLWGHV MXQJHQ 0HQVFKHQ ]XP (U]LHKXQJV]LHO PDFKHQ GD]X JHK|UHQ GDQQ VR]LDOH
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Arbeit zitieren:
Mandy Hibbeler, 2002, Geschlechtsspezifische Sozialisation, München, GRIN Verlag GmbH
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